Durchstarten für unsere Erde!


Uuuund


Action!


© Peter Jelinek / WWF
Vom illegalen Stadtbegrünen, "Samenbomben" und der Kripo...


von MaRyLoU
17.04.2012
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Deutschland soll blühen! Überall und möglichts bunt...Weg mit den toten Beten, der Ödnis und dem reinen grauen Beton in den Städten. Egal, ob nun Verkehrsinseln, "Grün"streifen oder andere Fleckchen. Und plötzlich erschienen vor ein paar Jahren in München plötzlich Fotos von Heinzelmännchen, die genau das taten - Deutschland zum Blühen bringen. Heimlich und oft in der Nacht waren sie tätig. Die Säcke gefüllt mit Samen um den Großstädten lebendiges Grün und Bunt zu bringen, wo in ihnen sonst kaum was zu finden ist....Und am nächsten Morgen blühte die ganze Innenstadt...

Momentan mal!  Heinzelmännchen? "Deutschland zum Blühen bringen?" Fehlt nur noch "Und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute..."! Nein, ich habe nicht wildes Zeug geträumt. Diese Heinzelmännchen gab es wirklich auf den Fotos, auch wenn es Menschen waren, die Zwergenmützen auf dem Kopf hatten und angeklebte Rauschebärtchen - und auch die Innenstadt erblühte nicht über Nacht, aber der Grundstein war dafür gelegt worden. Diese Menschen, die urbanen Gärtner, sind häufig Guerilla-Gärtner. Um ihre "Missionen" durchzuführen, benutzen sie "Samenbomben". Gemische aus Erde, Dünger und Samen.

Doch zu unserem Märchen kommt auch noch Action hinzu. Unsere Aktivisten, kollidieren auch gerne mal mit dem Gesetzt. Denn auch wenn die Aktionen gut gemeint sind, so verletzten sie teilweise das Eigentumsrecht und die Bepflanzung auf öffentlichen Flächen ist streng genommen sogar Sachbeschädigung mit hohem Bußgeld (bis zu 200€ und 2 Jahre Freihetisentzug!) In Thüringen ist deswegen schon die Kripo unterwegs und sucht die Guerilla-Gärtner. In einem besonderen Fall trat die Kripo auf den Plan, weil plötzlich etwas ungewöhnlicher, sogar eher verbotenes, in Blumenkästen, bei einer Brücken zu wachsen anfing.Zwischen Petunien, Tuplen und Eisenkraut wuchs plötzlich kleines grünes Zeugs. Die Eindringlinge hießen Cannabis - ja, auf gut deutsch: Hanf! Dieses wurde so schnell wie möglich entfernt, aber der Schuldige konnte nie gefunden werden...

Doch die Bepflanzungsaktion hat nicht nur reinen Verschönerungs- und Selbstzweck. "Es ist Zeit, dass wir alle zusammen Verantwortung für den öffentlichen Raum übernehmen", so Silvia Gonzales, eine grüne Aktivisten und inzwischen im Guerilla-Büro in München sitzt. Privates, aber teilweise illegales Engagement soll mit öffentlichen Stellen zusammen arbeiten, das ist ihr Ziel. In Leibzig klappt das auch schon. Dort ist es legal und ganze Kindergartengruppen ziehen mit ihren Erzieherinnen los und stehen am Ende des Tages verdreckt aber mit zufriedenen Gesicht auf einem Bett wo sie gerade ihre Samen gepflanzt und eingetrampelt haben. Eine Organisation verschickt dort sogar kosentlose Samentütchen. Diese bestehen aus heimischen Pflanzen. Werden sie eingepflanzt, sieht das nicht nur schön später aus, sondern hilft auch der Umwelt gegen den Artenschwund. In manchen Städten gibt es Guerilla-Gardening- Workshops und Kurse und in Berlin werden im frühling jedes Jahr auf einem ehemaligen Flughafengelände Sonneblumen gesäht.

Leider ist das nicht bei allen Guerilla-Gärtnern hinterher der Fall. Denn sie handeln teilweise unüberlegt und pflanzen Pflanzen, die dort gar nicht beheimatet sind und somit nicht zu den anderen Pflanzen und den heimischen Insekten passen.

Unsere kleinen grüne und bunten Freunde werden teilweise auch zum politischen Protest genutzt. So zum Beispiel Sonnenblumen auf einer Verkehrsinsel, um im starken und lauten Verkehr ein Zeichen für den Anti-Atom-Widerstand zu setzen. Und ein noch berühmteres Beispiel ist die Nacht-und-Nebel-Pflanzaktion bei Stuttgart 21, wo 50 Setzlinge gepflanzt wurden, auch wenn die Aktion scheiterte...Doch natürlich ist diese Art von Protest nicht so verbreitet, eher richtet sich das Pflanzen pflanzen gegen die Verhässlichung und Betonisierung der Städte.

"Guerilla-Gardening kann [...] eine gute Möglichkeit sein, wenigstens im Kleinen was zu bewirken." David K.

 

Quelle: Welt Online

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Kommentare (10)
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19.04.2012
Wasserjunge hat geschrieben:
Ja hab davon gehört! Echt gut...obwohl ich nah an Berlin wohne, hab ich sowas noch nie gesehen :)
18.04.2012
Cookie hat geschrieben:
Verrückte Welt - Atomkraft, Plastiktüten und der ganze Mist ist erlaubt, aber wer Blumen pflanzt muss ins Gefängnis... :(
Für mich als "Dorf-Kind" ist die Sache zwar nicht so relevant, weil ich mitten im Grün lebe, aber diese ganzen Pflanzen vermisse ich oft sehr, wenn ich mal in der Stadt bin. Und ich finde es wirklich eine tolle Geste. Sollte viel öfter bei Protesten zum Einsatz kommen!
Vielen Dank für den tollen Bericht! :)
18.04.2012
Jayfeather hat geschrieben:
coole idee. schade, dass es illegal ist. ich finde soetwas solllte eine stadt unterstützen
18.04.2012
regentag hat geschrieben:
Wirklich eine schöne Idee und so friedlich ;) Schade, dass es eigentlich illegal ist... :)
18.04.2012
Maddy hat geschrieben:
Hab davon schon mal gelesen und finde die Aktion echt cool! Wurd auch mal gern nachts durch die Stadt streifen und irgendwelche Pflänzchen pflanzen :D
18.04.2012
fia4earth hat geschrieben:
Ich find die Idee total gut, aber es ist voll übertrieben, für eine Stadtverschönerung gleich 2 Jahre Knast... also übertreiben kann man ja auch. Blumen pflanzen ist ja nicht so schlimm wie Graffitisprühen, außerdem sind Pflanzen in der Stadt ja auch sehr wichtig... :)
18.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Super!!!!! :)

Ein Bußgeld ok, dass kann man noch ein bisschen nachvollziehen, aber 2 Jahre Haft für ein paar Blumen und Pflanzen?! Na die Begründung interessiert mich jetzt mal wirklich.......

Vielleicht geht die Kripo als Freund und Helfer iwann mal mit Gießkannen auf Guerillafang :)
17.04.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Coole Idee ! Weiter so :D
17.04.2012
Madamsel hat geschrieben:
Eine super Idee Aufmerksamkeit zu erregen! Ich finde wir sollten uns an Leipzig ein Beispiel nehmen. Dann gewinnt man zusätzlich noch ein paar Nachwuchs-Naturschützer.
17.04.2012
wintersommer hat geschrieben:
Ich finde, dass ist eine wunderschöne Art zu zeigen, dass manchen die Welt doch nicht egal ist.
Also ich würd mich sehr freuen, wenn meine Stadt etwas grüner sein würde :)
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