WWF
"Gib mir Fünf!" (31) - Die Wolfsretter Kampagne


von LaLoba
05.11.2014
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Als ich vor drei Jahren mit dem Zug nach Frankfurt fahre, die Wanderschuhe an den Füßen und den großen Rucksack als Gepäck, weiß ich noch nicht, wie sehr die nächsten Tage mein Leben verändern werden. Das Wolfsretter-Auswahlcamp ist mein erstes Treffen mit anderen WWF Jugend-Mitgliedern. Ich bin nervös, weil ich noch nicht weiß, wie das hier immer abläuft: die tollen Menschen, die spannenden Gesprächsthemen, der ganze Spaß – eine Atmosphäre, in der man sich immer wohl fühlt. Auf diesem Auswahlcamp erlebe ich das zum ersten Mal, eine ganze Gruppe Jugendliche und unsere Herzen schlagen gemeinsam schneller bei einem Thema: Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland.

Die nächsten Tage verbringen wir in einem Naturschutzgebiet und auf dem alten Flugplatz in der Nähe des Rheins mit Wanderungen, Geschicklichkeitsübungen und viel Spaß. Am Ende des Camps werden fünf von uns ausgewählt, um als Wolfsbotschafter für die WWF Jugend mehr über die Wölfe in Deutschland zu erfahren und bei der Organisation einer Kampagne zu helfen. So kamen Helen, Alice, Julius, Kristina und ich kurze Zeit später in der Lausitz wieder zusammen, wo die ersten Wölfe seit Jahrzehnten wieder ihre Pfoten auf deutschen Boden gesetzt haben. In der nächsten Woche sprechen wir mit Wolfsexperten, suchen nach Wolfsspuren, bringen Kamerafallen an und fragen Bürger in der Lausitz nach ihrer Meinung zum Wolf.

"Mein Amt als Wolfsbotschafter und die damit verbundene Zeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Besonders toll war die Wolfsbeobachtung im frühen Morgengrauen." Julius

Spurenleser Jörg erklärt uns, woran man eine Wolfsspur von einer Hundespur unterscheiden kann: Wolfspfoten sind eher oval (bei Hunden meist rundlich) und hinterlassen deutliche Krallenabdrücke. Auch laufen Wölfe sehr gerade und zielgerichtet, während Hunde wie die meisten Nutztiere ständig die Richtung und Geschwindigkeit wechseln. Trotzdem kann man sich nie 100%-ig sicher sein, ob es nun eine Wolfs- oder Hundespur ist.

Ein ganz besonderes Highlight ist für uns natürlich der magische Moment, in dem wir tatsächlich einen wilden Wolf sehen. Es gibt Menschen, die warten ihr ganzes Leben lang darauf und sehen nie einen Wolf. Wir hatten also unglaubliches Glück!

„Ich bin immer noch nachhaltig beeindruckt von unserer Wolfssichtung und wie schön der Wolf einfach so frei in diese Natur gepasst hat.“ Helen

Wisst ihr auch, woran man einen Wolf erkennt? In diesem Artikel fasst Helen es für euch zusammen.

Aber was können wir tun, um dem Wolf seine Rückkehr nach Deutschland zu erleichtern? Wolfsexperte Stephan Kaasche stellt klar: Wölfe können überall leben, wo man sie leben lässt! Das heißt, in Deutschland gibt es schon genug Voraussetzungen für den Wolf, um sich wohl zu fühlen. So lange wir ihn nicht stören, indem wir ihn verfolgen und jagen, wird er sich weiter ausbreiten. Was der Wolf also wirklich braucht, ist das Verständnis der Menschen. Es gibt keinen Grund, vor dem Wolf Angst zu haben, denn die Wölfe hier sind sehr scheu und gehen den Menschen aus dem Weg. Sie haben kein Interesse an Konflikten mit uns. Wenn man das weiß, ist es für viele von uns leichter, den Wolf in Deutschland zu akzeptieren.

Aber die meisten von uns sind auch nicht direkt von ihm betroffen. Anders als zum Beispiel der Schäfer Neumann, mit dem wir im Wolfscamp sprechen durften. Ihm haben Wölfe schon ungefähr 40 Schafe getötet. Heute hat er mehrere Herdenschutzhunde, die seine Schafe erfolgreich beschützen und zeigt damit, dass es durchaus möglich ist, mit den neuen Nachbarn friedlich zusammenzuleben.

„Den Wolfsschutz macht die Problematik interessant, im Prinzip geht's da ja fast nur ums Emotionale...“ Alice

„Von der Kampagne am meisten in Erinnerung geblieben ist mir die erste Wolfsspur, die wir gesehen haben und der erste Wolf, den ich für Bobby gehalten habe und der Abend auf dem Felsvorsprung im Hunsrück, aber auch der Artikel in der Bravo und der Ast der uns fast erschlagen hätte..“ Alice

Am Ende des Camps war uns klar: Wenn wir dem Wolf helfen möchten, müssen wir die Akzeptanz der Menschen für den Wolf erhöhen. Daran sollte sich also auch unsere Kampagne orientieren. In einem tollen Wolfsretter-Ideensturm riefen wir euch, die Community, dazu auf, euch passende Aktionsideen auszudenken. Und genau vor drei Jahren, im November 2011, entschieden wir uns, sogar zwei der Ideen umzusetzen: Die Große Pfote von MJ1499 und die Wolfsspuren von tigerlady93.

In den nächsten Wochen organisierten wir Spreide – unsere Sprühkreide für die Wolfsspuren – und entwarfen eine riesige Wolfspfote aus Holz. An die Große Pfote wollten wir Stoffstreifen mit unseren Statements für den Wolf nageln, bis die Pfote aussieht, als wäre sie mit Fell bedeckt. Auch entwarfen wir eine Karte, denn die Spreidespuren sollten nicht einfach alle gleichzeitig auftauchen. Stattdessen erschufen wir eine Ost-West-Bewegung, die der Wanderrichtung des Wolfes durch Deutschland folgt. Und so tauchten nach Start der Aktion plötzlich in Brandenburg und Berlin Wolfsspuren auf den Straßen auf und breiteten sich aus, bis unser Wolf in ganz Deutschland seinen Spuren hinterlassen hatte. Mithilfe der Spreide ließen wir sie auf dem Asphalt auf eine Internetadresse zulaufen, die zur Wolfsretter-Aktionsseite führt. Dort konnte jeder sein Statement für den Wolf abgegeben.

In einigen Städten stellten sich die Ordnungsämter leider quer und erlaubten das Benutzen der Sprühkreide nicht. Aber davon ließ sich die WWF Jugend nicht entmutigen und verbreitete die Nachricht über Plakate oder Flyer.

„Auch in Bayern eroberten die Wolfspfoten die Straßen - doch unser schöner Plan, in München die frohe Botschaft von der Rückkehr des Wolfs mit Sprühkreide zu verbreiten, wurde vom bayrisch konservativ-misstrauischen Verwaltungsapparat leider durchkreuzt. Aber wir gaben uns nicht geschlagen: stattdessen klapperten einige von uns so ziemlich jeden Laden zwischen Marienplatz Hauptbahnhof ab und fragen, ob wir Plakate aufhängen dürften. Die Bilanz war zwar ernüchternd, und so Guerillaposterten wir einfach an Straßenlaternen und sogar Bäumen. Besonders lang hingen die Poster dort wohl nicht, aber einige verwundert-interessierte Blicke ernteten wir schon.“ Anja

Gleichzeitig hatten wir nacheinander vier große Aktionen, bei denen die Große Pfote von Osten nach Westen durch Deutschland wanderte. Schon die erste Aktion in Dresden war ein voller Erfolg und die Pfote bekam ihre ersten Fellstreifen.

Während wir Statements für unsere Große Pfote sammelten, versuchten wir die Menschen für den Wolf zu gewinnen: Der Wolf ist nicht gefährlich, er greift keine Menschen an und Angriffe auf Nutztiere können verhindert werden. Er bringt das Ökosystem in Schwung, weil er kranke und alte Tiere aussortiert. Der Wolf ist weder ein mystisches Wesen noch ein Problemtier – so lange wir ihn in Ruhe lassen, können wir in Frieden mit ihm zusammenleben. Die meisten Menschen waren erst überrascht, als wir ihnen von der Rückkehr der Wölfe erzählen. Dann waren die skeptisch, denn dank unzähliger Schauermärchen haben doch die meisten ein wenig Angst. Aber am Schluss ließen sich viele überzeugen und zeigen mit ihrem Statement, dass sie den Wolf willkommen heißen.

„Ich hab als Feedback erstmal Verwirrung bekommen, aber dann fanden es die meisten Leute, die gehört haben worum es geht, doch echt interessant.“ Florian

Viele kreative Statements schmücken hier schon die Pfote und das nicht nur in deutsch: auch viele Touristen begrüßten den Wolf in Deutschland in ihren Sprachen. In Dresden waren die Medien vor Ort und unsere Wolfspfote erschien in einem Beitrag vom ARD-Fernsehen und in einem Artikel in der Jugendzeitschrift Bravo.

In Hannover waren über 25 WWF Jugend Mitglieder dabei und verbreiteten die frohe Botschaft von der Rückkehr der Wölfe. Viele Passanten lobten uns für unseren Einsatz und wurden in Hannover besonders kreativ. Am Ende des Tages zierten die Pfote jede Menge neue Stoffstreifen, auf denen man neben Statements auch Gedichte und Zeichnungen bewundern konnte.

„Ein Mann sagte zu mir bei der Wolfspfote in Hannover: Es ist wichtig, dass jeder Mensch etwas tut. Die einen helfen der Natur, die es nötig hat und die anderen den Menschen, die es nötig haben" Denis

Als nächstes reiste die Große Pfote nach Berlin, eine Station, die wir erst gar nicht geplant hatten. Dennoch wurde der Tag mit Hilfe der WWF Jugend natürlich zu einem riesen Erfolg. Wir konnten die Pfote mitten in der Open Air Fotoausstellung „Wild Wonder of Europe“ aufbauen und ließen uns trotz Regen nicht entmutigen, viele Stoffstreifen zu sammeln. Inzwischen wurde auch die Rückseite der Pfote behangen, sodass es am Schluss gleich zwei Riesenpfoten gab! Irgendwann ließ der Regen nach und immer mehr Besucher kamen zu unserem Stand und verließen ihn als Wolffans. In Berlin kamen mindestens 200 neue Statements dazu!

„Besonders toll war, dass so viele Menschen sich für die Große Pfote interessiert haben. Wir hatten Statements in vielen Sprachen auf der Pfote, das war klasse. Sie hat einfach unglaublich Eindruck gemacht. Passend war natürlich auch die Austellung an Naturfotos, inmitten der wir positioniert waren ;)“ Anni

Als letztes reiste unser Kunstwerk nach Stuttgart wo wir in einem Endspurt zu fünft noch einmal ordentlich Statements sammelten. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns die Momente, in denen Skeptiker doch noch einmal an unseren Stand zurückkehrten, um einen Stoffstreifen an der Pfote anzubringen. Aber auch die richtig motivierten Menschen, die von sich aus zu uns kamen, um zu fragen, wie sie uns unterstützen könnten. Zu unserer Freude tauchte außerdem das Stuttgarter Fernsehen auf und filmte einen kurzen Clip über unsere Aktion.

"Es zählt nicht das warum, sondern das wie. Dass der Wolf nach Deutschland und Mitteleuropa gehört, darf nicht in Frage gestellt werden, sondern seine Rückkehr und die Akzeptanz der Bevölkerung (dass der Wolf in unsere Natur gehört) muss gefordert werden.“ Denis

Nachdem wir unsere Pfote so schön über und über mit Statements geschmückt hatten, wollten wir sie natürlich nicht einfach entsorgen. Stattdessen ist die Große Pfote heute Teil einer Ausstellung im Natur- und Umweltpark in Güstrow, Mecklenburg-Vorpommern. Dort zeigt sie allen Besucher, was für eine Unterstützung der Wolf mit unserer Hilfe in Deutschland schon hat. Und die Unterstützung soll natürlich nie auffhören, deswegen können in Güstrow die Besucher der Ausstellung auch weiterhin Statements zu unserer Großen Pfote hinzufügen.

Im Sommer 2013 fand zum Abschluss noch ein Wolfsretter Camp statt, an dem alle WWF Jugend Mitglieder teilnehmen und auf den Spuren der Wölfe in der Lausitz wandern konnten.

Am Ende der Kampagne haben wir es geschafft rund 2500 Statements für den Wolf zu sammeln und zusätzlich noch unser Spendenziel von 5000 Euro erreicht. Das Geld kam über den Verkauf der Wolfsretter-T-Shirts und einen Spendenaufruf auf unserer Website zusammen. Ein grandioser Erfolg!

Die Wolfsretterkampagne mitgestalten zu können war eine wertvolle Erfahrung, die uns auch heute noch begleitet. Und irgendwie ist sie ja auch nie richtig zu Ende, denn die Wölfe in Deutschland brauchen auch weiterhin noch unsere Unterstützung. Immer wieder müssen wir in Zeitungsberichten von erschossenen oder überfahrenen Wölfen lesen. Umso wichtiger ist es, dass wir weiterhin die Menschen in unserem Umfeld aufklären und ihnen die Angst und das Misstrauen vor den Wölfen nehmen.

„Alles was ich bei der Wolfsretterkampagne erlebt und gelernt habe, kann ich wunderbar nutzen in der Umweltbildung, z.B. in meinem FÖJ im Schullandheim, und den Kindern original erzählen, wie es in der Lausitz mit den Wölfen angefangen hat, was es da für Probleme gibt und warum der Wolf so wichtig für uns ist.“ Helen

„Die Kampagne hat mich verändert, ich wäre ohne sie nicht der Mensch der ich jetzt bin, ohne sie wäre ich jetzt nicht in der WWF Jugend und würde wahrscheinlich auch kein Geographie studieren. Alles was wir dort gelernt haben kann man immer wieder super anwenden (Aktionen planen o.ä.) oder begeistert von der Natur und dem Wolf erzählen.“ Alice

„Ich beschäftige mich nebenbei immer noch mit dem Thema Wolf, da ich oft in Waldgebieten unterwegs bin, wo mehrere Rudel beheimatet sind. Durch meinen Job habe ich gelernt, dass der Respekt vor dem Wolf nach wie vor vorhanden ist, aber ich habe noch von niemanden meiner Kollegen gehört, dass er Angst hat im Wald zu übernachten weil es da Wölfe gibt. Das zeigt mir wie tolerant viele Menschen sind und dass der Wolf doch mehr akzeptiert wird als man denkt. Ich habe auch des öfteren schon hitzige Diskussionen mit Jägern über das Thema geführt und ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Wölfe erschossen werden weil der Jäger schlichtweg Angst vor dem Tier hat.
Bei unserer Kampagne fand ich am interessantesten die Besuche bei dem Schäfer mit seinen Hunden und bei Lupus, man hat einfach einen ganz neuen Blickwinkel auf die ganze Sache gehabt.
Und ganz nebenbei, Wildschweine sind um einiges gefährlicher als Wölfe und von denen gibt es auch noch mehr ;)“
Kristina

Hier geht es zum „Gib mir Fünf!“ Bericht von letzter Woche: Die WWF Jugend besucht den WWF

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Kommentare (5)
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Sortieren nach Aktualität:
12.11.2014
Marcel hat geschrieben:
Das war sooooo eine schöne Kampagne! Ich denke immer wieder mal daran zurück und muss dann immer lächeln. Wir haben echt viel erreicht und dem Wolf geholfen - und dabei jede Menge Spaß gehabt und bewiesen, dass die WWF Jugend total kreativ ist. Danke für diesen wunderschönen Rückblick!
06.11.2014
regentag hat geschrieben:
Super schönes Bericht zu einer tollen Kampagne!
05.11.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht! Die Idee mit der Wolfspfote ist wirklich genial.
05.11.2014
Zohar7 hat geschrieben:
Wirklich toll was ihr alles für die Wölfe gemacht habt! :) Danke für den Bericht!
05.11.2014
WolfSchlucht hat geschrieben:
schöner Bericht :D
hab das mit den wolfspfoten auch bei uns und an meiner schule gemacht ;) schön das der wolf so langsam aber sicher nach Deutschland zurück kommt und zumindestens teilweise mit offenen armen empfangen wird!
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