Durchstarten für unsere Erde!


Uuuund


Action!


© Peter Jelinek / WWF
Teil 1: Einführung eines "Veggieday"


von SimonL
16.05.2013
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Hi, endlich lass ich auch mal wieder etwas von mir hören! :D

Das hier soll eine Serie darüber werden, wie ein Veggieday an meiner Schule ein- und durchgeführt wird, welche Schwierigkeiten es dabei gab/gibt und welche Methoden weiterzuempfehlen sind.

Beim "Veggieday" handelt es sich keinesfalls um etwas Neues, bestimmt haben auch schon viele von euch davon gehört. Seit Jahren wird der fleischlose Tag schon in Belgien regelrecht zelebriert. Es handelt sich um einen Tag im Jahr, an dem kein Fleisch in den Mensen staatlicher Institutionen (und anderer öffentlicher Gebäude) ausgegeben wird. Ein Tag im Jahr? Ich hasse den Satz: "Das bringt ja nichts." Aber ein Tag im Jahr schien vielen anderen und auch mir zu wenig. In Deutschland gibt es daher die vom VEBU (deutscher Vegetarierbund) organisierte Aktion: "Donnerstag ist Veggietag". Zwar habe ich von dieser Aktion erst im Nachhinein erfahren, aber der belgische "Veggiedag" hat mich inspiriert, so etwas auch an meiner Schule einzuführen, nur eben einmal pro Woche.

Alles klar, die Idee war gesetzt, meine Biolehrerin hatte ich auch sofort im Boot. Weitere Schüler und Schülerinnen haben sich auf meine Anfrage sofort hilsbereit gezeigt. Keiner (mich eingeschlossen) hatte so etwas schonmal gemacht, daher schwebte die Idee leider erst einmal mehrere Wochen so in den Köpfen.

In der Zwischenzeit bin ich dann als Juniormentor nach Berlin zum 2°Campus gefahren. In einer freien Minute habe ich Birgit Eichmann auf das Vorhaben angesprochen. Sie war sofort Feuer und Flamme und schickte mir die neuesten Studien vom WWF zum Thema Fleischkonsum, Klimawandel und Ernährung, Sojaanbau und Flächenhandel gleich hinterher. So hatte ich die Möglichkeit, mich in die Materie einzulesen.

Eine Woche später, die Schule hatte wieder angefangen, führte ich erste Gespräche mit der Leiterin unserer Cafeteria. Zunächst nur per Telefon. Man muss nun wissen, dass unsere Cafeteria schon vorher jeden Tag sowohl ein vegetarisches Gericht als auch eines mit Fleisch anbietet. Die Cafeterialeiterin zeigte sich deswegen zuerst abgeneigt. Die SchülerInnen hätten jeden Tag die Wahl und müssten selbst entscheiden. Ich entgegnete: "Die Schule hat einen Bildungsauftrag und meiner Meinung nach zählt eine verantwortungsvolle Ernährung genauso dazu, wie Kenntnisse in Mathematik und Englisch." Das hätte ich vielleicht nicht so direkt sagen sollen... :D Ein Treffen ließ sich dennoch aushandeln. Im persönlichen Gespräch mit der Leiterin der Cafeteria, einer Köchin, meiner Biolehrerin und mir entlarvte dann doch so manches Missverständnis. Außerdem erfuhren wir, was die Cafeteria für einen "Veggieday" benötigte. Durch das Online-Bestellverfahren der Essen für unsere Cafeteria gibt es eine Vorlaufzeit von drei Wochen und einen Wiederholungsschleife im Ernährungsplan von ca. 6 Wochen. Die Cafeteria benötigte also mindestens sechs Rezepte, um einen wöchentlichen Veggieday einzuführen. Das nahm ich als erstes in Angriff und lieferte ein paar Tage später Rezepte für sieben leckere vegetarische Rezepte. Eine andere Frage brannte mir jedoch schon die ganze Zeit unter den Nägeln: "Woher kommt das Fleisch, das in der Cafeteria verarbeitet wird?" "Schaper" stehe auf den Lieferdokumenten. Mehr könne man mir dazu auch nicht sagen. Wie ich nach kurzer Recherche erfahren habe: Schaper ist ein europaweit agierender Fleischgroßhandel, dessen Partner unter anderem "Astenhof" ist (Stand: Mai 2013). Laut einer Untersuchung des BUND im Dezember 2011 waren mehr als die Hälfte der untersuchten Proben mit antibiotikaresistenten Keimen, wie MRSA oder ESBL-produzierende Keime, belastet. Unter den getesteten Marken war auch "Astenhof".

An dieser Stelle vielleicht eine kurze Zwischenfrage: Wozu eigentlich der Aufwand? Diese Frage lässt sich mit einer Vielzahl von Gründen beantworten. Hier einige in Kürze aufgeführt:

Aktuell trägt die Viehwirtschaft 18% zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Diese Emissionen werden vor allem durch die biologischen Verdauungsprozesse der Tiere verursacht, aber auch durch die gigantische Produktion an Futtermitteln für die Nutztiere. So braucht man rund 10kg Getreide für 1kg Rindfleisch. Wo das bei einem jährlichen Pro-Kopf Verbrauch von 88kg Fleisch der Deutschen hinführt, kann man nur erahnen. Die Ausmaße sind unfassbar: Millionen Hektar Land werden gebraucht, um den riesigen Hunger an Soja für die deutsche Futtermittelproduktion zu stillen.

Damit sind wir gleich beim nächsten Punkt, der für mich persönlich besonders schwer wiegt. Etwa eine Milliarde Menschen hungern zur Zeit weltweit, jede Sekunde stirbt ein Mensch an Hunger, während wir 90% der gesamten Sojaernte weltweit an unsere Nutztiere verfüttern. Wir essen den Menschen, die mehr als genug Nahrung für sich vor ihrer Nase auf deren Land für uns anbauen, durch unseren Fleischkonsum die Lebensgrundlage weg! Mit Jean Zieglers (Schweizer Politiker und Soziologe) Worten: "Ein Kind, das heutzutage an Hunger stirbt, wird ermordet." Können wir mit einem Bissen in ein Stück totes Tier den Tod von Millionen von Menschen verantworten, geschweige denn rechtfertigen?

Als letztes möchte ich noch kurz auf das tierschutzrechtliche Argument eingehen, obwohl es natürlich noch sehr viele andere Gründe gibt, warum man auf Fleisch verzichten sollte. Davon vielleicht in einem anderen Teil mehr... Aufgrund der BSE-Krise vor einigen Jahren wurde in der Tierschlachtung der sogenannte "Rückenmarkzerstörer" als Betäubungsmethode verboten. Stattdessen sollten Tiere mit dem Bolzenschuss betäubt werden, welcher bei vielen Tieren jedoch nicht ausreicht. Sei es durch falsche Anwendung oder die Anatomie des Tieres, jedenfalls werden 6 von 30 Tieren in einem bayrischen Schlachtbetrieb bei vollem Bewusstsein geschlachtet. Was die Tiere dabei im Detail erleiden müssen, möchte ich hier jetzt nicht wiedergeben. Bei diesem Fall scheint es sich zu allem Überfluss nicht mal um eine Ausnahme handeln. Die hier vorgestellten Daten wurden bei einer angekündigten Inspektion von EU-Mitarbeitern erhoben. Es soll sich um einen "Vorzeigebetrieb" gehandelt haben.

Ein "Veggieday" war hiermit schon halbwegs auf dem Weg, doch um die Schüler und Schülerinnen auch wirklich für das Thema zu sensibilisieren ist noch mehr Aufklärung von Nöten. So etwas war von Anfang an geplant und sollte eigentlich unbedingt VOR dem ersten Veggieday passieren, doch zu diesem Zeitpunkt mussten wir einen ersten Rückschlag verbuchen. Am Mittwoch vor anderthalb Wochen traf ich die Leiterin der Cafeteria zufällig in der Schule. Sie entschuldigte sich sofort dafür, dass sie nicht auf meine E-Mails geantwortet habe, sie wäre im Urlaub gewesen. Des Weiteren habe man den ersten Veggieday für kommenden Freitag geplant (zu dem Zeitpunkt zwei Tage, bevor ich davon erfahren habe). Eine Aktion, die auch Hintergrundwissen liefert, einen Informationsstand, Durchsagen, das alles ließ sich natürlich nicht innerhalb von zwei Tagen organisieren. Der erste Veggieday schlurfte daher mit 7 Essen glanz- und ruhmlos vorbei. Mit Rückschlägen musste man rechnen und da die Cafeteria sehr souverän diesen missglückten Start hinnahm, ließ ich mich nicht entmutigen. Danach kam dann auch einiges ins Rolllen: Mithilfe der Daten der Studien vom WWF habe ich bislang fünf verschiedene Flugblätter erstellt, die ich ab nächster Woche in meiner Schule aushängen werde. Mir wurde jedoch klar, dass wir diese Aufklärungsaktion nicht ohne weitere Unterstützung von großen, erfahrenen Organisationen in Gang bekommen würden. So kam ich schließlich in Kontakt mit dem VEBU. Schon nach einer kurzen Vorstellung unserer Idee am Telefon, wollte man gleich Kochcoachs, Material und weitere Informationen schicken. Ich war überwältigt von der Kooperationsbereitschaft der Organisation. Den Kochcoach habe ich vorerst abgelehnt, aber die Information über die Aktion "Donnerstag ist Veggietag" war interessant. Sie bietet eine Plattform für alle, die ein ähnliches Projekt planen oder umsetzen wollen und präsentiert mit einer Liste von Teilnehmern wertvolle Erfahrungen. Das Angebot von der Zusendung weiteren Materials wollte ich ebenfalls nutzen. Dies dauerte dann doch eine Weile, bis ich mit der richtigen Person in Kontakt stand. Das Angebot an Infomaterial reicht jedoch über Poster, Broschüren und Flyer bis hin zu Stundenplänen und bietet das Richtige für jede Zielgruppe. Bislang habe ich noch kein Paket erhalten, was jedoch nicht verwunderlich ist, da ich erst heute mit der zuständigen Mitarbeiterin in Kontakt treten konnte. :D Damit sind wir in der Gegenwart angekommen.

Eines ist beim Nachmachen (ausdrücklich erlaubt und unbedingt zu empfehlen) zu beachten. In meinem Fall musste man sich oft in Geduld üben, da man auf viele Dritte angewiesen ist und die Kommunikation selten reibungslos abläuft. Feiertage, Arbeitszeiten, die mit den Schulzeiten korrelieren und falsche Ansprechpartner verzögern den Fortschritt enorm. Die Festnetzflat meines Handys hat sich da ausgezahlt. Telefonate ohne Ende in den Pausen, in Freistunden und wenn man niemanden erreicht, schreibt man abends noch E-Mails. Es ist in der Tat viel Aufwand, den man betreiben muss, doch der zahlt sich mehr als aus. Nachhaltige Ernährung ist immer öfter in der Diskussion zwischen Schülern, manche überlegen weniger Fleisch zu essen, manche werden sogar Vegetarier (Hier muss man wirklich die lange Zeit beachten, die vergangen ist. Vegetarier wird man selten von heute auf morgen). Das Thema ist präsent. Das allein bewirkt schon vieles. Wenn man es dann wirklich geschafft hat, einen Veggieday einzuführen ist das ein großer Erfolg. Die "offizielle" Einführung kommt ja auch an meiner Schule erst noch, doch die Verbesserungen, die man durch einen oder mehrere vegetarische(n) Tag(e) pro Woche erreichen kann, sind zu weitreichend und großartig, als dass man es nicht versuchen sollte!

In dem nächsten Teil werde ich dann die Erfahrungen der Aufklärungsaktion, erste Rückmeldungen und die Auswertung der geplanten Umfrage präsentieren. Mal sehen, wie der Veggieday bei den SchülerInnen ankommt...

Falls ihr Fragen zu was auch immer habt oder Anregungen, Verbesserungsvorschläge, schreibt sie in die Kommentare oder schreibt mir eine Nachricht. Ich stehe gerne Rede und Antwort und freue mich über konstruktive Kritik oder weitere Erfahrungen!

Allen, die einen "Veggieday" jetzt auch einführen wollen, wünsche ich viel Glück und Erfolg!

 

 

Quellen:

WWF Studien "Fleisch frisst Land", "Klimawandel auf dem Teller", "Sojaboom in deutschen Ställen" und "How to feed the World's growing billions"

VEBU (Deutscher Vegetarierbund), vebu.de

provegan.info

Foodwatch

Bild: http://www.gymnasium-altenholz.de/page/index/title/die-cafeteria-des-gymnasiums-a/

 http://www.ccschaper.de/attachments/DE/schaper%20c+c_fleischkatalog.pdf

http://www.bund.net/themen_und_projekte/landwirtschaft/lebensmittelpolitik/antibiotika_skandal/hintergrund/

 

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Kommentare (16)
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Sortieren nach Aktualität:
11.07.2013
SimonL hat geschrieben:
Danke! Von der Schulleitung wurde es nach meiner Präsentation auch sehr gut aufgenommen, aber dazu mehr im zweiten Teil. :D Der kommt wahrscheinlich erst nach den Sommerferien...
03.07.2013
Sunlight hat geschrieben:
Ganz toll, was Du da auf die Beine gestellt hast!! :) Viel Erfolg bei der weiteren Umsetzung und die Aktion wird betsimmt noch richtig gut aufgenommen werden!! Liebe Grüße und ich freu mich auf ein Wiedersehen im Herbst!! ;)
15.06.2013
SimonL hat geschrieben:
@TaniaTukan: An der Uni hier in Kiel gibt es einen sogenannten "Greenday", an dem es ebenfalls ausschließlich vegetarische Gerichte gibt. Falls du Anregungen suchst, kannst du dich da ja mal erkundigen...
Die Idee ist super, viel Erfolg! ;)
11.06.2013
TaniaTukan hat geschrieben:
Cool! Was für einen Mega-Aufwand du betrieben hast und weiter betreibst! Ich geh nicht mehr zur Schule, aber ich werd meinen kleinen Bruder mal aufmerksam machen und dann im Herbst bei Studienbeginn sehen, wie das an meiner Uni-Mensa aussieht ;)
21.05.2013
SimonL hat geschrieben:
Danke! :) Es läuft auch immer noch auf Hochtouren! Die ersten Zahlen versprechen nichts Gutes, aber die zweite Runde fängt erst an.
Ich bin gespannt...
21.05.2013
Ivonne hat geschrieben:
Echt klasse dein Engagement, Simon! Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil!
Liebe Grüße aus Berlin :-)
20.05.2013
Helen1698 hat geschrieben:
Wow, echt toll! :) Bei mir an der Schule wird gerade erst eine Mensa gebaut, aber wenn die im Herbst dann fertig ist, guck ich mal, wie das da so ist und ob man da was machen kann! :)
18.05.2013
AlinaSky hat geschrieben:
Klasse Artikel und klasse Aktion! Vielleicht finde ich ja an meiner Schule ein paar, die das mit mir auch versuchen einzuführen! Ich finde den Veggieday super! :)
18.05.2013
SimonL hat geschrieben:
@Jayfeather: So war es bei uns auch erst, aber um zu zeigen, was eigentlich hinter der vegetarischen Ernährung steht, ist so ein Veggieday natürlich sinnvoller. ;)
Danke! :D
17.05.2013
Jayfeather hat geschrieben:
super aktion!
bei uns gibt es in der cafeteria auch vegetarische gerichte und gerichte mit fleisch, aber einen veggieday fände ich natürlich noch besser :)
17.05.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
17.05.2013
IndianSummer hat geschrieben:
Toller Artikel! :)
Finde ich spitze, dass du dich da so rein gehangen hast!
Ich drück die Daumen! Wird bestimmt gut ankommt :)
17.05.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
17.05.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
17.05.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
17.05.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
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