Hinterm Horizont geht's weiter


Alpentour 2011


©  Florian Niethammer / WWF
Gewohntes Erlebnis, ungewöhnliche Situation


von P
26.05.2011
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Heute war ein relativ entspannter Tag: Wir waren wieder Paragliden. Diesmal allerdings nicht in Lenggries, sondern im Triglav-Nationalpark in Slowenien. Den Sport an sich kannten wir mittlerweile schon – sowohl von unseren eigenen kleinen Flugversuchen, als auch vom Tandemflug mit Mike Küng und Renate (Wer mag, kann sich unsere Eindrücke in Peters Bericht noch einmal in Erinnerung rufen), doch der heutige Flug war etwas ganz besonderes.
Alles begann wie immer um 8 Uhr morgens mit dem Frühstück und der Abfahrt um ca. 9 Uhr. Unser erster Anlaufpunkt war der 1.400m hohe Stol, doch der Weg dorthin hatte es in sich: Da im gesamten Nationalpark kein einziger Lift steht (und dort auch nicht gebaut werden darf), mussten wir uns mit dem Auto einen Weg durch den Bergwald bahnen. Die sogenannte „Straße“, die auf den Gipfel führte, war extrem holprig und unser (zum Glück Bergtauglicher) Bus übervoll besetzt. Das ganze war wirklich kein Vergnügen.
Das Vergnügen hatten wir dann aber oben. Nach einer kurzen Orientierung stand schnell fest: Die thermischen Bedingungen waren relativ unsicher. Hier hatte ich mit meinem geringen Gewicht einen Vorteil. Mike startete mit mir zu einem Testflug. Alles war genau wie beim ersten Flug in Lenggries. Der Start funktionierte, dann brauchten wir eine Weile, um die richtige Thermik zu finden und aufsteigen zu können.
Doch dann kam direkt der Höhepunkt des Tages: Ein Geier! Wenn wir nicht vorher gewusst hätten, dass wir wahrscheinlich auf Geier treffen werden, hätte ich ihn vielleicht gar nicht erkannt. Auf die Entfernung war es einfach nur ein Vogel. Aber ziemlich schnell wurde er größer und größer und flog direkt an uns vorbei. Wahnsinn! Ein Geier! (Hinterher erfuhren wir, dass es sich um Gänsegeier handelte.) Mike versuchte noch, ihm zu folgen, aber der Geier flog einfach weiter und interessierte sich gar nicht für uns. Und dann war er auch schon zu weit weg und wir kamen mit dem Gleitschirm nicht mehr hinterher. Schade.
Wir hatten gerade gedreht und waren wieder ein Stück zurückgeflogen, da kam die nächste Überraschung: Noch ein Geier! Nachdem ich den ersten gesehen hatte, war der zweite leicht zu erkennen. Doch auch dieser Geier ignorierte uns. Trotzdem war es ein sehr beeindruckendes Erlebnis, zwei Geier so nah an sich vorbei fliegen zu sehen, wie man ihnen unter normalen Umständen wohl nie begegnen würde. Und das war erst der Anfang. Insgesamt flogen 6 Geier um Mike und mich herum – und dabei war das ein relativ kurzer Flug gewesen.
Dann nutzten wir die guten Bedingungen zu einer Top-Landung. Also einer Landung auf dem Gipfel, ungefähr bei unserem Startplatz. Perfekt. Nach mir war Peter dran und dann startete Renate mit unserem Filmer Florian. Auch sie hatten das Glück, mit den Geiern fliegen zu können. Nachdem Mike auch Peter wieder am Gipfel abgesetzt und mit Moritz gestartet war, war die Thermik aber viel stärker und eine weitere Toplandung unmöglich. Also flogen Mike und Moritz und Renate und Flo ins Tal, während wir anderen den holprigen Weg im Bus zurücklegen mussten.
Bei einer kurzen Pause während eines kleinen Imbisses wurde das weitere Vorgehen besprochen und dann machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zum Kobala, der auch etwa 1.400m hoch ist. Dort bekamen Tania und unser anderer Filmer Felix noch einen extra langen Flug spendiert, während Peter, Steffen und ich auf dem Gipfel warteten, einen Adler beobachteten und die super Aussicht auf das Tal und die Sorcha genossen – einen Fluss, der so saphirblau ist wie das Wasser in der Karibik.
Am Ende hatte die ganze Luftakrobatik wieder jedem von uns ein Strahlen ins Gesicht gezaubert und den vielen unvergesslichen Eindrücken weitere hinzugefügt.
Eindrücke, die wieder einmal erst am späten Abend teilweise verarbeitet werden können und neue Fragen aufwerfen: Eigentlich ist es richtig schön, im ganzen Tal keinen einzigen Lift zu sehen. Aber andererseits muss man zum Paragliden ja irgendwie auf den Berg kommen. Ist es richtig, dafür diese Straßen auf die Gipfel zu bauen, die diesen Namen noch nicht einmal verdienen? Was ist mit den Geiern? Sie scheinen sich nicht wirklich an den unnatürlichen Fliegern gestört zu haben, aber heißt das etwas? Wie verträglich ist das Paragliden nun wirklich? Eine Frage, die wir immer noch nicht hundertprozentig beantworten können.
Heute Abend steht nur eines fest: Trotz all dem unglaublichen Spaß, den wir bei all unseren sportlichen Aktivitäten hatten, freuen wir uns darauf, morgen wieder mehr Natur als Adrenalin genießen zu können.
 

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Kommentare (3)
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11.07.2011
TaniaTukan hat geschrieben:
es ist nicht in jedem fall schonender, denn dort leben ja auch tiere in den baumkronen und in der luft - die könnten sich dadurch gestört fühlen. außerdem is paragliding wie gesagt extrem wetterabhängig und eine notlandung in nem naturpark... kannst du dir vorstellen, dass das nicht geht
31.05.2011
P hat geschrieben:
Ja, es gibt sogar richtige Wettkämpfe im Streckenfliegen. Aber dazu braucht man schon einiges an Erfahrung und die Wetterbedingungen müssen natürlich passen. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern man den ganzen Nationalpark überfliegen kann, aber dort wird jedenfalls streng darauf geachtet, dass man sich vor dem Start Flugtickets käuft - egal, von wo man startet und dann gibt es vorgeschriebene Landeplätze, sodass nicht jeder einfach machen kann, was er will und auch den Bauern nicht die Felder zerstört werden.
27.05.2011
Killari hat geschrieben:
Ich habe mal gehört, dass man beim Paragliding sogar bis mehrere hundert Kilometer weit fliegen kann. Könnte man dann nicht einfach von bereits gut erschlossenen Gipfeln starten und von da aus über Landschaften wie den Nationalpark fliegen? Das wäre sicher schonender für die Natur da.
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