Hinterm Horizont geht's weiter


Alpentour 2011


©  Florian Niethammer / WWF
1914 Meter, 5 Stunden und jede Menge Schweiß


von Peet
26.05.2011
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Die letzte Hürde steht bevor! Noch einmal alle Kräfte sammeln und auf den letzten Metern konzentrieren. Links und rechts von mir geht es schon ordentlich bergab und ein Fehler wäre fatal. Kein Gurt, kein Seil hilft mir. Nur ich und meine Hände die mir Halt geben. Einen ordentlichen Schritt nach dem anderen und dann ist es geschafft – 1914 Meter und fünf Stunden später stehen Tania, Moritz und ich auf der Bergspitze! Es ist berauschend, befreiend und atemberaubend schön!

Doch spulen wir noch einmal zurück – 08:00 Uhr morgens. Verschlafen und noch von den Vortagen ein wenig mitgenommen frühstücken wir erst einmal. Anschließend wird der heutige Tag besprochen und dementsprechend gepackt. Valter, unser heutiger Guide ist auch schon vor Ort und bespricht schon fleißig unsere Tour. 1400 Meter geht es rauf und 1400 Meter es auch wieder runter. Die ersten 500 Meter werden gefahren aber das war es dann auch schon.

Sachen gepackt, Rucksack geschulter und Wanderschuhe festgeschnürt. Ab geht es Richtung Berg im Triglav Nationalpark. Das ist auch der Ort wo wir gestern spät abends angekommen sind und welches wir nun entdecken werden. Nach der kurzen Fahrt geht es bei rund 30 Grad in nur eine Richtung – oben! Schon nach einigen Metern wird klar, das wird kein leichtes Spiel für uns werden. Dabei ist das gerade einmal „easy going“ wie Valter es bezeichnet.

Dennoch erreichen wir unsere erste Station. Eine Kapelle, die im ersten Weltkrieg von österreichischen Soldaten errichtet wurde. Wirft man einen Blick zurück wirkt das Ganze wie in einem Märchen. Eine solche Idylle und Schönheit haben wir selten erlebt und dabei haben wir gerade einmal einige Höhenmeter hinter uns. Walter erklärt uns, dass im ersten Weltkrieg die Front nicht weit vom Ort dieser Kapelle entfernt war und das Slowenien unter der österreichischen Flagge stand. Erst 1991 bekam Slowenien seine Unabhängigkeit und ist mittlerweile Mitglied der Europäischen Union.

Weiter geht es über Kuhweiden und einen Pfad entlang, der auch damals schon von den Soldaten genutzt wurde. Das ist auch der Grund, warum dieser einigermaßen ausgebaut ist. Denn die schweren Geschütze mussten ja irgendwie nach oben kommen. Was das wohl für eine Arbeit gewesen sein muss, brauche ich wohl nicht weiter zu erzählen. Lässt man den historischen Blick weg, so wird einem erst einmal bewusst, wie schön es hier doch ist. Überall zirpt und zwitschert es. Schmetterlinge in allen erdenklichen Farben flattern wild um uns herum und eine schönere Blume nach der anderen kreuz unseren Weg. Trotz dieser Schönheit reicht schon ein Blick weiter nach oben und schon wird einem mulmig zumute. So hoch sollen wir noch laufen?

Jammern war gestern, heute wird geklotzt. Leider fällt Petra aufgrund ihrer Verletzung aus, auch wenn sie bis zum Schluss gekämpft hat. Aber lieber jetzt als später auf über 1000 Meter höhe. Denn alles was wir auch hochlaufen, müssen wir später auch wieder runter. Aber das kümmert uns jetzt noch nicht. Guten Schrittes geht es weiter voran bis wir die erste Hürde geschafft haben. Ein unglaublicher Blick eröffnet sich uns. Wir haben den ersten Hügel erklommen und stehen einfach nur baff da. Vor uns liegt Italien, rechts davon Österreich und das Mittelmeer ist auch zu sehen – die Adria! Einfach überwältigend und kaum in Worte zu fassen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem Happen zu Essen geht es nun ans eingemachte. Der Berg ruft und wir wollen hoch hinaus. Schnell wird klar, das wird kein Zuckerschlecken. Denn der Bergpfad erweist sich schnell als ziemlich kompliziert, um es mal nüchtern auszudrücken. Denn der Pfad an sich ist irgendwie gar nicht oder nur teilweise auszumachen. Grasbüschel geben uns halt, Bäume wachsen hier schon nicht mehr, und die Steine scheinen auch nicht den besten Halt zu geben. Teilweise drücken wir uns einfach nur noch Richtung Felswand, denn direkt hinter uns geht es steil bergab. Ein Fehler und es geht in den freien Fall! Trotz dieser Gefahren haben wir nur eins im Kopf – die Bergspitze erreichen.

Die Anstrengung ist jedem ins Gesicht zu sehen aber jedes mal wenn der Blick vom Fels in die weite Ebene erkennt man ein leuchten in den Augen und der Mund steht offen. Mit jedem weiteren Schritt nach oben werden wir durch eine noch schönere Aussicht belohnt. Mit dem Ziel vor Augen und dem Wetter im Nacken geht es nun weiter.

Valter scheint ein wenig nervös zu werden! Wolken ziehen herauf und sehen nicht gerade so aus, als ob sie nur so daher fliegen. Regen wird wohl keine Ausnahme bleiben, umso schneller müssen wir bergauf und das, obwohl schon rund 1300 Meter hinter uns liegen! Die Muskeln schmerzen, der Atem geht schneller und nun auch schon zügiger voran gehen? Ok, Valter hat das Sagen. Doch immer wieder machen wir eine kurze Pause, denn Schützengräben, alte Bunker und dieser fantastische Blick in die Ferne ziehen uns einfach in ihren Bann.

Immer weiter geht es bergauf und mittlerweile sind wir auf der Nordseite des Berges angekommen. Schnee ist hier keine Seltenheit, obwohl schon laut Valter viel geschmolzen ist. Trotz Schnee und dem drohenden Regen tragen wir T-Shirt’s und kurze Hose. Denn die Anstrengung bringt einen ganz schön ins Schwitzen.

Und nun ist es soweit, wir befinden uns vor dem letzten Abschnitt. Unmittelbar hinter uns geht es einige hundert Meter steil bergab, rechts und links ist es auch nicht gerade angenehmer und die Klettereinlage muss gut überlegt sein. Valter geht mit Tania vorne weg, ich hinterher und Moritz folgt unmittelbar. Nach der kurzen, aber dennoch spannenden Klettereinlage laufen wir noch ein paar Meter bis zum Gipfel und dann ist es geschafft. Ein Blick, weit nach Italien, Österreich und in die slowenischen Alpen eröffnet sich uns. Weiter hinten waren vorhin noch zwei Steinadler kreisend am Horizont zu sehen und nun stehen wir da, wo wir vor einigen Stunden noch hinauf geschaut haben. Fünf Stunden, 1914 Meter und jede Menge Schweiß später haben wir es geschafft. Den Berg im Triglav Nationalpark ist geschafft.
 

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Kommentare (11)
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27.05.2011
Peet hat geschrieben:
Vielen Dank für die Blumen! @Hannah: Genau, wir hatten einen Guide. Aber alleine kannst du das natürlich auch machen...;) Wobei, die Wege die wir teilweise gegangen sind waren glaube ich keine offiziellen. ;) Da gings teilweise links und rechts einfach nur runter und das alles ohne Sicherung. Aber es hat sich definitiv gelohnt. :) @MarcelB: Als ob, wir sind top fit! ;)
27.05.2011
Jutta hat geschrieben:
sehr schöner Bericht... mehr davon;)
und so tolle bilder....
27.05.2011
midori hat geschrieben:
Meeeeeehr Biiiiiiilder Petaaaaaaaaaa! :D
27.05.2011
HannaS hat geschrieben:
Nicht schlecht, und sehr schöne Bilder! Seid ihr denn auch heile und trocken wieder runtergekommen? Ist ja manchmal schwieriger als hoch...
Ohne guten Guide kann man da sicher nicht hoch, oder?
27.05.2011
Marcel hat geschrieben:
Packend geschrieben! Als wäre man dabei...
27.05.2011
JohannesB hat geschrieben:
Grandiose Landschaft! V.a. das erste Bild finde ich wunderschön! :)
Ich wünsche Euch einen schönen Endspurt ;)
26.05.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Spannend!!! Und die Bilder...sagenhaft..da wäre ich auch gerne mitgekommen :) Ich mag kraxeln ;-)
26.05.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Tolle Bilder :D
26.05.2011
Stoffie hat geschrieben:
hört sich ja nach nem netten spaziergang an ;)
26.05.2011
Anni09 hat geschrieben:
die bilder sind echt klasse :)
26.05.2011
MarcelB hat geschrieben:
und Muskelkater? :D
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