Hinterm Horizont geht's weiter


Alpentour 2011


©  Florian Niethammer / WWF
Das Symbol der Freiheit


von TaniaTukan
21.05.2011
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40 P

Ein frei am Himmel seine Bahnen ziehende Adler ist für den Menschen, der schon seit Jahrtausenden vom Fliegen träumt die absolute Verkörperung von Freiheit.

Dann so ein stolzes Tier auf dem Arm eines Falkners zu sehen, wie es dressiert oder angeleint gehalten wird, zerstört dieses Bild - und erzeugt bei vielen Empörung über dieses unnatürliche, aufgezwungene Leben in Gefangenschaft.

Doch sieht das der Adler auch so? Wir haben den heutigen Vormittag in der Falknerei Lenggries verbracht und sind dort von Paul, einem der Halter, herumgeführt worden. Dabei haben wir nicht nur einen sprechenden Raben getroffen, sondern auch einen kleinen Einblick in die Haltung, den Tagesablauf, die Übungen und die verschiedenen Eigenheiten der Vögel erhalten.

Sky, den Steinadler, haben wir schon 2 mal frei fleigen sehen, während unserer Ballonfahrten. Beim 2. Mal hatte er eine Rucksack-Kamera auf dem Rücken. Obwohl er mit dieser schon viele Flüge gemacht hat, hat er die Halterung durchgeknabbert, so dass wir leider von seinem Sturzflug keine spektakulären Bilder haben.

Doch warum wird ein solcher Aufwand betrieben? Um die Zuschauer zu erfreuen? Nein.
Für einen Adler und viele andere Beutegreifer ist es unglaublich schwer, aus eigener Kraft in die Luft zu steigen. Dazu benötigen sie thermische oder dynamische Aufwinde, sonst sind sie nach wenigen Höhenmetern K.O.
Deswegen ist der Adler in gewisserweise dankbar dafür, dass er gehalten wird: er hat "ein Dach über dem Kopf" und muss nicht selber Jagen und so viel Energie darauf verwenden, in die Luft zu steigen und Beute zu suchen
Genau daraus ergibt sich aber ein Problem für die Falkner, die sie so naturnah wie möglich halten wollen: man muss den Vogel zum Fliegen bringen. Und dazu muss er geködert werden. Deswegen wird oft mit Ballon, Flugzeug oder Gleitschirm hochgeflogen und am Boden Beute für ihn bereitgehalten, damit er fliegt und jagt, als wäre er in Freiheit.

Von wahrer Freiheit kann man aber nicht reden, schon von der Haltung her. Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Aufzuchten in der lenggrieser Falknerei: Die Handaufzuchten, also von ungvögeln, die nicht oder nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt von ihren Eltern in der Voliere erzogen und gefüttert werden - oder Altaufzuchten, also von Vögeln, die ganz normal aufgezogen wurden und vollkommen von ihren "echten" Eltern geprägt sind.

Die Handaufzuchten sehen ihren menschlichen "Vater" als Ihresgleichen, als Vogel an. Daraus ergeben sich aber auch einige Probleme, sie sehen diesen "Vater" als konkurrierenden Adler an und kann somit auch ausfällig werden - mit messerscharfem Schnabel und einer Druckkraft von 70kg pro Quadratzentimert in den Krallen.
Bei Altaufzuchten besteht eine natürliche Distanz zum Menschen, doch dann können die Falkner auch nicht so gut mit ihnen arbeiten.

Warum lässt man aber die Natur nicht Natur sein und hält die Vögel in Falknerein, auch wenn die Vögel dort eine sichere und angenehme Existzenz haben?
Die Falkner sehen ihre Arbeit wie die in einem Zoo, aber eher als Teil einer großen Kooperation: Alle zusammen können Bildungsarbeit, Zucht und Auswilderungen betreiben, die Vögel untersuchen oder zum Aufnehmen von Naturfilmen beitragen, wie ganz konkret auch der Falkenhof Lenggries.

"Wir arbeiten auch viel mit Schulklassen. So ein 14-Jähriger aus der Stadt kann hier durch die Natur gehen, und nimmt nichts wahr." Dabei lebt alles um ihn herum, wo man hinschaut, findet man die Wunder der Natur, und um in den Alpen einen Adler zu sehen, bedarf es nicht viel mehr als eines aufmerksamen Blicks in den Himmel.
Um dieses Gespür wieder zu wecken, führen Paul und seine Kollegen Flugübungen vor oder veranstalten solch spektakuläre Aktionen wie unsere mit dem Ballon. Denn wenn man mal einem Uhu aus 1 Meter Entfernung in die riesigen, beeindruckend orangen Augen geguckt hat, einen zufriedenen, satten Adler seinen Kopf recken sehen hat oder einen Geier eine Hand breit an seinem Kopf vorbeifliegen spürte... dann erkennt man die Unglaublichkeit der Natur - und des Lebensraumes dieser Tiere: der Alpen.

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Kommentare (5)
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22.05.2011
TaniaTukan hat geschrieben:
Pffh, also soweit ich weiß, kommen die Handaufzuchten aus Zoos oder anderen Falknerein. Ich kann ir nicht vorstellen, dass es häufig vorkommt, dass eine Aufzucht verweigert wird der nicht möglich ist, also werden sie schon gezielt getrennt.
22.05.2011
midori hat geschrieben:
Wisst ihr denn, ob diese Handaufzuchten extra von ihren Eltern getrennt wurden oder ob die Elterntiere die Aufzucht verweigert haben?
21.05.2011
Nivis hat geschrieben:
Danke für den informativen Bericht. Es ist sicherlich immer fraglich, ob Haltung von Tieren sinnvoll ist oder nicht. Aber ich finde, dass der Falkner eine gute Antwort auf diese Frage gegeben hat.
21.05.2011
TaniaTukan hat geschrieben:
Nachdem der Adler Sky nicht zu unserem Ballon geflogen ist, hat er auf dem Boden einen der anderen Falkner gesehen und ist bei ihm gelandet. Sie suchen immer wieder ihre vertraute umgebung, eben weil sie dort ein bequemes leben haben und fliehen deswegen nicht.
21.05.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Was man nicht kennt, kann man nicht schützen!
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