Durchstarten für unsere Erde!


Uuuund


Action!


© Peter Jelinek / WWF
Verdammt, ist das so schwer?


von Marcel
22.07.2010
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Eine Sache beschäftigt uns in der WWF Jugend Community immer wieder: Sind wir alleine mit unserer Weltanschauung? Sind wir eigentlich nur umgeben von Idioten, die nicht mitkriegen, dass sie die Erde mit Füßen treten? Oder ist es vielleicht so, dass Umweltschutz von immer mehr Menschen gelebt wird? Sind wir die Generation, in der sich alles wandelt?

Studien zeigen, dass der Öko-Lifestyle hip wird. Konsumforscher behaupten, dass zehn bis zwanzig Millionen Deutsche auf dem Weg seien, "Lohas" zu werden. Schon mal gehört? "Lohas" steht für "Lifestyle of Health and Sustainability". Gemeint ist also ein neuer, moderner Lebensstil, der Gesundheit und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt rückt. Und das finden immer mehr Deutsche richtig schick.

Vielleicht ist das ja schon unser Siegeszug… Aber retten wir mit Lohas schon die Welt? Und warum gibt es trotzdem immer wieder Rückschläge? Reicht ein Trend vielleicht nicht aus? Denn viele Erzählungen, die hier in der Community gepostet werden, erzählen vom Gegenteil. Vom Kampf gegen Windmühlen. So zum Beispiel Cata, die schreibt: "Vielleicht kennst du das auch: Du erzählst, wie sehr es dir Spaß macht, wenn du die Natur retten kannst und die Tiere und von den anderen kommt nur ein verständnisloses Gesicht, oder du wirst ausgelacht."

"Oh, ich kenne das“, sagt L0leka. "Da steht man dann da und denkt sich - alles umsonst. Egal was ich mache, sie werden es ja doch nie kapieren… Aber Kopf hoch, es gibt immer noch die kleinen Erfolge. Zum Beispiel musste ich neulich ERNSTHAFT meiner 18jährigen Freundin die Mülltrennung erklären... ARG! Aber sie hat sich dann glaub ich echt Gedanken drüber gemacht! Man kann nur hoffen, dass wir irgendwann mehr kleine Erfolge als achtlose Lebenseinstellungen haben!"

Tja, die Lebenseinstellung. Einfach mal sein Leben ändern. Das klingt einfacher, als es ist. Meistens fängt man bei sich selbst an. Die Leute hier in der Community haben diesen Schritt schon getan. So wie Freitag, die sagt: "Ich habe mich komplett daran gewöhnt und habe mein ‚anders sein‘ völlig akzeptiert." Doch dann trifft man auf die Menschen in seiner Umgebung, und da läuft alles anders. So ging’s zum Beispiel Julchen96: "Ich hab meiner Klasse in Biologie mal Earthlings gezeigt. Jeder hat gesagt: OMG! Wie schlimm ist das denn?! …und danach haben sie dann ihr Salamibrot gegessen."

"Die wenigsten hören einem wirklich zu - aber manchmal schaff ich's trotzdem." Das war die häufigst genannte Antwort bei unserer letzten kleinen Community-Umfrage. Rund die Hälfte der Leute kommen demnach nur gelegentlich mit ihren Argumenten durch. 28 Prozent verzweifeln gar regelmäßig am Unverständnis der anderen. Nur 18 Prozent haben die Erfahrung gemacht, dass es einfacher wird, für den Umweltschutz zu werben.

Wieso scheinen nicht alle Umweltschutz so ernst zu nehmen wie wir? Bonsaifreak meint: "Die anderen sagen: Die müssen doch sowieso sterben. Du alleine kannst das nicht ändern! ...und dann denke ich nur: Wo ist der Wille etwas zu verändern?" Killari berichtet, auch für die anderen ist es eine Frage des Way of life: "Ein Freund warf mir mal vor, ich und andere Leute, die MacDonalds boykottieren, würden seinen Lebensstil gefährden... Allerdings bin ich mir zumindest halbwegs sicher, dass er das nicht ernst gemeint hat, sondern mich nur provozieren wollte." Aber in jedem Scherz steckt ja oft auch ein Stück Wahrheit…

Vielleicht werden wir auch falsch verstanden? Falsch wahrgenommen? Chaya stellt sich vor, was die anderen in uns sehen: "Alles, was diese Menschen sehen, sind 'Ökos', die vermutlich noch nie ein Steak gesehen haben, Kuh und Hase abends gute Nacht sagen und Tag ein Tag aus irgendwelche naturfreundlichen Gebete halten und ihren Namen tanzen."

"Ich konnte mir schon von einigen anhören, dass Umweltschutz sinnlos und nur eine Sache zum Wohlfühlen ist", erzählt Anne, "so nach dem Motto: Wenn ich ein paar Euro hinblättere, fühle ich mich als Weltenretter und alles ist paletti. Man hört sich dann stundenlange Monologe an und fragt sich, für welchen moralischen Fehltritt man hier eigentlich belangt wird. Da werden die Leute, die sich für etwas einsetzen, auch noch belehrt, sie würden es ja nur tun, weil sie ihr schlechtes Gewissen bereinigen wollen." Für Anne kein Problem. Sie findet: "Wir haben wenigstens ein Gewissen, das anspringt, wenn wir Umweltzerstörung und Artensterben sehen. Den anderen geht's ja sonstwo vorbei."

Was sagt die Studie eigentlich dazu, die ich am Anfang erwähnt habe? Angeblich gibt’s doch immer mehr Lohas. Die Ergebnisse sind ernüchtern! Denn es wurden auch diejenigen untersucht, die von ihrer Einstellung her den Lohas recht nahe stehen - für den Umweltschutz also recht leicht überzeugt werden sollten. Die Ergebnisse in einem Satz zusammengefasst: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. "Der gute Wille ist da. Aber Bequemlichkeit und Eigennutz fordern ihren Tribut", sagt equity-Chefin Cordula Krüger, die die Studie im Auftrag der Berliner Nachhaltigkeitsagentur Stratum und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durchgeführt hat.

Am liebsten ist ihnen eine Win-win-Situation - Gut für mich und gut für die Umwelt. Was sie überhaupt nicht mögen: Verzichten müssen oder sich als Verbraucher engagieren. Sie wollen weder boykottieren noch Protestkarten an Unternehmen oder Ministerien schreiben. Sie würden nicht sagen: "Die Welt darf nicht untergehen". Sondern: "Es wäre schon schade, wenn die Welt unterginge." Oder: "Nur noch Bio kaufen" - das würden sie nie unterschreiben. "Nach Möglichkeit Bio kaufen", das finden sie gut und unverbindlich genug.

Also doch kein Trend? Um uns herum entweder Gegner oder - noch schlimmer - 'Öko-Egoisten'? Was können wir machen, um aus dem Trend doch eine Bewegung zu machen?

Neulich ist Gina blöd angemacht worden, weil sie sich in der WWF Jugend engagiert. Was hat sie geantwortet? "Ich hab zu ihm gesagt wenn ALLE diese Einstellung haben würden oder früher gehabt hätten gäbe es ihn und uns wahrscheinlich nicht mehr." Knobel schreibt: "Solche Situationen kenn ich zur Genüge, leider. Aber ich habe auch schon viele zum Nachdenken angeregt, bei denen ich niemals gedacht hätte, dass das klappt. Ich habe mit vielen gesprochen, was sie denn gegen Engagement hätten und oft haben die Leute nix gesagt. Ich schätze aus Verlegenheit."

"Viele von denen", ergänzt Urmel88, "die uns diese blöden Sprüchen drücken, haben oft ein schlechtes Gewissen, weil wir etwas tun und ihnen damit zeigen, dass sie nichts tun. Da würde ich auch ein schlechtes Gewissen bekommen." Und Cata meint: "Ich finde man sollte sich von so etwas nicht runter machen lassen. Immerhin machen wir was, andere sitzen auf dem Sofa und sagen sich, warum soll gerade ich was machen, sollen die anderen doch anfangen."

Vielleicht müssen wir gar nicht die ganze Gesellschaft verändern? Vielleicht können wir die Welt auch aus eigener Kraft verbessern. So wie Evegana, die fest dazu entschlossen ist: "Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Welt retten werden :) auch wenn es Leute gibt die einen einfach nicht verstehen…“ Urmel88 sieht es ähnlich:

"Nicht aufgeben! Wir werden immer mehr und dadurch immer lauter!"

Wie gehst du an die Sache ran? Bist du Einzelkämpfer? Überzeugungstäter? Mitreißer?

Willst du die große Welle oder die heimliche Veränderung? Was findest du realistisch, was utopisch?

Wie sieht für dich die Umweltkampagne der Zukunft aus?

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Kommentare (7)
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02.08.2010
Cata hat geschrieben:
Der artikel ist super marcel. Und vielen dank, dass du mich da mit einbezogen hast, das ehrt mich total. Ich kenne jemanden, der auch hier ist, und an dem einem videowettbewerb für kopenhagen von der wwf-jugend mitgemacht hat. dieses video ist in youtube zu sehen, und da haben leider viele Leute drunter geschrieben, das wäre doch alles nur einbildung....
das fande ich sehr schade, und wir müssen uns echt überlegen, wie wir genau diese gruppe von leuten dazu kriegen, doch mitzumachen, denn sonst werden die es erst checken, wenn es zu spät ist.

24.07.2010
Killari hat geschrieben:
Find ich ne schöne Einstellung, Chaya.
@ Julchen96: Mit Trend meinte ich eine Entwicklung, nicht eine Mode. Aber selbst wenn, ist hier nicht das Ergebnis wichtiger als die Motivation? Wenn Menschen die Umwelt schützen, weil es "in" ist, ist das doch besser als nichts.
23.07.2010
Juliaaa hat geschrieben:
Toll wenn es ein Trend ist, aber ist es wirklich ein Erfolg wenn die Leute nur Umweltbewusstsein entwickeln weil es Trend ist? Meiner Meinung sollte man umweltbewusst leben, weil man den späteren Generationen eine würdige Welt überreichen will und weil man die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht erhalten möchte.

"Wenn die Schlachthöfe Mauern aus Glas hätten, wäre längst jeder Vegetarier"
Paul McCartney
23.07.2010
Killari hat geschrieben:
Einen Trend zum umweltbewussteren Leben gibt es in Deutschland schon. Zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich Deutschland mit Erfahrungen vergleiche, die ich in anderen Ländern gemacht habe. Bio-Lebensmittel gibt es bei uns ins den meisten Supermärkten, wovon ich in Frankreich und Italien (ich hab in beiden Ländern je ein Jahr gelebt) nicht viel mitbekommen habe. Dort geht der Trend eher in Richtung Fairtrade, was ich allerdings auch unterstütze. Dann zum Thema Mülltrennung: in Italien stehen vor den Häusern Müllkontainer für Glas, Plastik, Papier und Restmüll. Trotzdem haben meine Mitbewohner mitunter selbst Glasflaschen in die Restmülltonne geworfen und einmal habe ich gesehen, wie jemand Eierkartons brav in die Papiertonne warf - ohne jedoch vorher die alten Eier rauszunehmen. Ich denke in Deutschland sind viele da doch schon einen Schritt weiter.
Trotzdem passiert es immer wieder, dass ich mit Leuten diskutiere und das Gefühl habe, gegen eine Wand zu reden. Ein häufiges Argument ist, dass man als einzelner eh nichts ausrichten kann, oder dass beispielsweise der Strom oder das CO2, das man als einzelner einsparen kann, nichts sind im Vergleich zum Verbauch von Industrie o.ä.. Dass das dennoch besser als nichts ist, wollen viele nicht verstehen. Oftmals ist es wirklich einfach Bequemlichkeit und die Gewöhnung an bestimmte Dinge, die Menschen davon abhalten, sich für die Umwelt zu engagieren. Seinen Lebensstil umzustellen ist anstrengend und das ist den meisten einfach zu viel.
Hinzu kommt natürlich auch, dass überall Industrie und Wirtschaft ihre Finger im Spiel haben. Auf meine Frage, warum es eigentlich keine Musikanlagen mehr gibt, die man einfach ausschalten kann, anstatt sie die ganze Zeit auf Standby laufen zu lassen, erklärte mir jemand, dass es eben ein paar cent teurer sei, die herzustellen. Und soviel scheint die Natur wohl den Produzenten und Käufern nicht wert zu sein.
Zur Frage, wie Menschen wahrgenommen werden, denen die Natur am Herzen liegt: ich hab mal irgendwo - es ging um AKWs - gelesen, dass die Atom-Gegner doch nur dagegen seien, weil sie immer dagegen sein wollen, egal worum es geht, und weil ihnen eben gerade nichts besseres einfältt, wogegen sie protestieren können. Solche Bemerkungen machen mich schon richtig agressiv und auch ein bisschen hilflos. Wie kann man Menschen, die so denken, von unserem Lebensstil überzeugen?
22.07.2010
Gwappo hat geschrieben:
Es ist schon so, dass sich mehr Leute Gedanken machen. Aber ein Gedanke kann nichts bewirken, wenn man ihn nicht in die Tat umsetzt. Das Problem ist, dass sich die Bequemlichkeit in uns verankert hat, was unheimlich schade ist. Aber zwischen denen, die die regelrechte Brutalität unserer seits gegen die Erde einsehen und darüber nachdenken gibt es leider auch immernoch diejenigen, denen es vollkommen egal ist. Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als sie zu überzeugen, auch wenn es teilweise schwer sein dürfte. Hoffen wir einfach das Beste und setzen uns für unsere Erde und all ihre Lebewesen ein :)
22.07.2010
isabella hat geschrieben:
Meiner Meinung nach ist es unsere Aufgabe nie den Mut zu verlieren und wie Marco S schon sagte, immer mehr Menschen merken die veränderung. Meine Oma hat mich letztens zum Ersten mal auf die 'Klimaangelegenheiten' , wie sie es nannte angesprochen, ich war echt baff, sie hatte bisher noch nie wirklich über dieses Thema nach gedacht, bis sie einen Ártickel in einer Zweitung gelesen hatte und da sie wusste was ich so mache hat sie mich gleich mal gefragt wie schlimm es denn nun wirklich ist.
Daher denke ich das immer mehr Menschen verstehen wie es um unsere Erde steht und wie wir sie verändern können:-)
22.07.2010
MarcoS hat geschrieben:
An dem Sprichwort ist was dran, Gina!^^ Was den >Lohas< betrifft, es werden tatsächlich immer mehr Menschen verantwortungsvoller und umweltbewusster. Auch wenn es für die Meisten am Anfang schwierig ist, sich in diesen Bereichen zu ändern, so gelingt es doch immer mehr Menschen. Ich denke die neuen Generationen werden viel Gutes bringen. Da bin ich optimistisch.^^
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