Durchstarten für unsere Erde!


Uuuund


Action!


© Peter Jelinek / WWF
Unter 250.000 von 82 Millionen


von AnnaLaura
27.03.2011
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Ein Bericht über meine erste richtige Demonstration, die nicht die Letzte sein wird.
Schon am Bahnhof und im Zug sehe ich einige Menschen, die wohl dasselbe Ziel haben wie ich. Kleine Kinder mit gelben T-Shirts, auf denen die bekannte rote Sonne abgebildet ist. Jugendliche, die sich das Symbol für Radioaktivität ins Gesicht gemalt haben, Studenten, die selbst gebastelte Schilder mit sich herumtragen, manche schön, andere weniger, aber nun ja, allein der Gedanke zählt. Und Erwachsene jeden Alters, die mit Buttons und Fahnen versorgt sind. Doch diese Menschen machen die wenigsten im Zug aus. Auf die Frage, ob der Zug immer so voll sei, und wenn nein, was denn heute wäre, antwortet die Schaffnerin nur: Hm, da soll ne Atomdemo sein, und ein Hockey- oder Handballspiel. Welch ein müder Tonfall. „Da soll.“ Hapüü. Da ist!
Am Bahnhof angekommen, steige ich zusammen mit allen anderen aus und bewege mich langsam zum Ottoplatz. Da die hier angesetzte Kundgebung schon vorbei ist, drängen mich tausende anderen weiter in Richtung der Deutzer Werft, wo auch die Demonstranten, die von der anderen Seite kommen, eintreffen werden. Einzelne Gruppen rufen Parolen, singen Lieder. Überall wird gepfiffen, man sieht kaum etwas anderes, als gelb, rot und grün. Unter Führung der Polizei überqueren wir Straßenbahnlinien und gelangen dann auf den großen Kundgebungsplatz. Die Band macht einen Soundcheck. Staunend suche ich mir einen Platz, gucke mich erstmal um. Dann, als die Musik von Wolf Maahn und seiner Band erklingt, spüre ich, wie um mich herum alle anfangen, mit den Füßen im Takt zu wippen. Ein seltsames Glücksgefühl überkommt mich. Hört sich ein bisschen an wie Jan Delay. Ich laufe einige Zeit ziellos über den Platz, der noch ziemlich leer ist. Viele einfallsreiche Protestschilder begegnen mir. „Dem Brüderle sein Schwesterlein, legt uns nach den Wahlen rein“, lese ich. „Merkel läuft nach der Atomuhr, deshalb tickt sie nicht richtig.“ „Urangela“. „Nucleare? No gracie“ lese ich auf dem T-Shirt eines Demonstranten und muss lächeln. In Italien also auch. „Gibt es Leben auf dem Mars? Nein! Gibt es Leben auf dem Mond? Nein! Gibt es Leben auf der Erde? Noch!“, sehe ich und bin beeindruckt von der Kreativität aller. Unten am Ufer finde ich mehrere Stände vor, an denen man T-Shirts und Fahnen kaufen, sich Infomaterial besorgen und gegen Spenden Buttons und Sticker bekommen kann. Auch zwischendrin sehe ich mehrere Menschen, die Spenden sammeln, für die großen Demos in der Zukunft. Über den ganzen Platz verteilt schwingt die Masse ihre Fahnen, als die Band sich verabschiedet und der Moderator, Christian Bautz sich zu Wort meldet. Als allererstes schlägt er vor, dass wir mal zur Brücke schauen sollen. Der Anblick ist überwältigend. Die Brücke ist vollgestopft mit Atomgegnern, die langsam in unsere Richtung gedrängt werden. Ein nicht endenwollender Zug aus gelbroten Fahnen. Nach einigen eindrucksvollen Worten, die heftig beklatscht werden, setzt er uns darüber in Kenntnis, wie viele Menschen auf den Straßen Kölns, Berlins, München und Hamburgs sind. 210.000. Die Menge jubelt. Als nächstes spielt Klaus der Geiger mit seinem Orchester, und auf dem großen Platz kommt für einen Moment eine Stimmung auf, wie sie auf den Anti-Atom-Kraftdemonstrationen, Ostermärschen und Mahnwachen der 80er und 90er Jahre und vor allem nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl in Deutschland geherrscht haben muss. Die nachfolgenden Redner werden immer wieder von lautem, zustimmendem Rufen unterbrochen, ebenso der Kabarettist Hans Günther Butzko. „Abschalten, abschalten“, tönt es über den Platz und alle werden mitgerissen. Um 14.15 Uhr wird bundesweit eine Schweigeminute abgehalten, für die Opfer in Japan. Mit Beginn der Schweigeminute fährt ein Krankenwagen mit Martinshorn am Kundgebungsplatz vorbei. Doch für mich wirkt es nicht störend, eher wie die Bestätigung, dass Atomkraft gefährlich ist und es Opfer gibt. Die Demonstranten, die sich noch auf der Brücke befinden, haben leider nicht mitbekommen, dass Schweigeminute ist und pfeifen und singen munter weiter. Dann, nach der Minute, verbessert sich Christian Bautz und teilt mit, die Polizei hätte ebenfalls die Demonstranten gezählt und wäre auf insgesamt 240.000 gekommen, 30.000 mehr in Berlin. Nach ein paar Minuten bekommen wir mit, dass auch in München trotz Regenwetter 10.000 mehr dabei sind, als gedacht. Die Masse jubelt, vorallem, als klar wird, dass dies die größte deutsche Anti-Atom-Kraftdemonstration ist, die es je gab. Überall wird gejubelt, gepfiffen. Den ruhigen Abschluss bilden Sängerin und Gitarrist der kölschen Band Klee, die die Demonstration schön beenden. Wie gerne wäre ich noch zur Earth Hour da geblieben. Zusammen mit vielen Anderen mache ich mich auf, zurück zum Bahnhof. Und ich nehme mir vor, bei vielen weiteren Demonstrationen dabei zu sein. Denn 250.000 – eine Viertelmillion – von 82 Millionen, das ist einfach zu wenig.


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Kommentare (8)
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28.03.2011
Anais hat geschrieben:
Bin mit Freunden in Hamburg dabei gewesen. Schön zu lesen, dass andere den tag ähnlich emfunden haben, wie ich. Danke für den ausführlichen Bericht :)

"The world is not dangerous because of those who do harm but because of those who look at it without doing anything? Albert Einstein
27.03.2011
Stoffie hat geschrieben:
echt super bericht! ich hab gerade das gefühl ich wäre selber dabei gewesen!

weiter so! :)
27.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Wow, toller Bericht! Genauso diese Eindrücke hatte ich auch, es war so toll :):):)
27.03.2011
Xenia hat geschrieben:
Es war wirklich beeindruckend, vor allem dass Menschen aus allen möglichen Altersgruppen und Schichten da waren und auch viele Familien mit kleinen Kindern. Die Earth Hour hätte ich auch gerne am Rhein erlebt =/
Da hofft man doch, dass sich diese Massen von Demonstranten durchsetzen können und hoffentlich kommen noch viel viel mehr Menschen und empören sich?
27.03.2011
Nugua hat geschrieben:
Toller Artikel, denn genauso war es. Ich war mit drei Freunden auch dabei. Es war ein gutes Gefühl, für seine Meinung auf die Straße zu gehen und alle Leute waren freundlich und gut gelaunt. Die Earth Hour konnten wir auch nicht miterleben, wir mussten ebenfalls zum Zug.
Bei mir war es auch die erste Demo und es wird nicht die letzte sein. :-)
27.03.2011
AnnaLaura hat geschrieben:
wer fotos von köln hat, alles zu mir ;)
27.03.2011
Maikaefer hat geschrieben:
Wirklich ein toller Bericht und der Eindruck, den du damit vermittelst, trifft voll ins Schwarze! Das bunte Treiben der kleinen und großen Demonstranten war auch für mich total beeindruckend. Der krönenden Abschluss am Abend war dann die Earth Hour direkt am Rhein - wirklich schade, dass du nicht dabein sein konntest :(
27.03.2011
Marcel hat geschrieben:
Ein super Bericht - vielen Dank für diese tolle Reportage! Schade, dass wir uns dort nicht getroffen haben :( Bei der Demo waren mehrere WWF Jugend Gruppen in Köln unterwegs. Später kamen dann die meisten zur Earth Hour zusammen. Wer Fotos, Filme oder Berichte von diesem Tag hat, bitte online stellen. Hier gibt's den kompletten Tag im Überblick: http://www.wwf-jugend.de/community/blog.php?user=Marcel&blogentry_id=2449
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