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Steven Siegel, NOAA / Marine Photobank
18-29-jährige Hamburger Singles verbrauchen die meisten Tüten - Neuigkeiten zur Plastiktüte


von Cookie
22.04.2015
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Worin tragen wir Deutschen unsere Einkäufe am liebsten nach Hause? Wie oft greifen wir zur Plastiktüte und was stellen wir nach dem Einkauf mit ihr an? Sind wir bereit, für Plastiktüten zu bezahlen? Welche Unterschiede gibt es in dieser Hinsicht zwischen Männern und Frauen, verschiedenen Altersgruppen und den einzelnen Bundesländern?

Mymarktforschung.de ging diesen Fragen nach und befragte zwischen dem 16. und dem 19. März 1000 in Deutschland lebende Menschen zwischen 18 und 70 Jahren zu ihrer Einstellung zur Verwendung von Plastiktüten. Dabei zeigte sich, dass wir Deutschen am liebsten mit Stoffbeuteln einkaufen gehen. Immerhin 31,4% gaben diesen als von ihnen vorwiegend genutztes Tragemittel an. Es folgen der Einkaufskorb (19,4%), die Tragetasche aus Kunststoff und die Klappbox (beide 13,4%). Die Plastiktüte wird immerhin von jedem zehnten Deutschen bevorzugt. Die Werte für die einzelnen Tragemöglichkeiten unterscheiden sich bei Frauen und Männern kaum. Beide bevorzugen den Stoffbeutel, allerdings steht bei den Frauen der Einkaufskorb und bei den Männern die Klappbox an zweiter Stelle. Was das Alter angeht, zeigt sich allerdings ganz klar, dass Jüngere eher zur Plastiktüte greifen: 19,7% der 18-29-Jährigen benutzt zum Einkaufen am liebsten Plastiktüten und somit sind Plastiktüten hinter Stoffbeuteln das zweitbeliebteste Tragemittel in dieser Altersgruppe. Bei allen anderen Altersgruppen liegt der Anteil derjenigen, die die Plastiktüte vorziehen, unter 10%. Der Familienstand scheint sich ebenfalls auf den Verbrauch von Plastiktüten auszuwirken, denn Singles greifen deutlich öfter zur Plastiktüte

(c) reverent www.pixabay.de

Im Durchschnitt kauft oder erhält jeder Deutsche ca. 3 Plastiktüten im Monat. Hier gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Während die Bremer nur vorbildliche 0,5 Tüten im Monat erwerben, erhalten die Hamburger mit 7,1 Tüten mit Abstand die meisten Tüten pro Monat. Insgesamt lässt sich beobachten, dass in der Erwerb von Plastiktüten in den neuen Bundesländern durchschnittlich höher ausfällt.


(c) Anne Zeiß

Unterschiedliche Ansichten existieren in den alten und neuen Bundesländern auch, was eine Umweltabgabe von 22 Cent auf Plastiktüten angeht. In den alten Bundesländern wird dies von über drei Vierteln der Befragten befürwortet, in den neuen Bundesländern hingegen nur von 68%. Dennoch zeigt sich ganz klar, dass die Deutschen durchaus für eine Umweltabgabe auf Plastiktüten sind, denn insgesamt sprachen sich 76,5% der Befragten dafür aus. Nur 10,5 Prozent lehnen die Abgabe ab, die restlichen 13% sind sich unsicher.

Aber wenn doch alle dafür sind, warum gibt es hier dann noch keine Umweltabgabe auf Plastiktüten? Schließlich müssen wir aufgrund einer neuen EU-Richtlinie zur Verringerung der Umweltbelastung durch Plastiktüten auf europäischer Ebene unseren jährlichen Tütenverbrauch innerhalb der nächsten 10 Jahre von 71 auf 45 Tüten pro Kopf senken. Die EU lässt den Mitgliedsstaaten hierbei freie Hand, wie sie dieses Ziel erreichen wollen. Eine Abgabe ist also denkbar und hat sich zum Beispiel auch in Irland schon sehr positiv bewährt. Wie plant Deutschland also vorzugehen?
Dort wird das Problem zunächst noch nicht als allzu schlimm angesehen, schließlich liegen wir noch weit unter dem europäischen Durchschnitt von etwa 200 Tüten pro Kopf und Jahr und was unseren gesamten Kunststoffverbrauch angeht, machen die Tüten nur 0,71% aus. In einem Interview mit der Lebensmittel-Zeitung, erklärt Umweltministerin Barbara Hendricks, wie es hierzulande mit den Plastiktüten weitergehen soll:

"Es spricht viel dafür, zunächst zu prüfen, ob und wie sich freiwillige Maßnahmen ausweiten lassen. Darüber werde ich mit den Umwelt- und Verbraucherverbänden, den Ländern sowie der betroffenen Wirtschaft reden. Eine solche Maßnahme könnte z. B. eine Selbstverpflichtung des Handels sein, mit der die entgeltliche Abgabe von Kunststofftragetaschen ausgeweitet würde. Mir leuchtet es zum Beispiel nicht ein, dass ich in der Lebensmittel-Etage von Kaufhäusern für Plastiktüten bezahlen muss, in der Textilabteilung aber nicht."

(c) Anne Zeiß

Ein Verbot sieht Hendricks in jedem Fall als unverhältnismäßig an, da die verbrauchten Tüten in Deutschland schließlich auch flächendeckend erfasst und verwertet würden. Auch eine Umweltabgabe wird es wohl so schnell nicht geben, die Umweltministerin setzt lieber auf die Kooperation des Handels. Hier konnte man in letzter Zeit tatsächlich einige Fortschritte beobachten. So ist es den dm-Filialen nun selbst überlassen, ob sie noch kostenlose Tüten anbieten wollen (hier) geht’s zum Bericht) und eine EDEKA Filiale in Fürth im Odenwald halt die Tüten vor einigen Wochen ganz abgeschafft (hier nachlesen).

Dennoch muss sich noch einiges ändern, wenn wir die Plastiktütenflut stoppen wollen. Hendricks macht auch klar, dass die Maßnahmen, ob freiwillig oder regulatorisch, ihrer Meinung nach alle relevanten Handelszweige gleichermaßen betreffen sollten und die Einhaltung regelmäßig überprüft werden müsste. Zudem liegt die Verantwortung nicht nur bei Handel und Politik, sondern bei jedem einzelnen von uns:

"Abfallvermeidung und umweltschonendes Verhalten beginnen beim Verbraucher. Jeder von uns kann zur Verringerung des Plastiktütengebrauchs beitragen. Rucksack, Einkaufskorb oder wiederverwendbare Tragetaschen statt Einwegtüten sind ein wichtiger Schritt."

(c) Hans www.pixabay.de

Wenn ihr findet, freiwillige Maßnahmen reichen nicht aus, findet ihr hier die Petition der Berliner Studentin Stefanie Albrecht, die sich gegen kostenlose Plastiktüten stark macht.

Die komplette Studie könnt ihr hier anschauen.

In der Sendung Redezeit von NRD Info wurde neulich ebenfalls heiß über das Thema Plastik diskutiert, den etwa einstündigen Podcast gibt es hier zu hören.

Und für alle, die sich hier in der Community über Plastik austauschen und dagegen aktiv werden wollen, gibt es unsere Gruppe Gemeinsam gegen den Tütenwahnsinn, die außerdem voller Típps und Links zum Thema steckt.

Quellen: 

http://mymarktforschung.de/studien/Studie-Plastiktueten-2015.pdf
http://www.bmub.bund.de/presse/interviews-und-artikel/lebensmittel-zeitung-hendricks-zu-plastiktueten/
http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/videos/plastiktueten-vermeiden-wie-reagieren-supermaerkte-100.html
https://www.change.org/p/umweltministerin-dr-barbara-hendricks-bmub-6-000-000-000-plastikt%C3%BCtenflut-stoppen#petition-letter

Titelbild: (c) BRRT www.pixabay.de

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Kommentare (4)
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24.04.2015
Anais hat geschrieben:
Danke für den Bericht :))
Super interessante Werte, wobei ich mich frage, wie repräsentativ 1000 Befragungen für die Bevölkerung sein sollen - trotzdem ist es natürlich richtig und wichtig, dass ein Umdenken nötig ist und auch Privatpersonen, sowie der Handel Verantwortung tragen eine Lösung zu finden.

Aber eben auch in der Politik! Es nervt mich, dass die das immer so runter spielen - klar, kann und muss jeder Einzelne etwas machen, aber freiwillige Maßnahmen allein? Das reicht sowas von nicht aus! :/
23.04.2015
Schattenwasser hat geschrieben:
Ein toller Bericht zu einen sehr interesanten Thema..... Ja wir sollten etwas gegen Plastiktüten tun ....
23.04.2015
Luke24 hat geschrieben:
Das ist ein total gelungener Bericht zu einem sehr interessanten Thema. Auch super graphisch aufbereitet :-)
23.04.2015
Kathi.Sunflower hat geschrieben:
Ich fänd es richtig, wenn in Deutschland Plastiktüten komplett abgeschafft würden.

Besonders sehe auch ich keinen sind darin, bei edeka für die Tüte zu zahlen und wenn ich Kleidung kaife auf einmal nicht.
Meistens hat man in bekleidungsgeschäften nicht mal eine richtige Wahl, nein zu der Tüte zu sagen, das finde ich ziemlich schade.
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