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Wie wir unsere Emissionen um 5% senken könnten - Moorschutz


von Buchenblatt
09.08.2016
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Maßnahmen zum Klimaschutz - Davon fallen euch bestimmt viele ein: der Ausbau von erneuerbaren Energien, das Ausschalten von Standby-Geräten, Verzicht auf tierische Produkte, Fahren mit Fahrrad und Bahn, Recycling, Schaffen von Kreisläufen...

Wer hätte gedacht, dass es ein Ökosystem gibt, in dem Kreisläufe nicht vollständig sind?

...ein Ökosystem, in dem mehr Biomasse produziert als zersetzt wird?

...ein Ökosystem, das Kohlenstoffdioxid aufnimmt und uns damit bei der Eindämmung des Klimawandels helfen könnte?

Die Rede ist hier von Mooren: Wunderschöne weite feuchte Landschaften, die fast überall auf der Erde zu finden sind. Tatsächlich gab es in 90% der Staaten weltweit einmal intakte Moorregionen.

Moment mal... „gab"? Leider ist hier die Vergangenheitsform richtig. Zwar ist 80% der weltweiten Fläche von Mooren nach wie vor intakt und größtenteils in den weiten Gebieten von Sibirien und Kanada zu finden, doch 20% der Fläche wird mittlerweile anders genutzt. Das Ökosystem Moor wurde hier zerstört, entwässert und es wird Torf abgebaut, Forstwirtschaft oder Ackerbau betrieben. Vielfach sogar recht erfolglos, da Moorböden relativ nährstoffarm sind. Dazu später mehr. Auch in Deutschland sind Moore zu finden – hier sind sogar nur noch 5-10% der ursprünglichen Fläche intakt. Und weil entwässerte Moore Emissionen frei setzen, sorgen sie für 5% (45 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid) der Treibhausgasemissionen Deutschlands.


Moore sind auf kleinem Raum riesige Kohlenstoffspeicher (© Bodenatlas 2015: Kooperationsprojekt der Heinrich Böll Stiftung)

Ein potentieller Klimaretter wurde also durch den menschlichen Eingriff zu einem großen Klimafeind, denn nur gesunde Böden können Kohlenstoff speichern. Mit meinem Changemakerprojekt möchte ich zeigen, wie wichtig Moore für unser Klima sind und wie jeder einzelne sie schützen kann. Außerdem werde ich euch zeigen, wie Moore entstehen, welche einzigartigen Tiere und Pflanzen das Ökosystem ausmachen und welche Ansätze es gibt, die Moore zu retten. Am Ende werdet ihr auch wissen, was eure Zimmerpflanze damit zu tun hat und zu welchen klimafreundlichen Alternativen ihr greifen könnt. Dazu werden mehrere Artikel erscheinen, die jeweils etwa eine Woche auseinanderliegen. Ihr dürft also gespannt sein.

In diesem Artikel geht es zunächst um die Grundlagen: Was ist ein Moor? Warum ist es so besonders? Wie entstehen Moore?

Ein Moor ist laut Duden ein „sumpfähnliches Gelände mit weichem, schwammartigem, großenteils aus unvollständig zersetzten Pflanzen bestehendem Boden und einer charakteristischen Vegetation“.

In Wirklichkeit sieht das Ganze dann etwa so aus: Wie ihr seht, verlaufen Wanderwege in Mooren oft über Stege, weil man sonst einsinken würde. Schließlich sind Moore sehr feuchte Regionen. Es herrscht ständiger Wasserüberschuss. So gibt es kleinere Wasserflächen, die uns Informationen über die Eiszeit liefern und Boden, der selbst in den trockeneren Regionen ähnlich wie ein Trampolin federt. Gäbe es keine Stege würde man also zumindest zum Teil versinken, weshalb es viele Gruselgeschichten und Krimis gibt, die in Mooren spielen. Die Wirklichkeit ist nicht ganz so gefährlich, trotzdem ist es natürlich schöner Lesestoff zum Gruseln.Besonders an warmen Sommertagen spürt man davon jedoch nichts. Da es kaum Bäume gibt, gibt es auch kaum Schatten – alles ist hell und freundlich.

Moore entstanden nach Ende der letzten Eiszeit. Durch schmelzende Gletscher und häufige Niederschläge stieg das Grundwasser und viele Täler und Senken wurden überflutet. Undurchlässige Böden begünstigten auch in Regionen ohne Gletscher die Entstehung von Mooren. In den Senken wuchsen feuchtigkeitsliebende Pflanzen, die nicht - wie in anderen Ökosystemen - nach ihrem Absterben vollständig zersetzt werden konnten. Die Produktion von Biomasse war also höher als die Zersetzung. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Torfmoos, das ich euch nächste Woche vorstellen werde. Das Moor wuchs also nach und nach: pro Jahr etwa 1mm. Grund dafür ist die Torfschicht, die sich aus dem – nicht vollständig zersetzten – Pflanzenmaterial bildet. Sie hat einen hohen Kohlenstoffgehalt und spielt für die Rolle des Moores als Klimaakteur eine wichtige Rolle.

In Hochmooren wird das komplette Ökosystem nur von Regenwasser gespeist – deshalb findet man sie häufig in atlantischen Regionen (nahe dem Meer). Sie sind mineralstoffarm und sauer. Deshalb ist das Hochmoor artenarm. Gleichzeitig findet man jedoch spezialisierte seltene Arten.

Neben den Hochmooren gibt es auch Niedermoore, die nährstoffreicher sind, da sie auch durch Grundwasser gespeist werden und Zwischenmoore, die einen Zustand zwischen dem Nieder- und Hochmoor darstellen. Nach und nach bildet dort der entstandene Torf eine Barriere gegen das Grundwasser, sodass das Moor nur noch vom Regenwasser gespeist wird und zu einem Hochmoor wird.

Teilweise findet man in Mooren große Ringe, die einen kleinen Hügel quer durch die  Moorlandschaft bilden. Während man lange Zeit von Einschlägen ausging, ist heute klar, dass sie den Rand von Eislinsen, die in der Eiszeit entstanden, bilden. Diese Eislinsen bildeten sich durch unterschiedlich dicke Schneedecken und damit unterschiedlichen Temperaturen. An den Stellen, an denen einmal eine Eislinse entstanden war, konnte diese immer weiter wachsen, weil sie aus den darunterliegenden Bodenschichten das Wasser herauspresste, welches sofort wieder an dem Eiskern frieren konnte. Nach Ende der letzten Eiszeit schmolzen diese Eislinsen: Die Hügel fielen in sich zusammen und bildeten Senken, die heute noch sichtbar sind.

Durch den geringen Nährstoffgehalt sind Moore zwar artenarm, jedoch gibt es hier ganz besonders seltene Arten, die sich an die Lebensverhältnisse im Moor angepasst haben. Welche das sind, werde ich euch im nächsten Artikel zeigen. Ihr dürft also gespannt sein!

Wenn du Fragen zum Moor hast, die ich in den nächsten Artikeln unbedingt beantworten soll, schreib mir das doch in die Kommentare! Vielleicht hast du auch schon einmal ein Moor besucht und möchtest meinem Artikel etwas hinzufügen.

Quellen und weitere Infos:

Bodenatlas 2015 (Kooperationsprojekt der Heinrich Böll Stiftung)

http://www.planet-wissen.de/natur/landschaften/lebensraum_moor/index.html

https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2014/08/2014-08-14-sommer-moore.html

http://www.bfn.de/0311_moore-entstehung-zustand.html

http://www.eifel-natur-reisen.de/de/georaum/hohes-venn/palsen/

Infotafeln im Hohen Venn

 

Titelbild: Arnold Morascher/WWF

Alle weiteren Bilder sind bei einem Ausflug in das Hohe Venn (Belgien) von Sophie und mir entstanden. Sophie ist eine weitere Changemakerin und möchte ein Kleinwindkraftwerk an ihrer Schule installieren.

Du willst dein eigenes Projekt starten oder zusammen mit anderen ein Klimaschutzprojekt durchführen? Du willst lernen, wie man ein Projekt plant und die Unterstützung der anderen Teilnehmer, sowie von Experten bekommen? Du siehst Schwierigkeiten als Herausforderungen, an denen man wächst und möchtest über ein halbes Jahr am Ball bleiben? Wenn du zwischen 17 und 25 Jahren alt bist, dann kannst du dich noch bis zum 15. August für das nächste 2°Changemakerseminar anmelden. Weitere Infos findest du unter www.2-grad-changemaker.de

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Kommentare (1)
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27.08.2016
Gallina hat geschrieben:
Super spannendes Thema! Auch mich haben Moore in ihren Bann gezogen und ich habe eine kleine Leidenschaft in ihnen gefunden. Viel Inspiration und Faszination habe ich aus dem Film "Magie der Moore" gezogen. Das ist ein wirklich gigantischer Film mit so viel Emotion und Liebe zum Detail! Wenn du ihn nicht schon kennst, musst du den unbedingt anschauen. Neben phänomenalen Bildern bekommst du dabei auch jede Menge spannende Fakten zu Mooren geliefert. :) Viel Erfolg weiterhin mit deinem Projekt!
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