WWF
"Gib mir Fünf!" (25) - Die Ersten der Community, und was sie heute machen


von Marcel
24.09.2014
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Wer waren eigentlich die Allerersten in der Community, und was machen sie heute - fünf Jahre danach? Manche von ihnen sind gar nicht mehr in der WWF Jugend aktiv. Doch als ich ihnen geschrieben habe, haben sie sich sofort zurückgemeldet. Ihre Lebensläufe zeigen: Der Naturschutz und die WWF Jugend begleiten sie weiter durch's Leben. Fünf Jugendliche, die zu den Allerersten der WWF Jugend gehören:

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es war, als ich mein Profil in der WWF Jugend anlegte. Das allererste Profil. Eine Community mit nur einem Mitglied - das sah reichlich seltsam aus. Doch schon sehr bald, nur wenige Minuten später, trudelten die nächsten Profile ein. Heute sind es 7.642 Profile. Über 10.000 hatten sich in unseren ersten fünf Jahren schon registriert - das heißt, ein knappes Viertel hat seine Profile irgendwann wieder gelöscht.

7.642 - das ist eine gewaltige Zahl. Und dennoch ist sie uns nicht so wichtig. Für uns ist viel entscheidender, was für Menschen sich hinter dieser Zahl verbergen. Es sind ganz außergewöhnliche Menschen. Jeder von euch trägt etwas Einzigartiges in sich. Und jeder von euch hat die WWF Jugend geprägt.

Wie lange aber bleibt man in so einer Community? Wie lange kann sie einem etwas im Leben bieten? Klar, wir hoffen, so lange wie möglich. Aber vielleicht fühlt man sich irgendwann nicht mehr als "Jugendlicher", und dann ist es schon viel wahrscheinlicher, sich aus der Community wieder auszuklinken und neue Wege zu gehen. Für uns ist jeder Abschied schmerzhaft, das sage ich ganz ehrlich. Umso schöner war es, als ich ein paar von den 'verstummten Ersten' anschrieb und sofort Antwort-Emails bekam. Die WWF Jugend ist für jeden von ihnen immer noch ein wichtiger Teil ihres Lebens, auch wenn manche nicht mehr besonders aktiv sind. Es ist beeindruckend zu sehen, was sie aus ihrem Leben machen! Und wie die WWF Jugend auch ein bisschen dazu beigetragen hat...

Simon dürften diejenigen, die auch schon so lange dabei sind, noch als "straetsi" kennen. Er hatte sich schon immer für den Naturschutz begeistert und ist deshalb schnell auf die WWF Jugend gestoßen. Nicht lange fackeln, gleich mal für's Camp anmelden, war die Devise. "Mein schönstes Erlebnis war definitiv das WWF Jugend-Camp auf Rügen", erzählt Simon. "Ich konnte dort Freundschaften schließen, die bis heute gehalten haben. Es ist großartig zu sehen wie sich die Freunde aus der WWF Jugend von damals weiterentwickelt haben und wie sich viele von Ihnen auch heute noch tatkräftig für unsere Erde engagieren."

Ohne die Leidenschaft für den Naturschutz hätte Simon vielleicht nie so einen spannenden Beruf für sich entdeckt. "Ich hab da meine ganz eigene Nische gefunden. Als hauptberuflicher Filmemacher und Fotograf mache ich Kurzfilme über die atemberaubende Schönheit unserer Natur, immer mit dem Ziel vor Augen andere zu inspirieren und für mehr Naturschutz zu begeistern. Weiterhin engagiere ich mich im Vorstand des Vereins Pangaea Project e.V., der es Jugendlichen ermöglicht, unvergessliche Momente in der Natur zu verbringen."

Auch bei Gerrit war es das Treffen im "echten Leben", das den richtigen Kick gegeben hat. "Das erste WWF Jugend-Treffen war etwas sehr Besonderes, da man dann wirklich mal die Chance bekommen hat, die anderen Leute aus der Community mal live kennen zu lernen. Das Lagerfeuer und die Übernachtung draußen auf einer alten stillgelegten Flugzeug-Landebahn sind für mich unvergesslich."

Inzwischen ist Gerrit 21 Jahre und nicht mehr wirklich in der Community oder auf irgendwelchen Landebahnen unterwegs. Stattdessen studiert er Wirtschaftsmathematik an der TU Dortmund. "Die Zeit lässt nicht viel zu in Sachen aktiven Naturschutz, was auch damals der Grund war, dass ich nicht mehr so aktiv für die WWF Jugend seien konnte. Aktiv sein heißt für mich momentan, dass meine Eltern und ich unsere Lebensmittel größtenteils beim Bauern oder einer Neuland-Metzgerei hier in der Umgebung beziehen und wir allgemein den Konsum an tierischen Produkten sehr reduziert haben. Wir achten mehr auf Kleinigkeiten, wie das Fahrrad statt dem Auto zu benutzen, und ich freue mich, dass dies mittlerweile zum Alltag geworden ist. Ich halte mich regelmäßig auf dem Laufendem über Aktionen vom WWF und anderen Naturschützern und wenn die Zeit mal wieder da ist, würde ich mich freuen mal wieder selbst anzupacken."

Auch bei Hanna liegt der letzte Login schon lange zurück, doch die WWF Jugend lässt auch sie nicht ganz los: "Obwohl ich leider in der WWF Jugend-Community gar nicht mehr aktiv bin, lese ich sehr gerne die Newsletter und das Printmagazin und staune immer wieder, was ihr alles auf die Beine stellt." Hanna stand unter anderem im Mittelpunkt der Forest-Friends-Kampagne. Sie war Mitglied der Redaktion und fuhr auf dem Fahrad quer durch ganz Deutschland - bis die Uni rief. "Mittlerweile wohne ich in Köln, studiere Pädagogik, arbeite nebenbei auf einem Schulbauernhof und mache so dies und das - Arbeit im Gemeinschaftsgarten und Samba-Trommeln auf Demos zum Beispiel."

Hanna hatte sich bereits bei unserer ersten großen Kampagne engagiert. "Ich habe 2009 in der Schülerzeitschrift Spießer von der neu gegründeten WWF Jugend Community und dem Casting für Dzangha Sangha gelesen. Ich glaube, mich hat damals vor allem die Neugierde gepackt und die Sehnsucht, ein so einzigartiges Gebiet wie den Regenwald dort selbst zu sehen. Interessiert an Umweltschutzthemen war ich schon immer - nur hatte ich mich nie vorher in einer Organisation engagiert. Das Casting Wochenende war ein unbeschreibliches Erlebnis und ich lernte viele wunderbare Menschen auf einmal kennen. Das hat mich in die WWF Jugend geholt."

Die Frage nach dem schönsten Erlebnis kann Hanna gar nicht so eindeutig beantworten. "Davon gab es sehr viele. Ein plötzlicher Sandsturm im Watt mit unserer Redaktionsgruppe und dem WWF-Wattenmeer-Spezialisten Hans-Ulrich. Eine Nacht auf der stillgelegten Rollbahn eines Flughafens. Ein Treffen mit meinem indonesischen Blog-Partner Yangki in Berlin - er schenkte mir furchtbare Süßigkeiten und einen Plüschtiger, den ich noch habe. Und immer wieder das gute Gefühl, nicht allein zu sein, wenn ein eigener Artikel in der Community viele engagierte und interessante Kommentare hervorrief."

Und heute? "Naturschutz spielt für mich immer noch eine große Rolle. Besonders interessiere ich mich für Permakultur, nachhaltige Landwirtschaft und Biodiversität. Meine Vision von einer friedlichen Zukunft, in der Menschen im Einklang mit der Natur leben, versuche ich mit Kindern zu teilen, denn die müssen irgendwann mit allem umgehen, was heute verzapft wird. Dieses Jahr habe ich z.B. drei BUND Jugend "Erdschützer-Freizeiten" geleitet und ein halbes Jahr Praktikum in einem Waldkindergarten gemacht. Außerdem versuche ich auf dem Schulbauernhof, den Stadtkindern eine Begegnung mit Tieren und unseren Lebensmitteln zu ermöglichen. Gelegentlich gehe ich auf Demos, z.B. "Wir haben es satt" in Berlin oder dem "Klimacamp" im Rheinland. Gerade war ich auf der "degrowth Konferenz" in Leipzig, die sich damit beschäftigt hat, wie ein gutes Leben ohne Wirtschaftswachstum aussehen kann. An meinem eigenen suffizienten Lebensstil arbeite ich kontinierlich mit wechselndem Erfolg. :)"

Auch Silke war damals beim Casting-Camp für Dzanga-Sangha dabei. Und sie war mit dem WWF auch tatsächlich bei der Expedition ins zentralafrikanische Projektgebiet dabei. Diese Zeit wird sie nie vergessen. "Am eindrucksvollsten war vermutlich der Flug über den Kongo-Regenwald in einem ziemlich kleinen Flugzeug, und natürlich die Begegnung mit dem Silberrücken Makumba in freier Wildbahn", erinnert sich Silke.

Wie unterschieldich die Wege sein können, die aus dem Engagement in der WWF Jugend raus in die weite Welt führen, zeigt auch Silkes berufliche Laufbahn: "Momentan bin ich noch in Leipzig. Dort studiere ich Veterinärmedizin. In zwei Wochen beginnt dann mein praktisches Jahr und im Januar 2016 darf ich mich dann hoffentlich Tierärztin nennen. Der Naturschutz und dabei besonders der Tierschutz spielen allein schon aus beruflichen Gründen eine große Rolle in meinem Leben. Ich versuche mir immer einen Überblick über die neusten relevanten Diskussionen vor allem rund um das Thema Landwirtschaft zu schaffen, um meinen Standpunkt zu finden. Dies fällt mir zugegebenermaßen manchmal recht schwer aufgrund der Komplexität. Ich musste lernen, dass es nicht immer schwarz oder weiß gibt."

Silke geht es so wie wohl allen von uns - die Leidenschaft für das Weltretten hinterlässt auch Spuren im eigenen Alltag: "Im privaten Umfeld hat mich meine aktive Zeit bei der WWF Jugend stark beeinflusst. Ich denke viel mehr über Konsum und dessen Auswirkungen vor allem auf Umwelt und Menschen nach. Klamotten werden fast ausschließlich beim Kleiderkreisel gekauft und Lebensmittel bevorzugt von Erzeugern, die ich kenne. Es ist vielleicht nicht der größte Beitrag aber viele kleine Tropfen füllen schließlich auch einen Eimer."

Und es gibt auch Mitglieder wie Johannes, die zwar schon längst studieren, aber irgendwie nicht loslassen können und in der WWF Jugend weiter ein Zuhause sehen. Johannes' Geschichte, wie er zur WWF Jugend gefunden hat, gehört sicher zu den abenteuerlichsten. "Für mich ging’s schon 2008 los. Da bin ich zusammen mit 17 anderen jungen Leuten aus 9 Ländern auf einem Forschungsschiff des WWF in die Arktis gereist, wo wir zu "Klimabotschaftern" ausgebildet wurden. Nebenbei haben wir atemberaubende Natur erlebt, die unheimlich kraftvoll und doch so zerbrechlich und gefährdet ist. Seither leiste ich als "Klimabotschafter" meinen Beitrag zu mehr Klimaschutz."

Fünf Jahre WWF Jugend - kannst du aus dieser Zeit ein besonders tolles Erlebnis auswählen? "Das ist eine verdammt schwere Frage", antwortet Johannes. "Ich habe schon unzählige schöne Dinge mit der WWF Jugend und ihren Menschen erlebt. Wenn ich so nachdenke poppt alle paar Sekunden eine neue wunderschöne Erinnerung auf: Sommer-, Winter- und Redaktionstreffen, Energiewende- und Regendwalddemo, Silent Climate Parade und Earth Hour… Da haben sich in den letzten Jahren echt viele Erlebnisse einen festen Platz in meinem Gedächtnis gesichert."

Auch Johannes ist dabei, sich zu einem beruflichen Weltretter zu entwickeln. "Ich mache gerade ein Praktikum bei einer Solarfirma in Südafrika. Das ist keine gemeinnützige Organisation, aber trotzdem hab ich das gute Gefühl, etwas Sinnvolles voranzubringen. Ansonsten wehre ich mich beim Einkaufen gegen die Plastiktütenflut, die hier noch viel krasser ist als in Deutschland und ich versuche die Leute davon zu überzeugen, beim fast täglichen Grillen auch mal Gemüse auszuprobieren."

Wieso bist du nach über fünf Jahren immer noch bei der WWF Jugend aktiv? Johannes weiß sofort, was er darauf antworten will: "Weil ich hier Leute mit der gleichen Wellenlänge treffe, wir setzen uns für dieselben Dinge ein und haben oft einen ähnlichen Humor. Und nicht zuletzt ist unser "Job" noch längst nicht erledigt, die Natur braucht weiterhin unseren vollen Einsatz!"

Ich bin immer wieder absolut begeistert, welche unglaublichen Menschen bei der WWF Jugend auftauchen, und welche spannenden Dinge sie auch abseits der Community unternehmen. Wenn sie davon erzählen, worum es hier geht, dann werden natürlich Naturschutz, Klimaschutz und Zukunft genannt - aber am wichtigsten sind ganz offensichtlich immer wieder die anderen Menschen hier. Das ist ein Kompliment. An euch alle! Ihr seid die WWF Jugend. Wenn jemand die Zukunft gestalten kann, wer, wenn nicht ihr? 

Hier geht's zur Folge 24: "Die schönsten Waldfotos und Wald-Aktionen"

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Kommentare (7)
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27.09.2014
Chillkroete hat geschrieben:
Danke für den tollen Bericht :)
26.09.2014
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Es ist sehr schön, diese Gesichter wieder zu sehen - ich habe mich sofort an alle erinnert, und an die Zeit, in der sie hier noch aktiv waren. :-) Ich wünsche allen alles gute weiterhin, die einzelnen Lebenswege sind sehr spannend!
26.09.2014
Monamona hat geschrieben:
Danke für den Bericht und danke an euch fünf für die bereitwillige Berichterstattung ;)
26.09.2014
OekoTiger hat geschrieben:
Schöner Bericht!
25.09.2014
Ria2000 hat geschrieben:
Hey schöner Bericht! Ich finds echt toll, wie sich in so kurzer Zeit die Zahl der Miglieder auf so viele vergrößern konnte! :)
25.09.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht! Es ist wirklich sehr interessant, was aus den ersten Mitgliedern geworden ist! =)
24.09.2014
RichardParker hat geschrieben:
Wow, toll, dass alle fünf noch die WWF Jugend in ihren Herzen und ihren Köpfen tragen! :))
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