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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
Adidas produziert Kleidung aus Ozeanplastik – Sinnvolle Maßnahme oder doch eher Greenwashing?


von Madamsel
14.05.2015
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Die Weltmeere versinken im Plastikmüll mit fatalen Folgen für ganze Ökosysteme. Seevögel und Meeressäuger verenden an Ansammlungen von Plastikteilchen in ihren Mägen und über den Verzehr von Fisch gelangt Mikroplastik auch in die menschliche Nahrungskette.


Kein Wunder also, dass das Thema Plastik die Community nicht mehr loslässt. Und wenn man die Nachrichten verfolgt, bekommt man den Eindruck, als sei die Dringlichkeit einer Problemlösung auch bei Unternehmen angekommen. Immerhin klingt die Headline Adidas will Kleidung aus Plastik-Treibgut produzieren zunächst mal wie Musik in den Ohren. Aber ist das denn ein sinnvoller Ansatz, um das Plastik-Problem im Meer anzugehen? Oder steckt Greenwashing dahinter? Schauen wir am besten mal genauer hin.


Die Meeresschutzorganisation Parley for the Oceans hat den Stein für das Projekt ins Rollen gebracht. Mit dem Ziel „es für Unternehmen lukrativer zu machen, die Ozeane und Natur zu schützen, als sie zu zerstören“ wandte sich das Team an Adidas mit dem Ergebnis, dass im 2016 die ersten Kleidungsstücke aus Plastik-Treibgut in den Filialen liegen sollen. Außerdem sollen Plastikelemente von bestehenden Produkten langfristig durch das Meeresplastik ersetzt werden.


Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, hält das Ganze für keine gute Idee. Hochwertige Textilien können seiner Meinung nach nicht aus Kunststoffmüll hergestellt werden, da sich beim Waschen der Kleidung Fasern herauslösen, die als Mikroplastik wieder zurück in die Meere gelangen. „Es gibt seit Jahren eine Diskussion darüber, dass solches Mikroplastik viel schlimmer für die Meere und Seen ist, als größere Plastikteile. Sie können viel leichter in die Nahrungskette aufgenommen werden.“, so Resch. Daher sagt er ganz offen: „Wir halten das nicht für den richtigen Weg. Für uns ist das eine reine Werbemaßnahme und ein starkes Greenwashen von problematischen Kunststoffprodukten".


Die Kritik scheint berechtigt. Wolle man wirklich die Meere vom Plastik befreien, müsse man doch nicht nur dafür sorgen, dass das Plastik aus den Meeren geholt wird, sondern auch verhindern dass es genau dorthin wieder zurück gelangt. Wäre es also nicht sinnvoller Kleidung zu produzieren, die gar kein Plastik mehr enthält?


So sieht es eigentlich auch das Team von Parley for the Oceans. Allerdings sind sie der Ansicht, dass die gesamte Modeindustrie von Kunststoffen abhängig sei. Ein Problem das man nicht über Nacht lösen könne. Daher wären die Kleidungsstücke aus Plastik-Treibgut als eine Zwischenlösung gedacht, die die Neuproduktion von Plastik eindämmen und Aufräumarbeiten an Küsten und im Meer finanzieren soll.


Was außerdem geklärt werden muss, ist die Frage nach dem ökologischen Fußabdruck der Kleidung. Immerhin scheinen Einsammlung und Transport so nachhaltig wie möglich von Statten zu gehen: Das Sammeln des Plastikmülls an Stränden übernähmen Freiwillige und das Material werde verschifft, indem man Leerfahrten von Fuhrunternehmen nutze. Auch der Blick auf andere Maßnahmen bezüglich Nachhaltigkeit scheint es bei Adidas voran zu gehen. So setzte sich das Unternehmen im Zuge der Parley-Kooperation zum Ziel, Plastiktüten aus den Geschäften zu verbannen. Und auch auf den Druck der Greenpeace Detox Kampagne hin verpflichtete sich Adidas zu einer vollständigen Eliminierung giftiger Chemikalien aus ihrer Produktion bis 2020.


Momentan lässt sich sagen, dass das Projekt Mode aus Ozeanplastik dabei helfen könnte die Plastifizierung der Meere zu verlangsamen, aber keine Dauerlösung bietet. Da sich Adidas bisher nicht festlegen will, welche Menge an Plastikmüll recycelt werden soll, bleibt abzuwarten, ob das Projekt wirklich zu einer deutlichen Verbesserung der Umstände führt oder ob es doch bloß eine Wohlfühl-Aktion für Firma und Käufer wird.


Wie ist eure Einschätzung zu der Intention von Unternehmen wie Adidas? Steckt ein wirkliches Interesse an unsere Umwelt hinter all ihren Bemühungen oder geht es doch nur um das gute Image? Können es sich Firmen zukünftig überhaupt noch leisten sich nicht ernsthaft und transparent für eine nachhaltige Produktion einzusetzen?
Und unsere Rolle bei dem Ganzen? Sollten wir auch kleine Verbesserungen bejubeln oder müssen wir nach der großen Kehrtwende streben, um wirklich was zu erreichen?

 

 

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Quellen:
http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/unsere-ozeane-versinken-im-plastikmuell/
Anna Behrend, http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2015-04/recycling-kleidung-plastik-meer
Anna Gauto, http://green.wiwo.de/echter-umweltschutz-oder-billiger-kundenfang-adidas-will-meeresplastik-recyceln/
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Kommentare (9)
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12.06.2015
4lexSchneegans hat geschrieben:
Tabea ich glaube nicht das sie es als großes Problem sehen das vertuscht werden muss. Ich finde das unglaublich schade...
23.05.2015
Tabea17 hat geschrieben:
Ich glaube, dass Adidas damit nur die lebensverachtenden Umstände der Näherinnen überspielen will. :(
16.05.2015
Akatsuki hat geschrieben:
Würde ich Allgemein so nicht sagen.
16.05.2015
FranziL hat geschrieben:
@Fenris: Ich finde es schwer vorstellbar, weil sich solche Großkonzerne nur sehr selten umweltfreundlich zeigen und ihren Profit weit über alles andere wie zum Beispiel Menschenrechte oder die Umwelt stellen.
15.05.2015
Cookie hat geschrieben:
Es ist ein kleiner Schritt und definitiv nicht die optimale Lösung, aber ich würde doch fast auch sagen, lieber alte Plastik zurück ins Meer, als neues dazu. Dabei wäre allerdings interessant zu wissen, wie viel neu produziertes Plastik damit tatsächlich eingespart werden kann. Was mich irgendwie noch stört, ist, dass die Menschen, die Adidas dann quasi Rohstoffe liefern, nicht einmal dafür bezahlt werden. Vielleicht ist die Variante für Adidas einfach billiger?
Den Verzicht auf Plastiktüten finde ich wiederum super! :)
Auf jeden Fall danke für diesen total interessanten Bericht! :)
15.05.2015
4lexSchneegans hat geschrieben:
Ich finde gut das sie das machen. Ich glaube es hat mit beiden Komponenten zu tun, sie wollen die Umwelt schützen und auch ihre image aufbessern. Ich finde es auch als gute Zwischenlösung, wenn dies nicht gemacht werden würde bleibt das Plastik im Meer und wird so zu mikroskopisch kleinen Partikeln. Andere unternehmen sollten so etwas auch machten.
15.05.2015
Akatsuki hat geschrieben:
@Schilffeder Warum ist es denn so schwer Vorstellbar? Ich meine die im Adidas Vorstand sind ja auch nur Menschen.
15.05.2015
FranziL hat geschrieben:
Ich kann mir nur schwer Vorstellen, dass ein Unternehmen wie Adidas jetzt tatsächlich probiert umweltfreundlicher zu werden. Andererseits empfinde ich die Idee mit den Kleidungsstücken aus Meeresplastik nicht als greenwashing. Natürlich gelangt das Mikroplastik aus der Kleidung in die Meere, aber das tut es ja jetzt auch schon. Von daher finde ich, dass es eine wirklich clevere Zwischenlösung ist, den Plastikmüll aus den Meeren zu nehmen anstatt Plastik extra für die Kleidungsstücke herzustellen. Eine wirkliche Endlösung ist das allerdings, wie bereits geschrieben, natürlich nicht.
14.05.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Wie in diesem Artikel schon deutlich wurde, hat diese Idee von Adidas nicht wirklich positive Auswirkungen für die Umwelt, da das Plastik als Mikroplastik zurück ins Meer gelangt. Folglich denke ich, dass Adidas diese Aktion nicht für den Umweltschutz unternimmt.
Andererseits finde ich es wirklich sehr lobenswert von Adidas, Plastiktüten zu verbannen und gifitige Chemikalien ab 2020 nicht mehr verwenden zu wollen. Schade finde ich es nur, dass Unternhemen nicht von sich aus solche Schritte leisten, wie keine giftigen Chemikalien mehr zu verwenden, sondern das erst machen, wenn sich Umweltschutzorganisationen dafür einsetzen. Außerdem finde ich, dass Politiker, die ja die Macht haben, darauf Einfluss zu nehmen, generell umweltschädliche Produktionen verbieten sollten. Oder sie könnten den Import von Produkten aus solchen Produktionen verbieten. Des Weiteren finde ich es immer sehr komisch, warum es so lange dauert, die giftigen Chemikalien aus der Produktion zu nehmen (in Adidas' Fall sind das bis 2020 schließlich noch fast 5 Jahre!) Was hindert die Unternehmen, sofort oder nach 1 Monat oder 1 Jahr einfach schon ohne diese Chemikalien weiterzuproduzieren?
Aber aller Anfang ist schwer, und dass sich bei Adidas etwas in die richtige Richtung bewegt, sollte man auf jeden Fall als vorbildlichen Schritt sehen :)
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