Durchstarten für unsere Erde!


Uuuund


Action!


© Peter Jelinek / WWF
Mit dem Fahrrad über die Autobahn


von Oceansoul
07.06.2009
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"Berlin fährt Rad!" - unter diesem Motto fand heute die 33. Fahrradsternfahrt statt. Geschätzte hunderttausend Berliner radelten in Richtung Stadtmitte - durch die für die Autos gesperrten Straßen und sogar über die Autobahn. Muss man denn - könnte man jetzt fragen - dafür fast den gesamten Autoverkehr blockieren? Die Antwort ist ganz einfach: Ja, muss man. Es handelte sich nämlich um eine Demonstration für den Fahrradverkehr. Die Teilnehmer setzten sich dafür ein, dass nicht Milliarden für den Neubau von Straßen ausgegeben werden, dann aber das Geld zum Finanzieren von Radwegen oder Fahrradstreifen auf den Straßen fehlt.
Veranstaltet wurde die Demo vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) anlässlich des Weltumwelttages.

Die Fahrradsternfahrt findet seit 1977 jährlich statt, aber dieses Jahr bin ich das erste Mal mitgefahren. Zuerst war ich noch ein bisschen skeptisch, ob das denn funktionieren kann, wenn so viele Radfahrer aufeinandertreffen.

Wir kamen gegen 12.00 Uhr zu einem der Treffpunkte, wo sich schon etliche andere Radfahrer versammelt hatten. Zuerst mussten wir noch ein bisschen warten, dann ging's los: Teilnehmer, die sich teilweise schon in Brandenburg zusammengefunden hatten, fuhren an uns vorbei. Wir reihten uns ein und wurden laut klingelnd begrüßt.

Während wir zur Autobahn fuhren, schlich sich bei mir ein Gedanke ein, den ich danach so schnell nicht mehr los wurde: Was wäre, wenn es immer so wäre?
Klar, teilweise hätte ich diese Frage auch schon vorher beantworten können. Es wäre natürlich umweltfreundlicher, andererseits aber auch anstrengender und man würde mehr Zeit brauchen. Einen weiteren Aspekt konnte ich heute beobachten: Es wäre um einiges leiser. Besonders, wenn uns Autos auf der Gegenfahrbahn begegneten oder ein Motorrad der Polizei an uns vorbeifuhr und man den direkten Vergleich hatte, fiel auf, wie viel Lärm durch die Motoren entsteht.

alt

An der Autobahnauffahrt mussten wir erst einmal warten, weil es einen Fahrradstau gab. Kein Wunder, denn hier trafen Menschen aus vielen verschiedenen Stadtteilen ein. Schließlich konnten wir dann aber doch auf die Autobahn und durch den Autobahntunnel fahren. Leider fing es an zu regnen, aber es war trotzdem toll, dort Fahrrad zu fahren und damit etwas zu tun, was normalerweise verboten war.

Von der Autobahn aus ging es dann in Richtung Brandenburger Tor, wo das Umweltfestival von der Grünen Liga veranstaltet wurde.

Diese Sternfahrt war ein ganz besonderes Erlebnis für mich, schließlich ist es ziemlich ungewohnt, so viele Radfahrer auf einem Haufen zu sehen. Und ich denke, ich werde nächstes Jahr wieder mitmachen.

alt

Weitere Informationen findet ihr unter:

www.adfc-berlin.de

www.umweltfestival.de

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Kommentare (8)
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19.06.2009
Marcel hat geschrieben:
@Oekoapostel: Wenn man's so sieht, dann ist letztlich die Wahl ganz einfach: "reine Bequemlichkeit" oder Rücksichtnahme für unsere Zukunft? Das ist eine ganz normale, sachliche Entscheidung. Die kann man aber, so ist meine feste Überzeugung, eben nicht NUR auf der Grundlage der eigenen Vorlieben oder Bequemlichkeit entscheiden. Jede Handlung beeinflusst nämlich auch die Umwelt deiner Mitmenschen. Und wer diesen Grundsatz in seine Erwägung einbezieht, kommt letztlich zu dem Schluss: Fahrzeuge sind natürlich nicht wegzudenken - kein Klimaschützer würde ernsthaft Krankenwaagen, Fahrgemeinschaften oder notwendige Gütertransporte abschaffen wollen - aber ein Fahren aus reiner Bequemlichkeit ist angesichts der Klimafrage nicht mehr state of the art.

Es geht nicht darum, jemandem sein Hobby oder seinen Spaß zu nehmen. Es geht darum, dass der Verkehrssektor mit 18 Prozent der zweitgrößte CO2-Emissionsfaktor in Deutschland ist (nach dem Energiesektor mit 41 Prozent - Angaben Umweltbundesamt), und dass im Automobilbereich leider in den nächsten Jahren keine großen Spriteinspartechniken abzusehen sind. Wir können also den Treibhausgasausstoß im Automobilsektor vor allem durch unser gemeinsames Handeln senken. Natürlich auch dadurch, dass wir unnötiges Herumfahren sein lassen. Aber es ist eben nicht alleine der Verzicht auf's Auto, den Klimaschützer als Lösung vorschlagen. Vorwürfe wie das "moralische Überlegenheitsgefühl" oder den "Tugendterror" würde ich daher gerne beiseite lassen - sie helfen uns nicht weiter, sondern zeigen nur, dass sich der eine nicht in den anderen hineinversetzen will (Viele Fahrradfahrer, auch ich gehöre dazu, hätten genug Grund, ein Überlegenheitsgefühl der Autofahrer zu beklagen - das würde dir als Argument auch nicht reichen, oder?). Also sprechen wir doch lieber konkret über die Lösungsmöglichkeiten für Autofahrer:

(1) Autos möglichst zu mehreren benutzen. In fasten jedem tonnenschweren Auto sieht man zur Rush Hour einzelne Fahrer, die dann gemeinsam im Stau stehen. Fahrgemeinschaften bilden und/oder auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

(2) Kurzstrecken vermeiden. Der Verbrauch deines Fahrzeugs ist bei kaltem Motor besonders hoch. Da der Katalysator noch nicht arbeitet, entweichen die Schadstoffe ungehindert in die Atmosphäre.

(3) Sparsames Fahren. Temperamentvolles Anfahren und Abbremsen verbraucht unnötig Sprit. Ein guter Autofahrer schaltet angemessen und fährt sparsam - und schont so auch seinen Geldbeutel.

(4) Das Auto regelmäßig warten. Der Kraftstoffverbrauch nimmt um fünf Prozent zu, wenn der Reifendruck 0,5 bar zu niedrig ist. Dies gilt für einen durchschnittlichen Neuwagen.

(5) Beim Neukauf vorrangig auf niedrigen Treibstoffverbrauch bzw. niedrige CO2-Emission achten. Braucht man auf unseren gut asphaltierten Straßen Fahrzeugtypen mit unnütz bulliger, schwerer Bauweise oder Rennwagen in den Innenstädten?

(6) Und weil dir ja die Klimaanlage wichtig ist: Die solltest du regelmäßig warten lassen. Laut Umweltbundesamt gelangen jährlich etwa 1,3 Millionen Tonnen des Kältemittels in die Luft - meist durch altersbedingte Lecks. Wer seine Klimaanlage regelmäßig wartet, spart also Energie.

Wenn du diese Schritte berücksichtigst, hast du schon viel für die Umwelt getan. Du siehst: Es geht auch ohne bloßen Verzicht - wir sind kreativ ;)
18.06.2009
Oekoapostel hat geschrieben:
Aber was ist wenn man es trotz alledem mit dem Auto bequemer findet, Freude am Autofahren hat oder einen anderen persönlichen grund fürs Auto hat? Ob man den eigenen Geldbeutel schont oder nicht muss letztendlich jeder für sich nach den eigenen finanziellen Möglichkeiten und sonstigen Präferenzen entscheiden. Hier setzt es auch an, warum speziell Klimaschutz bei mir eher unbeleibt ist. Das unkreative gängige Konzept lautet durch politisch künstliche Verteuerung des unerwünschten Verhaltens (hier Autofahren aus reiner Bequemlichkeit und Freude daran) meinen Entscheidungsprozess vorallem mit Druck auf meine finanziellen Möglichkeiten in Richtung weg von meiner Präferenz zu lenken. Das verursacht bei mir Frust und ich denke auf lange sicht ist es dem Klimaschutz sogar abträglich wenn der Bürger diesen eigetlich nur als Einfallstor für weitere Besteuerung und erhöhung der Abgabenlast wahrnimmt. Das macht das Thema nur unbeleibt, und auch wenn letztens in Essen schon bei einer Konferenz von der großen Transformation der Gesellschaft geschwafelt wurde (ein toller Euphemismus für Öko-Tugendterror) so wird man realistischer Weise auch Maßnahmen für den Klimaschutz demokratisch legitimieren müssen.

Zurück zu den Fahrrädern:
Wer mit dem Fahrrad fährt der soll das gerne tun ich werd da über keinen den Zaun brechen. Das moralische Überlegenheitsgefühl so mancher (Demonstrativ-)Radfahrer in unseren Innenstädten geht mir aber auf den Senkel. Auch unter dem Topos Klimaschutz mag ich es nicht wenn der eigene Lebensstil auch für andere als allgemeingültig erklärt werden soll. Und weil die Leute dazu tendieren nicht freiwillig nach den Vorstellungen anderer zu leben muss natürlich auch dieser Lebensbereich mit dem zwang des Gesetzes durchreguliert werden.

Dass unsere Innenstädte prinzipiell fahrradfreundlicher gestaltet werden könnten gebe ich zu. Radwege können auch für Autofahrer Vorteile bringen, denn sie bringen Radfahrer von der Straße auf die Radwege. Autos und Räder sind nuneinmal schon von ihrer typischen Geschwindigkeit zwei nicht gerade gut zueinander passende Fortbewegungsmittel, erst recht nicht auf dem gleichen Verkehrsweg (Straße). Man sollte sich aber auch bewusst machen, dass gerade in europäisch engen Innenstadtbereichen der Ausbau der radwegstruktur nicht immer einfach ist. So können Radwege den Fußweg zu stark verkleinern eine Auslagerung des Radwegs auf die Straße ist oft auch nicht sinnvoll wenn dies den faktischen Wegfall einer Fahrspur bedeuten würde. Für mich gilt das Prinzip: Ein fließender Autoverkehr ist wichtiger als der unbehinderte Radverkehr. Und das ließe sich auch aus Umweltschutzgründen vertreten.   
17.06.2009
lolfs hat geschrieben:
Hi,
ich sehe es wie Oceansoul. Das Fahrrad als reinen Freizeitartikel zu sehen, ist schwachsinnig! Wenn es drei bis fünf Kilometer bis zur Arbeitstelle sind, muss man doch nicht das Auto in Anspruch nehmen, wenn draußen die Sonne scheint. Wenn es draußen regnet, kann man auf das Auto zurück greifen.
Wenn man das Auto stehen lässt, tut man nicht nur was für die Umwelt, sondern auch was für seine eigene Fitness und seinen Geldbeutel.
17.06.2009
Oceansoul hat geschrieben:
Hallo Oekoapostel,
natürlich ist es viel bequemer, Auto zu fahren und auch sonst hat es einige Vorteile. Autos ganz abzuschaffen wäre meiner Meinung nach auch überhaupt nicht angebracht, schon wenn man Rücksicht auf Menschen nimmt, die aus verschiedenen Gründen gar nicht auf Alternativen wie das Fahrrad ausweichen können. Und auch sonst gibt es einfach viel zu viele Situationen, bei denen alles andere als Autofahren nicht sinnvoll oder sogar nicht möglich wäre. Andererseits halte ich es schon für notwendig, dem Fahrrad mehr Platz im Straßenverkehr einzuräumen. Mal ganz abgesehen davon, dass es umweltfreundlicher ist, kann es auch manchmal die beste Möglichkeit sein.
Hauptsächlich benutze ich mein Fahrrad zwar auch in der Freizeit. Wenn ich aber z.B. zum Klavierunterricht möchte, bleibt mir gar nichts anderes übrig, als Rad zu fahren – Busse fahren auf dieser Strecke nicht, zum Laufen ist es zu weit und einen Führerschein habe ich als minderjährige Schülerin natürlich noch nicht.
Und für solche und ähnliche Situationen finde ich es eben überhaupt nicht angemessen, dass das Fahrradfahren in der Stadt teilweise sogar gefährlich ist. Mit meinem Weg habe ich da noch Glück, am Anfang kann ich entweder auf dem Radweg oder durchs Grüne fahren und gegen Ende sind die Straßen zwar eng, aber nicht sehr befahren. Und schon da komme ich mir manchmal etwas unsicher vor zwischen den Autos. Ich denke, dass es vielen Menschen so ähnlich geht, wenn sie (aus welchen Gründen auch immer) keinen Führerschein gemacht haben, deswegen halte ich es nicht für sinnvoll, das Fahrrad als Freizeit- oder Sportartikel abzustempeln und aus der Stadt zu verbannen.
Die Straßen für eine Aktion wie diese zu sperren, finde ich nicht übrigens auch nicht unverhältnismäßig – das Gleiche wird schließlich auch bei anderen Demos oder auch Veranstaltungen wie z.B. einem Marathon gemacht, oder?  
17.06.2009
Oekoapostel hat geschrieben:
Ich finde es unverhältnismäßig für eine solche Aktion Teile des Straßennetzes für ihre vorrgesehene Nutzung zu sperren.
Ich denke das große Missverständnis liegt darin, das Fahrrad als ernsthaftes Verkehrsmittel anzusehen. Für mich ist ein Fahrrad ein Freizeitartikel. Ideal um am Wochenende mit der Familie die Natur zu genießen, über die Feldwege zu fahren oder am Rheindeich ein wenig auf und ab zu radeln. Für den täglichen Transport von Gütern und Personen reicht es aber niemals an ein Auto heran. Nur das Auto bringt mich bei Regen wie bei Hitze dank geschlossenen Dach und Klimaanlage komfortabel zum Arbeitsplatz oder zur Uni. Fahrradfahren in Großstätten sollte nicht nötig sein. Es gibt wie gesagt das wesentlich komfortabelere Auto, ein gutausgebautes Fußwegnetz und immer öfter auch ein ohnehin von allen hochsubventioniertes Netz des ÖPNV.
Der Freizeitartikel Fahrrad sollte dahin wo er hingehört: An den Stadtrand, die Naherholungsgebite und aufs Land. 
09.06.2009
Marcel hat geschrieben:
Sehr coole Aktion! Da hätte ich auch gerne mitgemacht.
08.06.2009
Oceansoul hat geschrieben:
Hallo Janine, danke für deinen Kommentar. :) Ich müsste so ca. 30 km gefahren sein, aber es kommt natürlich ganz drauf an, wo man gestartet ist. Es gab sogar einen Treffpunkt in Frankfurt Oder, da sind sie dann aber auch schon um 6.45 losgefahren.
Hier ist eigentlich das Hauptproblem, dass es stellenweise gar keine Fahrradwege gibt und man auf die Straße ausweichen müsste. Das ist mir dann teilweise aber echt zu gefährlich, da fahre ich dann lieber (natürlich vorsichtig) auf dem Gehweg.
Man hört schon was, wenn nur Fahrräder unterwegs sind, das ist schon irgendwie ein lustiges Geräusch, finde ich. Man hört die Geräusche der Reifen auf der Fahrbahn, dazu kommt dann dieses leise Klicken, ich weiß nicht, ob du das kennst.
Ich muss aber sagen, dass wir von der Ruhe nicht all zu viel mitbekommen haben, jedenfalls nicht die ganze Zeit: Es wurde ziemlich viel geklingelt, besonders im Autobahntunnel (da hallt das so schön ;-)).
08.06.2009
Janine hat geschrieben:
Hey Oceansoul!
Super Bericht und eine coole Aktion!
In Köln müsste eine solche Fahrradzusammenkunft auch mal stattfinden! An vielen Stellen muss man nämlich auf die Gehwege, oder Straßen ausweichen, weil man sonst ganz durchgeschüttlet wird. Die Wege sehen ungefähr so aus: fahrfahrfahrhubbelhubbelbremsenhubbellochfahrfahrlochbaustellehubbel.
Wie lang war denn die Strecke?
Den Gedanken mit der Ruhe finde ich ganz schön! Würd ich auch gern mal hören, wie es klingt, wenn nur Fahrräder über die Straßen fahren.  
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