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Fremdgetaktet - Eingriffe ins Gehirn


von Helen
02.02.2011
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Der Eingriff in das Gehirn ist eines der letzten Tabus. Gewagt wird er dennoch - bei schweren Krankheiten und Tierversuchen. Wovon ich spreche sind Gehirnimplantate oder "Gehirnschrittmacher", welche dosierte Stromstöße aussenden.

Mit Erfolg behandelte man bereits die Krankheiten Parkinson ("Schüttellähmung"), aber auch psychische Probleme wie Depressionen. Doch was steckt eigentlich dahinter?

Eric Wassermann vom US-Institute of Neurological Disorders and Stroke in Bethesa rechnet sogar mit militärischen Anwendungen: "Die Aufmerksamkeit von Kampfpiloten würde steigen, wenn sie einen Helm mit Elektroden aufsetzen, der Stromstöße abgibt." Er vermutet, dass Piloten mit dem Helm mühelos auf einem kleinen Flugzeugträger landen und sehr präzise Bomben abwerfen können.
Zurzeit untersuchen amerikanische Forscher von der Columbia University in New York im Auftrag des Verteidigungsministeriums, ob Menschen mit Schlafentzug durch Stromimpulse wieder wachgerüttelt werden können.Sie wollen einen Helm kreieren, der Soldaten die Müdigkeit austreibt, damit sie länger im Cogpit eines Kampfjets durchhalten.

"Militärische Anwendungen sollten generell unterbunden werden", fordert dagegen Metzinger. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass man Menschen mit Gehirnimplantaten gezielt foltern und ihnen den freien Willen nehmen kann.
Mit ein paar Elektroden im Kopf wurden bereits verschiedene Tiere unter das Kommando von Menschen gestellt. So meldeten chinesische Wissenschaftler Anfang des Jahres 2007, das sie Tauben mit einem Implantat  im Kopf auf Knopfdruck nach links oder rechts fliegen lassen können. Schon 2002 berichtete das Fachblatt "nature" über amerikanische Kollegen, die bei fünf Ratten mit Chips im Kopf den Weg bestimmt hatten. Die Gelder für dieses Projekt kamen ebenfalls vom Verteidigungsministerium.

Aber damit ist noch nicht genug. Wissenschaftler entwerfen in Gedanken schon weitere Szenarien. Ein Schachspieler zum Beispiel, der mit seinem neurotisch verbesserten Supergedächtnis den Computer schachmatt setzt. Oder dass ein älterer Mensch mit verbesserter Leistungsfähigkeit im Kopfrechnen mit Leichtigkeit die Enkelin schlägt.

Und das Schlimmste von allem ist, wenn solche Implantate missbraucht würden. Der Mensch wüde dann seiner Handlungsfreiheit beraubt sein, man dringt in seine geistige Intimsphäre ein und fügt ihm seelischen Schaden zu. Doch selbst wenn dies nicht passieren würde, wo wären dann die Grenzen? Wie würde sich das ganze auf unsere Körper auswirken? Würde das Individuum vielleicht sogar verlorengehen, wenn geistige Eigenschaften einfach technisch verfügbar wären? Und was passiert bei technischen Störungen? Würden wir krank werden? In welcher Art würden Kriege geführt werden? Wie sähe unser Leben aus und was wäre überhaupt noch von der Ethik übrig?

 

Quelle: Susanne Donner, "Fremdgetaktet", Bild der Wissenschaft, Ausgabe: 6/2007

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Kommentare (2)
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03.02.2011
FelicitasVulkanisiert hat geschrieben:
Super interessanter Bericht! Ich finde das absolut schrecklich. Ich muss schon zugeben, dass mich der Gedanke und die Technik fasziniert, aber das geht absolut zu weit. Die Nachteile hast du ja sehr deutlich gemacht, aber ich frage mich, warum das alles so erstrebenswert wäre. Es geht wohl einfach nur darum, immer weiter in der Wissenschaft zu kommen. Würden sich diese Implantate durchsetzen, würde es bald keine Individualität mehr geben, da die Menschen nicht ihre individuellen Fähigkeiten erarbeiten und weiterentwickeln könnten, da alles von irgendwelchen machtgeilen Menschne berechnet wäre. Ein Missbrauch würde auf jeden Fall entstehen!
Kleine Anmerkung: Ich glaube, du meintest am Anfang, dass Depressionen psychische und nicht physische Probleme sind :)
03.02.2011
Levante hat geschrieben:
An sich sind solche Eingriffe ins Gehirn sehr nützlich, gerade wenn es um Krankheiten wie Parkinson geht. Aber wie du schon schreibst, sobald solche Methoden missbraucht oder so gar für militärische Dienste genutzt werden, ist es absolut unmenschlich. Vor allem da dann wirklich der letzte freie Rückzugsort eines Menschen (oder eben auch eines Tieres) angegriffen und außer Kraft gesetzt wird.
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