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Auf nach Polen!!! - WWF-Jugendcamp 2009


von Micha71
13.09.2009
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Mittwoch 26.08. – 62 Kilometer vor Torun
Ich öffne die Augen. Die morgendliche Kühle kriecht in meinen Schlafsack. Über mir der klare, blaue Morgenhimmel. Als ich in der Nacht eingeschlafen war, war er übersät mit Sternen; völlige Dunkelheit.
Rascheln; einige Meter neben mir räkeln sich Gestalten, vermummt in ihren Schlafsäcken. Die anderen werden auch wach. Zehn Meter weiter: die Feuerstelle. …und Aaron, unser
Frühaufsteher. Er sitzt schon seit sechs Uhr früh am Feuer und genießt die Stille.

Gestern haben wir noch lange am Feuer gesessen, Pizza darauf gebacken. Jetzt ist die Asche kalt. Ein paar Meter weiter: der See; Schilf am Ufer, ein kleiner Steg. Später würde ich noch mal reinspringen, ehe es zur letzten Etappe geht: Torun, Poznan, Frankfurt/Oder, Berlin. Scheinbar endlose Meilen über polnische Landstraßen, ein letzter Trip durchs Abenteuer.
Schräg neben mir das große Zelt; nur wenige haben es benutzt, den meisten war der Sternenhimmel zu atemberaubend schön, als dass sie die letzte Nacht unter seiner Plane hätten verbringen mögen.
Wie waren wir hierher gekommen? Ist es tatsächlich erst zehn Tage her, dass wir von Berlin aus aufgebrochen sind? Oder waren es eher zehn Wochen? Monate? (Jahre?)
So vieles haben wir seither erlebt, das Zeitgefühl hat sich schon in den ersten Tagen mit einem schelmischen Grinsen von uns verabschiedet...

Di., 18.08. Berlin – Brdow
Vormittags hatten wir uns in der Berliner Geschäftsstelle des WWF getroffen. Experte Peter Torkler hat uns über unser Zielgebiet und die Aktivitäten des WWF vor Ort berichtet. Marius war mit dem Zug etwas später angekommen – hatte schon eine kleine Weltreise bis Berlin hinter sich. Schon in Berlin war die Stimmung phänomenal. Für die meisten war schon Berlin eine Stadt, in der sie noch nicht gewesen waren. Brandenburger Tor, Regierungsviertel, Reichstag, Siegessäule, Funkturm, Avus – und schon waren wir „on the road“.

Mit zwei Kleinbussen ging es Richtung Osten. Nicht nur mit polnischen Lern-Cds oder mit dem polnischen Lokalsender vertrieben wir uns die Zeit, sondern auch mit wunderbarer Musik, z.B. von Harry Belafonte, die die Herzen von Vivi und Uschy eroberte!

Gut eineinhalb Stunden später waren wir in Polen. Vorbei mit der Autobahn – Landstraße. Ortsschilder, die nicht aussprechbar erschienen „Przcysk...“, „Prwczctykct....“ Naja, oder so ähnlich. Den ganzen (halben) Tag fuhren wir so über das Land, tief nach Polen hinein. Zwischenstop, Frisbee spielen, was Essen, Füße vertreten. „Kennenlernspiele“ hat’s nicht gebraucht, die Gruppe fand sich im Reisen.

altGegen Abend, die Sonne sank stetig, suchten wir uns einen Lagerplatz; abseits der Straße, ein See, eine gemähte Wiese. Ein großes Zelt war aufzubauen, von dem niemand so recht wußte, wie es am Ende auszusehen hatte – die erste wirkliche Herausforderung. Mit vereinten Kräften haben wir es geschafft und unsere erste Nacht in Polen war gesichert. Dann noch ein Feuer, eine kleine „Feldküche“, Tortillas mit Gemüse, den einmaligen Sonnenuntergang über dem See bewundern...

 

Mi. 19.08. Brdow – Bialowieza
altHeute galt es, „Strecke zu machen“. Ein „polnischer Kilometer“ mag so lang sein wie ein Deutscher: man braucht dennoch doppelt so lange, um ihn zu durchfahren. Trotzdem haben wir uns Zeit genommen für’s Geldwechseln und erste Einkäufe. Dann wieder: Landstraße, immer kleiner, immer löchriger. Strahlender Sonnenschein war uns gefolgt. Weite Landschaften, selten mal kleine Siedlungen. Dann endlich ein Schild: „Bialowieza“ – Hundert Kilometer vor dem Ziel wußten wir: bald würden wir „ankommen“ – ganz wichtig nach Stunden über Stunden der Autofahrt.


Einkauf in Hajnowka: Wie sagt man eigentlich „Speckwürfel“ auf polnisch? Welches Mineralwasser ist mit, welches ohne Kohlensäure? Ist das da „Salakis“? Sieht zwar so aus, aber schmeckt es auch so? Oder ist es was ganz anderes?

altStephanies Vorliebe in fremden Ländern einzukaufen, sich mit den Menschen lächelnd mit Händen und Füßen zu unterhalten, durfte sich nun voll entfalten.
Zu gerne zog sie mit einigen von uns los …. Was wird es zum Abendessen geben?

Und endlich waren wir da: Bialowieza. Die Jugendherberge war einfach, aber gut ausgestattet. Schöner Aufenthaltsraum, eine Küche, in der wir uns selbst beköstigt haben, zwei Zimmer, auf die wir uns verteilten. Da waren wir – ein, zwei Kilometer von der weißrussischen Grenze entfernt. Polen – ein Land, das eigentlich nur wenige kennen, über das man bei der Urlaubsplanung eher nicht nachdenkt. Tiefster Osten, im Land der Wisente und der Urwälder.

 

Do. 20.08. Neuntöter – „Kernzone“ – Hirschgeweihe und Wisent-Dung
Der Morgen war der Besichtigung des Nationalparks Bialowieza vorenthalten. Auf dem Weg durch den Nationalpark umschwirrt uns ein kleiner Vogel. Ein Neuntöter, extrem selten, altextrem scheu – normalerweise. Dieses Exemplar steht uns Modell für ganze Fotoserien. Mit Führerin Maria gelangten wir in die Kernzone des Nationalparks. Hier wird Wald nicht bewirtschaftet, man läßt ihn wachsen. Totholz bleibt liegen. Bäume ringen in einem ständigen Überlebenskampf um Licht, nutzen jede Nische, wachsen in Schlangenlinien der ersehnten Sonne entgegen. Jeder umgefallene Baum bietet für andere die Chance für neues Wachstum, für Überleben. Es ist still hier; kaum zu glauben, dass auch hier ein ständiger Kampf ums Überleben stattfindet. Wir sehen Linden die sich aus sich selbst heraus verjüngen. Mehrere Generationen von Bäumen, Großeltern, Eltern, Kinder, Enkel aus einer einzigen Wurzel – im Grunde ein unsterblicher Organismus. Etwas rasch geht die Führung durch den Wald. Wir hätten manchmal gerne länger verweilt, aber Maria schaut auf die Uhr...

altAm Nachmittag: Imbiß im Nationalpark, außerhalb der Kernzone. Danach brechen wir auf eigene Faust Querwaldein ins Unterholz. Die Spuren von Rotwild sind allgegenwärtig, man erwartet geradezu, hinter der nächsten Hecke ein Geweih auftauchen zu sehen. Und tatsächlich: wir finden eines – allerdings ohne den Besitzer. Ein beeindruckender Achtender. Der Weg führt uns tief in den Wald, in einem großen Bogen. Uschi beweist uns, dass man auch ohne Kompaß im dichten Wald seinen Weg finden kann. Wir sind ständig auf der Pirsch, ständig auf der Suche nach dem Wild, das uns die Spuren hinterlassen hat, und – ständig auf der Lauer nach den Wisenten, die hier frei leben. Die Spannung erreicht einen Höhepunkt, als wir Wisent-Dung finden; einige Tage alt, aber der klare beweis: es gibt sie – hier!
Patrick führte uns sicher aus dem Unterholz hinaus ins Freie, zurück zu unseren Autos.

 

Am Abend warten wir auf Pjotr. Er soll uns die kommenden Tage in Polen begleiten. Wer ist Pjotr? Was ist er für ein Mensch? Wie sieht er aus? Niemand weiß es! Er entpuppt sich als humorvoller, energiegeladener, dynamischer Mann um die 50 (?), als er mir am Abend in der Herberge die Hand reicht und eröffnet, dass er eine deutsche Gruppe sucht und hat uns sofort für sich gewonnen. Zum Einstieg führte er uns an eine Auenlandschaft, vorbei an Wiesenlandschaften, die geradezu magisch wirkten, in Nebel getaucht, in der letzten Dämmerung.
Pjotr würde auch am kommenden Tag das Steuer in die Hand nehmen und uns „sein“ Polen zeigen und die Natur, die Tiere, die dort leben. Wisente, Biber, Elche, unzählige Vogelarten, nur auf unsere Bitte, uns zu Blauwalen zu führen, blieb er zurückhaltend...

Willst Du wissen, was wir noch erlebt haben? Guckst Du hier...
http://www.wwf-jugend.de/community/blog.php?user=Micha71&blogentry_id=524 

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