Durchstarten für unsere Erde!


Uuuund


Action!


© Peter Jelinek / WWF
living utopia - Der Mitmachkongress utopival


von Cosima
17.12.2014
4
0
100 P

 

„Durch living utopia möchte ich zu einem Perspektivwechsel einladen und neue Wege gehen."

Damit schließt Pia den letzten Artikel über living utopia und fasst sehr gut zusammen, was living utopia kann und will. In einer Einleitung  habe ich mit Pia vom Projekt-und Aktionsnetzwerk living utopia gesprochen.
Den Artikel findet ihr hier.

Im Sommer diesen Jahres fand zum erstem Mal das „utopival“ statt. Eine Wortneuschöpfung aus living utopia und Festival. Allerdings war das utopival kein Festival im klassischen Sinne, sondern ein Mitmachkongress zum Kennenlernen der Ideen von living utopia und natürlich zum aktiv werden.

Lotte ist seit Frühling diesen Jahres Aktivistin bei living utopia und studiert gerade Erziehungs- und Theaterwissenschaften in Mainz, weitere Worte zu Lotte findet ihr hier.
Liebe Lotte, es ist schön, dass du uns etwas mehr über das utopival erzählen wirst.


Zu allererst wie ist die Idee des utopivals überhaupt entstanden?

"Die Idee des utopivals ist ein Ergebnis vieler utopischer Visionen des Planungsteams,
Helfer*innenteam und vielen ideengebenden Menschen um uns herum und ein Projekt des Netzwerkes living utopia.
Pia und Tobi kamen im Frühjahr von ihrer geldfreien Europareise zurück mit der Idee ein Zusammenkommen zum Thema des Schenkens zu organisieren, bei dem vor allem Freund*innen und Interessierte aus dem sozialen Umfeld teilnehmen. Je mehr sie zu zweit und mit anderen über die Idee brainstormten, desto größer wurde die Projektidee. Fasziniert von der Idee einen Austauschraum und einen Schritt in Richtung Wandel zu schaffen, kamen relativ schnell Tinka, Kaddi und ich dazu. Die Skizze vom Mitmachkongress wurde immer genauer und bunter. Uns alle verbanden vor allem das Thema der freien Bildungsräume und der Frage nach einem zukunftsfähigen Zusammenleben, daher auch die Frage "Wie stellst du dir die Gesellschaft von morgen vor?"."


Das klingt sehr spannend. Eure Idee wurde dann auch in die Tat umgesetzt. Das utopival fand im Sommer für 5 Tage (vom 8. bis zum 12. September) statt. 100 Menschen konnten gemeinsam in Wiesbaden auf dem Jugendnaturzeltplatz am ersten utopival teilnehmen und es natürlich auch selbst mitgestalten.

Was habt ihr auf dem genau utopival gemacht?
"Auf dem Mitmachkongress gab es theoretische und praktische Workshopangebote zu den fünf Kategorien Bildung, Wirtschaft, Soziales Miteinander, Kreativität und Ernährung, die oft von Teilnehmer*innen selbst angeleitet und vorbereitet wurden. Darüber hinaus gab es viele Möglichkeiten selber aktiv zu werden, wie bei dem Do-it-Yourself-Zelt, dem Kleider- und Dingeschenk-Spot, dem Open Space als freien Raum für spontane Ideen und nicht zuletzt in der Projektwerkstatt am vierten Tag. Mit der Absicht einen nach den Begleitmotiven geldfrei, vegan und ökologisch ausgerichteten Raum und Kongress gemeinsam zu schaffen, wurden Geld und Ernährungsweise nicht zum Ausschlusskriterium. Jede*r konnte also teilnehmen und sich willkommen fühlen. Es war besonders schön zu erleben, dass alle den Kongress mitgestalteten und sich dazu ermutigt fühlten. Das entsprach viel mehr der Vorstellung von Bildung der Teilnehmer*innen, also einer Bildung partizipativer statt konsumierender Art. Während der Diskussionsrunde am Dienstagabend zum Thema Bildung wurde vor allem darüber nachgedacht, welche Lernumgebungen wir uns wünschen und für viele galt das utopival als ein Beispiel des freien und selbstbestimmten Lernen. Andere Abendaktivitäten waren die offene Bühne, der Konzertabend und zwischen dem festen und spontanen Programm lernten sich die Teilnehmenden kennen und hielten sich zum Beispiel in dem "Raum der Stille" oder an anderen schönen Plätzen des großen Zeltplatz auf.Natürlich haben wir neben viel Input und Austausch auch leckerstes Essen zubereitet. "





Um beim Essen zu bleiben, euer Mitmachkongress wurde geldfrei organisiert und die Teilnahme war kostenlos, wie sahen Verpflegung und Unterkunft aus, hattet ihr dabei z.B. Kooperationspartner*innen?
"Richtig, der Mitmachkongress wurde geldfrei organisiert - das heißt, dass kein Cent innerhalb der Organisation direkt floss. Wir wurden bei der Verpflegung und Unterkunft von Kooperationspartner*innen unterstützt. In Bezug auf die Lebensmittel war es uns wichtig,  Spenden an Lebensmitteln anzunehmen, die zum Beispiel wegen eines bald ablaufenden Haltbarkeitsdatums nicht mehr verkauft werden konnten. Wir fingen im Frühjahr des Jahres  an, mit ökologisch und veganen Versandhandeln und Lebensmittelproduzierenden Kontakt aufzunehmen und ihnen von der Idee zu erzählen. Im Laufe der Monate bekamen wir viele Zusagen und Zusendungen, sodass es letztendlich eine sehr große Menge war und die Kochteams morgens und abends wunderbare Speisen auf einer selbstgebauten Feuerstelle zaubern konnten. Frische Lebensmittel und Brot bezogen wir von regionalen kooperierenden  Märkten und anderen Foodsharing-Betrieben. Zum Mittagessen gab es eine Schnippelparty mit der Kochaktivistin Talley Hoban (Back to the Roots), die mit Teilnehmenden zusammen die leckere Suppen zubereitete. Während der fünf Tage hielten wir uns auf dem wunderbaren Jugendnaturzeltplatz des Stadtjugendrings Wiesbaden auf. Der Ort bot uns Raum für Workshop- und Essenszelte und eine große Camping-Wiese, auf die wir in eigenen Zelten schliefen. Manche schliefen sogar unter freiem Himmel, da das Wetter so gut war und es tagsüber sonnig und nachts noch ziemlich mild war. Für viele Kooperationspartner*innen war es ein Experiment, das sie mit uns eingingen und oft war es die erste Kooperation dieser Art. Doch merkten wir, dass einfach eine Begeisterung für die Idee des utopivals und somit Bereitschaft zur bedingungslosen Solidarität vorhanden war, was uns unheimlich freute. Während der Planung durften wir sehr netten und hilfsbereiten Menschen begegnen, die das utopival möglich machten. Herzlichsten Dank an dieser Stelle nochmal an alle!"

Somit wird auch die Idee des utopivals nochmal viel weiter getragen. Wirklich toll, dass ihr so viele Menschen mit einbeziehen konnte. Doch all das wäre nicht möglich gewesen ohne die Teilnehmer*innen.

Welche Menschen sind auf dem utopival zusammen gekommen?
"Auf dem utopival begegneten sich Menschen, die aus vielen verschiedenen Quellen von dem Kongress gehört hatten. Beworben haben wir innerhalb kurzer Zeit mit Pressemitteilungen, Aktionen in verschiedenen Städten, in Gesprächen und über Facebook und die tolle Website,  die uns vom lieben Raphael Wintrich gestaltet wurde. Viele hatten durch die Bewerbung durch unsere Medienkooperationspartner*innen vom Kongress gehört, manche durch persönliche Empfehlungen. Es gab ein Anmeldeformular, mit dem sich schon 3 Monate vor Beginn des utopivals 100 Teilnehmende angemeldet hatten. Darunter waren Menschen aus dem ganz deutschsprachigen Raum, so kamen Teilnehmende aus Kiel bis aus Österreich. Auch das Alter war unterschiedlich. Es spielte weder im Anmeldeprozess noch auf dem Kongress selbst eine Rolle, da jede*r willkommen war und sich mit seinen Erfahrungsschätzen und seine Neugier einbringen konnte. Viele Teilnehmende hatten schon Kongresse besucht und sich mit dem Thema der zukunftsfähigen Gestaltung der Gesellschaft auseinandergesetzt. Es wurde Raum für Austausch und Vernetzung geschaffen, in dem es möglich war eigene Wünsche einzubringen. So fragten wir in der Anmeldung unter anderem "Was brauchst du, um dich wohlzufühlen?" und versuchten alle Wünsche umzusetzen. Denke ich an die Stimmung und den Umgang miteinander, kann ich die Menschen nur als fantastisch und inspirierend beschreiben. Wenn wir gekonnt hätten, wären wir bestimmt alle gerne in dieser Konstellation noch viele Wochen länger auf dem Zeltplatz geblieben. Ist das nicht ein schönes Zeichen für die Gesellschaft von morgen und ein besseres Zusammenleben?"

Ein sehr schönes Zeichen wie du schon sagst. Es zeigt, dass dieser Wandel stattfinden kann und in dem ihr einen Mitmachraum geschaffen hat konnten 100 Menschen dies bereits hautnah erfahren.

Hattest du das Gefühl, dass ihr in den Menschen etwas verändert habt?
"Das kann ich zwar nicht genau sagen, aber ich fand es zum Beispiel unglaublich, wie sich innerhalb des ersten und zweiten Tages schon ein total starkes Gruppengefühl und eine Achtsamkeit auf jede*n einzelne*n entwickelt hatte. Das war auf jeden Fall etwas Besonderes. Ich hatte das Gefühl, dass alle sich schon sehr schnell angenommen und wohl gefühlt haben. Selbstinitiativ und motiviert der Gruppe begegnet sind und diese Stimmung auch vom utopival mitgenommen haben. Veränderung ist natürlich ein starkes Wort, das ja auch in unserem Untertitel "Zeit für Veränderung" vorkommt. Ob und wie genau Veränderung in den Menschen passiert ist, kann jede*r selbst für sich beantworten, doch kamen viele mit der Bereitschaft dazu und anhand des Feedbacks könnte der Eindruck erweckt werden, dass die inhaltlichen Workshops aber auch das Erleben zum Beispiel der geldfreien Organisation uns allen Mut und neue Perspektiven gegeben haben. Eins der konkreten Dinge, die Menschen vom utopival mitgenommen haben sind Ideen aus der Projektwerkstatt. Am Donnerstagnachmittag wurden Projekte erdacht, vorgestellt und durch Anregungen erweitert und konkretisiert. Während es zu einigen Ideen schon ausgefeilte Planung gab, kamen einigen Menschen ganz neue Ideen und sie konnten es gar nicht erwarten, freudig loszuwirken. Diese Stimmung, die gegenseitige Inspiration und der wertschätzende Umgang gab vielen viel Mut, sich für ihre Idee einzusetzen."

Das hört sich danach an, als ob ihr etwas in den Menschen bewegen und ihnen Impulse mitgeben konntet. Genau das macht meiner Meinung nach Inspiration und Motivation aus.
Du warst selbst beim Orgateam und dann auch beim utopival dabei.

 

Wie war dein persönlicher Eindruck und dein persönliches Highlight?

 

"Für mich waren sowohl die Planungszeit, als auch der Kongress eine Reise voller neuer Perspektiven, Chancen und viel Freude. Ein Perspektivwechsel fand durch die Planung im Team statt. Für uns war es das größte Projekt, bei dem wir je mitgewirkt hatten. Dabei konnten wir sehr sehr viel lernen. Es ist ein sehr wichtiger Schritt für mich gewesen, davon auszugehen, dass was ich selbst der Welt geben will und wofür ich mich interessiere das wichtigste ist und darin zu vertrauen, dass die eigene Motivation sehr viel Kraft besitzt und  nicht an der Frage nach der Expertise oder der Erfahrung zu stoppen. Denn tat sich eine  Frage auf, so fanden wir immer Wege sie zu beantworten. Dabei halfen uns viele liebe Menschen und wir innerhalb des Teams. Auf dem Kongress selbst war es sehr besonders für mich, dass es trotz der warmherzigen Stimmung möglich war über unangenehme und kritische Themen zu sprechen. Es war für viele Menschen deshalb nicht nur ein Motivationsschub oder ein Wohlfühlort, sondern auch ein Ort der Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Welt. Zu dieser Offenheit und zu dem kollektiven Verantwortungsgefühl hat jede*r Einzelne beigetragen. Ein Highlight war da zum Beispiel die Diskussionsforen am Dienstag und Freitagmorgen. Besonders gefreut hat mich außerdem, dass uns Komposttoiletten geliehen wurden. Was für eine Bereicherung für einen ökologischen Kongress!"

In der Tat, liebe Lotte. Ich bedanke mich sehr herzlich für deine ausführlichen und persönlichen Antworten. Um noch einen weiteren Eindruck vom utopival 2014 zu bekommen, gibt es hier das Video.


Dann hab ich nur noch eine letzte Frage. Denn wenn du jetzt auch neugierig geworden bist und selbst bei einem Mitmachkongress dabei sein willst,
welche Infos gibt es bereits zum nächsten utopival?
"Au ja, das nächste utopival wird mindestens so wunderbar wie das erste! Schon im Sommer diesen Jahres stand fest, dass es auf dem Findhof bei Köln stattfinden wird. Sogar das Datum wissen wir schon: der 3. bis 7.8.2015! Auf der Website http://2015.utopival.org/ können sich Interessierte schon mal für den Newsletter eintragen, um über Neuigkeiten und Anmeldemöglichkeiten informiert zu bleiben. Unser Planungsteam ist auch schon komplett und trifft sich im Dezember zum ersten Mal, um voller Vorfreude loszuplanen. Wir freuen uns schon riesig!"
 
Richtig toll. Ich finde eure Arbeit wirklich super und freue mich, dass ich so tolle Berichte mit euch machen kann.

Falls ihr mehr über living utopia wissen wollt, besucht sie gerne auf ihrer Internetseite oder ihrer Facebookseite.


 Bilder by living utopia

Weiterempfehlen

Kommentare (4)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
22.12.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Das klingt extrem interessant und einfach schön! :-)
Vielen Dank für diesen Beitrag!!
17.12.2014
Rhino hat geschrieben:
Sehr interessantes Interview! :)

Mal schauen, ob man beim nächsten Mal in Köln vielleicht vorbeischauen könnte :)

Vielen lieben Dank für den Bericht, Cosima! :)
17.12.2014
Jayfeather hat geschrieben:
das hört sich echt super an!
im video sieht man richtig, wie viel spaß die teilnehmer haben und wie wohl sie sich dort fühlen.
17.12.2014
Ria2000 hat geschrieben:
Das ist ja echt richtig cool!!! :D Schade, dass Köln zu weit weg ist!
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Von Stech- und Steineichen - Bäume pflanzen in Spanien
Von Stech- und Steineichen ...
Es riecht nach frischer Erde. Die Sonne scheint und wärmt meine kalten Hände. Ich l&a... weiter lesen
Unsere Longboardtour ist gestartet!
Unsere Longboardtour ist ge...
3...2...1 und los geht’s mit der #OstseeTour! Pascal, Jennifer und ich fahren von Berlin... weiter lesen
Unsere Stimmen für Europas Naturschutz wurden gehört!
Unsere Stimmen für Europas...
Es gibt Grund zu jubeln! Unsere Stimmen für Europas Naturschutz wurden gehört! Dank ... weiter lesen
Schülerprojekt: 600€ für den Regenwald
Schülerprojekt: 600€ fü...
Vier Schülerinnen der Luise-Büchner-Schule Freudenstadt haben sich im Rahmen eines Wi... weiter lesen
Du musst das Leben tanzen!
Du musst das Leben tanzen!
Pandastisch! Berlin wird wieder eine Silent Climate Parade erleben! Am 27. August zaubern wir ... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil