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Uuuund


Action!


© Peter Jelinek / WWF
„Die grüne Bewegung könnte mehr Stil vertragen“


von Marcel
04.08.2009
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100 P

Laura kann es nicht fassen: „Da glaubt man, es würde einem selbst nie passieren, diese ganze Umweltverschmutzung und der verseuchte Rauch, die Flugzeuge und die Fabriken und diese ganze Scheiße, die kein Mensch braucht. Und plötzlich sitzt man da, mutterseelenallein auf einer Treppe – ein dummes Mädchen, das darauf wartet, on ihre Familie jemals zurückkommt.“ Für Laura ist die Energierationierung, die 2015 allen Briten abverlangt wird, mehr als Umweltpolitik und Sparkurs. Freundschaft, Liebe und Familie werden auf eine ganz neue Probe gestellt.

Saci Lloyds Umweltroman „Euer schönes Leben kotzt mich an“ versetzt uns in eine Zeit, in der Strom für alle knapp wird. Konflikte vorprogrammiert. Ich hab mit ihr über den Klimawandel gesprochen, über Straight Edge, und darüber, ob unsere Gesellschaft ein stark CO2-reduziertes Leben überhaupt durchhalten könnte.

Marcel: Die Hauptfigur in deinem Buch ist die 16-jährige Laura. Sie hat Probleme in der Schule, ist verkracht mit ihrer Schwester und träumt davon, mit ihrer Punkband groß raus zu kommen. Doch das ist längst nicht alles. Laura ist ein nachdenkliches Mädchen mit klaren Wertvorstellungen, aber auch so manchen Zweifeln. Wie viel Laura steckt in dir selbst?

Saci: Das ist schwer zu sagen. Das Wesentliche an Laura ist, dass sie kein militanter Umweltaktivist ist, sie wird in die Rationierung hineingezogen ohne es zu wollen. Ich denke, so geht es vielen von uns. Wir wissen, dass wir uns ändern müssen, aber wir wollen unseren Lebensstandard nicht aufgeben.

Marcel: Du hast dich ja sicher viel mit dem Klimawandel beschäftigt. Hast du, nachdem du diesen Umweltroman geschrieben hast, auch etwas Angst vor dem Jahr 2015?

altSaci: Das Interessante ist, dass jede einzelne Begebenheit aus dem Buch bereits geschehen ist, abgesehen vom Einsturz der Thames barrier und der Größe der Stürme und Fluten. Das Jahr hat uns also schon längst eingeholt, und das macht mir wirklich Angst.

Marcel: In Lauras Geschichte geht es vor allem auch um persönliche Schicksale. Leute verlieren ihre Jobs, weil sich in Zeiten der Rationierung kaum noch jemand Reisen, Südfrüchte oder Autos leisten kann. Energy Dating wird für frustrierte Singles zur neuen Hoffnung. Und manche kommen einfach nicht damit klar, ein Leben ohne Unterhaltungselektronik führen zu müssen. Wie sehr werden wir unser Leben verändern müssen? Und sind wir überhaupt bereit dafür?

altSaci: Wir werden viel ändern müssen und auch wieder nicht. Aber wir werden zurechtkommen. Ich habe viel zum Thema Rationierung während des 2. Weltkrieges recherchiert. Ich habe viele Berichte von Zeitzeugen aus der Zeit gelesen und ein paar Themen schienen sich zu wiederholen. In vielerlei Hinsicht war es für viele eine sehr glückliche Zeit. Ich will hier nicht wie eine dieser pathetischen Wochenschauen klingen, aber es gab ein echtes Gemeinschaftsgefühl. Die Zufriedenheit, ein Opfer für ein gemeinsames Anliegen zu bringen, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Ein anderes Thema, das oft thematisiert wurde, war so zu tun, als sei alles normal. Die Leute waren so verzweifelt bemüht, sich von der Rationierung und der Kriegsituation nicht das Leben zerstören zu lassen und haben das Beste daraus gemacht. Die Menschen werden sich auch in Zukunft wieder so verhalten, wenn es zu einer Rationierung kommt - Ich habe viel Vertrauen in die Menschen.

Marcel: Wie kamst du auf die Idee, einen Umweltroman zu schreiben? Über den Klimawandel wird doch sowieso schon überall viel geschrieben...

altSaci: Als ich damit begann den Roman zu schreiben, beherrschten Klimawandel-Leugner die Schlagzeilen. In Deutschland hat Umweltschutz eine längere Tradition, aber hier gab es einfach noch nicht so viele Bücher zu dem Thema. Generell wollte ich vor allem ein witziges Buch schreiben. Es überrascht mich immer wenn die Leute bemerken, wie apokalyptisch das Buch ist. Ich finde es sehr unterhaltsam.

Marcel: Laura wünscht sich, durch die Musik aus dem Chaos ihrer Familie auszubrechen. Straight Edge wird wieder großes Thema. Und die angesagteste Punkband ruft auf zur Wasserstoffrevolution. Wird das Umweltthema wieder mehr eine Rolle in den Musik- und Jugendkulturen spielen?

Saci: Ich hoffe es wirklich, dass Umweltthemen an Bedeutung zunehmen. Die grüne Bewegung könnte etwas mehr Stil, Respektlosigkeit und Witz gut vertragen. Weg mit den ollen Wollpullis!

Marcel: Glaubst du, die Menschen haben heute schon verstanden, was der Klimawandel bedeutet? Wie werden Menschen umweltbewusster? Wäre Rationierung da der richtige Weg?

Saci: Wenn man von Klimawandel redet, denken die Leute oft an Eisbären und die Zerstörung ihres Lebensraumes. An etwas, das weit von unserm alltäglichen Leben ist und gegen das man ohnehin nichts ausrichten kann. In Großbritannien ändert sich die Einstellung gerade ein wenig, aber allzu oft wird die Verantwortung auf die Verbraucher abgewälzt: Man soll recyceln, isolieren, aufs Fahrrad umsteigen – und das sind auch alles gute Vorschläge, aber es sind nur Tropfen auf dem heißen Stein in Anbetracht dessen was die Regierungen an Maßnahmen ergreifen müssten. Ich weiß nicht, ob Rationierung der richtige Weg wäre. Es ist nur eine der Lösungen. Ich habe im Roman mit Absicht überzogen, um einen stärkeren Effekt zu erzielen. Im Roman muss Laura jedes Mal, wenn sie einen Supermarkt betritt, ihre Karte durchziehen. Das würde in Wirklichkeit nicht passieren. Man müsste nur für Benzin und Gas bezahlen. Aber deswegen bin ich ja auch Autorin und nicht Politikerin geworden. So kann ich etwas aufpeppen, wenn es zu unspektakulär erscheint. Das macht einfach mehr Spaß.


Die Originalausgabe von „Euer schönes Leben kotzt mich an“ erschien 2008 unter dem Titel „The Carbon Diaries 2015“. Auf deutsch ist das Buch 2009 beim Arena-Verlag erschienen und kostet 12,95 Euro.

15 aus der Community bekommen das Buch gratis. Dafür müssen sie aber ausprobieren, wie sich eine Woche Energierationierung anfühlt. Ihre Erlebnisberichte erscheinen hier in der Community.

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Kommentare (1)
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06.08.2009
TilmanFCC hat geschrieben:
hey, ich hab das buch gleich bestellt als ich den artikel gelesen hab und es gelesen...ich kann es auf jeden fall nur weiterempfelen, es is sehr leicht zu lesen und vermittelt einen guten eindruck was mal sein kann(natürlich übertrieben) wenn man jetze nix tut...
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