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Neues aus dem


bedrohten Paradies


Brent Stirton / WWF
Die Menschen von Virunga und das Öl


von Marcel
19.11.2013
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Wir sind am Lake Edwards im Virunga, dem ältesten Nationalpark Afrikas. Hier wohnen Menschen, die von der Fischerei leben. Und hier will der britische Konzern SOCO Öl fördern. Umweltschützer laufen dagegen Sturm - Ölförderung in Virunga, das wäre eine Katastrophe. Der südafrikanische Fotograf Brent Stirton hat die Fischergemeinden besucht. Seine Bilder versetzen uns für einen Augenblick in eine andere, zerbrechliche Welt.

"Mzungu, Mzungu", riefen die Kinder, erinnert sich Stirton. Für die Einwohner der Dörfer sind Besucher von weit her etwas Besonderes. Touristen gibt es wegen des jahrelangen Bürgerkrieges hier im Osten des Kongos so gut wie keine - zu gefährlich, zu beschwerlich. Doch Mzungu, der "weiße Mann", fühlte sich gut aufgenommen. "Die Menschen sind sehr großzügig und haben meist freundlich auf mich reagiert."

Das Leben am Lake Edwards dreht sich wie hier in Vitshumbi vor allem um Fischfang. "Es sind gute, hart arbeitende Menschen, die nur wenige Optionen zum Leben haben", sagt Stirton.

Stirton war beeindruckt, wie umweltbewusst die Fischer leben. "Es gibt nicht viel Verschmutzung und die Leute verstehen genau, wie wichtig das ist." Eine Ölförderung würde das sensible Ökosystem aber erschüttern, die Lebensgrundlage der Gemeinden am See wegbrechen.

Bei seinen Aufnahmen wurde Stirton bewusst, dass die große Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Ölförderung rund um den See und im Virunga Nationalpark ist. "Sie sind traumatisiert von Jahren des Bürgerkriegs und der Vertreibung", sagt der Südafrikaner. "Alles, was sie wollen, ist friedliche, nachhaltige Entwicklung."

Die Dorfbewohner berichteten ihm von Einschüchterungen durch SOCO-Mitarbeiter. "Sie wurden geschlagen und eingesperrt, wenn sie sich gegen die Ölförderung ausgesprochen haben."

"Mir wurde bei meinen drei Wochen vor Ort schnell klar, wie verwundbar das Leben dieser Menschen bei einer Verschmutzung des Lake Edwards wäre", sagt Stirton. Er ist überzeugt: Im Frieden könnte die Gegend ein Öko-Tourismus-Ziel erster Güte werden. "Es ist eine wunderschöne Gegend mit unendlich viel Potenzial. Die Gemeinden am See würden durch Tourismus und normales Geschäftsleben enorm aufblühen."

Es ist sehr schwierig, sich in Virunga zu bewegen, das braucht viel Zeit. Stirton war während seiner Reportagereise auf die Unterstützung der Menschen vor Ort angewiesen. "Das war nicht ungefährlich für sie“, sagt Stirton. "Aber sie haben alles getan, um mir zu helfen".

Für Stirton ist klar: Hier darf kein Öl gefördert werden. "Es würden zweifelsohne einige Wenige reich werden, die große Mehrheit aber ihre Lebensgrundlage verlieren. Virunga muss sich so entwickeln, dass alle etwas davon haben. Ich hoffe, dass man weltweit erkennt, dass diese Welterbestätte ein einzigartiger Ort ist. Gorillas, Schimpansen, Okapis, Vulkane, der Lake Edwards und die Rwenzori-Berge: Fraglos kann dies eine der besten Regionen für Öko-Tourismus überhaupt werden."

Fotos © Brent Stirton / Reportage for Getty Images / WWF-Canon

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Kommentare (9)
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24.11.2013
Lisa18 hat geschrieben:
Danke für den Bericht. Ich halte schon nicht viel von Ölförderungen, aber wenn dann auch noch die Bevölkerung darunter leiden und Schläge einstecken müssen,nur weil sie ihre Lebensgrundlage nicht verlieren wollen, ist mehr als Schluss!!!
22.11.2013
Helen1698 hat geschrieben:
Dass alle Menschen die gleichen Rechte haben, sollte doch gerade in Mitteleuropa langsam mal jeder verstanden haben! Einfach nur ekelhaft wie rücksichtslos manche Menschen sind. Nur auf den eigenen kurzlebigen Profit aus! :( Gibt es dazu irgendeine Petition oder andere Möglichkeiten, wie man den Menschen von hier aus helfen kann?
21.11.2013
Lexo98 hat geschrieben:
Tolle Bilder.
Aber es ist ein Verbrechen von soco dort Öl fördern zu wollen.
Dass würde das Ökosystem dort total zerstören!
20.11.2013
Tiegerauge hat geschrieben:
Wirklich schlimm, dass die Ölkonzerne so mit Menschen umgehen. Da sieht man wieder, dass es Geldgierige menschen gibt. Würde mich interessiernen, wie weit die gehen würden, nur für 100 Dollar! :(

Wirklich gute Bilder, und ein schöner Bericht .
20.11.2013
LSternus hat geschrieben:
Es macht mich wirklich sauer mit welchen kriminellen Methoden SOCO versucht die Menschen zu vertreiben.
Dort darf auf keinen Fall nach Öl gebohrt werden, allein schon damit SOCO den Kürzeren zieht.

Was mich noch interessieren würde, ist was die Leute vor Ort tun um sie zu wehren.
Aber was auch immer sie tun, wir müssen uns auch bewegen!
19.11.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Wie eigensinnig die Menschen doch sein können, wenn es darum geht, viel Geld zu machen. Dafür das friedliche Leben von Natur und Menschen in Virgunga zu zerstören, ist einfach unglaublich und für mich unverständlich. Für mich würde es garnicht erst in Frage kommen,eine solche Katastrophe für Leben, egal von Natur oder Menschen, zu bieten. Leben ist so viel kostbarer als jeder Geldbetrag.
Würde die Firma nicht auch´mindestens gegen ein Menschenrecht verstoßen, da sie doch das Leben vieler Menschen deutlich erschweren, wenn nicht sogar zersrören?
Hoffentlich klärt sich alles zum Vorteil von Natur und Menschen in Virgunga.
19.11.2013
Rhino hat geschrieben:
Es wäre eine Schande, für die Ölförderung das Überleben all dieser Menschen und den Fortbestand der Bergregenwälder zu opfern, ich hoffe innig, dass die Arbeit des WWF eine solche Katastrophe verhindern kann.

Mein größter Respekt geht an Brent Strton, der hier mal wieder mit großartigen Bildern unglaublich wichtige und wertvolle Aufklärungsarbeit leistet!
19.11.2013
somebodywholovesourearth hat geschrieben:
Das den Menschen dort verboten wurde sich gegen die Ölförderung einzusetzen! Sie brauchen den See doch! Außerdem waren die einheimischen zuerst da und jetzt dürfen sie nicht ihren sauberen see behalten! Das ist echt krass unverschämt.
Aufschlussreicher Bericht und tolle bilder! :)
19.11.2013
Ronja96 hat geschrieben:
Es ist toll, dass diese Menschen so ökologisch leben und gegen die Ölförderung sind, da sonst dieser einzigartige Ort nicht mehr so existieren würde.
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