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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Coffee to go again - Eine Studentin gegen die Einwegbecherflut


von Cookie
02.10.2015
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Sie herzustellen verbraucht jedes Jahr 43.000 Bäume, 1,5 Milliarden Liter Wasser, 320 Millionen kWh Energie und 22.000 Tonnen Rohöl und sorgt für einen Ausstoß von 111.000 Tonnen CO2-Emissionen. Und dabei werden sie im Schnitt gerade mal 15 Minuten lang benutzt, bevor sie im Müll, oder schlimmer noch, in der Natur landen. Die Rede ist von Coffee to go-Bechern, die immer beliebter und somit zu einer immer größeren Umweltbelastung werden. Dabei lässt sich ganz leicht etwas gegen die Einwegbecherflut unternehmen, indem man einfach seinen eigenen Becher mitbringt. Dafür, dass das in Zukunft mehr Menschen tun, sorgt die Münchner Studentin Julia Post mit ihrem Projekt Coffee to go again. Gastronomiebetriebe, bei denen man seinen eigenen Becher auffüllen lassen kann, können Kunden mit dem Coffee to go again Sticker darauf hinweisen. Wie es zu dieser Projektidee kam, wie die Reaktionen darauf sind und was im Rahmen des Projektes noch geplant ist, verrät Julia der WWF Jugend im Interview.

(c) Julia Post

Wie ist dein Projekt Coffee to go again entstanden?

Als begeisterte Kaffeetrinkerin habe ich mir meistens täglich in meiner Mittagspause einen Coffee to go gegönnt. Dabei geriet immer häufiger mein Blick auf die Stapel an Becher und Plastikdeckel, die ganzen Rührstäbchen und so weiter. Das konnte ich mit meinem grünen Gewissen nicht mehr vereinbaren und habe ab dann meinen eigenen Becher mitgenommen. Aus Interesse habe ich dann mal im Internet recherchiert: 23 Milliarden Einwegbecher landen weltweit jedes Jahr auf dem Müll. Da dachte ich mir: Man müsste einfach einen neuen Trend setzen. Die Umstellung ist ja definitiv machbar. Und das ermutigte mich auch, als Einzelperson etwas ausrichten zu können. Schließlich geht es bei meinem Projekt mehr darum, eine Idee zu verbreiten.

Wie haben die Gastronomiebetreiber auf dein Projekt reagiert? Ich habe neulich erst gelesen, dass es Bedenken gibt, was die Hygiene betrifft, wenn Leute ihre eigenen Kaffeebecher zum Auffüllen über die Theke reichen. Hast du dieses Argument auf der Suche nach Projektpartnern auch zu hören bekommen?

Ja, sehr häufig sogar. In der Tat ist das ein Thema in diesem Zusammenhang. Als gelernte Hotelfachfrau kenne ich die Arbeitsabläufe und die Hygienevorschriften in gastronomischen Betrieben. Bei italienischen Kaffeemaschinen werden Kaffee und Milch beispielsweise eh in den Metallkännchen zubereitet, bei Vollautomaten ist je nach Höhe auch ein Abstand zum mitgebrachten Becher gewahrt. Muss man den Mehrwegbecher aber unter die Maschine „quetschen“ wird es dann wirklich kritisch. Ich würde mir in so einem Fall einfach behelfen, indem ich den Kaffee in einer hauseignen Mehrwegtasse zubereite und dann in den mitgebrachten Becher umschütte. Die Tasse des Cafés muss so auch nicht gleich gespült werden, sondern kann einfach kurz mit Wasser ausgeschwenkt werden und für den nächsten Coffee to go again verwendet werden. Schließlich hat niemand daraus getrunken.

Hast du schon Rückmeldungen bekommen, ob seit die Sticker kleben, mehr Leute ihre eigenen Becher mitbringen?

Eine Cafébetreiberin hat mir in der Tat schon berichtet, dass es bei ihr gut angenommen werden würde. Über mehr Rückmeldung freue ich mich natürlich – auch von Kundenseite!

Beschränkt sich Coffee to go again auf München und Umgebung oder können auch Kaffeeverkaufsstellen an anderen Orten mitmachen?

Deutschlandweit ist jedeR herzlich eingeladen, den Sticker kostenlos bei mir zu bestellen, das ist über die facebook-Seite von Coffee to go again möglich oder unter post@coffee-to-go-again.de. Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn das Projekt überregional wird. Denn Einwegbecher können überall eingespart werden. Bei Interesse aus dem Ausland müsste man mal über die Portokosten sprechen.

(c) Unsplash www.pixabay.de

Gibt es, abgesehen davon, seinen eigenen Kaffeebecher mitzubringen, Möglichkeiten, das Projekt zu unterstützen?

Bei Kolleg*innen oder im Freundeskreis bewerben, den/die Lieblingsbäcker*in um die Ecke darauf ansprechen oder in der Betriebskantine vorschlagen, Gefallen an der facebook-Seite finden und sie der eigenen Freundesliste empfehlen. Von dort aus soll das Projekt auch weiter wachsen.

Auf deiner Facebookseite habe ich gelesen, dass es auch ein Ziel ist, dass Kunden Rabatte bekommen, wenn sie ihren eigenen Becher mitbringen. Wird das teilweise schon umgesetzt?

Von meinen Projektteilnehmer*innen speziell noch nicht. Aber auf meiner Tour durch München habe ich schon eine Bäckerei entdeckt, die das so handhabt und als Feedback auf meiner facebook-Seite habe ich das auch schon gehört. Außerdem – große Überraschung! – gewährt Starbucks einen Rabatt von 30 Cent/Getränk. Den Hinweis konnte ich bisher leider nur auf Ihrer Website entdecken, im Laden scheint dieser noch zu fehlen. Vielleicht wird ja irgendwann nachgebessert…

Sticker und Rabattaktionen sind nur der Anfang. Ihr plant auch ein Pfandsystem für Mehrwegbecher. Wie kann man sich das vorstellen? 

Immer den eigenen Becher dabei haben, das klingt für manche vielleicht erstmal etwas kompliziert. Es hat auch nicht jedeR immer eine Tasche dabei. Oder was ist, wenn ich spontan einen Coffee to go trinken möchte und meinen Becher nicht dabei habe? Daher schwebt mir langfristig eben ein Pfandsystem vor: Alle teilnehmenden Projektpartner*innen bieten den gleichen Pfandbecher an und ich als Kunde/Kundin kann mir einen Kaffee zum Mitnehmen kaufen, durch die Stadt spazieren oder mit der Bahn quer durch die Republik fahren und den Becher ganz bequem beim nächsten Projekteilnehmer*in wieder abgeben.

Hast du einen Tipp für junge engagierte Leute, die gerne ihre eigene Projektidee verwirklichen wollen?

Ich habe mein Projekt im Rahmen des Traineeprogramms von Bündnis90/Die Grünen umgesetzt. Da wurden wir in Workshops mit Wissen zu Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit in unserem selbständigen Arbeiten unterstützt. Außerdem hat jedeR Trainee eine*n Mentor*in zur Seite gestellt bekommen, mit dem/der man konkrete Fragen und Probleme besprechen konnte. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es für mich sehr hilfreich war, ein Thema zu haben, bei dem ich mich sicher und erfahren fühle, in dem Fall durch meinen beruflichen Background. Das verleiht einem eine ganz andere Autorität und Souveränität in Gesprächen mit Experten und potenziellen Teilnehmer*innen. Trotz meines Alters wurde ich von allen immer ernst genommen. Außerdem denke ich, ist es wichtig, die richtigen Ziele zu setzen: Lieber klein anfangen und dafür realistisch. Das bringt eher Erfolg und motiviert für’s Weitermachen. Wäre mein Ziel beispielsweise eine Gesetzesänderung zur Besteuerung von Einweggeschirr gewesen, wäre ich mit meinem Projekt vermutlich gescheitert.

Vielen Dank für das Interview Julia und weiterhin ganz viel Erfolg mit Coffee to go again!

(c) Anne Zeiß

Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, was Julias Projekt angeht, schaut doch mal auf der Facebook-Seite vorbei.

Titelbild: Julia Post
Zahlen zu Coffee to go-Bechern: Deutsche Umwelthilfe 

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Kommentare (4)
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07.10.2015
Puma hat geschrieben:
Ich freu mich richtig, dass es so eine Aktion gibt!! Ich bin selbst keine Kaffeetrinkerin, aber viele aus meiner Stufe sind's. Und da die Tankstelle nicht weit ist, gehen viele in den Pausen sich einen Kaffee kaufen... Ich seh dann immer die ganzen Becher im Müll.. Vor allem, weil viele eigene Mehrwegkaffebecher haben, reg mich dann immer wieder auf! Vielleicht sollte ich sie mal darauf ansprechen...
04.10.2015
julie1998 hat geschrieben:
Der Artikel hat mir richtig gut gefallen und ich werde hier, in Fürth und Nürnberg, auf jeden Fall Bäckereien und Cafés darauf aufmerksam machen! :-)
02.10.2015
Lili_98 hat geschrieben:
Hier in Kanada wird in Starbucks Werbung dafür gemacht, ich glaube für 2 can$ einen Starbucksbecher zu kaufen und bei jedem Mal wieder mitzubringen und auffüllen zu lassen . Man bekommt das Getränk dann günstiger, ich weiß aber nicht wie viel. Und in der Tat habe ich der Schule einige Leute gesehen, die mit diesen Bechern mit praktischem Deckel unterwegs sind.
Viel Erfolg für das Projekt, echt eine gute Idee.
02.10.2015
LaLoba hat geschrieben:
Das ist wirklich eine tolle Sache! Über die Problematik wurde ja vor ein paar Wochen auch viel in den Nachrichten gesprochen. Ich denke, vielen Menschen sind die Ausmaße dieses Problems gar nicht bewusst und es hilft schon, sie darauf hinzuweisen. Gerade wenn man regelmäßig seinen Coffee to go kauft, ist es ja keine große Sache, einen eigenen Becher mitzunehmen. Da finde ich die Idee von Julia sehr gut. Durch so einen Sticker haben sie die Problematik immer vor Augen und vielen fällt es bestimmt auch leichter, nach dem Befüllen des eigenen Bechers zu fragen, wenn sie schon wissen, dass das gerne gemacht wird.
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