Aufforstungs-Aktion "Astrein!"


Wir aktiv


für die Wälder!


Peter Cairns / Wild Wonders of Europe / WWF
AstREIN mal anders!


von Celine2Grad
27.04.2015
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Samstagmorgen, 10 Uhr. Als ich die Tür öffne, um den Sack Grillkohle für später aus der Garage zu holen, bekomme ich erst mal einen Regentropfen ab. Ich kann es nicht fassen: Am Tag zuvor hatten wir strahlenden Sonnenschein, es war schön warm und genau so, wie man sich einen Tag für seine Astrein-Aktion wünscht. Und dann – wenn der große Tag endlich da ist – Regen?!

Als ich mit ein paar Freunden in Bad Homburg am Museum „Gotisches Haus“ ankomme, regnet es immer noch leicht. Wir lassen uns davon allerdings nicht unterkriegen und laufen zum Treffpunkt, wo bereits Martin wartet, der mit dem Fahrrad da ist. 50 Meter weiter steht ein weiteres kleines Grüppchen, das ich gleich heranwinke: Freunde, die sich gerne engagieren, obwohl sie nicht in der WWF-Jugend sind. Langsam trudeln immer mehr Leute ein, bis wir schließlich zu zehnt herumstehen und uns die Zehen abfrieren. Wo bleibt denn bloß die Elfte? Ich habe keine Handynummer von ihr, deshalb hinterlassen wir kurzerhand einen Zettel mit Wegbeschreibung  an der Bushaltestelle, wo wir verabredet waren.

Dann ziehen wir los zu dem Waldstück, das mir der Förster bereits am Donnerstag gezeigt hatte. Es liegt an einer Straße und wird von den Bad Homburger Buschwiesen begrenzt, einem beliebten Ort zum Grillen. Also perfekte Voraussetzungen, um uns nützlich zu machen: Wir werden dem Begriff „Astrein“ eine neue Bedeutung geben! Schließlich sind wir hier, um den Wald zu reinigen.

Gleich zwei direkt nebeneinander?! Und dann auch noch in so verschiedenen Zuständen? Ein Rätsel ...

Wir teilen uns in kleinere Gruppen auf und finden sofort die ersten Verpackungen. Aber auch Tennisbälle, Sofapolster, Rohre und ein undefinierbares Elektrogerät werden von uns eingesammelt. Sogar einen Mülleimer finden wir mitten im Wald und bringen ihn zurück zur Wiese, wo er wahrscheinlich herkommt. Dazu natürlich auch die unglaublichen Mengen an Flaschen, Plastikbechern, Planen, Kronkorken, … die man leider so häufig in der Nähe von Treffpunkten von Jugendlichen herumliegen sieht.

Am Rand unseres Gebietes treffen wir auf ein kleines „Hexenhaus“, neben dem auf einer verwunschenen Wiese ein Plastikstuhl und eine Sonnenliege stehen. Ist das auch Müll? Oder eine raffinierte Falle für fleißige Waldsäuberer, denen vom Herumschleppen der (mittlerweile beträchtlich schwereren) Müllsäcke und angesichts der langsam hervorkommenden Sonne bereits etwas heiß ist? Wandern wir wie Hänsel und Gretel direkt in den Backofen, wenn wir dieser Verlockung nachgeben …? Schließlich gehen wir das Risiko nicht ein und lassen den Stuhl und die Liege unangetastet

Doch obwohl es alles andere als ein Spaziergang ist, durch Brennesseln und Gebüsch, über umgestürzte Bäume und durch Gräben zu laufen und dabei immer aufmerksam den Blick schweifen zu lassen, bemerkt meine eine Freundin schließlich: „Also eigentlich macht das ja schon Spaß! Es ist ein bisschen wie ein workout.“ Und ich finde, sie hat Recht damit. Wir finden zwar insgesamt wirklich viel Müll – mehr, als ich erwartet hätte – aber dieser liegt über ein relativ großes Gebiet verteilt, sodass man den Wald zwischendurch auch immer mal wieder genießen kann.

Der Wald ist noch feucht vom Regen, aber man spürt richtig, wie das die Pflanzen zum Wachsen bringt. An vielen Stellen ist der Boden von einem Teppich aus Grün bedeckt, den ich nur ungern niedertrete. Ich schaue lieber einmal mehr hin, bevor ich am Ende noch so eine kleine Schnecke zertrete. Sie hat es so schon schwer genug, denn sie ist noch so klein, dass ihr Häuschen noch durchsichtig und nicht ganz fest ist

 Die Ausbeute aus einem einzigen Gebüsch

Schließlich, nach etwa zwei Stunden Sammeln, haben wir alle das Gefühl, dass wir genug getan haben und der meiste Müll gefunden wurde. Manches konnten wir nicht mitnehmen, weil es zu tief im Gebüsch lag oder in einem Baum hing, aber insgesamt sind wir mit unserer Ausbeute zufrieden.

 Hier sind wir leider nur noch die Hälfte aller Helfer -- aber dafür mit Banner!

Sieben schwere Säcke (hier sind leider zwei komplett verdeckt) haben wir gefüllt. Sie werden am Montag von der Stadtreinigung abgeholt, also ist unsere Aufgabe soweit erfüllt. Zeit für den angenehmen Teil! Obwohl wir zum größten Teil keine Vegetarier sind, grillen wir nun vegetarisch: Zucchini, Sojawürstchen, Frikadellen aus Weizen- und Sojaeiweiß, mit Frischkäse gefüllte Pilze, Nudelsalat, Rohkost und Erdbeeren zum Nachtisch – da bleiben auch bei „Fleischfressern“ keine Wünsche offen. Die Meinungen darüber, ob die Sojawürstchen wie Fleisch schmecken, gehen zwar weit auseinander, aber letzten Endes wird jeder satt. (Das Grillgut war von Veggielife -- kann ich nur empfehlen! Sehr lecker und bio!)

Besonders die Pilze sind gut angekommen

Ganz am Ende kommt auch noch einmal der Förster vorbei. Er ist sehr angetan von unserem Engagement, bedauert aber, dass wir keine Bäume pflanzen konnten (oder zumindest einen symbolischen Baum, wie es anfangs noch geplant war). Das Wetter ist für Ende April viel zu warm, sodass alle Bäume schon ausgetrieben haben. Ein junger Baum hätte Probleme, schnell genug Wurzeln zu bilden, um bei der Wärme genug Wasser aufnehmen zu können. Trotzdem freut er sich, dass wir uns so einsetzen.

Ich freue mich auch, denn allen scheint es Spaß gemacht zu haben und von einer Freundin erfahre ich, dass sie sich jetzt auch überlegt, WWF-Jugend-Mitglied zu werden. Zumindest werden ab jetzt alle Teilnehmer mit offeneren Augen durch den Wald laufen. Von einer anderen Seite höre ich sogar, dass wir das bald wieder machen müssen, „in der Nähe vom McDonald’s in Kronberg, da liegt noch viel mehr Müll herum als hier.“

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Vielen Dank noch einmal an Martin für die Fotos!

Bilder © Martin

außer dasjenige mit der Schnecke: © Céline Roth

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Kommentare (10)
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22.05.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Coole Aktion!! Sehr anschaulicher und inspirierender Bericht :)
28.04.2015
AlinaSky hat geschrieben:
Danke für den tollen Bericht und euren klasse Einsatz! :) Wäre wirklich gerne dabei gewesen!
28.04.2015
anni95 hat geschrieben:
Ein sehr schöne Aktion :)

@lolfs: das ist ja interessant, hab ich noch nie gehört. Vielleicht nehmen die Leute da ihren Müll dann einfach wieder mit, während bei Mülleimern noch gestopft wird, obwohl der voll ist, und der oben liegende Müll wird dann vom Wind abgetragen. Und da dann schon was auf dem Boden liegt, haben Menschen weniger skrupel, noch mehr in die Gegend zu werfen.
27.04.2015
Cookie hat geschrieben:
Eine tolle Aktion, ich wäre total gerne dabei gewesen! Alle Tatzen hoch für euren Einsatz und diesen superschön geschriebenen Bericht mit den tollen Bildern! :)
27.04.2015
Ronja96 hat geschrieben:
Super! Echt klasse Aktion! =)
27.04.2015
GwynRoth hat geschrieben:
Echt cool,schade,dass ich nicht dabei sein konnte!
27.04.2015
Ria2000 hat geschrieben:
Echt coole Aktion von euch, Respekt! :D
27.04.2015
lolfs hat geschrieben:
Im Gespräch mit dem Förster kam auch ein interessantes Thema auf.
These: Die Umwelt bleibt sauberer, wenn es keine Papierkörbe gibt.

Der Förster meinte, dass er bereits in der Rhön auf einem Autoparkplatz war, wo es keinen Papierkorb gab. Doch war der Parkplatz nicht vollgemüllt, sondern einfach sauber. Als er mit irgendwelchen Leuten von dort gesprochen hat, sagten diese Leute, dass es sauberer ist, seit dem sie die Mülleimer dort entfernt haben.

Wie erklärt ihr euch dieses Phänomen? - Kennt ihr auch solche Beispiele?
27.04.2015
becci42 hat geschrieben:
Euer Engagement ist echt super, Respekt! :)
Diese Umsetzung von "Astrein" klingt wirklich interessant. Auch bei mit zuhause sehe ich immer wieder viel Müll in der Natur herumliegen, das ist zum einen nicht schön anzusehen, aber kann ja zum anderen auch gefährlich für Tiere und schädlich für Pflanzen werden - finde ich ein sehr sinnvolles Projekt!
Ich hoffe, ihr habt in der Zukunft weiterhin viel Erfolg :)
27.04.2015
midori hat geschrieben:
Wow! Vielen lieben Dank für diesen wunderbaren Bericht und euren super tollen Einsatz! Ihr seid absolute spitzenklasse! Pandastisch! Und auch wenn ihr keine Bäumchen pflanzen konntet, so habt ihr denjenigen, die im Wald stehen, immerhin wieder Platz verschafft! ;o) Danke Danke Danke!
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