Aufforstungs-Aktion "Astrein!"


Wir aktiv


für die Wälder!


Peter Cairns / Wild Wonders of Europe / WWF
Astrein! - Wie Wälder zerstört werden.


von Marielle
05.06.2014
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 Ich stehe im Garten der Kindertagesstätte, in welcher ich zur Zeit ein Praktikum mache. Die Sonne scheint vom Himmel und taucht den größten Teil des Gartens in helles Licht. Da kommt Jana auf mich zu. „Marielle? Darf ich meine Jacke ausziehen? Es ist total warm und hier ist voll viel Sonne. Das finde ich total blöd“, sagt sie, während sie mit verschränkte Armen und Schmollmund vor mir steht. Ich muss mein Lachen zurückhalten. „Natürlich darfst du deine Jacke ausziehen, aber warum findest du es denn blöd, dass die Sonne scheint?“, frage ich sie irritiert. Sie zieht ihre Jacke aus, dreht sich um und zeigt mit den Fingern in Richtung Wald. „Vor ein paar Wochen war hier noch alles voller Bäume und auch im Kindergarten waren noch mehr Bäume und wir hatten immer Schatten und jetzt haben die die Bäume weggemacht und das macht mich traurig und ich weiß noch nichtmal warum die die ganzen Bäume weggemacht haben!“. „Mh,“ antworte ich. „Das stimmt. Die Bäume wurden deswegen weggemacht, weil die Gemeinde dort ein neues Altersheim hin bauen möchte.“ Jana dreht sich wieder zu mir um und sagt: „Sind die eigentlich blöd? Wir brauchen doch Bäume, damit wir Luft haben! Die können doch nicht einfach so die Bäume wegmachen!“

Was vor ein paar Monaten in dieser Hessischen Kindertagesstätte passiert ist, passiert jeden Tag tausende Male auf unserem Planeten. Jeden Tag werden 550.000.000 Quadratmeter Wald gerodet. Das macht 35 Fußballfelder Wald in der Minute! Kannst du dir das vorstellen?

Wenn man von der Zerstörung von Wäldern denkt, kommt einem sofort ein Stichwort in den Sinn: der Papierverbrauch und das auch aus gutem Grund. Jeden Tag werden 270.000 Bäume gefällt um daraus Klopapier herzustellen. Jedes Jahr verbrauchen wir in Deutschland rund 250kg Papier pro Kopf. Dieser Wert wird nur noch von Finnland und dem Spitzenreiter USA (300kg) übertroffen.


© Kurt Prinz / WWF

Das Holz für die Papier Herstellung kommt mittlerweile überwiegend aus den tropischen Regenwäldern Südamerikas und Afrikas. Aber auch die Wälder in Russland, Skandinavien, Kanada und Osteuropa werden für die Papierherstellung genutzt.

Die Papierherstellung ist aber nur ein Teil des Problems. Holz wird natürlich auch als Rohstoff verwendet um daraus Möbel, Bodenbeläge oder Feuerholz zu machen. Gerade hier liegen tropische Hölzer im Trend. Teak, Meranti und Mahagoni sind wegen ihrer hohen Strapazierfähigkeit zum Beispiel für Gartenmöbel sehr beliebt. Diese Hölzer werden oft illegal handelt. In manchen Ländern Südostasiens liegt die Rate des illegalen Holzeinschlags bei über 90%.


© Alain Compost / WWF

Aber auch die Landwirtschaft trägt einen großen Teil zum verschwinden unserer Wälder bei. Gerade bei uns Deutschen steigt der Fleischkonsum stetig. Für die Viehzucht wird Weideland benötigt. Um dieses zu erhalten werden oft Rücksichtslos komplette Wälder abgebrannt und das Holz noch nichtmal genutzt.

Das Weideland für die Viehzucht ist dabei allerdings das kleinste Problem. Viel mehr Platz wird nämlich für den Anbau von Futter- und Nutzpflanzen benötigt. Besonders stark ist der Regenwald Brasiliens betroffen. Hier gibt es eine Fläche von 22 Millionen Hektar allein für den Anbau von Soja. Um den immer weiter steigenden Konsum von Fleisch in den westlichen Ländern decken zu können, soll die Größe der Sojaanbauflächen auf 60 Millionen Hektar vergrößert werden.


© James Morgan / WWF

Ein weiterer Waldfresser ist die Palmölpflanze. Palmöl wird vor allem für die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie verwendet. Die Palmölpflanzen werden auf riesigen Plantagen angepflanzt und für diese muss der Regenwald weichen. Indonesien will die bereits vorhandene Fläche von 7 Millionen Hektar bis 2026 auf 26 Millionen Hektar ausweiten. Dafür wurden bereits 12 Millionen Hektar Wald gerodet. Aus dem gewonnenen Holz wurde Geld gemacht und der Boden für Plantagennutzung aufbereitet.

Zwar gibt es hier in Deutschland keine Palmölplantagen oder Großflächigen illegalen Raubbau, trotzdem verschwinden auch hier immer wieder Teile unserer heimischen Wälder. Sei es, wie im oben genannten Beispiel, für einen Bau eines neuen Altenheims oder dem Bau eines Neubaugebiets. Gerade beim Ausbau des Airports Frankfurt, war die Rodung eines Waldgebietes, welches für die neue Landebahn weichen musste, verstärkt in den Medien. Und auch hier in Deutschland zieht es die Menschen immer mehr in die Städte, welche daher immer weiter wachsen. Dazu kommt noch der ständige Ausbau unserer Infrastruktur. Gerade für Autobahnen und Landstraßen verschwinden ganze Waldstücke oder diese werden zerstückelt, sodass die Waldfläche immer kleiner wird.

Marc Uwe-Kling beschreibt Deutschland z.B. so:

„Im Süden die Berge,
im Norden das Meer,
und dazwischen
Teer.

Aber gibt’s echt nur Teer?
Da ist doch noch mehr!
Ja genau,
Stau.“

Aber es gibt auch natürliche Ursachen für das Verschwinden des Waldes. Immer wieder ist in Zeitungen von Maikäferplagen zu lesen, welche ganze Waldstücke zerstören können, Orkanböhen die Bäume entwurzeln und Lawinen, die erbarmungslos Wälder unter sich vergraben. Wichtig ist aber: ein Wald der auf natürliche Weise zerstört worden ist, kann sich auch von alleine wieder erholen. Ein Waldstück, das niedergebrannt und dessen Erde vom Plantagenanbau ausgebeutet wurde erholt sich nie mehr und wird früher oder später zur Wüstenlandschaft. 


© Paul Trummer / WWF

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Ich hoffe euch hat mein kleiner Einblick in dieses Thema gefallen :) Nächste Woche geht es weiter mit Kate, die euch die Arbeit von Plant for the Planet vorstellt :)

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Kommentare (5)
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02.07.2014
Anais hat geschrieben:
Was für ein schlaues Mädchen... Da fragt man sich warum sich so viele schwer damit tun zu begreifen, dass wir "die Bäume brauchen, damit wir Luft haben!". Danke für den Bericht :)
06.06.2014
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Ja, ich finde es immer wieder unfassbar, dass nicht alle Leute Klopapier aus Recycling kaufen. Was Bäume und Klopapier betrifft bin ich absolut kompromisslos und kann niemanden verstehen, der das "schöne weiche...duftende, bemalte" Klopapier kauft. Da könnte ich platzen!
06.06.2014
Franzichen hat geschrieben:
Ja, ich weiß auch noch als an meiner Schule, die ganzen schönen Bäume gefällt wurden und heute da neue Beton Kästen aka. Gebäude stehen... :o
Sehr interessantes Gedicht auch und leider so wahr. :(
Danke mal wieder für einen weiteren sehr informativen Bericht dieser Reihe! :)
06.06.2014
Christina1107 hat geschrieben:
Danke für den Bericht und die vielen interessanten Informationen. Es gibt immer etwas, was man nicht weiß, zum Beispiel, dass jeden Tag SO viele Quadratkilometer gerodet werden, wusste ich gar nicht so genau! schockierend!
05.06.2014
Luke24 hat geschrieben:
dein Bericht hat eine schöne Einleitung :-). Daran wird super deutlich, dass der Schutz des Waldes nicht nur in Tropen wichtig ist, sondern sich auch die Einstellung der Menschen hier in Deutschland gegenüber Bäumen grundsätzlich ändern sollte. Viele wollen die Vorteile von Bäumen gar nicht wahr haben und ärgern sich stattdessen über Blätter, die vom Baum auf ihren akkurat geschnittenen Rasen fallen oder Pollen, die ihr frisch geputztes Auto belegen (um es mal was spitz zu formulieren)
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