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Sergei aus Kamtschatka zu Besuch beim WWF Deutschland!


von MarcelB
19.03.2013
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14:00 Uhr – Ich sitze im großen Konferenzraum des WWF Deutschland und lausche den Worten von Sergei Rafanov, dem Leiter des WWF Programms in Kamtschatka.

 Noch bevor der Vortrag über die Arbeit des WWF in Kamtschatka beginnt erzählt uns Sergei etwas über die Wirbelstürme die gerade in Kamtschatka wüten und wie froh er doch ist gerade in Deutschland zu sein.

 

Doch das war garnicht so leicht leitet er den Vortrag ein, denn um eine Visa für Deutschland zu beantragen musste er erstmal in eine andere Stadt fahren die so weit weg war wie die Strecke zwischen Berlin und Lissabon!

Der Ort an dem Sergei arbeitet ist so weit weg, dass 10 Stunden Zeitverschiebung zwischen ihm und uns liegen, Sergeis Körper ist demnach gerade total im Schlafmodus. Trotzdem ist er sehr motiviert uns möglichst viel über seine und die Arbeit des WWFs zu erzählen.

Warum ist Kamtschatka eine einzigartige Naturlandschaft?

Kamtschatka liegt im äußersten Osten Russland und zeichnet sich durch eine unglaubliche Artenvielfalt aus. 56% der Natur in Kamtschatka ist völlig unberührt, daher gibt es auf der Halbinsel über 120 Naturschutzgebiete.

Gerade einmal 400.000 Einwohner besiedeln das Land und weite Teile der Naturlandschaft sind von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt worden.

Kamtschatka beherbergt die zweitgrößte Braunbärpopulation der Erde. Eine erste Zählung der Braunbärenpopulation Kamtschatkas registrierte etwa 20.000 Tiere.

Im Jahre 1976 wurden nur noch circa 7.000 Braunbären gezählt. Seit 2002 hat sie die Art auf 10.000 Tiere erholt. Der Schein trügt jedoch erzählt uns Sergei, früher hat er viel mehr Bären gesehen. Heutzutage muss man schon sehr lange suchen um einen zu entdecken! Mehr Infos zum Kamtschatka Braunbär gibt’s HIER.

Nachhaltige Fischerei? Der Lachs und seine Bedeutung für die Region

In Kamtschatka gibt es die größten Vorkommen pazifischer Wildlachse – jeder vierte pazifische Wildlachs kommt aus Kamtschatka!

Gerade durch die wachsende Ökonomie wird über die Hälfte der Kamtschatka Wildlachse illegal gefischt, das ist ein sehr großes Problem, sagt Sergei. Die Fische werden überwiegend nach China und Japan exportiert oder bleiben in Russland. Viele Fische finden auch ihren Weg nach Europa. Ein weiteres großes Problem ist, dass die Herkunft der Fische oft nicht klar ist. Viele Abnehmer wissen garnicht, dass der Fisch den sie kaufen aus Kamtschatka ist, kritisiert Sergei.

Daher kooperiert Sergei vor Ort viel mit der Fischereiindustrie. Ein Ziel des WWF Programms ist es stärkere Fischereigesetze durchzubringen. Schwierig gestaltet sich der Konkurrenzkampf zwischen den beteiligten Ländern am Pazifik um die Fischereimärkte. Stärkt ein Land (beispielsweise Russland in Kamtschatka) die Fischereigesetze, wandern die Unternehmen nach Japan, China oder internationale Gewässer ab. Daher liegen die politischen Interessen Kamtschatkas darin, die Wirtschaft im Land zu behalten. Ein weiteres Problem sind auch die vielen Regierungswechsel die in letzter Zeit stattgefunden haben.

Sergei zeigt uns ein Bild von riesigen Kaviar Exportpaketen. Als wir ihm erzählen wie hoch die Preise für Kaviar in Deutschland sind, lacht er nur. Er erzählt uns, dass sogar die Ärmsten der Region sich das morgens dick aufs Brot schmieren. Der Lachs, dem die Eier für den Verkauf geraubt werden, ist vielmehr ein Abfallprodukt der Industrie dort, um den sich Sergei in Zukunft mehr kümmern will.

Seit 2008 gibt es den ersten Kamtschatka Wildlachs mit MSC Siegel, der den strengen  und unabhängigen Richtlinien vom WWF und MSC unterliegt.

Mehr Infos zum Seelachs findet ihr HIER

 

***************

Kamtschatka ist eine der letzten großen Wildnisse der Welt mit einer einmaligen aktiven Vulkanlandschaft, die (auch Dank des WWF) zum UNESCO Weltnaturerbe gehört. Es gibt auf Kamtschatka eine enorme Artenvielfalt wozu beispielsweise die größten Seeadler, acht Arten von Lachsen, neben den Braunbären gehören. Zu hoffen ist, dass mehr Menschen von diesem schönen Lebensraum erfahren und ihn noch mehr schützen, als ohnehin schon.

Danke Sergei und halt – trotz Wirbelstürmen - weiterhin die Ohren in Kamtschatka steif! :)

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Kommentare (9)
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03.04.2013
Helen1698 hat geschrieben:
Vielen Dank für den schönen Bericht! :) Ich hoffe, dass man dort in der Fischereipolitik in naher Zukunft einen Kompromiss finden kann, der für alle Parteien akzeptabel ist!
20.03.2013
Anne95 hat geschrieben:
Von Kamtschatka lese ich heute zum ersten Mal... bestimmt total schön dort mit den vielen Naturschutzgebieten. Hätte nicht gedacht, dass es heutzutage noch solche Regionen mit so viel unberührter Landschaft gibt :-)
20.03.2013
MarcelB hat geschrieben:
ich denke nicht, dass 45% vom Menschen zubesiedelt wurden! Eher handelt es sich um Gebiete die vom Menschen verändert wurden - aber trotzdem noch Naturgebiete sind, wie beuspielsweise Wälder. :)

Ja, Kamtschatka ist wirklich richtig weit weg, wie die Karte oben zeigt! ;D
20.03.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
20.03.2013
Peet hat geschrieben:
Dachte mir gerade so: Cool, da musste mal hin. Guck dann mal auf ner Karte und sehe - hmmm bisschen weit ist das schon. :)

Danke für den Bericht. Sehr interessant!
20.03.2013
gelöschter User hat geschrieben:
55 % unberührte Natur klingt wirklich wunderschön. Schade nur, dass bereits 45 % Menschenbesiedelung reichen um Schaden anzurichten :/

Ha!!! Bei uns Kostet (guter) Kavier ein kleines Vermögen....so teuer kann ein Abfallprodukt sein ;)
20.03.2013
AlinaSky hat geschrieben:
Danke für den Bericht! :)
56% Unberührte Natur klingt super!!! Schade nur, dass es immer und überall Leute gibt die nur nach Geld aus sind...hoffentlich gelingt es stärkere Fischereigesetzte durchzusetzen und die illegale Fischerei zu stoppen
20.03.2013
Puma hat geschrieben:
Danke für den Bericht :).Ich hoffe,dass es gelingt die illegale Fischerei zu stoppen und somit die Artenvielfalt zu erhalten :)
20.03.2013
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Danke für den Bericht! :)
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