Mit starken Worten für den Naturschutz:


Eure Berichte


für #NatureAlert!


Wie man Menschen für den Naturschutz begeistert - oder auch nicht


von SvenW1994
10.08.2016
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Wie kann Naturschutz funktionieren? Da gibt es viele Wege, die einen sind weniger effektiv als die anderen. In den folgenden Minuten (je nachdem wie schnell Ihr lest) werde ich meine Meinung dazu vertreten. Viel Spaß und lasst gerne einen Kommentar da :)

Der erhobene Zeigefinger - Wirksam oder nicht?

Immernoch glauben viele umweltbewusste Menschen, sie würden mit dem erhobenen Zeigefinger irgendetwas erreichen. Sie unterliegen dem Irrtum, wenn sie ihren Mitmenschen nur ein möglichst schlechtes Gewissen einreden, würden manche davon zur Einsicht finden.
Ich kann da aus eigener Erfahrung sprechen: Das funktioniert in den meisten Fällen nicht. Natürlich ist unser Fleischkonsum zu hoch, aber folgender Beispielsatz ist trotzdem kontraproduktiv:
Ich bin Veganer und deswegen bin ich besser als jeder von Euch, der Fleisch isst. Deswegen halte ich Euch jetzt eine Moralpredigt um zu zeigen, wie schlecht Ihr alle seid.
Die Reaktion, die sowas bei den meisten hervorruft ist vor allem Trotz.
Das führt eher dazu, dass einem die Menschen nicht mehr zuhören oder das was man sagt kategorisch ablehnen. Das liegt nicht etwa daran, dass die Grundidee falsch ist, sondern eher die Art und Weise wie sie vorgetragen wurde.

 

Angst als Druckmittel funktioniert nicht

Das lässt sich eigentlich ganz gut mit einem grundlegenden Problem des heutigen Schulsystems vergleichen.
Welcher Schüler lernt heute noch aus wahrem Interesse am Stoff? Antwort: Die wenigsten.
Das Druckmittel, das viel verwendet wird ist Angst:
Angst vor schlechten Noten
Angst vor einer Standpauke
Angst vor dem Versagen.

Nicht nur in der Schule, sondern auch in vielen anderen Lebensbereichen begegnet uns so ein Druck. Wenn man Angst hat, in Mathe zu versagen, bezweifle ich stark, dass man daran irgendeine Art von Freude findet.

Begeisterung ist der Schlüssel zum Erfolg

Ich habe mir in dem Zusammenhang immer wieder überlegt, wie ich zu so einem Naturfan geworden bin. Diese Einstellung ist so tief in meiner Persönlichkeit verankert, dass ich sie wohl nie wieder loswerde, selbst wenn ich wollen würde. Wie genau hat das also bei mir funktioniert?
Es wäre doch zum Beispiel im Schulsystem viel effektiver, mit Belohnungen zu arbeiten: Man freut sich über eine gute Note und wird gelobt, man gewinnt Selbstbewusstsein und verbindet durch solche Erfahrungen positive Gefühle mit dem Lernen.
So ähnlich müsste man auch bei einem Thema wie der Umweltbildung ansetzen:
Die Menschen (und vor allem die Kinder) sollen die Natur mit etwas Positivem verbinden.
Bei mir hat dies vor allem über zwei Wege funktioniert:

 

 

Von Zoo-Besuchen und Animal Planet

Einmal waren es die wöchentlichen Zoo-Besuche, ich hatte Jahreskarten für mindestens drei verschiedene Zoos und habe meine Eltern dauernd genötigt, immer und immer wieder mit mir dort hinzufahren. Auch wenn ich das selbe Tier schon hundert Mal gesehen hatte, ich wollte es noch ein einundertunderstes Mal sehen.
Zum anderen habe ich in meinem Elternhaus eine Sammlung von Videos und DVDs, allesamt Naturdokumentationen. Ich kann an dieser Stelle nicht verschweigen, dass meine Familie väterlicherseits allesamt den gleichen grünen Daumen geerbt hat. Mein Vater war Gärtner, meine Cousine ist Biologin und die andere Cousine Tierarzthelferin. Natürlich hängt vieles auch mit dem Elternhaus zusammen.
Eine Regel bei uns war: Ich musste mich damals als Kind strikt an die FSK Regeln der Videokassetten halten. Wenn ich 11 war durfte ich trotzdem keine Filme ab 12 gucken, da war mein Vater sehr streng. Was mir aber immer erlaubt war, waren Naturdokumentationen. Ob mein Vater den geheimen Plan hatte, mich so von der Natur zu begeistern, kann ich ihn heute leider nicht mehr fragen. Wenn ja, war es ein brillianter Schachzug.

 

 

Die Wirksamkeit einer guten Natur-Dokumentation

In diesen Sendungen wird jedes Mal über ein anderes spannendes Phänomen berichtet, das die Natur zu bieten hat. Dabei liegen Welten zwischen einer guten und einer schlechten Doku: Es fängt schon bei der Stimme des Erzählers an. Der Österreicher Otto Clemens ( http://www.macjingle.at/de/sprecher/4) ist das perfekte Beispiel für einen meiner Meinung nach brillianten Erzähler. Viele kennen ihn als Sprecher von Dinosaurier – Im Reich der Giganten und Dokumentationen der Universum-Reihe. 

Stellen Sie sich vor, wir könnten durch die Zeit reisen.. Zurück in eine Vergangenheit, lange bevor wir Menschen existierten.. Allein vom ersten Satz des Videos bekomme ich Gänsehaut.
Diese Sendungen sind interessanterweise fast immer gleich aufgebaut:
90 Prozent der Zeit geht es um die Faszination und man sitzt (jedenfalls in meinem Fall) gefesselt vor dem Bildschirm.

 

 

Mit den letzten 5 Minuten steht und fällt die Botschaft

Und die letzten fünf bis zehn Minuten jeder Dokumentation leiten sich mit ungefähr folgendem Satz ein:
All das was wir Ihnen in der vergangenen Stunde gezeigt haben, ist in Gefahr.
Da spitze ich natürlich die Ohren: Ich habe gerade erst Freunde daran gefunden und jetzt erwähnt der Erzähler plötzlich Wörter wie: Regenwaldrodung und Korallensterben? Also genau das, was ich grade lieb gewonnen habe, könnte in den nächsten Jahren vom Erboden verschwinden? Keiner will, dass ihm etwas weggenommen wird, was ihm Freude macht.
Genau so rum muss es ablaufen, NICHT anders rum: Erst muss man Begeisterung für diese Themen wecken, denn was man liebt will man auch beschützen.
Bei einer einstündigen Sendung, wie schlimm und hoffnungslos alles in der Welt aussieht, voll mit Bildern von vermüllten Ozeanen und brennenden Regenwäldern, wird jeder Otto-Normal-Verbraucher die Einstellung entwickeln: Das ist doch eh alles hoffnungslos, also warum überhaupt etwas versuchen?
Wenn man aber zuerst Bilder von bunten Korallenriffen und unendlich grünen Wäldern präsentiert, dann denkt sich hoffentlich der Zuschauer: Das ist etwas so schönes, das muss so bleiben - Und damit es so bleibt, muss etwas getan werden.

 

Quellen: 

https://pixabay.com/de/frustriert-traurig-spannung-1174084/

https://pixabay.com/de/umweltschutz-naturschutz-%C3%B6kologie-326923/

https://www.youtube.com/watch?v=leEOhqBGTYY&list=PL1_vBh4GCSUo6S4Z6RC5n6Ul29g8YpDu7

https://pixabay.com/de/fisch-aquarium-meer-korallenriff-288988/

https://pixabay.com/de/verzweiflung-allein-alleinsein-513529/

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Kommentare (5)
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13.08.2016
SvenW1994 hat geschrieben:
Irgendwie leben wir ja heutzutage in einer Genussgesellschaft. Die Leute wollen den ganzen Tag genießen, und sich unterhalten lassen. Es gibt riesige Maschinerien und Leute, die sich immer wieder neues Entertainment ausdenken, um Menschen zu begeistern und hohe Einschaltquoten zu kriegen.
Dabei hat die Natur ohne irgendein menschliches Zutun schon genug Potenzial, um die Menschen zu fessseln und zu begeistern.
Mein Statement war eigentlich nur:
Mit Begeisterung und Freude als Triebfeder erreicht man mehr als mit Angst oder schlechtem Gewissen.
Ich glaube auch, dass diejenigen die sich mit Erfolg für den Umweltschutz einsetzen, das tun, weil sie das lieben was sie beschützen wollen.
Vllt. ist das ein bisschen so, wie wenn Mütter ihre Kinder unter einem Auto hervorziehen:
Weil sie das beschützen was ihnen am Herzen liegt, entwickeln sie ungeahnte Kräfte.
13.08.2016
Lisa18 hat geschrieben:
Ich danke dir für diesen sehr interessanten Bericht und muss dir nicht nur in dem Bereich des Moralapostels recht geben. Gerade der Veganismus, welcher eng mit der Massentierhaltung zusammenhängt, ist ein heikles Thema, da viele bereits eine ziemlich klare Meinung dazu haben und diese auch relativ deutlich vertreten. Deshalb ist es, wie ich finde, umso wichtiger nicht diese Leute versuchen zu überzeugen, sondern schlichtweg zu informieren. Danach können sie immer noch ihre Auffassung ändern. Hinzukommt, dass es am Nachhaltigsten ist, wenn eine Veränderung aus freien Stücken geschieht, und nicht unter Druck oder Zwang.

Ich gebe dir durchaus recht, dass schöne Natur- und Tierdokumentationen positiv zum Interesse daran, beitragen. Allerdings finde ich es ebenso wichtig, dass die andere Seite der Medaille gezeigt wird, sodass die Leute auch eine direkt Vorstellung davon haben, wie die Artenvielfalt bedroht ist. Und um daraus Denkanstöße und Ideen entwickeln zu können, die wirksam gegen die Vernichtung vorgeht.
Ich persönlich habe als Kind, wie du, mit solchen schönen Dokus angefangen, und nach und nach auch die anderen gesehen. Letzendlich muss ich sagen, dass die Kombi mich nur noch weiter gestärkt hat, für den Umwelt- und Tierschutz einzutreten.
11.08.2016
SvenW1994 hat geschrieben:
Was mich persönlich brennend interessiert:
Kennt noch jemand Otto Clemens und feiert ihn auch so wie ich? :D
11.08.2016
Orcara hat geschrieben:
Ich finde den Bericht wirklich super!

Nur ist es ja so, dass es leider nicht zu jedem wichtigen Thema eine gute Doku gibt, und wenn doch, hat man ja auch nicht immer gerade einen DVD Player oder einen Laptop und Strom in der Hosentasche ^^ ihr versteht was ich meine

Ich finde eine gute Art andere zu überzeugen sind genaue Fakten und auch eigene Erfahrungen. :)

Ich arbeite bei so etwas immer mit dem Sanduhrprinzip. Erst das stärkste Argument der "gegnerischen" Meinung einbringen und weitere Argumente bis zum schwächsten Argument, dann mit dem eigenen schwächsten Argument beginnen und schließlich mit dem stärksten Afgument der eigenen Meinung beenden. So hat man am Anfang noch eine Einleitung, wobei sich die andere Meinung vertreten fühlt, doch diese kehrt man dann mit den eigenen Argumenten um (Sanduhr) und versucht zum Schluss die Anderen zu überzeugen.
10.08.2016
RichardParker hat geschrieben:
Hmm...
Interessanter Blickwinkel, auf den ich wahrscheinlich nicht gekommen wäre, ohne deinen Artikel. Dabei ist es doch eigentlich nicht von der Hand zu weisen, dass so ziemlich alle Menschen sich verschließen, wenn man ihnen nur die schlechten und allerschlechtesten Ereignisse auf dem Planeten unter die Nase reibt.
Das erledigen größtenteils die Medien für uns, die Nachrichten sind voll von Negativbeispielen, insofern schließe ich mich deiner Beweisführung an.

Begeisterung und Leidenschaft sind mit Sicherheit auch die A und Os im Umweltschutz.
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