Durchstarten für unsere Erde!


Uuuund


Action!


© Peter Jelinek / WWF
Bericht vom McPlanet


von HannaS
30.04.2012
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 McPlanet - nicht der neueste Öko-Burger, sondern ein „Bewegungskongress an der Schnittstelle von globaler Gerechtigkeit, Globalisierungskritik und Umweltbewegung“.

Klingt erstmal so sperrig, dass es schwer im Magen liegen könnte. Als ich letzten Sonntag aber aus Berlin vom McPlanet zurückkam, hatte ich so gute Laune wie lange nicht mehr.
„Solche Treffen sind immer ein bisschen wie Akku aufladen“ - dieser Satz einer anderen Teilnehmerin trifft es gut. Bei aller Kritik, dass solche Kongresse ja nur Menschen erreichen, die sich sowieso schon genug mit den Themen auseinandersetzen: Für die eigene Motivation und Weiterentwicklung ist es Gold wert.

Um es vorweg zu nehmen: Am McPlanet nehmen hauptsächlich Menschen teil, die auch gut zur WWF Jugend passen. Jung, mehr oder weniger alternativ und konsumkritisch, mit vielen Fragen, viel Energie und - allen düsteren Nachrichten zum Trotz - mit guter Laune.

Daher will ich euch kurz berichten, was es Interessantes auf dem McPlanet Kongress gab. Vielleicht seid ihr dann auf dem nächsten auch dabei :)

Was ist McPlanet denn jetzt genau?

2012 fand der Kongress zum 5. Mal statt, wieder getragen von namhaften Organisationen wie attac, Brot für die Welt, BUND, terre des hommes oder Greenpeace. Es gab Diskussionsrunden mit Experten, Workshops zu verschiedensten Themen und die Möglichkeit, selber zu helfen und Gleichgesinnte kennenzulernen.

In den Pausen zauberte die VoKü (Volksküche) aus gigantischen Töpfen veganes Essen - mit Sonne auf dem grünen Innenhof genossen war es nochmal doppelt so lecker. Abends gab es Konzerte, Theater, Filme und einen grandiosen Poetry Slam.


Nach all dem war ich so müde, dass ich sogar auf meiner Isomatte in der Turnhalle super schlafen konnte.

Bild: Übernachtung in der Turnhalle

Soweit die Rahmenbedingungen.Ich konnte mich bei dem umfangreichen Programm oft schlecht entscheiden: Thema Lebensstil, Landwirtschaft oder doch Energie? Welchen der zahlreichen Workshops nehmen - Politisches Aktionstheater, Anti-Kohle-Bewegung oder doch „Bahn für alle“?

Freitag Abend gab es zunächst eine kurze Bilanz, was seit dem ersten Weltgipfel in Rio 1992 alles (nicht) passiert ist. Obwohl damals viele gut klingende Vorsätze gefasst wurden, hapert es überall an der Umsetzung - kennt man von sich selbst auch, stimmt´s? Nur ist das Versagen der Politik beim Vorsatz, mehr Nachhaltigkeit zu erreichen, weitaus schlimmer als ein verschlampter Vorsatz, mehr Sport zu machen.

Darauf folgte eine Diskussion zum Thema „Green Economy - alter Wein in grünen Schläuchen?“. Grundsätzlich gibt es Viele, die der Ansicht sind, es wäre der schnellste und praktikabelste Weg, die Wirtschaft „grüner“, also ökologisch verträglicher zu machen. Dagegen meinen andere, es müsse einen grundlegenderen Wandel geben, raus aus dem Hamsterrad des vermeintlich nötigen Wirtschaftswachstums und der Macht der Märkte.

Samstag Vormittag war ich bei der Veranstaltung „Commons (Gemeingüter) - Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat“. Unter Gemeingütern versteht man Ressourcen, die allen zur Verfügung stehen, wie Luft, Wasser, Natur, aber auch Wissen, freie Software oder Kultur. Manche davon sind „rival“ und werden bei der Nutzung verbraucht. Andere werden mehr bzw. besser, wenn wir sie teilen - Wikipedia ist ein berühmtes Beispiel.

Silke Helfrich schilderte sehr engagiert, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, damit Commons funktionieren. Unter anderem müssen Menschen kooperieren, kommunizieren, Regeln aushandeln und alle müssen verstehen, dass Commons nicht besessen werden können.
Andreas Weber, Biologe und Philosoph, führte uns anhand von Beispielen aus der Natur vor Augen, warum Commons ein Weg aus unserer Krise sein können. In der Natur gibt es kein Eigentum, nicht einmal unser eigener Körper gehört uns: Wir werden zu dem, was wir essen und atmen unsere eigene Substanz aus. Biologieunterricht lässt grüßen:) Die Natur ist „open source“, verschwenderisch in ihrer Fülle und setzt statt auf Wachstum auf „steady state“ und Vielfalt statt Masse. Seit Urzeiten klappt das prima - vielleicht sollten wir uns wieder mehr am Ökosystem Erde orientieren.

Nach einer interessanten Stadtführung zum Thema „Kolonialgeschichte Deutschlands“ war ich beim Workshop „Zurück zur Pferdekutsche? Postwachstumsökonomie konkret“. Dieses Thema fesselt mich schon, seitdem ich das erste Mal davon gehört habe. Leider kam nicht so viel Konkretes zur Sprache, wie sich das die meisten gewünscht hätten. Dafür wurde die Postwachstumsökonomie noch einmal recht gut erklärt.

Sonntag vormittag entschied ich mich für eine Diskussion mit dem Titel „Lebensstiländerung kollektiv gestalten“. Für mich ist es genau das, worauf es jetzt ankommt - alle Menschen dazu zu bringen, sich umweltbewusster zu verhalten. Oft erreichen die Botschaften ja nur diejenigen, die sich sowieso schon bemühen, umweltschonend zu leben.

Bild: Uni-Feeling kam bei den Diskussionen im Hörsaal auf, hier zum Thema Lebensstile.

Die Psychologin Tabea Halfmann erklärte uns, warum wir oft nicht so handeln, wie wir es gerne würden und was die besten Voraussetzungen dafür sind, das Verhalten dauerhaft zu ändern.
Damian Ludewig vom „Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft“ berichtete von seinen Bemühungen, das Steuersystem besser zu machen. Momentan werden schließlich diejenigen bestraft, die sich umweltbewusst verhalten - wer Bio kauft, zahlt mehr, wer fliegt, spart Zeit und oft auch Geld... Das müsste sich ändern, um wirklich die breite Masse zum nachhaltigen Leben zu bewegen. Gleichzeitig könnte der Staat viel Geld sparen, wenn er umweltschädliche (und unsoziale) Subventionen abbauen würde. Warum sollten z.B. dicke Dienstwagen gefördert werden?

Den Abschluss machte die witzige Aktion „Lauschrausch“ - eine große Gruppe McPlanet Teilnehmer zog mit Kopfhörern durch Berlin, durch die Musik und später auch Anweisungen zu hören waren. So setzten sich wie von Zauberhand alle auf einmal hin, legten sich vor der Gedächtniskirche auf den Rücken, sangen lauthals „Deine Schuld“ von den Ärzten mit und verzierten mit Straßenmalkreide großflächig den Platz.

Blumen, Schmetterlinge, Schnecken und Sprüche wie „Be the change you want to see in the world“ waren anschließend in bunten Farben auf dem Plaster zu sehen. Auf dieser extravaganten Tanzfläche gab es, bei strahlendem Sonnenschein, noch eine spontane Party - ganz leise, trotzdem hörten wir durch die Kopfhörer alle die gleich Musik. Für Außenstehende ein lustiger Anblick, für mich als Beteiligte ein unbeschreibliches Gefühl: Zugehörigkeit, Aufbruchstimmung, Hoffnung. Ein guter Abschluss einer sehr gelungenen Veranstaltung.

Der nächste McPlanet kommt bestimmt!

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Kommentare (2)
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Sortieren nach Aktualität:
01.05.2012
ursugurke hat geschrieben:
Hey Danke für den tollen Bericht!!
Echt ne tolle Motivation, selbst wenn man nur davon hört :)
So was braucht die Welt!
01.05.2012
midori hat geschrieben:
WOW! Klingt echt super, Hanna! Vor allem die Diskussion über die Commons scheint total interessant gewesen zu sein. Und eine kleine Silent Climate Parade habt ihr auch gemacht! Spitze ;o) Nächstes Jahr bin ich bestimmt auch dabei! :o)

Danke Dir für Deinen Erlebnisbericht! :o)
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