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der Redaktion


© Marcel Gluschak / WWF
FilmTipp: "How to Change the World"


von Rhino
13.09.2015
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100 P

Liebe Community, die WWF Jugend Redaktion startet hiermit eine neue Reihe, den „WWF Jugend FilmTipp“ – immer wenn ein Film zu einem Umweltthema in die Kinos kommt, erscheint ab jetzt eine ausführliche Kritik von uns – und der erste Beitrag in dieser Reihe behandelt die Greenpeace-Dokumentation, „How to Change the World“, die seit dem 10.09 in den deutschen Kinos zu sehen ist.

Wir schreiben das Jahr 1971, ganz Nordamerika ist vom Kalten Krieg besessen und sieht mit an, wie auf der Insel Amchitka im Süden Alaskas zum wiederholten Mal ein Atomwaffen-Test durchgeführt werden soll – ganz Nordamerika? Nein, ein Team aus unbeugsamen Umweltaktivisten leistet dem nuklearen Zerstörungswahn Widerstand und steuert auf einem alten Schiff direkt auf die Aleuten-Insel zu, einem Schiff namens „Greenpeace“ …

Hier beginnt die turbulente Geschichte einer der bedeutendsten Umweltschutzorganisationen der Welt, mit einer kleinen Gruppe aus Alternativen. Fast alle entsprechen den klassischen Hippie-Klischees, haben lange Haare und Bärte und demonstrieren für den Weltfrieden, gegen den Vietnamkrieg und gegen Atomwaffen.

Als die US-amerikanische Regierung unter Richard Nixon ankündigt, eine fünf Tonnen schwere Wasserstoffbombe auf Amchitka zu sprengen, läuten die Alarmglocken der Friedensbewegung.
Und auch Umweltschützer sind empört, schließlich könnte der Test zu Naturkatastrophen wie großen Erdbeben und Tsunamis führen, die heimischen Tiere würden bei der Detonation sterben und außerdem wäre die gesamte Insel durch den Test noch Jahrtausende lang radioaktiver Strahlung ausgesetzt.

Und so entschließen sich der Journalist Robert „Bob“ Hunter, der Seemann Paul Watson, der Biologe Patrick Moore und eine Reihe anderer Umweltaktivisten gegen den Kernwaffentest vorzugehen. Geprägt durch die Ideale der klassischen Friedensbewegung, die vor allem auf dem friedlichen Protest Mahatma Gandhis basieren, lehnen sie die gewalttätige Konfrontation ab. Stattdessen wollen sie die Atombombe mit einer so genannten „Mindbomb“ bekämpfen. Diesen Begriff prägt Greenpeace-Mitgründer Bob Hunter, um einen Protest zu beschreiben, der dramaturgisch spannend und bildgewaltig erscheint, eine enorme Aufmerksamkeit erregt, die Medien auf den Plan ruft und so Massen an Menschen erreicht, fesselt und im Idealfall für ein bestimmtes Ziel mobilisiert.

Die Aktivisten verwirklichen schließlich ein klassisches „David gegen Goliath“-Szenario und segeln mit einem kleinen Schiff direkt in Richtung Alaska. Unterwegs erhält dieses Schiff den Namen „Greenpeace“, „peace“ als Symbol der klassischen Friedensbewegung und „green“ als Ausdruck für das neue große Ziel, nicht nur einen friedlichen, sondern auch einen grünen, sauberen und ökologisch intakten Planeten zu bewahren.

Am Ende gelingt es den Aktvisten jedoch lediglich, den Kernwaffentest zu verzögern, verhindern können sie ihn nicht ...auf den ersten Blick ein herber Rückschlag, doch bereits als das Schiff wieder an seinem Heimathafen in Kanada anlegt, werden die Greenpeace-Aktivisten von zahlreichen begeisterten Befürworten und Unterstützern empfangen. Die „Mindbomb“ ist offensichtlich eingeschlagen.

Im Laufe der Jahre wird die Bewegung „Greenpeace“ größer und größer, wobei unterschiedlichste Typen von Menschen den Fortschritt der Organisation prägen. Von einem Mix aus „Mystikern und Mechanikern“ ist die Rede. Während einige Mitglieder Wissenschaftler sind, die sich auf Erfahrungen aus Biologie, Mechanik oder Geologie berufen, haben andere einen eher spirituellen und esoterischen Bezug zur Natur.

Bei der zweiten großen Schiffsaktion von Greenpeace, der Konfrontation mit russischen Walfängern im Pazifik, gehören u. a. ein Musiker, der Walgesänge simuliert und ein professionelles Kamera-Team zur Mannschaft. Dieses hält für die Weltöffentlichkeit fest, wie die Greenpeace-Aktivisten Bob Hunter und Paul Watson sich auf einem Schlauchboot zwischen eine Pottwalfamilie und ein riesiges Walfängerschiff stellen und wie dann, nur knapp über den Köpfen der Aktivsten, die Harpune abgefeuert wird und einer der Wale dadurch qualvoll stirbt … Bilder, die eine weltweite Protestwelle auslösen.

Doch die Geschichte von Greenpeace ist nicht nur eine Geschichte von friedlichem Widerstand und großen bildstarken Seefahrten, sondern auch eine Geschichte von großen Egos, stetigen internen Konflikten und einer Menge Zwiespalt. Insbesondere als Bob Hunter, der inoffizielle Anführer der Bewegung, der stets für ein Gleichgewicht aus Radikalität und Kompromissbereitschaft stand, immer mehr an Kraft verliert und die beiden inoffiziellen „Vize-Chefs“, der, auf radikalen Widerstand fokussierte, Paul Watson und der, eher auf Kompromisse und Kooperationen mit der Wirtschaft setzende, Patrick Moore die Organisation in ihre Richtung lenken wollen, entfacht ein großer interner Disput, der immer drastischere Ausmaße annimmt.

Bis heute sind einige Greenpeace- (und z. T. Ex-Greenpeace-)Mitglieder bitter verfeindet.

All diese Konflikte machen „How to Change the World“ von Regisseur Jerry Rothwell zu einer außerordentlich spannenden Dokumentation, die nicht bloß mit Zahlen und Fakten um sich wirft, sondern uns Menschen mit ihren Persönlichkeiten näher bringt. Man lernt die Hintergrundgeschichten der Greenpeace-Gründer kennen, ihre Überzeugungen, Ideale, Kompetenzen, ihre Methoden und ihre Prinzipien. Dabei ist der Film weder einseitig noch unkritisch und lässt eine Vielzahl der noch lebenden Aktivisten in Interviews ausführlich zu Wort kommen, sodass einzelne Ereignisse aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden.

Das mit Abstand beeindruckendste Element des Films sind jedoch die vielen, unvorstellbar detaillierten Original-Aufnahmen. Die Greenpeace-Gründer wussten, dass Bilder mehr sagen als Tausende von Worten und haben deshalb all ihre Aktionen fast durchgehend mit Kameras begleitet, ob es die erste Begegnung mit einem getöteten Walbaby ist, bei der die Aktivisten vor Wut mit Flüchen und Schimpfwörtern um sich werfen oder eine Konferenz zur Zukunft der Robbenjagd, bei der Paul Watson zutiefst enttäuscht und verächtlich mitansieht, wie sein Kollege Bob Hunter den Zielen der Jäger klein bei gibt.

Die Aufnahmen, von denen einige in dieser Dokumentation erstmals veröffentlicht wurden, sollten einst Fernsehzuschauer fesseln und für einen neuen, abenteuerlichen Protest begeistern – und auch im Jahre 2015 haben sie nichts an ihrer Faszination eingebüßt. 

Es gibt einzelne Momente, da fragt man sich, wieso nicht längst ein Spielfilm über die ersten Abenteuer der Greenpeace-Gründer gedreht wurde, doch wenn man ehrlich ist: Wozu brauch man einen Spielfilm? Jede der wegweisenden Greenpeace-Aktionen wurde hinreichend filmisch dokumentiert und wozu Darsteller engagieren, wenn sich die Greenpeace-Aktivisten doch vortrefflich selbst gespielt haben? „How to Change the World“ ist ein überaus gelungenes Porträt einer Bewegung, das auch für all die, die sonst keine Dokumentationen im Kino anschauen, sehr zu empfehlen ist, denn es ist einer dieser Filme, die wunderbar zeigen, dass echte Geschichten manchmal deutlich spannender sein können als jedes Drehbuch …

gez. Maxim Podobed 2015

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Kommentare (3)
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15.09.2015
Cookie hat geschrieben:
Danke für den Tipp! Ich hoffe, er läuft auch irgendwann in meiner Nähe.
14.09.2015
Buchenblatt hat geschrieben:
Das klingt super. Danke!
14.09.2015
becci42 hat geschrieben:
Toller Tipp, danke! Läuft leider in meiner Stadt in keinem Kino :(
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