Für euch:


Tipps aus


der Redaktion


© Marcel Gluschak / WWF
Tipp der Woche! - „10 Milliarden - Wie werden wir alle satt?“


von Rhino
24.04.2015
2
0
100 P

Unser heutiger Tipp der Woche beschäftigt sich mit der Kino-Dokumentation „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“

 

Der deutsche Dokumentarfilmer Valentin Thurn, den viele wahrscheinlich durch seine vielfach ausgezeichnete Doku über Lebensmittelverschwendung „Taste The Waste“ (2011) kennen, hat nun nach mehreren Fernsehdokumentationen und diversen anderen Projekten (darunter die Mitbegründung von Foodharing.de) endlich wieder eine neue spielfilmlange Dokumentation für’s Kino produziert – und auch dieses Mal geht es um unseren Umgang mit Lebensmitteln, genauer gesagt um die Frage: Auf welche Konzepte der Lebensmittelversorgung müssen wir in Zukunft bauen, wenn wir langfristig eine Weltbevölkerung ernähren wollen, deren Zahl in absehbarer Zeit auf 10 Milliarden ansteigen wird?

Um Ideen und Antworten auf diese wichtige Frage zu finden, hat Thurn fast die ganze Welt bereist. So spricht er z. B. mit unabhängigen Kleinbauern in Indien, die eine Saatgutbank mit zahlreichen regionalen Nutzpflanzensorten angelegt haben und sich eine nachhaltige Landwirtschaft nur mit dem Schutz regionalspezifischer Gewächse und Anbaumethoden vorstellen können.
In mehreren anderen Regionen, darunter z. B. Malawi, stößt Thurn hingegen auf das genaue Gegenteil: Industrielle Feldbewirtschaftung mit gentechnisch verändertem Saatgut, Monokulturen, Pestiziden, Mineraldünger und der Enteignung von Bauern durch Großgrundbesitzer.

Thurn wirft einen kritischen Blick auf dieses Agrobusiness, allerdings nicht, indem er die Vertreter stumpf dämonisiert, sondern vielmehr durch die genaue Auseinandersetzung mit irreführenden Kausalketten wie z. B. : „Wenn die Bevölkerung steigt, werden möglichst produktive und ertragreiche Ernten umso wichtiger – und da man mit genmanipuliertem Saatgut einen höheren Ertrag erzielt, ist der verstärkte Einsatz von Gentechnik der einzig richtige Weg für die Zukunft“ – solche Sprüche mögen auf den ersten Blick womöglich einleuchtend erscheinen, doch dass mit Ausdrücken wie „produktiv“ und „ertragreich“ vermarktete Konzepte der Landwirtschaft nicht nur durch mangelnde Nachhaltigkeit (so gehen die Mineralien für den, in der industriellen Landwirtschaft essenziellen, Mineraldünger langsam aber sicher zur Neige), sondern auch meist durch mangelnde Effizienz gekennzeichnet sind, wird in der Dokumentation wunderbar erläutert …

Selbstverständlich sind für die Zukunft der Lebensmittelversorgung jedoch nicht nur die Arbeitsbedingungen der produzierenden Landwirte entscheidend, sondern auch die Nachfrage der Konsumenten. Hierbei stellt Thurn u. a. fest, wie wirtschaftlicher Aufschwung in Schwellenländern zur zunehmenden Adaption westlicher Kultur und damit auch zur steigenden Nachfrage an typisch westlichen Fleischprodukten wie Hamburgern, Chicken Wings etc. führt. Auch im traditionell eher vegetarisch geprägten Indien ist ein immer größer werdender Fleischkonsum derzeit deutlich zu spüren. 

Eine Entwicklung, die den Bedarf an Anbauflächen für Tierfutter-Pflanzen sicherlich noch deutlich steigern wird, was stets mit der Vernichtung natürlicher Lebensräume (Wälder, Buschsavannen etc.) einher geht, aber gleichzeitig ein Prozess, bei dem man kritische Worte vorsichtig wählen sollte – schließlich orientieren sich die Menschen in Indien und anderen Schwellenländern in ihren neu definierten Bedürfnissen ja an jenem verschwenderischen Lebensstil, der ihnen jahrelang von uns vorgelebt wurde …

Doch Thurn thematisiert nicht nur altbekannte Gegensätze („Agrobusiness vs. Bäuerliche Landwirtschaft; „Vegetarismus vs. Fleischkonsum“), sondern verschafft sich auch einen Überblick über neue technische Konzepte, die sich womöglich in den kommenden Jahrzehnten in der Lebensmittelproduktion etablieren könnten. In Kanada besucht er eine Lachsfarm, bei der durch Genmanipulation nur noch besonders große Exemplare gezüchtet werden, in Japan erkundet er eine „Pflanzenfabrik“, die versucht, Nutzpflanzen künstlich herzustellen und in den Niederlanden kostet er einen Hamburger, der nicht aus Fleisch oder Pflanzenmaterial besteht, sondern komplett im Chemielabor kreiert wurde – vielleicht ein möglicher Zukunftsweg? „Labornahrung“ statt landwirtschaftliche Erzeugnisse? Bisher scheinen diese (zumeist extrem teuren Verfahren) jedoch noch alles andere als massentauglich …

Ein jetzt schon, stetig voranschreitender Trend sind hingegen Konzepte wie „Urban Gardening“ und andere Modelle, bei denen das klassische Bild des landwirtschaftlichen „Felds“ außerhalb des urbanen Raumes immer weiter relativiert wird. Aus öffentlichen Blumenbeeten und kleinen Grünflächen sind mancherorts bereits fruchtbare kleine Anbauflächen für allerlei Lebensmittel entstanden – ein zukunftsträchtiges Konzept, das bald Städte weltweit landwirtschaftlich fragmentieren könnte? Aber werden die kleinen städtischen Anbauflächen wirklich ausreichen, um die Folgen der Maßlosigkeit der industriellen Landwirtschaft langfristig zu kompensieren?

Diese und viele weitere Diskussionsfragen, Konzepte, Problematiken, Lösungen und Hindernisse rund um Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung werden in Valentin Thurns neuem Kinofilm ebenso anschaulich wie ausführlich dokumentiert – einen genauen Aktionsplan, wie wir nun letztendlich 10 Milliarden Menschen am Optimalsten ernähren sollten, erhält man am Ende natürlich nicht, dafür jedoch eine sehr gut sortierte und weitreichende Auswahl an wichtigen Puzzleteilen, die dem Zuschauer dabei hilft, dieses extrem relevante Thema in seiner Komplexität zu verinnerlichen und letztlich seine eigenen Schlüsse zu ziehen …

Für alle, die sich einen spannend gestalteten, weitreichenden Überblick über die Methoden und Probleme der heutigen und zukünftigen Lebensmittelversorgung verschaffen wollen, ist „10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ deshalb nur zu empfehlen!

Weitere Informationen gibt es auch auf der Website des Films!

An bestimmten Terminen und in ausgewählten Städten, könnt ihr den Film auch zusammen mit dem Regisseur Valentin Thurn im Rahmen einer Kinotour ansehen:

- zu den Terrminen für die Kinotour!

gez. Maxim Podobed 2015

Und hier kommt ihr zum letzten Tipp der Woche: das Bergwaldprojekt

Weiterempfehlen

Kommentare (2)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
26.04.2015
Raquel hat geschrieben:
Vielen Dank für den guten Tipp, den Film werde ich mir auf jeden Fall angucken:)
26.04.2015
RichardParker hat geschrieben:
Super Tipp, vielen Dank Maxim! Ich mache mir wirklich Sorgen wegen des extremen Konsums und die Vorstellung, dass wir mal 10 Milliarden Menschen zu ernähren haben ist für mich mehr als erschreckend! :o
Wie wichtig finde ich es dann, dass es solche Leute wie Thurn gibt, die gerade auf elementare Probleme eingehen und sie von zwei Seiten beleuchten!
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_221.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen