WWF
"Gib mir Fünf!" (23) - Rückblick auf das Jahr des Tiger 2010


von Janine
10.09.2014
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"GRRROOOAAAAAARRRRRR! Heute, am 14.02.2010, beginnt im chinesischen Kalender das Jahr des Tigers. Weltweit gibt es nur noch etwa 3200 Tiger in der Wildnis. Deshalb startet der WWF jetzt eine internationale Kampagne und sucht Tiger-Botschafter! Mach mit! www.wwf-jugend.de/tiger"

Zum Auftakt unserer Tigerkampagne starten wir ein großes virtuelles Gebrüll! So wird uns am Sonntag niemand übersehen und verpassen, dass es gilt, die letzten 3.200 wildlebenden Tiger vor dem Aussterben zu retten.

So begann vor vier Jahren die Tigerkampagne des WWF Deutschland. Es sollte ein ereignisreiches Jahr werden! Nicht nur für den WWF, sondern vor allem für die WWF Jugend!

Viele von euch luden den Tiger dazu in ihr Profilbild ein, um auch visuell zu vermitteln, dass der Tiger unsere Hilfe braucht. Aber warum eigentlich?

Der Verbreitungsraum des Tigers ist enorm geschrumpft. Auf der Karte (unten) erkennt man, wie groß sein Verbreitungsgebiet vor gut 100 Jahren war (grüner Anteil) und wie groß es heute noch ist (orange markierte Fläche). In den letzten 70 Jahren sind bereits drei Unterarten des Tigers ausgestorben (Bali-Tiger, Kaspischer Tiger und Java-Tiger). Und auch der Südchinesische Tiger wurde seit 25 Jahren nicht mehr gesichtet. Für fünf weitere Unterarten (Amur-Tiger, Indochinesischer Tiger, Bengal-Tiger, Sumatra-Tiger und Malaysia-Tiger) ist es noch nicht zu spät! Und für sie setzt sich der WWF ein.
 

Der WWF hatte viele kreative Ideen, um die Menschen auf die Lage der 3.200 verbleibenden Tiger aufmerksam zu machen. So standen im August 2010 zwei riesiger Origami-Tiger am Berliner Hauptbahnhof. Sieben Meter lang und 2,5 Meter hoch. Aus recyceltem Material. Und auch in der Dunkelheit gut erkennbar, da sie leuchten.

Mit diesen Tigern erzeugte der WWF nicht nur in Berlin, sondern auch in Sydney, Kuala Lumpur und anderen Städten für internationale Aufmerksamkeit.

Ein Highlight des Jahres war wohl die Expedition nach Russland, an der vier WWF Jugendliche teilnehmen konnten! Franka, Julia, Christoph und Johannes hatten das große Los gezogen und fieberten ihrer Reise entgegen, auf der sie uns über ihren BLOG aktuelle Tigerschutzmaßnahmen, Wilderei und die Zukunft des Tigers auf dem Laufenden hielten. Aber bis die vier aufbrachen, nahmen wir gemeinsam an weiteren Aktionen teil. Beim Ideensturm für den Tiger wurden gleich zwei Ideen umgesetzt. Und beide erfuhren rege Teilnahme! Dazu wurde erst einmal geplant. Zwei Teams organisierten die Tiger Deadlines und den Tigernachwuchs aus selbstgebastelten Tigern, die durch ganz Deutschland streiften.

Doch bevor beide Ideen Wirklichkeit wurden, rannte der Tiger durch viele Deutsche Städte und ließ sein Brüllen hören! Bei der "Running Tiger Tour" projizierte ein fahrendes Auto einen riesigen rennenden Tiger an Häuserwände und ließ ihn so durch die Straßen tigern. Viele Passanten waren beeindruckt von dem Tier, das fünfmal so groß war wie sie selber. Ich erinnere mich noch an ein Mädel in Köln. Das Auto warf den Tiger gerade an eine große Wand und ließ ihn da verweilen und brüllen. Ich sagte zu ihr „Guck mal hinter die, da ist ein riesiger Tiger!“. Sie dachte, ich wollte sie auf den Arm nehmen und sie traute sich einfach nicht hinter sich zu blicken aus Angst bloßgestellt zu werden. Ich musste sie zehnmal auffordern, bis sie es wagte und der Quelle des Tigergebrülls endlich auf den Grund ging. Da war sie aber schwer begeistert, als tatsächlich eine riesige Katze vor ihr stand.

Im Oktober 2010 war es dann soweit. Die Expeditionsteilnehmer Christoph, Johannes, Franka und Julia brachen nach Russland auf. Bald schon treffen sie auf die ersten Tigerspuren.  

Gestaerkt und ausgeruht machten wir uns auf in das Herz des Schutzgebiets, in welchem wir auch die Nacht verbringen sollten.Und dann kam der Hoehepunkt des Tages, denn auf diesem Weg dorthin entdeckten wir frische Tigerspuren im Matsch der Strasse- super!! Sergey, Tigerexperte und Expeditionsleiter erzaehlte uns, dass es sich um einen maennlichen juengeren Tiger handeln muesse der heute morgen dort entlang gegangen sei. Entlang des Weges sahen wir zahlreiche Tigerspuren, denn auch Tiger gehen gelegentlich lieber auf der Strasse, anstatt sich durch das enge Gestruepp im Wald zu schlagen. Und als waere dies nicht schon genug Grund zur Freude, entdeckten wir an der selben Stelle auch noch die Fusspuren eines Braunbaeren, der wohl den Tag zuvor dort entlang gegangen ist. Teilweise befanden sich die Fussabdruecke der beiden Tiere direkt nebeneinander.
 

… erzählt Christoph im Expeditionsblog.

Ein paar Tage später berichtet er Folgendes:

Heute Mittag wurde uns Tigerbotschaftern ein Einblick in die Arbeit des Zolls gegen den illegalen Artenhandel gewährt. Dazu besuchten wir die Zollakademie in Wladiwostok. In der Akademie wurden uns das Fell eines Eisbären, eines Leoparden und auch eines Tigers gezeigt - alles aufgegriffene Schmuggelware. Es befanden sich dort eine ganze Sammlung von illegal gehandelten, geschützten Arten, welche man an den Grenzkontrollen entdeckt hat – neben den bereits erwähnten Fellen auch noch Schlangen, Echsen, die Heilpflanze Ginsing und, und, und...
Für uns war das alles sehr bedrückend, weil wir mit eigenen Augen sehen konnten, was mit diesen seltenen und faszinierenden Arten geschieht, wenn sie in die Hände der falschen Leute geraten und welche Ausmaße die Wilderei und der Artenhandel annehmen können. Es sind auch Tränen geflossen!

 

Während ihrer Reise hörten sie sogar das Gebrüll eines Tigers. Außerdem besuchten die Expeditionisten das Kruglov-Centre, ein Rehabilitationszentrum für verwaiste und verletzte Wildtiere. Und hier trafen sie den leibhaftigen Tiger.

Das Tigermännchen, das von der Leiterin des Rehabilitationszentrums mit einem „halben Schwein“ gefüttert wurde kam schon im Alter von wenigen Wochen in das Freigehege, nachdem es mit einem komplizierten Kieferbruch in der freien Natur aufgefunden wurde, der bei einer aufwendigen Operation wieder gerichtet werden konnte. Obwohl die 180 Kg und gut zwei Meter Länge bei langem nicht die Höchstmaße für ein ausgewachsenen Männchen sind, waren wir nicht nur von der Schönheit und enormen Kraft, sondern auch von der Intensität seines Blickes bei seinen „spielerischen“ Anpirschversuchen fasziniert.

Erzählt Johannes.

Hier ein paar Impressionen von der Expedition:

Die Expedition endete mit einer großen Demonstration in Wladiwostok. Für den „Tiger Day“ hatte auch die WWF Jugend ihren Beitrag geleistet und mit persönlichen Bildern und Botschaften gemeinsam ein riesiges Banner gestaltet, das von unseren Tigerbotschaftern präsentiert wurde.

Johannes erzählt:

Endlich war es soweit! Nach gut zwei Wochen voll von faszinierenden Exkursionen in die Wildnis des russischen Fernen Ostens, bei denen wir täglich unzählige neue Eindrücke gewinnen konnten, stand heute der krönende Abschluss unseres Trips an. Der Tiger Day in Wladivostok! Zahlreiche Schulklassen, viele Familien und natürlich auch „unser WWF-Trupp“ hatten sich die verschiedensten Ideen einfallen lassen – wunderschöne Tigerkostüme, viele und kreativ gestaltete Plakate, geschminkte Tigergesichte und vieles mehr machten auf den Tiger aufmerksam. Natürlich war auch der Banner unserer Community am Start und stolz konnten wir behaupten, dass es das eindeutig größte Plakat war. Vielen Dank noch einmal für eure Bilder!!! Die Stimmung während der Demo war wirklich elektrisierend – überall war die Begeisterung für den Tiger zu spüren und vor allem die ungebremste Motivation der Kinder begeisterte mich ungemein.

Ziel der Demo war es, bessere Schutzmaßnahmen für den Tiger zu schaffen. Und die Demo hatte Erfolg, der später beim Tiger-Gipfel in St. Petersburg bekannt gegeben werden sollte!

Nach der Expedition ging es in Deutschland weiter mit vielen kleinen Tigern…

„Deutschland sorgt für Tigernachwuchs“ war eines der zwei Projekte des Ideensturms, die von der WWF Jugend umgesetzt wurden. Viele WWF Jugend Mitglieder bastelten kleine Tiger und setzten sie an allen möglichen Orten aus. Alle Tiger trugen eine Botschaft. Sie forderten die Finder dazu auf, ihr Statement für den Tiger auf der Kampagnenseite kundzutun. Es fanden sich unglaublich viele Gruppen zusammen, die gemeinsam Tiger gestalteten und danach freiließen.

Im November wurde die zweite Idee umgesetzt, die Tiger Deadline. Hierbei formte die WWF Jugend in Köln und Frankfurt die Herzschlaglinie eines EKG. Dazu lief der Sound eines schlagenden Herzens im Hintergrund, der langsam erlosch. Dann war nur noch das Piepsen der Nulllinie zu hören. Die Teilnehmer sammelten sich hierzu auf einer gerade Linie. Um den Tiger am Leben zu halten müssen wir kämpfen. Dies war die Aufforderung an die Passanten. Am Ende fing das Herz wieder an zu schlagen und alle kehrten auf die EKG Linie zurück.
Alle Teilnehmer hatten zuvor Tigerschirme gebastelt, die sie die ganze Zeit über hochhielten. So konnte man gleich erkennen, für welches Tier sie sich einsetzten. Außerdem wurden die Teilnehmer geschminkt.


 

In der gesamten Zeit der Kampagne lief auch eine Unterschriftenaktion! Die Unterschriften wurden beim Tigergipfel in St. Petersburg vorgelegt, um die unglaubliche Unterstützung der Menschen in Deutschland zu zeigen. Ziel war es 32.000 Unterschriften zu sammeln (für 3.200 verbliebene Tiger). Die Tigerkampagne war aber ein so großer Erfolg, dass zusammen mit der Unterstützung durch die WWF Jugend sogar unglaubliche 60.095 Stimmen gesammelt werden konnten. Das ist ein absoluter Rekord in der Petitionsgeschichte des WWF Deutschland.

Beim Tiger-Gipfel in St. Petersburg wurde schließlich Folgendes beschlossen:

Unter der Schirmherrschaft von Wladimir Putin verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs der 13 Tiger-Verbreitungsländer nicht nur einen internationalen Rettungsplan für den Tiger, sondern verständigten sich auch auf das WWF-Ziel, die Tiger bis 2022 zu verdoppeln.
Für die Finanzierung der akut anstehenden Rettungsmaßnahmen wurde die Summe von 350 Millionen US-Dollar zugesagt! Das ist nahezu die Menge an Geld, die für die notwendigen Maßnahmen benötigt wird! Den Anfang hatte das Bundesumweltministerium gemacht, das weitere 12,6 Millionen Euro für den Tigerschutz in Asien investieren wird.

Die Tiger Kampagne 2010 war ein voller Erfolg. Nie zuvor hat der Tiger eine solche Aufmerksamkeit genossen, die er dringend braucht. Ich bin sehr beeindruckt davon, was der WWF und die WWF Jugend für den Tiger geleistet haben! Eine solche Wucht an Energie und Aktionen habe ich selten erlebt! Da muss ich echt mal ein riesen Lob aussprechen, dass so viele Aktionen, die zum Teil parallel gelaufen sind, so gut gelungen sind! Nun bleibt uns, dem Tiger ganz fest die Daumen zu drücken, damit unsere Ziele gelingen und in Zukunft wieder viele, viele Raubkatzen ungestört durch die Wälder streifen können.

 

 

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Kommentare (11)
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25.09.2014
Anais hat geschrieben:
Das war echt eine Wahnsinns Aktion. Aktionen, wie diese machen die WWF Jugend zu dem, was sie ist: etwas ganz, ganz besonderes! Ihr seid einfach klasse! :))
13.09.2014
Monamona hat geschrieben:
Ich bin so stolz auf euch :)!
12.09.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Was für eine tolle Kampagne! Danke für den Bericht, der alles, was zur Tiger-Kampagne dazugehörte, super darlegt! Ich war zu der Zeit auch noch nicht hier...sehr schade :)
11.09.2014
Marcel hat geschrieben:
Ich werde nie vergessen, wie uns die Leute seltsam angeschaut haben, als wir in der Kölner Altstadt mit unseren orangenen Schirmen die Herzschlagkurve dargestellt haben. Das war so ein genialer Tag! Und wie viel Spaß es gemacht hat, die vielen Papptiger zu basteln und überall auszulegen! In Waschsalons, Kinos, in Bussen, an Postkartenständern... Das war auf jeden Fall eine der bisher schönsten und charmantesten Aktionen! :) Die WWF Jugend ist so kreativ! So müssen wir weitermachen!
11.09.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Da wäre uch auch gerne dabei gewesen. Schade, dass ich da noch nicht Mitglied war. Das sieht beeindruckend aus.
11.09.2014
Carina hat geschrieben:
Ich erinnere mich noch gut an die vielen schönen Aktionen rund um den Tiger. Danke für diesen tollen Rückblick, Janine!
11.09.2014
Jayfeather hat geschrieben:
schade, das ich zu der zeit noch nicht hergefunden hatte. Die Aktionen hören sich echt super an.
11.09.2014
Zerschmetterling hat geschrieben:
Es ist immer wieder klasse, zu lesen oder zu erleben, was der WWF zusammen mit der Jugend auf die Beine stellt. Für den Wolf, oder auch hier für den Tiger.
Unser GRRROOOAAAAAARRRRRR! war glaub ich ziemlich laut und erfolgreich. :)

Nur das dem riesen Origami-Tiger die Streifen fehlen, macht mich etwas stutzig. Toll sieht er trotzdem aus.
10.09.2014
Fabia hat geschrieben:
Was für schöne Erinnerungen! Das war meine Anfangszeit in der WWF Jugend *.*
Die Projektion war wirklich beeindruckend und das Unterschriften sammeln hat mehr Spaß gemacht als am Anfang erwartet :D
10.09.2014
Cookie hat geschrieben:
Ich erinnere mich noch daran, wie ich stundenlang mit einer Freundin Filztiger genäht und diese in Hamburg ausgesetzt habe. :D

Danke für den tollen Bericht! :)
10.09.2014
RichardParker hat geschrieben:
Oha, ich bin überwältigt von den Aktion und der Energie, unglaublich toll!!! :P
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