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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
An der schönen blauen Donau - Wenn in einem Fluss mehr Plastikpartikel als Fische schwimmen


von Cookie
12.03.2014
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Eigentlich wollten sie die Verbreitung von Fischlarven im Uferbereich der Donau zwischen Wien und Bratislava untersuchen. Aber als die Forschergruppe der Universität Wien um Hubert Keckeis zwischen 2010 und 2012 Driftproben im Nationalpark Donau-Auen entnahm, musste sie feststellen, dass sich noch etwas anderes in ihren Netzen sammelte: Plastik. In fast allen der insgesamt 951 Proben waren mit bloßem Auge sichtbare Plastikpartikel zu finden. Schnell wurde klar, dass Europas zweitgrößter Fluss deutlich stärker mit Plastik verschmutzt ist als bisher angenommen.

Schätzungen zufolge befinden sich in 1000 Kubikmetern Donauwasser durchschnittlich 317 Plastikpartikel, hingegen nur 275 Fischlarven. Geht man davon aus, dass in der Strommitte aufgrund stärkerer Strömung mehr Plastikpartikel enthalten sind, müsste die Zahl sogar noch nach oben korrigiert werden. Hochgerechnet spült die Donau jeden Tag 4,2 Tonnen Plastikmüll ins Schwarze Meer. Das macht 1533 Tonnen im Jahr.

Bei der jetzt veröffentlichten Studie über den Anteil von Plastikpartikeln in der Donau handelt es sich wohl um die erste über den Plastiktransport in großen Flüssen, da sich ähnliche Studien vorher meist auf Meere bezogen haben. Für Aaron Lechner, den Erstautor der Studie, sind die Ergebnisse überraschend. Er geht davon aus, dass sich der Grad der Verschmutzung der Donau auch auf andere Gewässer übertragen lässt, wir es vermutlich sogar mit einem globalen Problem zu tun haben. Es ist zu befürchten, dass all die bisher erforschten durch Plastikmüll verursachten Folgen in marinen Gewässern genauso für Flüsse gelten.

Eine besonders schwerwiegende dieser Folgen ist natürlich die Gefahr für die Fische, die die kleinen Plastikteile mit Nahrung wie Insektenlarven, Kleinkrebsen und Fischeiern verwechseln. Wenn potenzielle Nahrungspartikel eine gewisse Dichte überschritten haben, werden sie zur bevorzugten Beute für die Fische und diese Grenze haben die Plastikteilchen erreicht. Bei den Fischen führt der Verzehr von Plastikpartikeln zu einem vorgetäuschten Sättigungsgefühl, Verletzungen des Darms oder letztendlich sogar zum Tod. Dadurch, dass Fische Plastikstückchen zu sich nehmen, gelangen diese und die darin enthaltenen Schadstoffe in die Nahrungskette und betreffen somit auch uns Menschen.

Diese Fischlarve hat einen Plastikpartikel im Darmtrakt. (c) R. Krusch

Im Darmtrakt dieser Fischlarve befindet sich ein Plastikpartikel. (c) R. Krusch

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist äußerst interessant: Bei dem weitaus größten Teil der Plastikpartikel (ca. 79%) handelt es sich um industrielles Rohmaterial wie sogenannte Pellets und Flakes. Der Rest lässt sich nicht näher zuordnen, stammt aber vermutlich aus kommunalen Abfällen. Das bedeutet also, dass der Großteil des Plastiks in Flüssen gar nicht von in die Landschaft geworfenem Plastikmüll stammt, sondern schon aus den Fabriken im Wasser landet. Ein Beispiel, wie man dagegen vorgehen kann, ist die amerikanische Organisation Operation Clean Sweep, deren Ziel es ist, Firmen dabei zu helfen, die Plastikpellets auf eine Weise aufzubewahren, die den Pelletverlust minimiert, um so die Umwelt sauber zu halten und Ressourcen zu schonen.

Verschiedene Arten von industriellem Plastikrohmaterial (c) A. Lechner
Unterschiedliche Arten von Plastikpartikeln, die in der Donau gefunden wurden. (c) A. Lechner

Was durch die Studie allerdings nicht festgestellt werden konnte, ist der Anteil von Plastikpartikeln, die noch kleiner als die 0,5 mm breiten Maschen der Netze sind, mit denen die Proben entnommen wurden. Hier besteht auf jeden Fall Forschungsbedarf, was die Größe dieses Anteils und seine Auswirkung angeht.

Im Nationalpark Donau-Auen, der größten zusammenhängenden, ökologisch weitgehend intakten Auenlandschaft dieser Art in Mitteleuropa, ist man schon länger besorgt, was das Plastikmüllproblem betrifft. Freiwillige führen dort regelmäßig Reinigungsaktionen durch, die den sichtbaren Müll wie zum Beispiel PET-Flaschen reduzieren. Es fehlt allerdings an wirksamen Methoden, gegen die vielen Kleinpartikel vorzugehen.


Quellen: 

http://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/donau-so-bunt-mehr-plastikmuell-als-jungfische-in-europas-zweitgroesstem-fliessgewaesser/
http://www.opcleansweep.org/
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/muell-in-donau-mehr-plastik-als-fisch-a-957241.html
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749114000475
http://www.stern.de/wissen/natur/muell-im-fluss-mehr-plastik-als-jungfische-in-der-donau-2094866.html
http://medienportal.univie.ac.at/uniview/forschung/detailansicht/artikel/bunte-donau-mehr-plastik-als-jungfische/
http://www.donauauen.at/?story_id=18446

Bilder: 

http://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/donau-so-bunt-mehr-plastikmuell-als-jungfische-in-europas-zweitgroesstem-fliessgewaesser/

Titelbild (c) H. Keckeis

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Kommentare (13)
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13.03.2014
Kerstin hat geschrieben:
Interessanter Bericht! Leider kann man so eine Verschmutzung viel zu oft sehen.
13.03.2014
Lea123 hat geschrieben:
Ist bei uns auch so :-( guter Bericht
13.03.2014
Morgentau hat geschrieben:
Danke für den Bericht, Anne.
Dass es schon so schlimm um die Flüsse steht, war mir gar nicht bewusst!
13.03.2014
Bjarne2000 hat geschrieben:
@Leatrice: Ja, so sieht es ungefähr aus...
13.03.2014
LenaLuchs hat geschrieben:
Oh das klingt wirklich schlimm :(
13.03.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Das ist aber wirklich viel Plastikmüll. Da frage ich micht echt, wo das ganze Zeug herkommt. Hoffentlich wird das nicht noch mehr und es wird eine Möglichkeit gefunden, auch kleine Partikel herauszuholen.
13.03.2014
Leatrice hat geschrieben:
Schön!
Nachschub für die Müllteppiche.
Lecker Happa Happa für die Fischis. Die von den Menschen gegessen werden.
Und geil, Weichmacher und Co!
...
...
Unschön.
13.03.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Das ist echt beunruhigend!
Vor allem ist das ja kein stehendes Gewässer, also kommt ja wohl regelmäßig neuer Müll nach :(
Gibt es so eine Organisation wie Clen Sweap hier also noch gar nicht? :O
Dann wirds echt allerhöchste Eisenbahn, sowas ähnliches hier aufzubauen!
13.03.2014
Westernpferdle hat geschrieben:
Ach herrje, das ist echt schlimm:/
12.03.2014
RichardParker hat geschrieben:
Oh mein Gott! Warum müssen die Menschen so rücksichtslos sein?! Ich versteh das nicht, dass ist so traurig! :( Danke für den ausführlichen Bericht, Anne! :)
12.03.2014
Niiura hat geschrieben:
Oh man wie traurig :( Schon allein die Überschrift sagt ja alles :(
12.03.2014
DanWWF hat geschrieben:
das ist ja schlimm
12.03.2014
RabanJ hat geschrieben:
Sehr Interessant Danke für die Infos.
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