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© Marcel Gluschak / WWF
Tipp der Woche - "Floaters - Im Sog des Meeres"


von Franzi
01.05.2015
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78 P

„Wir sind jetzt hier“, erklärte Louanne und ließ einen Punkt auf der Karte aufleuchten. Einen winzigen Punkt am Rand eines gigantischen treibenden Müllfleckens. Ebenso kann sich eine Zecke vornehmen, einen Elefanten auszusaugen, dachte Malika niedergeschlagen. Warum nur haben wir alle so viel Plastik benutzt...“

Es ist das Jahr 2030 und der unersättliche Hunger der Menschheit nach Plastik hat zu einem riesigen Müllstrudel mitten im pazifischen Ozean geführt. Darunter leidet das gesamte Ökosystem der Meere und es scheint beinah unmöglich, dem Problem noch Herr zu werden.

In dieser Welt entschließt sich der Millionär Benjamin Lesser ein einzigartiges Projekt zu starten: er lässt zwei alte Oil Skimmer und ein Frachtschiff so umkonstruieren, dass sie einem Staubsauger gleich systematisch Müll aus dem Meer fischen können. Die Zwillinge Malika und Danílo erhalten die einmalige Chance an dieser Expedition teilzunehmen. Sie sind auf dem Meer aufgewachsen und diesem daher in besonderer Weise verbunden. Ihr Traum von einem Meer ohne Plastikmüll scheint nun Realität werden zu können. Doch die Reise entpuppt sich als aufregender als die Zwillinge es erwartet hätten, denn ihr Ziel stößt nicht überall auf Wohlwollen. Das im Plastik enthaltene Öl lockt Sammler aus der ganzen Welt an, die den Müll wiederverwerten und verkaufen. Fremden in ihrem Revier begegnen sie dabei rücksichtslos. Und nicht zuletzt macht Lesser’s Crew Bekanntschaft mit Piraten, die ihre ganz eigenen Interessen im Kampf um Rohstoffe verfolgen. Für Malika wird diese Begegnung schicksalhaft sein, denn sie begegnet einem Jungen, den sie niemals hätte kennenlernen dürfen...

„Floaters - im Sog des Meeres“, das neuste Werk der Jugendbuchautorin Katja Brandis zieht einen mit dieser Geschichte in einen ganz besonderen Bann. Frau Brandis nimmt die Leser dabei mit auf eine Reise in eine futuristische Welt, die uns fremd und zugleich nur allzu vertraut erscheint. Der Autorin gelingt es dabei in eine packende Erzählung viele anschauliche umweltrelevante Fakten einzubauen. Dies beginnt bei Biofarmen in Hochhäusern zur Lebensmittelerzeugung für eine wachsende Weltbevölkerung, geht weiter über das Problem der Arteninvasion in fremde Ökosysteme durch schwimmenden Müll bis hin zu neuen „europäischen Verpackungsgesetzen“, die den Plastikverbrauch eindämmen sollen. Hinzukommen interessante Tipps wie jeder Einzelne seinen Alltag plastikfreier gestalten kann. So benutzen Malika und Danílo Zahnbürsten aus Holz statt aus Plastik, die man tatsächlich schon heute erwerben kann! Wusstet ihr außerdem dass auch in vielen Shampoos und Kosmetikartikeln winzig kleine Plastikteile stecken, die so klein sind, dass sie durch unsere Filteranlagen einfach durchrutschen? Sie dienen unserer Haut als Peeling und enden zumeist als unverwertbarer Müll im Ozean.

„Floaters“ bleibt damit zwar ein spannender Roman mit vielen unerwartenden Wendungen und vielschichtigen Charakteren, der Leser wird aber gleichzeitig aufgerüttelt und es werden ihm wertvolle Tipps an die Hand gegeben. Die Geschichte verdeutlicht auf anschauliche Weise, was unser immenser Plastikverbrauch von heute anrichten kann. Dabei wird keineswegs ein Weltuntergangsszenario entworfen, sondern viele konkrete Lösungsvorschläge angemerkt, insbesondere im Nachwort des Buches. Die Intention wird dennoch mehr als deutlich: umso schneller wir jetzt begreifen dass sich unser Plastikkonsum ändern muss, umso eher entgehen wir dem „Krieg um Rohstoffe“ auf dem hohen Meer und den damit verbundenen katastrophalen Folgen für die Natur. Wir als junge Generation haben damit eine besondere Verantwortung, damit unser Jahr 2030 von sauberen Ozeanen handelt!

 

Frau Brandis war so freundlich sich für ein paar Fragen zu ihrem Buch zur Verfügung zu stellen. Herzlichen Dank dafür!

Frau Brandis, „Floaters“ spielt in der Zukunft und handelt von der immensen Müllverschmutzung unserer Weltmeere. Wie sind Sie mit diesem Umweltthema in Berührung gekommen? Gab es ein Schlüsselereignis oder eine besondere Situation, die Sie zu der Geschichte inspiriert hat?

Ich schwimme und tauche leidenschaftlich gern, und es tut mir im Herzen weh, wenn ich - so wie vor kurzem in Sizilien - vermüllte Strände und Küstengewässer sehe. Entstanden ist das Buch aber aus einem anderen meiner Romane, das 2011 erschienene "Ruf der Tiefe". Darin erwähne ich den Großen Pazifischen Müllstrudel nur ganz kurz, aber ich habe viele Leserbriefe dazu bekommen mit der Frage: "Das habt ihr euch nur ausgedacht, oder?" "Leider nein, es gibt das Ding wirklich", musste ich jedesmal antworten, und eine neue Geschichte begann sich in meinem Kopf zu formen...

Wie waren die Reaktionen Ihrer Leser auf das Buch? Waren die meisten mit dem Plastikproblem schon vertraut oder trafen Sie überwiegend auf Überraschung diesbezüglich?

Den meisten war das Problem nicht bewusst. Im Moment erscheint viel in den Medien zu diesem Thema, und darüber bin ich sehr froh, aber es dauert eine Weile, bis so etwas ins Bewusstsein "einsickert" und wirklich jeder weiß, um was es geht. So wie damals beim Ozonloch, den Begriff zumindest hatte jeder schon mal gehört.

In unserer heutigen Welt vollkommen auf Plastik zu verzichten erscheint illusorisch. Was können Ihrer Meinung nach einzelne Individuen und insbesondere auch die Jugendlichen, an die sich das Buch richtet, dennoch tun um der Meeresverschmutzung durch Plastik und anderen Müll entgegenzuwirken?

Ja, auch Jugendliche können einiges tun. Zum Beispiel für die nächste Party Getränke in Mehrwegflaschen kaufen, eine Stofftüte dabeihaben, um in Geschäften auf Plastiktüten verzichten zu können, keine neuen Fleece-Klamotten mehr zu kaufen und zu schauen, ob es das Produkt, das man haben will, nicht auch in einer Papier- und Glasverpackung gibt. Wer Lust hat, noch mehr zu tun, könnte zum Beispiel eine Müllsammelaktion an einem Flussufer organisieren, denn die Flüsse schwemmen auch hier in Deutschland Plastikmüll ins Meer.

Auf welchen weiteren Ebenen sollte das Problem Ihrer Meinung nach angegangen werden? In welcher Pflicht sehen Sie Politiker und große Unternehmen? Gibt es spezifische Maßnahmen die Sie vorschlagen würden? Liegt die Verantwortung mithin bei jedem Einzelnen oder eher bei den „großen Akteuren“?

Ich ärgere mich total, wenn ich sehe, dass zum Beispiel "Bio"-Gemüse im Supermarkt in Plastik eingepackt ist. Sowas kaufe ich nicht. Über solche Kaufentscheidungen können Einzelne viel bewirken - wenn die Unternehmen merken, dass die Leute keine Plastikverpackungen mehr wollen, werden sie Alternativen anbieten. Aber auch der Gesetzgeber ist gefordert, denn im Moment kann man Plastik schwer vermeiden (das merkt man beim Blick in den Einkaufswagen, selbst wenn man umweltbewusst eingekauft hat). Allmählich passiert zum Glück auch etwas von politischer Seite, ich hoffe, dieser Trend setzt sich fort. Wenn man solche Gesetze laut und deutlich einfordert, beschleunigt man diese Entwicklung.

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Kommentare (4)
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03.05.2015
Squirrel hat geschrieben:
Hört sich gut an. Vorallem ist Ruf der Tiefe auch ein sehr, sehr gutes Buch:)
01.05.2015
Cookie hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht! Ich will dieses Buch unbedingt lesen! ^_^
01.05.2015
OekoTiger hat geschrieben:
@RichardParker Finde ich auch.
01.05.2015
RichardParker hat geschrieben:
Vielen Dank für den ausführlichen Tipp der Woche, dass klingt toll :))
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