Durchstarten für unsere Erde!


Uuuund


Action!


© Peter Jelinek / WWF
Wolfskralle & Seepferdchen - die WWF Jugend bei der Tierparksafari!


von midori
25.05.2015
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Ich kann direkt die Uhr danach stellen - 9 Uhr morgens klingelt der Postbote und bringt mir ein Paket. An jedem Tag der vergangenen Woche bekomme ich große und kleine Päckchen, die mein Freund bis in den sechsten Stock tragen muss. Was da drin steckt? Lauter Infomaterial vom WWF für die Tierparksafari in Gera. Am Abend zuvor stapeln sich Kisten mit WWF Jugend Magazinen, Lilu Panda Heften, Tigermasken und Flyern in meinem Wohnzimmer.

Wie jedes Jahr zu Pfingsten veranstaltet der Waldzoo Gera die Tierparksafari und auch dieses mal sind wir wieder dabei, um die Besucher für den Naturschutz zu begeistern. Als kleines Kind war ich hier oft und habe unsere heimischen Tiere bestaunt - nun will ich die Kinder zum Staunen bringen!

Sonntagmorgen müssen wir zeitig aufstehen, denn die Tierparksafari beginnt bereits 9 Uhr und bis die Besucher da sind, muss unser Auto wieder von der Bildfläche verschwunden sein. Mein Freund und ich stellen die Tische zurecht, breiten das Infomaterial aus, legen die Weltkarte mit den Holztieren zurecht und stellen den Artenschutzkoffer gut sichtbar vor unseren Stand. Dann heißt es warten, denn der große Besucheransturm dauert noch ein Weilchen.

Wir halten derweil einen Plausch mit unseren Nachbarn - den beiden Löwen Amos und Kibali. Nebenan warten die chinesischen Leoparden auf ihr Frühstück. Irgendwo ruft ein Pfau. Direkt uns gegenüber stapeln sich die Schildkröten auf ihrem Baumstumpf - ein köstlicher Anblick! Vor allem dann, wenn sich eine rührt und alle anderen zum Wackeln bringt.

Bald tauchen die ersten Besucher auf. Die Kinder entdecken gleich unseren Artenschutzkoffer, trauen sich aber nicht so recht zum Stand. "Wollt ihr mal einen Blick reinwerfen?", frage ich dann und es folgt ein zörgerliches Nicken. Sobald ich den Wolfsschädel aus dem Schaukasten hole, ist der Bann gebrochen. Toll, diese großen und spitzen Zähne!

Als nächstes zaubere ich zwei Pfotenspuren aus dem Koffer. Eine gehört dem Wolf, die andere dem Luchs. Aber welche ist wohl welche?

Die eine ist ein wenig größer als die andere. Ist der Wolf größer als der Luchs? Oder hat der Luchs vielleicht einfach nur breitere Pfoten, damit er nicht im Schnee einsinkt? Oder halt - der Luchs hat Krallen, denn er kann an Bäumen klettern. Also muss die Pfote mit den Krallen wohl vom Luchs stammen. Die Überlegung ist gar nicht so schlecht, aber als ich dann plötzlich zwei Modelle einer Wolfskralle und einer Luchskralle hervorhole, beginnen die Kinder mitsamt ihren Eltern wieder zu grübeln. Ich schubse sie auf die richtige Antwort - was kann denn die Hauskatze mit ihren Krallen machen? "Sie kann die Krallen einziehen!" "Genau, und der Luchs ist auch eine Katze. Beim Laufen zieht er die Krallen ein, er braucht sie nur zum Klettern und Jagen." Aha, so ist das also!

Dann lenke ich ihren Blick auf unsere Trittspur direkt vor dem Stand. Von welchem Tier stammt die nun? Richtig, vom Wolf, denn man sieht ja die Krallen. Aber warum sieht die Spur denn so seltsam aus? Wieso setzt der Wolf seine Pfoten nicht nebeneinander? Die Kinder verstehen schnell, dass der Wolf die Hinterpfote in den Abdruck der Vorderpfote setzt - er schnürt.

Weiter geht es mit einem Tier, dass die meisten Kinder auf den ersten Blick schnell erkennen - ein Seepferdchen. "Ist das eingetrocknet? Kann man das wiederbeleben?" Nun, leider nein. Alle Asservate aus dem Artenschutzkoffer sind echt und wurden vom Zoll beschlagnahmt. Seepferdchen sind ein beliebtes Mitbringsel aus dem Urlaub. Aber wusstest ihr, dass daraus auch Medizin gewonnen wird? Natürlich genau jene Medizin, die wir auch vom Nashorn kennen. Der Glaube daran wirkt Wunder, nicht der Stoff selbst. Und so kommt es dazu, dass jedes Jahr 24 Millionen Seepferdchen gefangen und zu Medizin verarbeitet werden.

Auch bei der Geldbörse aus Krokodilleder rätseln die Kinder ein wenig, während sie den Gegenstand voller Ehrfurcht berühren und erkunden. Aber aus welchem Material sind wohl diese beiden Armreifen? "Plastik!" "Holz!" "Haut!" - den Begriff Elfenbein kennen nur die wenigsten. Wir zeigen ihnen das Bild eines Elefanten und erklären, dass der Stoßzahn aus Elfenbein besteht und viele Menschen daraus Schmuck und Figuren herstellen wollen. Allerdings ist ein Stoßzahn kein Milchzahn, der irgendwann von selbst abfällt. Die Elefanten müssen dafür getötet werden. Nach dieser Information sieht man die Kinder grübeln. "Kann man nicht einfach die Stoßzähne nur ein bisschen abschneiden?" "Das kann man doch auch aus anderen Sachen machen!" "Kann man die Elefanten nicht betäuben, wenn man die Zähne abmacht? Dann muss man sie nicht töten!"

Für großes Interesse sorgen auch immer der Schwanz des Polarfuchses und der Gürtel aus Schlangenleder. Während der Fuchsschwanz wunderbar kuschelig weich ist, betasten die Kinder das Schlangenleder nur vorsichtig und betrachten den Kopf der einst lebendigen Kobra mit viel Neugier. Sie sind sich alle einig - so ein Gürtel ist ziemlich hässlich und wenn die Schlange noch durch Wald und Wiesen schlängeln könnte, wäre das viel schöner!

Viel schwieriger zu erraten sind da schon die Koralle und das Kakteenholz. "Habt ihr den Film 'Findet Nemo!' gesehen?", frage ich. "Wo lebt Nemo denn?" "Unter Wasser!" "Genau, und wo versteckt er sich?" "Unterm Boot!" Da muss ich mir kurz das Lachen verkneifen. Früher oder später kommen aber alle auf die richtige Antwort.

Aber nicht nur Tiere sind bedroht, auch viele Pflanzen werden vom Menschen genutzt und dabei an den Rand der Ausrottung getrieben. Besonders interessant ist dabei dieses krakelige Etwas, das irgendwie an eine Spinne erinnert. Diese Pflanze kommt aus Afrika und nennt sich Teufelskralle. Sie dient zur Herstellung von Medizin, wächst aber nur unter bestimmten Bedingungen, weshalb sie schwer nachgezüchtet werden kann. Die Menschen ernten dann oft aus der freien Wildbahn und achten dabei wenig auf Nachhaltigkeit. Wer Heilpflanzen bewusst kaufen möchte, sollte deshalb immer auf das FairWild Siegel achten, das Nachhaltigkeit garantiert.

Jetzt wird es aber richtig spannend! Im Artenschutzkoffer finden sich nämlich auch verschiedene Gewürze und die Kinder dürfen schnuppern und erraten, worum es sich dabei handelt. Die Pfefferminze wird recht schnell erkannt - vom Tee oder Kaugummi ist sie in Erinnerung geblieben. Mit Rosmarin und Salbei sieht es schon wieder etwas schwieriger aus. Aber Zimt und Kamille sind wieder ganz vorn mit dabei. Ich bin wirklich überrascht, wie gut die Kinder unsere Gewürze kennen.

Nachdem wir uns den Inhalt des Koffers ausgiebig angeschaut haben, wechseln wir zur Weltkarte. Mittlerweile hat sich eine kleine Menschentraube um den Koffer gebildet und alle hören interessiert zu und wollen die Asservate einmal berühren. Nun dürfen die Kinder beweisen, welche Tiere sie kennen! Ich zaubere eine Kiste mit Holztieren unter unserem Tisch hervor und der Spaß beginnt. Welches Tier ist das? Ganz klar, ein Kamel! Ups - schon daneben. "Schau mal, das hat zwei Höcker. Das Kamel hat nur eins." Ein betroffenes Gesicht und ein hilfesuchender Blick zu Mama, die auch nur unwissend mit den Schultern zuckt. "Wenn es zwei Höcker hat, dann ist es ein Trampeltier", erkläre ich und zwinkere den Kindern zu.

Elefant, Giraffe und Känguru sind eigentlich immer bekannt. Aber wo leben sie? Hier müssen wir noch ein wenig nachhelfen, denn wo welche Kontinente liegen, wissen die meisten Kinder noch nicht. Da besucht der Pinguin auch ganz schnell mal den Eisbären! Aber das Missverständnis klären wir gleich auf. Und seit wann hat der Löwe denn Streifen und lebt in Südamerika? Das ist doch eindeutig ein Tiger! "Und dieser kleine gelbe Vogel hier, den habt ihr bestimmt schon mal gesehen." "Spatz! Amsel!" "Fast, eine Meise."

Ein kleines Mädchen bleibt mir in guter Erinnerung. "Schau mal hier, ich zeig Dir was", ruft sie ganz aufgeregt ihrer Freundin zu. Dann tippt sie mit dem Zeigefinger auf Afrika und meint "Guck, hier wohnen wir. Das ist Deutschland." Da muss ich kurz intervenieren und zeige ihr, wo Deutschland tatsächlich liegt. Das nimmt sie ohne Murren hin und fährt dann mit dem Zeigefinger über den Atlantik nach Amerika und sagt zu ihrer Freundin: "Und schau, wenn wir mit Schiff hier rüber fahren, dann kommen wir zur Ostsee!" Ich schmunzele.

Warum ist denn der Eisbär bedroht? Zu unserem Glück befindet sich direkt nebenan ein Eisstand und viele unserer kleinen Besucher lecken an ihrer schmilzenden Eiskugel. So lässt sich der Klimawandel kindgerecht erklären und alle verstehen, warum der Eisbär bald kein Zuhause mehr hat.

Natürlich wollen wir die Kinder mit dem Wissen um unsere bedrohten Tiere und Pflanzen nicht von dannen ziehen lassen. Deswegen hat Annabell ein schönes Memorie gebastelt, das den Kindern zeigt, wie sie die Natur auch von Zuhause aus jeden Tag schützen können.

So lernen sie auf das MSC Siegel auf ihren Fischstäbchen zu achten, lernen das FSC Siegel kennen und erfahren, dass Toilettenpapier aus Recyclingmaterial vollkommen ausreicht. Aber was bedeutet wohl das Bild mit den Schweinchen? "Was glaubt ihr denn, wie ihr den Regenwald schützen könnt, indem ihr weniger Fleisch esst?" Diese Frage bringt auch Erwachsene ordentlich ins Schwitzen. Aber mit ein paar wenigen Gedankensprüngen ist es schnell erklärt und der gewünschte Aha-Effekt tritt zutage. Solche Zusammenhänge sind oft komplex und nur wenig bekannt. Umso mehr Eindruck machen sie.

Nachdem die Kinder die verschiedenen Stationen durchlaufen haben, dürfen sie sich eine Panda- oder Tigermaske aussuchen und noch Infomaterial mitnehmen. Lilu Panda Hefte, Young Panda und WWF Jugend Magazine, Flyer, Postkarten und Poster sind heiß begehrt.

Bei all dem Ansturm merken wir kaum, wie schnell die Stunden vergehen. Am Sonntag haben wir Unterstützung von Sarah und Annabell, heute stehen mein Freund und ich den Kindern allein Rede und Antwort. Das ist mitunter ziemlich anstrengend, wenn jedes Kind eine neue Frage auf der Zunge hat und alle durcheinander reden. Aber dennoch - diese Aufgabe erfüllt mich immer mit Freude, denn die Kinder geben einem so viel zurück und es macht mich glücklich und stolz, wenn ich dazu beitragen kann, dass aus ihnen kleine Weltretter werden. Und umso mehr freue ich mich, als plötzlich meine Großeltern vor mir stehen und uns einen Überraschungsbesuch abstatten! Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Viele Stunden haben sie mit mir in meiner Kindheit in diesem Tierpark verbracht und ihnen verdanke ich meine Liebe zur Natur - der Kreis schließt sich! ;o)

Für die WWF Jugend ist auch die diesjährige Tierparksafari eine rundum erfolgreiche Aktion. Wir haben viele Besucher mit unseren Anliegen erreicht und das ist es, worauf es ankommt! Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei! :o)

*********************

Bilder © Ulrike Leupold & Lukas Hiller / WWF

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Kommentare (6)
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Sortieren nach Aktualität:
02.09.2015
Ivonne hat geschrieben:
Supercool!!! Da schlägt das Herz des Bildungsteams gleich schneller! Danke für diese beiden schönen Berichte mit unserem Artenschutzkofffer. Wirklich toll, dein Engagement. Grüße aus Berliiin!!! :-)
31.05.2015
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Tatzen hoch! Toll, dass ihr so viel Zeit investiert habt um die Kinder zu informieren! Um Weltrettetnachwuchs in Gera wird gesorgt :-)
26.05.2015
EuerPanda hat geschrieben:
Pandastisch! Bambus! Bärenstark! Ey, ihr seid so bambus, da krieg ich auch gleich Höcker vor Freude, und zwar im Herzen!

Ähmmm... vielleicht n'bisschen schräg, das Wortbild...

Egal. Ihr seid bambus, basta! :)
26.05.2015
Marcel hat geschrieben:
Einfach großartig! Vielen vielen Dank für euren superstarken Einsatz!!
25.05.2015
JohannesB hat geschrieben:
Richtig richtig toll mit wie viel Herzblut ihr die Kinder informiert und bespaßt habt. Hoch die Tatzen! :)
Nur eine kleine Schlaumeierei noch: Es gibt sowohl einhöckrige als auch zweihöckrige Kamele. Dromedar (1 Höcker) und Trampeltier (2 Höcker) gehören beide zur Familie der Kamele.
25.05.2015
Cookie hat geschrieben:
Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob ich die Kinder oder die Schildkröten putziger finde, aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass das ein wunderschöner Bericht ist! Man merkt richtig, wie viel Liebe ihr in diese tolle Aktion gesteckt habt! :)
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