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© Marcel Gluschak / WWF
Tipp der Woche! - Ist Bioplastik wirklich eine Alternative?


von LaLoba
14.11.2014
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Von der Plastikvermüllung unserer schönen Erde haben wir genug. Erdöl kommt uns deswegen nicht in die Tüte. Aber was ist eigentlich mit Bioplastik? Wo sind die Unterschiede und wie bio sind sie wirklich?

„Biokunststoff“ und „Bioplastik“ sind keine geschützten Begriffe. Das heißt, was sich dahinter verbirgt, kann der Hersteller selbst festlegen. So gibt es Plastik, das aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurde und es gibt Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind. Manchmal ist es beides und manchmal findet man auch Anteile von Bioplastik in konventionellen Plastikprodukten. Nur weil Biokunststoff auf der Tüte steht, muss sie also noch lange nicht im Garten verrotten. Das auf Erdöl basierende Plastik dagegen vielleicht schon.

Bleiben wir erst einmal bei Bioplastik, das aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurde. Der Kunststoff basiert also zum Beispiel auf Mais, Kartoffeln, Holz, Weizen oder Zuckerrohr. Die Pflanzen werden angebaut, geerntet und zu Plastik verarbeitet. Der Vorteil ist klar: Es werden keine fossilen Rohstoffe verwendet. Den Nachteil kennen wir aber auch schon aus vielen Diskussionen zum Thema Biosprit: Für die Herstellung von Bioplastik verwenden wir Lebensmittel, die auch genauso gut auf unseren Tellern landen könnten. Im extremsten Fall beschäftigen wir also hungernde Arbeiter in einem Entwicklungsland, um Zuckerrohr für die Bioplastikherstellung zu erhalten. Zusätzlich werden große Mengen an Düngemittel für die Pflanzen gebraucht, wodurch die Umwelt sogar noch mehr verschmutzt wird, als bei der Herstellung konventionellen Plastiks (wenn nicht gerade mal wieder eine Ölplattform ein Leck hat oder ein Tanker verunglückt). Bioplastik kann auch genau wie herkömmliches Plastik Zusatzstoffe enthalten, wodurch es nicht gesünder ist. Können wir das also immer noch mit gutem Gewissen als „bio“ kaufen?

Dann vielleicht doch lieber „biologisch abbaubarer“ oder „kompostierbarer“ Biokunststoff. So wird Kunststoff nach einer DIN-Norm bezeichnet, wenn er in 90 Tagen zu mindestens 90 Prozent in Wasser, Kohlendioxid und Biomasse zerfällt. In der Natur verrottet er demnach relativ schnell im Vergleich zu regulärem Plastik. Es wird die Umwelt geschont und zusätzlich noch Müll vermieden. Auch Bioplastik kann natürlich kompostierbar sein, ist es aber nicht automatisch. Nur wenn der zusätzliche Hinweis auf der Verpackung angebracht ist, zersetzt sich das Produkt schneller als gewöhnliches Plastik.

Gerade bei Biomülltüten erscheint der kompostierbare Kunststoff praktisch. Idealerweise zersetzt er sich vollständig zusammen mit dem Müll. Dennoch wird er in den meisten Kompostierbetrieben aussortiert und verbrannt. Der Biomüll lagert dort nämlich nur für sechs bis zehn Wochen und die Tüten brauchen in der Anlage mindestens zwölf Wochen, um zu verrotten. Hier hat dann Bioplastik Vorteile, also das Plastik, das aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurde. Bei der Müllverbrennung setzt es nämlich nur so viel CO2 frei, wie die für den Rohstoff verwendete Pflanze beim Wachsen aufgenommen hat – also viel weniger als bei herkömmlichem Plastik.

Wenn das Bioplastik nicht in den Biomüll kommt, wohin denn dann? In die gelbe Tonne, könnte man meinen, dem ist aber nicht so. Bioplastik wird nämlich bisher noch nicht recycelt. Bei einem momentanen traurigen Marktanteil von einem Prozent lohnt sich der Aufwand nicht. Es wird vom Recyclingunternehmen aussortiert und kann demnach auch gleich in den Restmüll geworfen werden. Gefährlich wird es, wenn das Bioplastik unentdeckt mit dem normalen Plastik verarbeitet wird. Dann wird nämlich der Wertstoff verunreinigt und der ganze Kreislauf gestört.

Zum Schluss kommen wir zu einem Ergebnis, das wohl niemanden wirklich überrascht: Einfach gar kein Plastik verwenden ist die beste Alternative. Dann werden weder Erdöl noch Lebensmittel verschwendet, es ist gesünder und die Natur leidet auch nicht. Und wenn es gar nicht anders geht, ist die momentan beste Lösung der durch den „Blauen Engel“ zertifizierte Recycling-Kunststoff. Er besteht aus mindestens 80% wiederverwendetem Plastik.

Tipps für Plastikalternativen haben wir für euch in diesem Tipp der Woche zusammengestellt.

Und hier geht es zum letzten Tipp der Woche: Recycling-Fahrräder.

 

 

Quellen:
http://www.utopia.de/magazin/wie-bio-ist-bioplastik
http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/bioplastik-114.html
Bild Rohrzuckerplantagen: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sugarcane_plantations_Bacolod_Philippines.jpg?uselang=de

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Kommentare (2)
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14.11.2014
Julia99 hat geschrieben:
Danke für die Information :)
Ich habe vieles noch nicht gewusst.
Das ist ein gutes Beispiel, dass man nicht immer glauben soll, dass alles wo bio drauf steht auch gut ist.
14.11.2014
Cookie hat geschrieben:
Danke, dass du über dieses wichtige Thema informierst! Mich ärgert es, oft Kommentare in die Richtung: "Benutzt doch einfach Bio-Plastik und alles ist gut" zu sehen. Vielen sind die damit verbundenen Probleme leider einfach nicht bewusst, weil es sich ja erst mal ganz toll anhört.

Für alle, die gerne mal versuchen wollen, so plastikfrei wie möglich zu leben, starten wir Ende Januar ein Experiment, ihr dürft gespannt sein! :)
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