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© Marcel Gluschak / WWF
FilmTipp: "Magie der Moore"


von Rhino
28.09.2015
3
9
100 P

Der vielfach ausgezeichnete deutsche Naturfilmer Jan Haft hat fünf Jahre lang einen neuen Dokumentarfilm gedreht und präsentiert nun Europas letzte Moorlandschaften in „Magie der Moore“.

Dichter Nebel liegt über dem schlammigen Torfboden, der von schwarzem Wasser umgeben ist. Von überallher kommen die schrillen Laute von Insekten. Giftige Schlangen, Fleisch fressende Pflanzen, vermeintlich tote Bäume und mitunter sogar Jahrtausende alte Leichen tummeln sich hier – ja, das Moor kann ganz schön schaurig sein, aber auch äußerst faszinierend.

So blühen tagsüber an den feuchten Ufern knallbunte Pflanzen auf, zwischen denen sich ebenso schöne wie seltene Arten von Vögeln und Schmetterlingen tummeln. Für viele Tiere, darunter Birkhühner, Zwergdommeln und Kreuzottern, ist das Moor ein perfekter Balzplatz und eine sichere Kinderstube. Die Artenvielfalt des feuchten Lebensraumes reicht dabei von kleinen Mücken und Libellen bis hin zu gewaltigen Braunbären und Elchen.

Regisseur Jan Haft und sein Team reisten für den Dreh von „Magie der Moore“ fünf Jahre lang durch ganz Europa und filmten Moorlandschaften u. a. in Tschechien, Deutschland und der Slowakei. Einige der spektakulärsten Aufnahmen entstanden in skandinavischen Ländern. Dort konnte das deutsche Film-Team u. a. Bären und Wölfe filmen, die Elchkadaver aus dem Torf zerren und sich um die Beute streiten, und spektakuläre Nachtaufnahmen einer Moorlandschaft in Norwegen machen, über der die prächtigen Polarlichter strahlen.

Zu den weiteren Besonderheiten des Films zählen viele verschiedene Zeitraffer-Szenen, u. a. von aufblühenden Pflanzen, sich verschiebenden Gewässern und Äste ausstreckenden Bäumen, sowie auch zahlreiche Makroaufnahmen, u. a. von Insekten, die von einem Sonnentau, einer Fleisch fressenden Moorpflanze, gepackt und verschlungen werden. Ironischerweise sind Insekten nicht nur Beutetiere sondern auch Fressfeinde des Sonnentaus. So bekommt man gleichzeitig auch Raupen zu Gesicht, die das tückische Gewächs einfach vom Stiel aus auffuttern.

Jan Haft, der bereits Kino-Dokumentationen wie z. B. "Das grüne Wunder - Unser Wald" produzierte, ist ein Meister der atmosphärischen Bilder. Jede einzelne Aufnahme, ob sie balzende Schnepfen, kämpfende Kreuzottern oder aufsteigende Blüten zeigt, ist ein Fest für die Augen. Es gelingt dem erfahrenen Regisseur, sowohl die dunkle und mystische als auch die bunte und blühende Seite der Moore packend in Szene zu setzen.

Abgerundet wird das Ganze durch einen gelungenen und mit vielen interessanten Informationen gespickten Kommentar, der vom bekannten deutschen Schauspieler und "Tatort"-Komissar Axel Milberg überwiegend sachlich und angenehm ruhig vorgetragen wird. Dabei weiß der Film stets genau, wann ein Bild eines Kommentars bedarf und wann man die Aufnahmen einfach für sich sprechen lassen kann. Und auch der Spagat zwischen nüchterner Informationsvermittlung und atmosphärischer Inszenierung von Naturszenarien gelingt vorzüglich.

Doch „Magie der Moore“ ist mehr als nur ein schön anzusehendes Porträt eines unterschätzten Lebensraums. Mit all seinen großen Bildern spricht sich der Film nämlich auch für einen bewussteren Umgang mit dem Ökosystem Moor aus. Jahrhundertelang wurden Moore weltweit massenhaft entwässert und für den Abbau von Torf und noch stärker für die industrielle Landwirtschaft zerstört. Dies raubte nicht nur zig Tier- und Pflanzenarten den Lebensraum, sondern setzte auch Unmengen an CO2 frei. Moore sind nämlich noch größere Kohlenstoffspeicher als Wälder und entlasten jährlich die Atmosphäre um bis zu 250 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid, weswegen auch Klimaschutz ohne den Erhalt von Moorlandschaften undenkbar ist.

Die Dokumentation richtet ihren Fokus jedoch nicht nur auf den Schutz der letzten unberührten Moore sondern zeigt auch anhand von Beispielen in Deutschland, wie schnell eine ehemalige Landwirtschaftsfläche, die wieder geflutet und renaturiert wird, erneut zur Heimat seltener Moorpflanzen und Moortiere werden kann.

„Magie der Moore“ ist eine atmosphärisch packend inszenierte und zugleich überaus sachliche und informative Dokumentation über die letzten Moorlandschaften Europas, die ihrem Titel definitiv gerecht wird. Hier sieht man das Moor von seiner düsteren und mystischen, von seiner blühenden und lebendigen, kurz gesagt von seiner magischen Seite.

gez. Maxim Podobed 2015

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Hier geht es zur letzten Folge: "Im Reich der Affen"

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Kommentare (3)
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29.09.2015
Rhino hat geschrieben:
@Hummelelfe: Der läuft bereits im Kino! :D

@Uli: Danke, das hör ich sehr gerne! :)
29.09.2015
Hummelelfe hat geschrieben:
Das hört sich WUNDERSCHÖN an.
Ich möchte den Film unbedingt sehen, sobald er im Kino läuft.
Der Trailer war total faszinierend.
29.09.2015
midori hat geschrieben:
Oh, ich will es sehen! Ich liebe Moorlandschaften! Deine Rezension hat mich so richtig gepackt. <3
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