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Das revolutionäre Netz


von Franzi
13.05.2013
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Der gute Fischfang, er lässt uns nicht in Ruhe. Aber das ist auch gut so! Im Moment wird viel diskutiert und geforscht, auch auf EU-Ebene, denn allen ist klar, dass es SO auf Dauer nicht weitergehen kann.

Pro Jahr werden ca. 80 Millionen Tonnen Fisch aus den Weltmeeren geholt, egal ob es die gewollte Fischart ist oder nicht. Unglaubliche 25% dieser 80 Millionen Tonnen macht der Beifang inzwischen schon aus. Dieser Fisch wird zum größten Teil wieder ins Meer geworden - meist tot.
In der EU wird einheitlich geregelt, wer wie viel Fisch fangen darf. Diese sogenannte „gemeinsame Fischereipolitik“ gibt es seit 1983 und sie wurde eigentlich geschaffen, um die Fischbestände zu schützen. Heute ist es jedoch eher eine Fischvernichtungspolitik, die viele Schwächen aufweist. Unter anderem wegen zu großer Flotten und ineffizienter Fangmethoden ist die jährliche Fischfangmenge in den letzten 10 Jahren bereits um 30% zurückgegangen! 


In der EU ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass der Beifang wieder über Bord geworfen werden muss, damit die Quoten eingehalten werden können. Ein solches Rückwerfen ist jedoch aus ökologischer Sicht eine absolute Katastrophe.
Die Norweger haben das bereits begriffen, sie sind deutlich fortschrittlicher im Fischfang. Zum einen sind die norwegischen Kontrollen sehr streng und die Strafen sehr hoch, den Fischern ist also daran gelegen, sich an die Regelungen zu halten. Des weiteren hat das Land spezielle, kleinere Quoten extra für den Beifang, sodass dieser nicht wertlos wieder über Bord geworfen werden muss. Die Fischer müssen lediglich genau Buch darüber führen, wie viel Fisch sie wann entnommen haben, damit die Regierung einen Überblick über die Bestände behält. So geht viel weniger Beifang als „Müll“ zurück ins Meer!

Um die Fischbestände und damit auch viele Jobs zu retten, wird nun auch in der EU kräftig an neuen Fangtechniken geforscht, unter anderem am Thünen Institut für Ostseefischerei in Rostock. Im Fokus der Forscher stehen dort - wen wundert es - die Fischereinetze, denn dort läuft alles zusammen.


Das Stichwort lautet: selektiver Fischfang. Denn wenn die Netze so konstruiert werden, dass sie von vornherein nur eine bestimmte Fischart fangen, lässt sich das Beifang-Problem im Keim ersticken.
Die neuste Idee ist das sogenannte „Topless Trawl“, welches auf Dauer das herkömmliche Grundschleppnetz ersetzen soll. Dieses neuartige Netz ist im Gegensatz zum alten Netz - wie der Name schon sagt - oben offen. Das birgt den ungeheuren Vorteil, dass ungewollter Fang wieder hinausschwimmen kann und gar nicht erst an Bord geholt wird.
Grundschleppnetze wurden für den Fang von Plattfischen entwickelt, also Fischen, die sich dicht am Meeresgrund aufhalten. Dabei geraten aber immer ungewollt auch Fischarten wie z.B. der Dorsch mit ins Netz. Das neuartige Netz kann dieses Risiko nun minimieren, indem es den Dorschen ermöglicht, oben wieder hinaus zu schwimmen.
Während die Fluchtrichtung von Plattfischen wie Schollen nämlich horizontal über den Meeresgrund ist - also direkt tief ins Netz hinein - fliehen Dorsche nach oben. So kann es ihnen gelingen, sich selbst zu befreien.
Zudem ist das Topless Trawl leichter als ein herkömmliches Bodenschleppnetz, der Kraftstoffverbrauch des Schiffes sinkt dementsprechend. Auf der anderen Seite ist es durch den fehlenden „Deckel“ auch deutlich instabiler und birgt die Gefahr des „in-sich-zusammensackens“ im Wasser. Um jedoch überhaupt Fisch ins Netz zu bekommen, muss es Wasser „stehen“, wie es im Fachjargon heißt. Dazu werden an den Rändern des Netzes kleine Gewichte und Stabilisatoren angebracht, die das Netz offen halten sollen.

Die Idee ist zwar genial, aber leider ist die Umsetzung nicht so einfach wie sie klingt. Zum einen müssen die Fischer erstmal überredet werden, neue Netze auszuprobieren. Das birgt eine Gefahr, denn wenn das Netz schlecht oder zumindest nicht so gut wie das herkömmliche ist, riskieren sie enorme Geldeinbußen. Der Fischer verdient prozentual an seiner Fangmenge und halb leere Netze bedeuten damit nur die Hälfte an Gewinn.

Bevor die Netze also an die Fischer gebracht werden können, muss es eingehend geprüft und getestet werden. Das geht zunächst über eine Computersimulation und in einem nächsten Schritt dann direkt im Meer.
Solche Test ergaben für das Topless Trawl im direkten Vergleich mit dem Grundschleppnetz Interessantes: zum einen sank die Anzahl der gefangenen Plattfische um fast 40%, was eindeutig noch eine Schwachstelle des neuen Netzes ist. Auf der anderen Seite fanden sich aber auch gut ¾ weniger Dorsche in dem Topless Trawl, der Beifang wurde also um gute 75% verringert! Wenn das mal nicht grandiose Neuigkeiten sind! Somit wurde der Dorschbeifang stärker reduziert als der Plattfischfang.

Zweifellos muss an dem neuen Netz noch gearbeitet werden, denn nur halb volle Netze kann sich kein Fischer leisten. Dennoch ist das Ergebnis gut und zeigt, dass die Forscher in die richtige Richtung gehen. Auch in der EU wird es demnächst vermutlich schärfere Regeln geben, die Fischer werden sich also mit neuen Techniken anpassen müssen.
Denn eins ist klar: Ein leergefischter Ozean bietet überhaupt keinem Fischer mehr Arbeit.

 

Quelle:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1888448/Die-Fischretter

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Kommentare (8)
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22.05.2013
lotte98 hat geschrieben:
endlich existiert eine idee! hoffendlich lässt es sich durchsetzen und hält was es verspricht...
15.05.2013
Makanie hat geschrieben:
Ich finde das alles immer sooo schrecklich, aber es ist gut, das jetzt wenigstens mal eine Idee existiert!
14.05.2013
LSternus hat geschrieben:
Hoffen wir, dass die Netze halten was sie versprechen.
Wenn wäre das wirklich toll, dann würde es maletwas mehr als sonst vorran gehen.
14.05.2013
Ronja96 hat geschrieben:
@Franzi: Danke für die Antwort =)
14.05.2013
Franzi hat geschrieben:
Danke für die Kommentare! :)

@Ronja96: Die Frage ist schwer zu beantworten, da ja z.B. die EU die Fangquoten etc einheitlich regelt und das nicht nach Staaten aufgeteilt ist. Es gibt aber dennoch Gebiete die besonders stark vom Beinfang Problem betroffen sind, dazu zählt unter anderem die Nordsee.

@Helen1698: Ob der Topless Trawl den Meeresboden auch beschädigt konnte ich leider nicht herausfinden, ich nehme aber stark an dass auch zu diesem Punkt geforscht wird!
13.05.2013
Ronja96 hat geschrieben:
Der Bericht ist wirklich gut und interessant.
Ich hoffe wirklich, dass das mit den Netzten klappt, weil der Ansatz schon ziemlich gut ist, wie ich finde.Und was mich auch interessieren würde:
In welchen Staaten ist das Problem mit dem Beifang eigentlich am größten?
13.05.2013
Malla hat geschrieben:
Wirklich sehr interessant. Tja, wer hats erfunden? Die Norweger. Sollten sich andere Staaten an Norwegen orientieren wäre das ein großer Schritt in die richtige Richtung. An neuen Netzen zu forschen ist wichtig, aber ich glaube nicht, dass es die perfekte Lösung für Fischer und Fisch geben wird. Vorallem erschließen sich einige Punkte für mich nicht.
13.05.2013
Helen1698 hat geschrieben:
Danke für den interessanten Bericht! :) Gut, dass Norwegen da so die Vorreiterposition(gibt's das Wort? :D) eingenommen hat, hoffentlich ziehen die anderen Staaten hinterher!
Aber wenn diese neuen Netze auch auf dem Grund liegen, bzw. gezogen werden, dann ist doch das Problem mit zerstörten Korallenriffen und generell dem Meeresboden noch nicht angegangen, oder? Aber auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, bin gespannt wie sich das weiterentwickelt! :)
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