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Crêts du haut-Jura


von Sprosse
07.06.2016
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Für meine Masterarbeit bin ich nun schon seit einem halben Jahr in der Schweiz, in Genf, um genau zu sein. Eine der teuersten Großstädte der Welt, mit ihren Bussen, Straßenbahnen und Menschen. Eine lebendige Stadt, allerdings auch eine volle und dreckige Stadt, trotz des schönen Sees im Herzen von Genf. Da tröstet es einen zumindest ein wenig, dass die Berge nicht fern sind. Ich habe das Glück direkt am Fuß eines Berges zu leben, dem Reculet. Der Reculet ist ein Berg des Jura Gebirges in Frankreich. Viele Menschen erklimmen ihn täglich, auch Jogger. Bei meiner ersten Wanderung musste ich leider feststellen, dass man den ganzen Berg auf betonierten Wegen erklimmen kann. Zunächst wandert man noch auf einem schönen aber recht steilen Waldweg, der allerdings bald an einem betonierten Weg endet, danach hat man erst mal keine Wahl, man muss den nicht zu übersehenden Spuren der Menschen folgen. Eine Betonstraße auf einem so schönen Berg. Steil nach oben führt sie.

Bisher hat mich die Wanderung auf diesen so angepriesenen Berg noch nicht begeistert. Gelangweilt, schwitzend und außer Atem setzte ich einen Fuß vor den anderen. Später soll noch Schotter auf dem betonierten Weg liegen, ich freue mich schon über den Abstieg, das Ausrutschen.

Dann kommt man an einer Weggabelung an, ein erster Ausblick auf den in der Ferne liegenden Mont Blanc ermöglicht sich. Zwischen Bäumen hindurch.
Nun könnte ich rechts einen noch steileren Betonweg den Berg hinauf stapfen, ein Mountain Biker und ein Jogger kommen mir entgegen. Oder ich nehme den schmaleren Weg auf der linken Seite. Ein paar Büsche ragen auf den Weg hinein, aber ich bin ja wandern, um in der Natur zu sein. Also wähle ich den schmalen Weg vorne am Berg entlang. Stellenweise folge ich einem ausgetrampelten Pfad oder darf mich durch kleine Schluchten durch schieben. Immer wieder bietet sich mir der Ausblick auf die Alpen auf der anderen Seite von Genf. Auch hier sind immer wieder kleine Stücke des Weges mit Schotter ‚befestigt‘ worden. Viele Menschen kommen mir entgegen. Mit der Natur eins werden ist hier leider immer noch nicht möglich. Tiere sind weit und breit nicht zu sehen.

Nach einiger Zeit flacht der Weg ab und man hört leise das Geräusch von Kuhglocken. Ein Gatter versperrt mir den Weg und schließlich trete ich auf eine große Alm. Sie liegt in einem Kessel, der aus dem Reculet und seinem Nachbarberg gebildet wird. Kühe grasen friedlich hier oder liegen in der Sonne. Eine kleine Almhütte gibt es noch und die Aussicht auf die Alpen, wenn nur das große Genf nicht immer das Naturbild stören würde.

Nach einer kleinen Stärkung bietet sich mir nun die Möglichkeit rechts dem offiziellen Weg den Reculet hinauf zu folgen. Bunte Tupfen bewegen sich auf dem schmalen Pfad den steilen Berg hoch und herunter. Zu meiner linken beginnt weiter den Kessel hinauf ein kaum erkennbarer Pfad, niemand scheint ihn zu bemerken oder dort auf eine Wanderung zu gehen. Vielleicht finde ich auf der anderen Seite des Kessels Gämse.

Alleine, mit all den Menschen auf der anderen Seite des Kessels, schreite ich dem unbekannten Weg entgegen. Ich weiß nicht, wo er hinführen wird oder ob er nicht einfach nach fünf Schritten wieder endet, aber ich weiß, dass ich auf dem anderen Weg nur mit all den anderen Touristen dem Gipfelkreuz entgegen gehen würde. Etwas, dass die meisten Leute unbedingt erreichen wollen und wenn sie da sind, machen sie sich einen Stempel in ihr Büchlein oder ein stolzes Foto vor dem Kreuz und wandern wieder dem Fuß des Berges entgegen. Die meisten achten gar nicht auf die Natur um sie herum, oder eben auf die zerstörte Natur, mit dem riesigen Genf vor der Nase.

Büsche versperren immer wieder den Trampelpfad, viele Leute scheinen nicht auf dieser Seite entlang zu wandern. Der Weg führt mich einen kleinen Hügel hinauf und nun kann ich auch an Genf vorbei gucken. Vor mir erstreckt sich das Rhone-Tal. Wie sich der Fluss einen Weg zwischen den Bergen frei gewaschen hat. Auf dieser Seite des Kessels sehe ich keine Menschen, dafür aber tatsächlich eine Gruppe Gämse. Über mir am Berghang stehen sie. Fünf Gämse. Sie beobachten ihre Umgebung und bewegen sich langsam in die Richtung aus der ich gekommen bin. Immer wieder beobachte ich sie oder schaue über das breite Rhone-Tal hinüber zu den Alpen, mit ihrem König, dem Mont Blanc. Von hier aus sieht man keine Gondeln, die die Menschen auf den Aiguille du Midi befördert, von hier aus sieht man nur die Berge, mit ihren spitzen Gipfeln und ich kann diesen herrlichen Ausblick genießen. Fern von allen Menschen mitten in der Natur. Auf meinem Rückweg kann ich noch einmal einen Blick auf die Gämse erhaschen. Mittlerweile ist es Abend und nur noch einzelne Leute stapfen dem Gipfel des Reculet entgegen oder sind auf dem Rückweg. Ein paar Dohlen fliegen über den Kessel und lassen ihr „kja“ und „kjak“ hören.

Immer wieder kommen Jogger den Berg hoch gerannt, während ich den Berg hinab wandere, der Zivilisation entgegen, die nicht mal versucht hat, diesen schönen Berg, mit all seinen Tieren, möglichst unberührt zu lassen.

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