Ab ins Grüne!


Was gibt's


Neues?


© WWF
Auf nach Polen!!! Teil 2: Wisente, Elche, Biber


von Micha71
15.09.2009
2
0
14 P

 

Fr. 21.08. Stausee – Güterzüge – Wisentpirsch
altDer frühe Tag (oder war es Pjotr?) führte uns in eine Seenlandschaft, ein entlegenes Fleckchen Erde, auf dem wir weit und breit allein standen. Mit Ferngläsern und dem Spektiv beobachteten wir Vögel: Graureiher, Silberreiher, Bussarde, Adler, Gänse. Libellen umschwirrten uns im strahlenden Sonnenschein, ebenso Hornissen, Schmetterlinge und – Mücken. Viviane kann ein Lied davon singen, sie zog sie magisch an, kannte sie vermutlich hinterher alle mit Vornamen...


altWir machen an der niedrigen Staumauer halt. Hier führen zwei Schienenstränge nach Osten, nach Weißrußland. Von den verlassenen Gleisen aus sehen wir wieder Vögel in der Ferne. Doch auch die Welt um uns herum ist einmalig, die Seen, das Schilf. Ein leises Hupen – im Westen taucht ein Güterzug auf. Wie ein einsamer Lindwurm wälzt er sich träge – genau auf uns zu. Kann man, wie die Indianer, Züge tatsächlich auf dem Schienenstrang kommen „hören“? Unser Winken begleitet den Zug auf seiner einsamen Reise, irgendwo in den Osten.

Man kann nicht sicher sein, ob man erfolgreich sein wird oder nicht – aber wir wollten es wissen: am späten Nachmittag gingen wir auf Pirsch nach Wisenten. Wir mußten nur erstaunlich kurze Zeit laufen, da wurde die Stimmung angespannt. Niemand sprach ein Wort. Pjotr war in einen schleichenden Gang gewechselt, die Gruppe tat es ihm nach. Und alttatsächlich, vielleicht fünfzig Meter vor uns bewegte sich etwas Großes, undefinierbares zwischen den Bäumen, am Rande einer Lichtung. Und da – eine zweite Bewegung! Noch langsamer pirschend bewegen wir uns vorsichtig auf die Schemen zwischen den Bäumen zu, und dann war es klar: Wisente, zwei Stück, in freier Wildbahn, in ihrem natürlichen Lebensraum. Weitere Schritte, dann geraten die Tiere in Bewegung – wir sind zu nahe gekommen. Erst langsam, dann stetig, zuletzt donnern sie in gestrecktem Galopp durchs Unterholz – fünfzehn Meter vor uns, das Trommeln der Hufe in der Luft. Hochgefühl – doch was ist das? Kameramann Lasse filmt noch den fliehenden Tieren hinterher, als sich hinter ihm ein großer Schatten aufbaut – ein drittes, gewaltiges Tier kommt von der Lichtung ins Unterholz und beobachtet, was hier vorgeht. Auge in Auge steht Lasse mit dem riesigen Büffel. Der scheint in ihm kein geeignetes Abendessen zu sehen und trollt sich gemächlich ins Unterholz.
Wir stehen mächtig unter dem Eindruck des Erlebten, als uns Pjotr auf eine zweistündige Wanderung durch dickes Unterholz und Meterhohe Brennesseln führt. Die Stimmung ist gut, wir haben das geschafft, worauf wir nur halb zu hoffen gewagt haben – wir haben Wisente gesehen!

Sa. 22.08. On the road again – Gugni – Beaver-watching
Unsere Zeit in den Urwäldern und bei den Wisenten neigte sich viel zu früh dem Ende entgegen. Wir verließen Bialowieza und fuhren drei Stunden nach Norden, in den Nationalpark Biebrza, einer Sumpf- und Wiesenlandschaft, die durch den gleichnamigen Fluß zum einzigartigen Naturgebiet wird. Zuletzt biegen wir auf eine Schotterstraße ein. altStaub vom vorausfahrenden Fahrzeug umweht uns, das in diesem Dunst zeitweise völlig verschwindet. Es war trocken in den letzten Tagen. Mitten im Sumpf bekommt man das Gefühl, auf einer Wüstenpiste zu sein. Schlaglöcher über Schlaglöcher, eine halbe Stunde lang. Dann: Niemandsland. Ein Sandweg führt nach Westen. Dann: einige verfallene Häuser, weite Wiesen, sonst nichts. Herzlich ist der Empfang, den uns die Bewohner von Gugni bereiten. Eigene Häuser warten auf uns, z.T. quer über den kleinen Flecken verteilt.

altEin überschwängliches Spätnachmittagsessen erwartet uns, dann zeigt Pjotr auf die Uhr: Wir wollen an den Fluß Narew, Biber aufspüren. Wieder eine lange Autofahrt. Unterwegs sehen wir Adler, die tief über den Boden streifen, Störche, die bei einem Spaziergang über die Felder letzte Kraft für Ihre Reise in den Süden tanken. Mit dem Boot fahren wir die Narew entlang, während es stetig dunkler wird. Nach zwei Stunden wird der Suchscheinwerfer angeschaltet – jetzt ist die Zeit der Biber. Nils und Marius liegen im Bug neben dem Strahler, Kameras bereit. Und wir finden sie: auf Sandbänken sitzen sie, Figuren so groß, wie wir sie uns nicht vorgestellt haben. Scheu sind sie: wenn wir uns nähern verschwinden sie im Wasser. Plätschern an Steuerbord – der Suchstrahler kann nur noch Kräuseln auf der Flußoberfläche finden. Da – ein Kopf an der Wasseroberfläche; einige Sekunden, dann taucht er mit einem Plätschern unter dem Scheinwerferlicht weg. Zwei Stunden Pirsch haben sich gelohnt – wir haben die Tiere wirklich gefunden. Und wieder hat Pjotr Wort gehalten!

So. 23.08. Regen – Treblinka – Sumpfwanderung – Elche
altHeute wollen wir Kanu fahren; aber es hat in der Nacht geregnet und das Wetter ist am Morgen nicht besser. Terminänderung – wir fahren nach Treblinka, in die Gedenkstätte auf dem Boden des ehemaligen NS-Vernichtungslagers. Das Wetter erscheint dem mehr als angemessen. Monumente und Mahnmale stehen dort, wo vor rund sechzig Jahren eine Million Menschen umgebracht wurde. Wir beschäftigen uns mit der Geschichte eines Überlebenden, den Lebensbedingungen im Lager, die Fluchtgedanken, den großen Aufstand im August 1943, während dem es den Häftlingen gelungen war, mehr als die Hälfte des Todeslagers in Schutt und Asche zu legen – Hoffnung an einem Ort, an dem man sie am wenigsten erwartet.

alt

Abends gingen wir mit Pjotr in den Sumpf. Erkenntnis des Tages: Gummistiefel können richtig tief stecken bleiben, wenn man versucht, den Fuß wieder vom Boden zu heben. Der Beginn einer wundervollen Freundschaft zwischen mir und den Sümpfen Ostpolens...
Hinter dichten Hecken tauchte bald weite Sumpflandschaft auf – und mit ihr die Elche. Weit weg, aber mit Ferngläsern altausgerüstet für uns doch hautnah. Auf Annäherungsversuche mit den Kameras reagieren sie lässig mit Rückzug. Hornissennester kleben an den Bäumen. Die Sonne sinkt, fünf Sichtungen von Elchen können wir verzeichnen, als wir auf dem Rückweg Teil der magischen Landschaft werden, als der Nebel unsere Gruppe einzuschließen beginnt.

An diesem Abend entdecken wir eine Lagerfeuerstelle abseits der Häuser. Bis in die Nacht sitzen wir am Feuer, erzählen, genießen den Himmel und die Sterne. ..und ganz wichtig:
Wir singen, um Mitternacht, ein Geburtstagständchen unserer lieben Vivi.

Und hier geht's zum Fiiiinaaaaleeee....  
http://www.wwf-jugend.de/community/blog.php?user=Micha71&blogentry_id=533
 

Weiterempfehlen

Kommentare (2)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
16.09.2009
straetsi hat geschrieben:
das hört sich echt mega klasse an....
16.09.2009
Fredi hat geschrieben:
das klingt ja super...;)
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
„Dem Bären auf der Spur ...
WWF-Jugendcamp 2016 „Dem Bären auf der Spur in Transsilvanien“  ... weiter lesen
Luchs und Wolf in der Fotofalle- das WWF Jugend Camp in der Slowakei, Teil 1/2
Luchs und Wolf in der Fotof...
„Du stehst im Landschaftsschutzgebiet Schemnitzer Berge, Bäume, so weit das Auge reic... weiter lesen
Luchs und Wolf in der Fotofalle- das WWF Jugend Camp in der Slowakei, Teil 2/2
Luchs und Wolf in der Fotof...
Weiter geht’s mit dem Bericht vom Camp in der Slowakei, schön, dass ihr auch wieder d... weiter lesen
Komm mit ins Fahrradcamp!
Komm mit ins Fahrradcamp!
Der Rucksack ist gepackt, der Drahtesel geölt, die Sonne macht dem Sommer alle Ehre und du... weiter lesen
Jetzt letzte Camp-Plätze sichern!
Jetzt letzte Camp-Plätze s...
Auf den letzten Drücker bei einem WWF Jugend-Camp mitmachen? Das geht – wenn du sc... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil