Hinterm Horizont geht's weiter


Alpentour 2011


©  Florian Niethammer / WWF
Dürfen Tiere in den Zoo?


von P
16.05.2011
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Nach einem kleinen Imbiss im VAUDE-Café steigen wir in unseren Alpencamp-Tourbus. Wegen einiger Termine am Nachmittag sind wir etwas in Eile und es liegen noch etwa zweieinhalb Stunden Fahrt vor uns. Wir fahren nach Innsbruck in den Alpenzoo, um uns dort einen ersten Überblick über die alpine Tierwelt zu verschaffen – gerade weil wir vielen von ihnen in freier Wildbahn gar nicht, oder nur mit viel Glück und von weitem begegnen würden.


Die Führung des Zoodirektors Dr. Michael Marthys war für uns alle sehr spannend und informativ. Vom Schneehuhn, über Alpendohle und Murmeltier, bis hin zu den „Großen Drei“ – Bär, Luchs und Wolf – waren alle (mehr oder weniger bekannten) Alpentiere vertreten. Außerdem gab es viele Geschichten und Hintergrundinfos.


Besonders einprägend waren dabei die Wiederansiedlungen von bereits ausgestorbenen, bzw. ausgerotteten Tieren wie dem Steinbock oder dem Bartgeier. Elch und Wisent hingegen trifft man im Alpenzoo, weil diese zur Eiszeit mal in den Alpen gelebt haben und deshalb sozusagen „in den Kontext passen“.


Alles in allem waren die Informationen natürlich alle aus Sicht des Zoos dargestellt, aber da wir teilweise mit einer bereits voreingenommenen Haltung an die Sache herangegangen waren, war diese Perspektive auch mal interessant zu erfahren.


Unsere Meinung war beispielsweise, dass Zoos zwar nicht schlecht sind und tatsächlich einiges Gutes für die Tiere tun, diese aber natürlich nie wirklich artgerecht gehalten werden können, da die Gehege viel zu klein sind und man den natürlichen Lebensraum also allein von der Größe her einfach nicht richtig nachstellen kann. Somit verhalten sich die Tiere auch ganz anders als in freier Wildbahn.


Der Zoodirektor erklärte uns aber, dass beispielsweise der Steinadler eh den größten Teil seiner Zeit nur auf einem Baum sitzt und auf Beute lauert und die Rundflüge sonst auch nur zur Revierverteidigung dienen, deswegen wäre es im Zoo vertretbar, ihm nur so viel Platz zu geben, wie er auch braucht. Was meint ihr dazu?


Außerdem konnten wir uns später ein eher trauriges Bild vom Zooleben machen, als wir noch alleine auf Tier-Erkundungstour waren. Dort trafen wir u.a. auf einen Braunbären, der ständig unruhig vor der Fensterscheibe auf und ab lief. Wir haben uns daraufhin gedacht, dass der Braunbär ja nur im Zoo lebt, weil er in freier Wildbahn größtenteils immer noch nicht akzeptiert wird.

Die Frage ist also: Ist es vertretbar, einen einzelnen Bären – oder generell ein wildes Tier – im Zoo als „Showobjekt“ zu präsentieren?


Am Abend gab es dann noch einen allgemeinen Vortrag zu den Alpen mit ihrer gesamten Vielfalt und allen Möglichkeiten und Gefahren. Hier waren vor allem die Auswirkungen des Klimawandels ein Thema.

Und nun endet der Tag mit den ersten Berichten und Fotos und einem Überblick für den nächsten Tag.

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Kommentare (18)
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09.06.2011
Teggson hat geschrieben:
Ich denke, dass man Tieren prinzipiell viel zutrauen kann, sie aber nicht vermenschlichen sollte. Tiere haben eigentlich kein Bedürfnis nach Individualität und Freiheit, wie wir sie verstehen würden. Kein Tier möchte gern die Welt sehen oder viel erleben. Tiere wollen fressen und überleben, sich fortpflanzen Keine Veränderung, keine Überraschung. So nüchtern das ja klingen mag, die Biologie gibt den Tieren genau das vor, nicht mehr und nicht weniger. Mal rational betrachtet ist das bei uns ja kaum anders. (Warum sonst hat fast jeder aus einem nicht eindeutigen Grund das Bedürfnis, mal eine Familie zu gründen, ein Haus mit Grundstück (ein Revier) zu haben, finanziell abgesichert zu sein. Das beißt sich auch irgendwie mit Freiheitsgedanken.)
Worauf ich hinaus will: wenn ein Zoo es schafft, das Bedürfnis nach Nahrung, Fortpflanzung, Kontanz und Sicherheit zu stillen, und dabei die Haltung so artgerecht wie (eingeschränkt) möglich hält (d.h. die Probleme, die schon unten beschrieben sind, klimatische z.B.), ist ein Tier wahrscheinlich in sicherer Gefangenschaft glücklicher als in der Wildnis. Man könnte jetzt natürlich sagen, dass die Tiere ja keine Wahl haben und niemand weiß, wie sich sich entscheiden würden. Das stimmt aber nicht so ganz. Viele Fälle zeigen, dass Zootiere, deren Situation nach den genannten Prinzipien als zufriedenstellend einzuordnen ist, gar nicht flüchten und in die Freiheit fliehen, wenn sie durch z.b. offen gelassene Gehege oder was eigentlich die Möglichkeit hätten. Einige machen sogar lautstark auf die veränderte Situation (offene Tür) aufmerksam, bis der Normalzustand (Tür zu) wieder hergestellt ist. Ich glaube also nicht, dass das "Einsperren" das Problem ist.
Natürlich vorausgesetzt, die Gehegegröße usw sind entsprechend.
Zweifellos hat ein Zoo moralisch aber das Problem der gaffenden Menschen. Ich hab es letztens erst erlebt. Zu Ostern war ich mit Familie im Zoo, und hatte eine Diskussion mit meinem Vater. Ich hab, neunmalklug wie ich bin, so argumentiert wie oben und meinte auf der richtigen Seite zu stehen. Dann hab ich allerdings mal so auf die Besucher geachtet und wie die sich denn so verhalten. Es wird geschrien, es wird gepfiffen, es wird an die Gehege geklopft, weil z.B. ein Löwe, der da nur rumliegt, etwas zu langweilig ist . Und diese Zustände haben ganz sicher nichts mit artgerechter Haltung zu tun.
Fakt ist aber auch: selbst daran gewöhnen sich Tiere und nehmen das recht schnell als naturgegeben hin.
Und doch sieht man in jedem Zoo Tiere, die nervös umherlaufen und unruhig sind, sich selbst verletzten oder sonst was machen, obwohl kein wirklicher Grund ersichtlich ist.

Unterm Strich: Ich stand schon auf beiden Seiten der Debatte voller Überzeugung, aber eigentlich bin ich unentschlossen.
Es ist wirklich eine sher schwere Frage.
31.05.2011
P hat geschrieben:
@ PaperWing: Ja, so ein Verbot wäre mal eine gute Sache. Im Alpenzoo würde das wohl auch einige Tiere betreffen. Bestes Beispiel ist das Murmeltier. Es lebt normalerweise in höher gelegenen Gebieten und meidet die Wärme, da es nur über wenige Schweißdrüsen verfügt und auch nicht hechelt. Das dicke Fell, das im Winter vor der Kälte schützt, hinert im Sommer zusätzlich. Damit geht es ihnen im Zoo also ähnlich wie den Eisbären.
Die Frage ist aber, ob so ein Verbot durchsetzungsfähig wäre, da Zoos ja einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung leisten, also auch hier wieder einige Tiere als "Showobjekt" herhalten müssen.
18.05.2011
PaperWing hat geschrieben:
Ich möchte hier als Beispiel die Nachtsafari in Singapur nennen, die dafür sorgt, dass vom aussterben bedrohte Tiere nachwuchs bekommen, diese werden dann darauf trainiert in der Freiheit leben zu können und in ihrem normalen Lebensumfeld entlassen. Ein sehr guter Zoo. Allerdings sollte es für manche Tiere auch verbote geben sie in der falschen Klimazone zu halten. Für einen Eisbären ist z.B. 40 grad im Sommer nicht normal lieber Berliner Zoo.
17.05.2011
Natury hat geschrieben:
Ich finde es sehr wichtig, dass die Käfige groß sind und Herdentiere auch mit mehreren gehalten werden.
Ich würde es viel spannender finden, die Tiere in freier Wildbahn zu sehen.
Doch dazu hat man oft keine Gelegenheit.
Man müsste viele Kilometer reisen und viel Glück haben um zum Beispiel einen wilden Tiger zu sehen.
Doch wenn die Menschen so weitermachen und alle Lebensräume der Wildtiere zerstören, gibt es keine andere Möglichkeit, als die Tiere in Zoos zu halten, damit sie nicht aussterben.
17.05.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
17.05.2011
Bienenkoenigin hat geschrieben:
Ich denke es ist wichtig, Tiere als "Showobjekt" zu haben, so schrecklich es auch ist, dass sie nicht die perfektne Lebensbedingungen haben, aber viele Wissen sonst gar nicht, dass es bestimmt Tiere gibt und wenn man das nicht weiß, oder wenn man vill mal von einer Alpendohle gehört hat, aber sie noch nie gesehen hat und gar keine emotionalle ebene zu der aufbaut, dann kommen viel einefahc gar nicht auf die Idee, warum das Tier schützenswert ist. Deswegen denke ich das Zoos wichtig zur Umweltbildung sind und nebenbei ist es ja auch noch wichtig für die Erhaltung der Artenvielfalt.
17.05.2011
Bienenkoenigin hat geschrieben:
Ich denke es ist wichtig, Tiere als "Showobjekt" zu haben, so schrecklich es auch ist, dass sie nicht die perfektne Lebensbedingungen haben, aber viele Wissen sonst gar nicht, dass es bestimmt Tiere gibt und wenn man das nicht weiß, oder wenn man vill mal von einer Alpendohle gehört hat, aber sie noch nie gesehen hat und gar keine emotionalle ebene zu der aufbaut, dann kommen viel einefahc gar nicht auf die Idee, warum das Tier schützenswert ist. Deswegen denke ich das Zoos wichtig zur Umweltbildung sind und nebenbei ist es ja auch noch wichtig für die Erhaltung der Artenvielfalt.
17.05.2011
BackToNature hat geschrieben:
Tiere dürfen meiner Meinung nach in den Zoo. Es ist einfach ein wichtiger Schritt zur Arterhaltung und es gibt ja auch viele Erfolge der Wiederansiedlung, die Zoos gestartet haben. Das schrecklichste in Zoos finde ich nur, wenn die Tiere, wie der oben angesprochene Bär, alleine Leben müssen oder wenn Raubkatzen in einem engen Käfig als einzige Beschäftigungsmöglichkeit haben runde um runde in einem viel zu engen Gehege zu drehen. Sowas wie Streichelzoos sind meiner Meinung nach völlig unnnötig und bespaßen Kinder auf Kosten der Tiere. Trotzdem: Meiner Meinung nach sind Zoos im Sinne der Artenerhaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Lehranstalt zu wichtig um sie abzuschaffen!
17.05.2011
Schmusetigerle hat geschrieben:
Die freie Wildbahn is natürlich immer besser als ein Käfig, aber es gibt ja immer mehr Zoos die naturnahe Gehege anbieten. Meiner Meinung nach gehören nicht alle Tiere in den Zoo und als Alternative zum Artenerhalt is es auch nich das Wahre...
17.05.2011
FranziFrancisco hat geschrieben:
Ich finde Zoos eigentlich gut
aber die Tiere sollten genau so gehalten werden wie sie in der Natur auch leben.
Es ist doch egal wieviel Geld dies kostet hauptsache die Tiere fühlen sich wohl.
17.05.2011
Nivis hat geschrieben:
Schöner Bericht und sehr wichtiges und spannendes Thema.
Ich kann mich Locke da nur anschließen - es gibt Vor- und Nachteile. Einfach nur zu sagen "Zoos sind schlecht" finde ich zu einfach. Klar, Zoos sind nicht zur Arterhaltung 'erfunden' worden, sondern zur Belustigung und Bespaßung von Menschen. Aber die meisten Zoos sind von dieser Zielsetzung weggegangen, auch wenn es immer darum gehen wird auch den Besuchern etwas zu bieten - schließen sind sie die Einnahmequellen. Jedoch haben viele Zoos gute Programme entwickelt zur Arterhaltung beizutragen und viele machen auch einen guten Job, finde ich. Esv steht aber außer Frage, dass ein Leben in freier Natur das beste wäre. Aber manchmal muss man eben Eingeständnisse machen, damit das eigentlich Ziel irgendwann doch wieder erreicht werden kann.
17.05.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
HÖ? Warum steht denn jetzt auch mein anderer Kommentar hier? :D
17.05.2011
Bluesky hat geschrieben:
unterm strich finde ich zoos gut. sie geben kindern einen eindrück, wie schön tiere sind und dass es sich dabei nicht nur um irgendwelche wesen in fernsehdokus handelt. manch einer wird vielleicht gerade deshalb naturschützer.
17.05.2011
Locke hat geschrieben:
Es gibt immer positives und negatives an einem Zoo. Ich persönlich besuche auch lieber Nationalparks, da diese sich mehr der Natur anpassen. Zwar ist man manchmal enttäuscht wenn man die Tiere dort nicht zu Gesicht bekommt, aber andererseits kann man so sicher sein, dass ihr Gehege so riesig ist, dass sie den Menschen fern bleiben können. Der letzte Park, in dem ich war hatte auch ein Gehege mit zwei Braunbären. Es war so groß, dass man es nicht überblicken konnte. Mitten im Schwarzwald. Die Beiden schienen sehr glücklich in ihrem Zuhause zu sein, ganz anders als beispielsweise die Bären im Duisburger Zoo. Ich will Zoos nicht schlecht machen, grade weil ich auch schon einige tierfreundliche gesehen habe. Dennnoch stört mich immer wieder, dass sie die Natur zerstören und Arten besitzen, die normalerweise nicht an unser Klima gewöhnt sind. Viel schlimmer als jedes noch so kleine Zoogehege finde ich jeden Zirkus, der Tiere hält. Ich glaube kaum, dass ein Löwe glücklich ist, wenn er vor so vielen Menschen Kunststücke vorführen muss. Hier in der Nähe halten öfter Zelte an, um ihre Shows zu präsentieren und die Tiere sind schon einige Male davongerannt. Nicht selten habe ich mitbekommen, wie Pferde auf die Straße gerannt sind oder die Lamas während der Show in den Wald geflüchtet sind. Diese Tiere haben ein viel schrecklicheres Leben und würden sicher alles dafür geben in einen Zoo zu kommen, wo sie sicher mehr Platz und besseres Futter haben.
17.05.2011
Anni09 hat geschrieben:
wenn ich mich jetzt in die position des tieres versetzte fällt mir nur die eine antwort ein. lieber ein vielleicht kurzes, schönes leben in freiheit als ein langes unschönes leben in gefangenschaft. ich persönlich würde das genauso sehen. für mich gibt es keine schlimmere vorstellung als in einem käfig zu leben und genau das gleiche empfinden bestimmt die tiere.
17.05.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
17.05.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Guter Bericht. Wie immer ein kritisches Thema.Wenn man bedenkt wie groß die Reviere dieser Wildtiere in freier Wildbahn sind - dann scheint es unverhältnismäßig. Ich bin eher dafür, dass man mehr in Nationalparks investiert, wo die Tiere in Ruhe leben können. Das kommt deren Schutz besser zugute.
17.05.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Muss dann schon gut begründet sein. Und vor allem artgerecht. Ich finde es fraglich, ob Zoos das überhaupt leisten können.
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