Hinterm Horizont geht's weiter


Alpentour 2011


©  Florian Niethammer / WWF
Unglaublich, wunderschön und doch so bedroht - die Alpen und unsere ersten Eindrücke!


von Peet
19.05.2011
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Wir, das sind Tania, Petra, Moritz und ich (Peter), sind auf einer Mission! Euch klar zu machen, welch eine Schönheit die Alpen haben, aber auch wie und wo die Bedrohungen liegen!

Das ist gar nicht mal so leicht, wenn man jeden Tag ein volles Programm hat, bei dem wir unglaublich viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Und immer wieder auf's Neue ringen wir nach den richtigen Wörtern - Unglaublich, wunderschön, faszinierend oder einfach unbeschreiblich.

Jedes mal, wenn diese Wörter benutzt werden, geht es um die Alpen. Die Alpen mit ihren imposanten Bergen aber auch den ruhigen Tälern, indem die Isar oder andere Flüsse bzw. Bäche daherfließen. Wasserfälle, Quellen, uralte Bäume, ein riesiges Tal mit saftigen Wiesen und dem Bergahorn, der mit über 2200 Stück und seit über 600 Jahren den Gezeiten trotzt. Immer unter dem wachsamen Blick des König's der Alpen - dem Steinadler! Hoch über unseren Köpfen gleitet er daher, uns und die Umgebung fest im Blick.

Es sind eben diese Eindrücke, die es uns schwer machen euch einen genauen Einblick in unsere Gefühle und Eindrücke zu geben. Wenn bei Twitter oder Facebook lediglich steht, dass wir uns im Paradis befinden oder wir drei Fuchswelpen aus einem Meter Entfernung beobachten können, müssen wir uns leider immer auf das Wesentliche begrenzen.

Mit diesem Bericht versuche ich euch klar zu machen, welch Schönheit hier direkt vor meinen Augen liegt. Jetzt gerade sitze ich bei angenehmen 25 Grad am Balkon und bin umgeben von Vogelgezwitzscher und der frischen Luft.

Doch der Tag hatte noch viel mehr zu bieten und ganz ehrlich, vor diesen Tag hatte ich ganz schön viel Respekt!

Es war ein Tag wie jeder andere wäre jetzt der typische Satz um anzufangen. Doch dieser Tag, der um 7 Uhr morgens beim Frühstück begann war anders. Heute sollten wir fliegen!

Schnell noch das Lunchpaket im Rucksack verstaut und dann nichts wie los zur Flugschule. Dort begrüßte uns Ludwig, ein sympatischer Herr, der mit viel Geduld und Spaß bei der Sache ist. Doch warum genau sind wir an einer Flugschule und was genau lernen wir dabei? Ganz einfach, heute stand der Tandemflug an und damit wir auch nicht einfach von einem Berg springen, sollten wir vorher ein Gefühl für das Ganze bekommen.

Das bekamen wir dann auch. Gurt und Sitz befestigt, Haken eingerasten und Gleitschirm ordentlich hinter mir ausgelegt. Nun galt es zu Rennen was das Zeug hält! Rennen, rennen, rennen...Arme locker lassen, leicht an dem Bremsen ziehen und dabei nicht vergessen zu rennen! Dann war es soweit, die ersten Meter in der Luft. So schön dieser Moment auch war, so schnell war auch wieder vorbei.

So wie ich es gerade beschrieben habe, ist es auch bei jedem passiert, doch die Regel war das nicht. Die Theorie ist immer leicht, doch in der Praxis sah es dann bei einigen von uns anders aus. Abgesehen von Tania hatte jeder irgendwo seine Schwierigkeiten. Der eine wurde bei der Landung einfach noch ein Stück mitgerissen, der andere rannte zu langsam oder der Gleitschirm zog stark nach rechts und die Bruchlandung war vorprogrammiert. Tania hingegen schien diese Übung schon tausende Mal gemacht zu haben. Sie war einsame Spitze und durfte dann auch bald schon mit Moritz zum ersten Tandemflug!

Petra und ich musste warten und konnten in dieser Zeit schon ein wenig üben. Aber nach einer guten Stunde waren wir dann auch auf dem Weg in Richtung Berg. Mit der Gondel ging es hoch hinauf, Gleitschirm, Haken und Sitz im Gepäck. Oben angekommen mussten wir noch ein Stück weiter hochlaufen und die Vorbereitungen machen. Mike oder auch "Mad Mike" genannt erklärte mir, dass ich starten muss. Versetzen wir uns einmal in meine Lage direkt vor Ort:

Ich bin mit zwei Karabinerhaken an Mike gebunden. Der Gleitschirm liegt bereit hinter mir und nun heißt es - rennen, rennen, rennen. Das mach ich auch, doch leider kommen wir gar nicht vom Fleck. Der Wiederstand ist immens, doch siehe da, wir bewegen uns! Immer schneller und schneller bis der Moment kommt - wir heben ab! Ich schwebe, gleite in der Luft und fühle mich frei! Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich diese Art der Freiheit kennen lerne. Alle Sorgen und Gedanken sind vergessen. Nun gibt es nur noch mich, den Gleitschirm und der traumhafte Ausblick auf die Alpen. Mike hinter mir habe ich völlig vergessen. Meine Gefühle überschlagen sich und ich bin für einen kurzem Moment sprachlos.

Nun fliege ich, auf über 1000 Meter Höhe durch die Alpen. Mike fliegt Kurven und versucht die Termik zu erwischen, was ihm dann auch gelingt. In kürzester Zeit fliegen wir den Wolken entgegen. Es geht höher und höher hinauf und dann wird es grau...!

Wir sind in einer Wolke, über 2000 Meter hoch und fliegen. Stille, Dunkelheit und dann der Gefühlsausbruch von mir und Mike. Unglaublich, der Hammer oder einfach nur geil sind die Worte die uns über den Lippen kommen!

Doch so schnell wie wir gen Himmel geflogen sind, so schnell ging es auch wieder runter, oder noch schneller? Definitiv noch schneller! Mike fragt mich kurz ob alles in Ordnung sei und ob ich bereit sei für eine sehr rasante Fahrt. Ich bin es! Was jetzt kommt ist einfach nur unglaublich.

Mike zieht den Gleitschirm stark nach rechts, sodass wir spiralförmig Richtung Boden sausen. Mit rund 120 km/h Rotationsgeschwindigkeit bzw. 20 Meter Fall pro Sekunde rasen wir nach unten. Eine wahnsinnige G-Kraft von rund 5 G drückt auf mich und Mike ein und ich muss regelmäßig atmen, damit ich nicht Ohnmächtig werde. Aber für's Ohnmächtig werden bleibt mir sowieso keine Zeit. Ich bin so berauscht und beeindruckt. In kürzester Zeit sind wir 1000 Meter weiter unten: Wuhuuuuuuuuuuuuuuuuu! Was ein Abenteuer, das mit einem gemütlichen Flug bis zum Boden endet.

Es war für mich einfach unglaublich und beeindrucken. Das Gefühl des Fliegens und der Freiheit sind schwer zu beschreiben. Ihr seht, ich schwanke ziwschen ungalublich und beeindrucken. Doch so ist es nun mal für mich. Unten angekommen wird mir auch bewusst, welche Auswirkung dieser Sport und die vielen Eingriffe in die Natur hier in den Alpen haben kann oder haben könnte.

Auf unseren bisherigen Touren durch die Alpen sind unglaublich viele Autos zu sehen gewesen oder Menschen die wandern, Mountain-Bike fahren oder sonstiges machen. Ok, wir machen hier teilweise auch nichts anderes, doch kann man sich dann hier fragen: Muss man erst einmal eine unglaubliche Landschaft, mit all ihren Fassaden gesehen und erlebt haben, um sie dann zu schützen?

Denn neben dem Tandemflug haben wir heute ein weiteres Highlight gehabt und das war kein typischer Programmpunkt. Während ich oben in der Luft war, haben Moritz und Tania beim Erkunden der Umgebung einen Fuchsbau mit drei Fuchswelpen entdeckt. Unmittelbar am Wanderweg und unter einer kleinen Hütte lag der Fuchsbau mit den Jungen, die spielend herumtapsten und neugierig ihre Beobachter beäugten.

Können solche Erfahrungen nicht für das Leben prägen und einem ein neues Bewusstsein für die Natur verschaffen? Schreibt eure Meinung als Kommentar und gemeinsam können wir darüber diskutieren. Wir freuen uns! Eure Alpenbotschafter!

Bilder: Copyrights: Moritz von Pilgrim / Florian Nithammer - WWF

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Kommentare (10)
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24.05.2011
Stoffie hat geschrieben:
sowas prägt für immer! davon bin ich fest überzeugt.

einfach WAHNSINN was ihr erlebt! Hammer!
21.05.2011
Peet hat geschrieben:
Vielen Dank, es war und ist einfach unglaublich. Aber dennoch halte ich mir immer wieder die Bedrohung der Alpen vor Augen! Heute fahren wir z.B. an die Ammer - ein Projektgebiet des WWF. Das wird ebenfalls unglaublich spannend und der Bericht wird nicht lange auf sich warten lassen...Viele Grüße aus den Alpen, Peter
20.05.2011
anni95 hat geschrieben:
Toller Bericht!
Ich bin definitiv der Meinung, dass solche Erlebnisse prägend sind. Jedes Mal, wenn ich einen schönen Vogel sehe, denke ich mir "Wie schön, dass es sie gibt!" Nicht nur das sehen prägt, das Dabeisein. Nach Camps oder Aktionen in Berlin-Brandenburg mit der WWF Jugend bin ich immer nochmal motivierter, dabei zusein. Klar, es ist super, dass wir uns auch für Sachen einsetzen, die wir nicht selber sehen oder spüren (z.B. Regenwald, Pandas oder Tiger), aber grade die Sachen, die wir selbst erleben, werden immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
20.05.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Richtig toller Bericht, man kann sich so gut in dich hineinversetzen!! Ich denke wer so etwas erlebt, wird das für immer in erinnerung behalten. Wer die Natur in seiner ganzen Schönheit erlebt, der kann nicht anders als sie lieben und schützen zu wollen.
20.05.2011
midori hat geschrieben:
Woah Peter! Sau geil! Ich hatte Bauchkribbeln beim Lesen! :D Klingt echt super bombastisch! Ich freu mich für euch alle, dass ihr diese Erfahrungen machen dürft. Und für Dich natürlich ganz besonders! ;o) Ich wünsche euch noch unheimlich viel Spaß! Atme noch ein bisschen frische Luft, bevor es wieder in die Großstadt geht! ;o)
19.05.2011
Nivis hat geschrieben:
Danke für den wundervollen, mitreißenden und beeindruckenden Bericht! ich kanns nur noch einmal sagen: Ich beneide euch wirklich sehr. Aber zu deiner Frage am Schluss. Ich denke, dass solche Erlebnisse ganz sicher prägen können, nur damit man so etwas auch wahrnimmt, muss man schon mit einem gewissen Sinn und Gesprür für die Alpen und ihre Gefährdung haben. Touristen, die dort hinfahren, um Spaß zu haben, würden sogar sicherlich die kleinen Füchse nicht erblicken...weil sie mit geschlossenen Augen durchs Leben gehen. Leider.
19.05.2011
JohannesB hat geschrieben:
Uiii, ich beneide Euch um diese intensiven Erlebnisse ;) Danke für den schönen Bericht, Peter! Zur Frage ob man die Regionen erst selbst sehen muss, um sie zu schützen: Ich habe mir als Klimabotschafter die gleiche Frage gestellt, als ich in der Arktis unterwegs sein durfte. Es sollte natürlich nicht so sein, dass jetzt jeder überall herumfährt und dann sagt, er will ja nur die Welt kennenlernen, um sich danach für sie einzusetzen. Auf der anderen Seite kann ich jeden verstehen, der die wunderbare Vielfalt unseres Planeten selbst entdecken will. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wenn man hautnah erlebt hat was bedroht ist, kämpft sich's leichter und man kann auch den ein oder anderen mit eindringlichen Schilderungen überzeugen. Ich wünsche Euch vieren weiterhin viel Spaß bei Eurem Camp! :)
19.05.2011
Viveka hat geschrieben:
Ich finde auch, dass man die Natur durch solche Erlebnisse ganz anders betrachtet. Man muss dieses Gefühl allen Menschen vermitteln, damit wir alle versuchen, die Alpen und andere Gebiete zu schützen!
Viel Spaß noch!
19.05.2011
Bienenkoenigin hat geschrieben:
wow wahnsinn.. du schreibst das so toll.. ich hatte das gefühl, dass alles selbst zu erleben.. total beneidenswert was ihr da erlebt, wahnsinn!
Ich denke, wenn man noch nie die Alpen live gesehen hat und/oder sich noch nie bewusst gemacht hat wie einzigartig die ist, dann ist es schwer so eine begeisterung für den Schutz zu entwickeln, als wenn man die Natur und die einzigartigkeit hautnah erlebt ;)
19.05.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Viel Spaß weiter hin!
WIR müssen die Alpen JETZT schützen!!!
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