Wir sind Changemaker!


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probieren's aus!


Recyclingprodukt: Biomüll- Das Einführen einer Biotonne in meinem Studierendenwohnheim


von Anne-Sophie
07.07.2016
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Schon heute produziert die ganze Welt Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen.
Das Problem dabei: Mindestens 1,3 Mrd. t Nahrungsmittel gehen entlang der globalen Wertschöpfungskette bis einschließlich zum Verbraucher verloren. In Deutschland alleine 18 Mio. t pro Jahr. Der Größte Verlust ist dabei im Einzelhandel und Großhandel zu verbuchen. Hier werden pro Jahr 2,575 Mio. t Lebensmittel weggeschmissen und evtl. auch nicht einmal wiederverwendet. Vermeidungspotenzial: 90%.
Bei den Endverbrauchern liegt das Vermeidungspotenzial bei 70%.
Durch die Menge Bioabfall, den wir täglich produzieren (bis zu 27.000 t am Tag in Deutschland), könnte wertvoller Kraftstoff, Strom oder Düngemittel hergestellt werden. (Quelle: WWF Studie 2015: Das große Wegschmeißen)

Es gibt viele Unternehmen die sich darauf spezialisiert haben, die nicht mehr zu verwertenden Lebensmittel zu Biogas umzuwandeln. Der Prozess ist einfach, vielseitig einsetzbar und gewinnbringend.
Schon heute werden 10% der weltweiten Nachfrage an Energie durch Biogas abgedeckt. Und dieses hat durchaus Steigerungspotenzial!
Aber nicht nur Großunternehmer können aus Abfällen „neue Energie“ oder Düngeprodukte herstellen. Auch die Ottonormalverbraucher können aus einfachem Bioabfall einen wertvollen Schatz gewinnen, wie uns Isabelle von den 2°Changemakern erzählt.

 

Liebe Isabelle, wie schön dass ich heute bei dir in Freiburg sein kann und dich zu einem weiteren tollen 2°Changemakeprojekt, deinem 2°Changemakerprojekt befragen darf!
Im Gegensatz zu den zwei vorherigen vorgestellten Projekten von Eva zu „Öko-Örtchen“  und Thuy Anh und Danielle „Papierwende jetzt!“  , beschäftigt sich dein Projekt mit der Wiederverwertung von organischen Soffen. Es besteht ein bisschen Ähnlichkeit zu Evas Ökotoilette.
Führe mich und die WWF Jugend Community doch mal hinter das Geheimnis der Wiederverwertung von organischen Materialien. Ich bin schon ganz gespannt, was Du tolles machst!

Hey Anne. Das Müllproblem in meinem Wohnheim ist mir schon seit meinem Einzug aufgefallen. Es gibt keine Biotonne, sprich Resteverwertung der Abfälle die in der Küche anfallen. Das hat mich in der letzten Zeit viel zum Nachdenken angeregt.
Das 2°Changemakerseminar kam daher sehr gelegen, weil ich irgendwie wusste was ich machen könnte um dem Problem auf den Zahn zu fühlen, aber mir die nötigen Informationen zum Projektmanagement fehlten sowie die Unterstützung von Mitstreitern*innen.
Die letztendliche Abschlussidee, den Biomüll der in unserem Wohnheim anfällt, anhand des Bokashi Systemes, wiederzuverwenden und daraus Kompost herzustellen, kam mir dann in der Brainstormingruppe des Seminares.

Da muss ich direkt einhaken. Was ist ein Bokashi System?

Ein Bokashi System ist ein Kompostsystem welches aus allerlei „gemischten organischem Material“ Kompost herstellt.
Normalerweise kommen auf einen Komposthaufen ja nur Bananenschalen, Apfelschalen, Karottenschalen- also die ganzen Gemüse und Obstreste aus der Küche. Fleisch sowie Essensreste mit fettigen Soßen oder Ölen sind nicht geignet für einen Komposthaufen, da sich Ratten, Mäuse und andere frei lebende Tiere angezogen fühlen und sich diese Speisereste zudem nicht gut zersetzten lassen.
Bei der Bokashierung wird eine natürliche Milchsäuregärung in Gang gesetzt, ähnlich dem der Sauerkrautherstellung in Deutschland. Mithilfe eines luftdichten Eimers werden, die Milchsäurebakterien angeregt, die Küchenabfälle zu zersetzten und Kompost herzustellen. Der erste Schritt dauert 2-3 Wochen. Danach wird der Inhalt des Eimers in ein Blumenbett oder Gemüsebeet eingearbeitet, eben da wo gedüngt werden soll. Bis vollständiger, natürlicher, zersetzter Humus entstanden ist, dauert es noch einmal 3-5 Wochen.
Erfunden wurde das Bokashi Kompost System in Japan von Professor Teruo Higa aus Okinawa. Der Vorteil des Bokashi Kompostierens besteht eindeutig in der Kürze der Zeit, in der die Silage, wenn sie in der Erde vergraben wurde, durch Bakterien und Kleinstlebewesen vererdet wird. Der herkömmliche Komposthaufen braucht eine Zeit von ein bis eineinhalb Jahren, bis er zur Erde geworden ist.


Das hört sich aber nach einer coolen Alternative zum Komposthaufen an. Hast Du schon Eimer bestellt und einen Testlauf gemacht?

Durch die Größe unseres Studentenwohnheimes ist es fast unmöglich jeder*m Mitbewohner*in von mir einen Bokashi Eimer zur Verfügung zu stellen. Zudem kommt, dass die Gährung bzw. die Verrottung des Abfalles in dem Eimer schnell voranschreitet und der Kompost danach in den Mutterboden und/oder in ein Beet eingearbeitet werden muss. Unser Garten bietet keinen Platz für 600 Eimer kompostierter Erde, schon gar nicht wenn alle 3 Wochen neuer Kompost dazu kommt. Man muss ja auch noch den Verrottungsprozess der zweiten Hälfte dazu rechnen. Das wird alles ziemlich eng.
Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, den Fokus meines Projektes eher auf die Einführung der Biotonne zu lenken und das Bokashi System hinten anzustellen.

Das Bokashi Sytem ist eine alternativ Lösung, wenn man bspw. in einer Stadtwohnung lebt mit einem Balkon, seine Küchenreste aber doch gerne Kompostieren möchte. Gerade in Großstädten ist es leider häufig so, dass es keine Mülltrennung gibt. Die Bioabfälle werden einfach zusammen mit dem Restmüll in eine Tonne geschmissen. Wenn es hart auf hart kommt, dann kommt sogar noch Plastik und Verpackungsmüll dazu. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Viele Großstädte werben nämlich dafür, dass wir mehr auf Mülltrennung achten sollten, um uns  und und der Natur etwas Gutes tun.
In ländlichen Gebieten sieht es dafür umso besser aus. Ob das nun an der geringeren Einwohnerzahl liegt oder den geringeren Abfallentsorgungskosten, kann ich nicht sagen. Ich sehe aber wie Du, klaren Handlungsbedarf!

Isabelle, erzähl uns doch, warum Du dich dafür entschieden hast genau so ein Projekt zu machen. Was spornt Dich an, was möchtest Du damit erreichen?


Genau das was Du sagst, spornt mich an!
Mich ärgert, dass so viel Potenzial für sinnvolle Veränderungen vorhanden ist, es aber leider einfach nicht gesehen bzw. etwas dafür getan wird. Es gehen wertvolle Ressourcen verloren, die durch eigentlich sehr simple Eingriffe genutzt werden könnten.
Das Wohnheim ist mit ca. 600 Studenten*innen relativ groß und es fällt einiges an Biomüll an, der effizient zur Stromgewinnung genutzt werden könnte. Die vielen Beispiele in Deutschland zeigen es: Strom und Wärme durch Biogas. Denn Biogas ist nichts anderes als passive Biomasse, die zu  aktiver Biomasse wird.
Mir macht es einfach Spaß Hand anzulegen, auf Hindernisse zu treffen die einen herausfordern und bei denen man viel dazu lernt. Ich möchte genau die Themen die mich bewegen und interessieren behandeln. Deshalb hänge ich mich auch so in mein Projekt rein. Deshalb ist auch die momentane Phase so spannend für mich, weil ich mich zusammen mit Mitbewohnern*innen für so eine Einführung der Biotonne einsetzte.
Ich möchte etwas verändern. Und die 2°Changemaker helfen mir dabei!


Wie sieht es denn bei dir in Freiburg mit der Gewinnung von Strom aus Biomüll aus? Hast Du da Zahlen oder Fakten vorliegen?

Bei uns in Freiburg ist es so, dass die ASF (Abfallwirtschaft Freiburg) den Müll abholt. Die ASF bietet neben der normalen Hausmüllabfuhr auch die Müllabfuhr für Gewerbekunden an, wie bspw. bei Großküchen, Mensen oder Krankenhäusern. Da entsteht also ordentlich viel Müll. Natürlich nicht nur bei dem Bioabfall sondern auch noch Rest, Plastik oder Papiermüll.
Bezogen auf mein Projekt zum Biomüll ist es so, dass der abgefahrene Biomüll, egal ob von Haus oder Gewerbe, zusammengesammelt und zu einer Biogasanlage gebracht wird.
Das entstandene Biogas wird an Landwirte verkauft welche damit ihre Tierställe heißen oder Dünge und Pestizidmittel herstellen. Ein Teil der Bioabfälle geht aber auch zu einer großen Verwertungsanlage die aus dem Abfall Kompost herstellt. Diese Erde wird dann an private oder gewerbliche Nutzer verkauft.
Es schließt sich also alles zu einem fast „runden Kreis“ und ich finde es toll das sich Freiburg so dafür entschieden hat mit dem Biomüll umzugehen.

Rolls-Royce


Okay, wir fassen bis hierher mal zusammen: Die eigentliche Idee, die Einführung der Bokashi Eimer, hat wegen zu vielen Menschen auf engem Raum und nicht genügend freier Grünfläche am Wohnheim nicht geklappt. Die Alter-native, die Einführung der Biotonne, steht in den Startlöchern. Hier hast Du erste Informationen gesammelt, dich informiert über die Verwertung des Bio-mülles der Recyclingfirma in Freiburg und die entstehenden Kosten, die dabei anfallen würden.
Du hast mir vorab aber schon erzählt, dass ihr auch einen Komposthaufen in eurem Wohnheimgarten habt. Gab es da schon den wortwörtlichen „ersten Spatenstich“? Ich kann mir vorstellen, dass man den als erstes „Kennenlernen des Komposts“ gut einsetzten kann.

Ja, unser Komposthaufen wird natürlich miteinbezogen. Da dieser ja schon vorhanden, aber nicht genügend genutzt wurde, habe ich tolle Mitstreiter*innen aus meinem Wohnheim finden können, die zusammen mit mir nach mehrfachen Aufrufen den Komposthaufen wieder zum Leben erweckt haben. Mittlerweile klappt es auch gut, dass viele Mitbewohner*innen ihre Küchenabfälle auf den Kompost bringen und man kann schon ersten neuen Humus erkennen! Außerdem ist ein Kompost sehr pflegeleicht und nimmt wenig Zeit in anspruch. Das einmal Jährliche umgraben sollte gemeinsam gemacht werden, weil die entstandene Erdmasse sehr schwer ist.

Leider konnte die Biotonne bisher noch nicht erfolgreich eingeführt werden, da dies von der Wohnheim Leitung und vom des Studentenwerk abgelehnt wurde.

Durch die so große Anzahl an Studierenden im Wohnheim und ein dadurch entstehendes Rattenproblem, nach der Einführung der Biotonne, sei das Projekt nicht realisierbar. Zudem kommt das Argumet der hohen Kosten. Ich arbeite jedoch daran nach Argumenten zu suchen um dies zu wiederlegen.
Ich habe mich schon bei der ASF erkundigt, wie viel eine Biotonne für unser Wohnheim kosten würde. Da wir eine große Gemeinschaft sind und wir somit unter die gewerbliche Nutzung fallen, können wir eine Biomülltonne, mit einem Volumen von 120L bestellen, welche dann pro wöchentlicher Leerung/14 tägiger Leerung 15,20,- netto kostet.
Eine Stufe höher käme die Biomülltonne 240L mit 23,-€ netto pro wöchentli-cher/14 tägiger Leerung oder ein großer Container mit dem Volumen von 5m³. Hier ist der Betrag noch unklar.

Mein nächster Schritt ist, dass ich umliegende Häuser über mögliche Ratten wegen einer Biotonne befrage und mich mit anderen Studenten*innen zusammentue und versuchen Unterschriften zu sammeln, damit wir eine Biotonne bekommen.

Mit einem Kommilitonen werde ich den Versuch starten eine Bokashi Einheit zu bauen, wenn auch nur eine kleine für mich, aber ich möchte den Gedanken noch nicht ganz aufgeben, dass es vielleicht doch klappen könnte.

Wann möchtest Du den Abschluss deines Projektes feiern?

Leider konnte mein geplantes Wohnheimfest im Juli nicht stattfinden, da es an dem Wochenende sehr heftig geregnet und gestürmt hat. Jetzt fokussiere ich mich erst einmal auf die Recherche des Rattenproblems wenn wir eine Biotonne bekommen und baue mit meinem Kommilitonen eine Bokashi Einheit.
Ich habe keinen genauen Termin festgelegt, an dem ich mit meinem Projekt fertig sein möchte. Ich versuche natürlich, mein Ziel bis zum nächsten 2°Changemaker Seminar im September 2016 zu erreichen.
Falls dies jedoch durch unterschiedliche Stolpersteine nicht klappt, möchte ich bis September einfach durch Aufklärungsarbeit einiges geschafft haben.

Liebe Isabelle, ich bedanke mich ganz herzlich bei dir, dass Du dir die Zeit genommen hast mir und der WWF Jugend dein 2°Changemakerprojekt vorzustellen. Ich freue mich weitere Informationen über den Projektverlauf zu bekommen und bin ganz gespannt, ob und wann die Biotonne bei euch, im Studierendenwohnheim, einen festen Platz bekommt!
Weitere tolle Artikel der 2°Changemaker findest du hier.

 

 

Klimaschutz braucht Taten! Mach mit bei den 2°Changemakern!

Für dich ist Klimaschutz nicht nur ein Modewort. Dahinter verbirgt sich dein persönliches Engagement, bestimmte Dinge im Leben bewusst anders zu tun, sei es beim Thema Ernährung, in Sachen Mobilität, Energiesparen oder auch in deinem Wohnumfeld. Hast du trotzdem manchmal das Gefühl, dass noch viel mehr Veränderung um dich herum möglich ist? Möchtest du gern andere Menschen mitnehmen auf dem Weg hin zu einer klimafreundlichen Gesellschaft?

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Du hast bereits Projektideen? Oder du möchtest gemeinsam ein Projekt entwickeln?

Dann melde dich beim nächsten 2°Changemaker-Seminar vom 15.-19. September 2016 an.

Bewerbungsschluss ist der 15. August 2016.

Wir freuen uns auf Dich und Dein Projekt!

 

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Textquellen: Bokashi System: www.nachhaltige-zukunft.net und WWF Deutschland Studie 2015 "Das große Wegschmeißen" (wie oben zitiert)
Bildquellen: 1. copyright A.Morascher 2. flickr cc blackpictures  3. flickr cc seven resist 4. flickr cc Joachim S. Müller 5. flickr cc Rolls-Royce Power System 6. flickr cc Michale Mueller 7. flickr cc Maja Dumat 8. copyright A.Morascher

 

 

 

 

 

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