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probieren's aus!


Öko Örtchen – mit Komposttoiletten Wasser sparen und für ökologische Kreisläufe sensibilisieren


von Anne-Sophie
21.04.2016
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Hi Eva,
cool das wir uns heute treffen und ich mit Dir ein Interview führe über dein Projekt beim 2°Changemaker!
Ich freue mich schon sehr, mehr darüber zu erfahren, was genau Du für ein Projekt machst, wie es aufgebaut ist, welche Aufgaben es beinhaltet, welche Ziele Du schon erreichen konntest und wer Dich vielleicht auch bei deinem Projekt begleitet.
Und da bin ich sicherlich nicht die Einzige die das wissen möchte!

Da das 2°Changemaker noch ganz Neu ist und es noch wenige Erfahrungsberichte gibt, haben wir Beide die Aufgabe, die neugierigen Jugendlichen mit ersten Informationen zu füttern. Und was würde da schlechter passen, als ein erster interviewgeführter Projektartikel?
Erzähl uns doch zuerst einmal ganz allgemein etwas über dein Projekt.

Bei meinem Projekt geht es um Komposttoiletten - ich will herausfinden welche Art von Komposttoilette für den Garten geeignet ist und diese an einem Aktionstag mit anderen selbst bauen. Einen Ort für das neue Klo habe ich bereits gefunden, es kommt in einen Gemeinschaftsgarten in Koblenz, dort soll es ein Praxisbeispiel sein um Menschen und Kinder an das Thema Wasser- und natürlicher Nährstoffkreislauf heranzuführen. Das Bodenaufwerten und Düngen mit Kompost schließt den natürlichen Nährstoffkreislauf und ist eine Alternative zu den konventionellen Düngemitteln. Für die konventionelle Landwirtschaft wird der mineralische Dünger energieintensiv hergestellt und wenn dieser dann auf dem Feld verteilt ist, emittiert er viele Treibhausgase.

 

Das ist aber eine verrückte Idee!
Ich kenne Komposttoiletten bzw. biologische Toiletten nur aus der Festivalsaison oder von Großveranstaltungen. Im Privaten bin ich damit aber noch nicht in Berührung gekommen.
Warum machst Du gerade so ein Projekt? Was spornt dich an, was ist deine Motivation?

Was muss jeder von uns jeden Tag? - Essen und auf Toilette gehen. Bei der Ernährung gibt es ja schon sehr viele bekannte Möglichkeiten für den Klimaschutz und wir sprechen fast jeden Tag darüber, aber was ist eigentlich mit dem Sanitärbereich und speziell der Toilette?
Nach meinen ersten Recherchen denke ich, dass wir im Sanitärbereich viel für den Klimaschutz und den Schutz unserer Ressourcen tun können!

Um das 2°Limit einzuhalten ist es wichtig auf allen Ebenen der Gesellschaft Bewusstsein für den Klimaschutz zu schaffen!

Etwa ein Drittel unseres Trinkwassers im Haushalt wird einfach die Toilette runtergespült, zusammen mit unsere Hinterlassenschaften die wichtige Pflanzennährstoffe wie Stickstoff und Phosphate enthalten. Durch die Wasserspültoilette wird der Nährstoffkreislauf der Natur mit dem Wasserkreislauf vermischt und muss anschließend in der Kläranlage aufwendig wieder getrennt werden. Zurück bleibt der Klärschlamm, der in Deutschland meist getrocknet und als Müll verbrannt wird – die Pflanzennährstoffe, sowie organisches Material welches Grundlage für neuen Boden wäre, sind verloren.
Mit einem Kompostklo oder einer Trockentrenntoilette lassen sich die organischen Abfälle recyceln und vererden und fruchtbare kohlenstoffreiche Böden erzeugen, die in Zukunft viel gebraucht werden.

Ich hoffe mit meinem Projekt bei Leuten in meinem Umfeld und auch durch Öffentlichkeitsarbeit Interesse für dieses Thema zu wecken.

Unser Sanitärsystem ist doch eine moderne Errungenschaft? Ist so ein Kompostklo nicht eklig?

Manche denken jetzt vielleicht an ein stinkendes Plumpsklo aus dem Mittelalter, aber ein Plumpsklo ist kein Kompostklo! Ersteres ist gefährlich, denn es entsteht stickende Fäulnis und das Flüssige sickert unkompostiert in die Erde und kann Wasser verseuchen. Bei einem Kompostklo hingegen wird nach dem Toilettengang mit organischem Material wie z.B. Heu oder Sägespänen „nachgespült“. Überschüssige Flüssigkeit wir aufgesaugt ehe sich die stinkende Jauche sammeln kann - und die guten Kompost-Mikroorganismen fühlen sich in dem organischen Gemisch wohl und beginnen den Haufen zu vererden. Ob so ein Klo wirklich nicht stinkt werde ich herausfinden, aber was ich bisher darüber gelesen habe spricht dagegen.
In anderen Ländern sind diese Toiletten schon bekannter, es gibt z.B. moderne wasserlose Komposttoilettensysteme aus der Schweiz oder Schweden.


Das es so einen großen Unterschied zwischen „konventionellem“ Plumpsklo und einem „Öko“ Plumpsklo gibt, hätte ich nicht gedacht.
Du beschreibst, dass man sich gar keine großen Gedanken drüber macht, was mit unserem Abwasser nach dem Spülen passiert und wie viel Energie alleine bei der Abwasseraufbereitung eingesetzt werden muss. Sicherlich spielt auch der Einsatz von Chemie keine kleine Rolle.
Dadurch dass dein Projekt sehr speziell ist, interessiert mich wie Du zu dieser Idee gekommen bist. Kannst Du mir ein bisschen was dazu erzählen?

Mhhm… so genau kann ich das gar nicht sagen, die Ideenfindung während dem Changemaker Seminar war ein sehr komplexer Prozess. Da haben viele Faktoren mit reingespielt!
Auch schon vor dem Seminar habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie mein Projekt wohl aussehen würde oder ob ich nicht auch mit jemandem ein gemeinsames Projekt mache. Auf jeden Fall wollte ich etwas Praktisches machen und nicht nur recherchieren. Die Idee Komposttoilette war nach dem Designthinking Workshop nur eine von vielen Möglichkeiten – die Entscheidung für das etwas heikle Thema Toilettengang hat dann schon etwas Mut gekostet. Zum Glück haben mich ein paar Leute im Seminar dazu bestärkt.

 

Toll, dass Du durch die Unterstützung der anderen Changemaker zu deinem finalen Projekt gekommen bist!
Manchmal ist es aber sicherlich nicht einfach alles alleine zu organisieren und Gespräche mit möglichen Unterstützern zu führen.
Gibt es in deiner Familie und in deinem Freundeskreis Menschen die dir bei deinem Projekt unter die Arme greifen und dich begleiten?

Meine WG Mitbewohner finden das Projekt toll und wir überlegen uns auch eine ganz einfache, vielleicht mobile Komposttoilette zu bauen oder zu kaufen. Zuerst waren die meisten meiner Freunde und vor allem meine Familie eher irritiert oder skeptisch über mein Projekt, nachdem ich aber mehr darüber erzählt habe waren sie sehr aufgeschlossen und ein paar haben mir auch ihre Hilfe angeboten!

Ein bisschen Zeit ist nach dem ersten 2°Changemaker Seminar schon vergangen. Hast Du mit deinem Projekt begonnen?

Bevor ich überhaupt mit meinen Aufgaben beginnen konnte um einen Platz für die Toilette zu finden, habe ich viel im Internet recherchiert und mir dann Büchern ausgeliehen. Zwei habe ich mir auch gekauft, um mich intensiver in das Thema einzulesen.
Einer der wichtigsten Schritte war einen Ort für die Toilette zu finden, der Vorgarten meiner WG schien mir ungeeignet, also habe ich meinen ehemaligen Chef aus meinem FÖJ gefragt, ob die so eine Toilette im „BUNDten Schulgarten“, einem Gemeinschaftsgarten in Koblenz, gebrauchen könnten – und war überrascht wie positiv er dem Projekt gegenüberstand und dem Bau zustimmte!
Jetzt gerade bereite ich eine kleine Präsentation vor, um das Projektvorhaben in zwei Wochen den Leuten vor Ort vorstellen zu können und hoffentlich nette BauhelferInnen zu finden.

 

Das sind ja zum Glück alles nur positive Nachrichten.
Gibt es denn auch etwas, was dich in deinem Projekt hindert voranzukommen, vielleicht auch weil dir bei einer Projektdurchführung die Erfahrung fehlt?

Bis jetzt gibt es zum Glück noch keine Probleme, aber ich denke sobald ich in die Umsetzungsphase komme, gesellen sich die großen und kleinen Schwierigkeiten gleich dazu. Durch mein FÖJ habe ich aber schon ein bisschen Erfahrung in Projektdurchführung, und kann mich mental schon mal darauf vorbereiten, dass es Hindernisse geben kann.

 

Jetzt sind wir auch schon bei der letzten Frage unseres Interviews angekommen und ich möchte mit Dir in die Zukunft schauen.
Du hast vorhin erzählt, dass ihr euch in der WG eventuell auch dafür entscheiden könnt, eine einfache mobile Komposttoilette selber zu bauen oder zu kaufen. Also führst Du dein Projekt ja in gewisserweise nach dem 2°Changemaker fort.
Was wünscht Du dir in diesem Moment, noch ganz persönlich, für dein Projekt im Rahmen des 2°Changemakers?

Ich wünsche mir, dass das Projekt keine einmalige Sache war, sondern dass viele Leute sich überlegen eine Komposttoilette zu benutzen oder sogar zu bauen, und dass mehr Gemeinschafts- und Schrebergärten solche Toiletten bekommen. Schön wäre auch eine kurze aber informative Broschüre in der die Zusammenhänge klar werden – mir hätte so was für den ersten Überblick sehr geholfen!

Liebe Eva, ich bedanke mich für das tolle und aufschlusseiche Gespräch.
Ich wünsche Dir für deinen weiteren Projektweg viel Erfolg und ich freue mich, mal wieder etwas von Dir bei den 2°Changemakern zu hören! 

Quellen: SuSanA Secretariat; Andreas_K.; Patrik Tschudin und Arnold Morascher

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Kommentare (3)
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22.04.2016
Ronja96 hat geschrieben:
Vielen Dank für das Interview!
Über das Theman habe ich mir bisher eigentlich eher wenig Gedanken gemacht! Es hört sich aber auf jeden Fall interessant an. Ich wünsche dir bei deinem Projekt noch gutes Gelingen! =)
21.04.2016
Puma hat geschrieben:
Komposttoilette hört sich wirklich erstmal komisch an. Scheint aber ein sehr interessantes Projekt zu sein. Auch ich hab mir vorher nie Gedanken über den Toilettengang gemacht. Vielleicht guck ich auch mal vorbei, ich wohn da in der Nähe! :)
21.04.2016
Ivonne hat geschrieben:
Echt klasse und ein tolles Interview ihr beiden!!!
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