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© Dagmar Heene / WWF
Wie steckt man die Sonne unter die Erde?


von peacemeinfreund
23.03.2014
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Erneuerbare Energie sollen die Energieträger der Zukunft sein. Mit den Naturelementen in die Zukunft, dass ist die Vision der Energiewende. Doch was passiert an windstillen Wintertagen? Wenn sich mal kein Windrad dreht oder man die Sonne mal nicht intensiv genug scheint? Genau für diese Problematik sucht man in Crailsheim-Hirtenwiesen nach einer Lösung. Dort entsteht auf einem ehemaligen Kasernengelände ein Wohngebiet, dabei soll ein Teil des Wärmebedarfs durch Sonnenenergie gedeckt werden. Auch im Winter! Mit Hilfe eine der größten solarthermischen Anlagen in Deutschland von rund 7.400 qm und einem saisonalen Erdsonden-Wärmespeicher soll dies möglich werden. Den anderen Teil des Wärmebedarfes deckt das örtliche Wärmenetz.

Hier soll jeder Lichtstrahl genutzt werden./ © ITW Stuttgart


Die solarthermischen Anlagen finden man so auf Dächern des Neubaugebiets und auf dem Lärmschutzwall, welcher sich zwischen Wohn- und Gewerbegebiet befindet. Die dort gewonnene Wärme wird dann in Heißwasser-Pufferspeicher für die Winterheizperiode gespeichert, allerdings mit einem möglichst geringen Energieverlust. Um das zu erreichen nutzt man Erdsonden-Wärmespeichern. Sobald die beiden Pufferspeicher nicht mehr ausreicht Wärme vorweisen, springt der saisonale Wärmespeicher ein. Das ständiges Einspeisen von Wärme aus dem Pufferspeicher in den Langzeitwärmespeicher bewirkt eine Zeitverzögerung. Die maximalen Beladeleistung des saisonalen Wärmespeichers kann so unter der maximale Wärmeleistung der Kollektoren gehalten werden, wodurch die Speichergröße so verringert wird, dass das Gesamtsystem noch wirtschaftlicher wird. 

Nochmal alles auf einen Blick/ © Solites

 Laut Dirk Mangold, Leiter des Solites-Forschungsinstituts, welcher das Projekt beratend begleitet hat, konnten außerdem an Material- und Aufwandskosten gespart werden. Erstmals fanden in Crailsheim Sonden in unterschiedlichen Längen einen Einsatz. 

Speicherverluste werden durch eine Wärmepumpe reduziert, durch diese wird die Wärme des Erdsonden-Wärmespeicher auf tiefere Temperaturen entladen. Außerdem kann dadurch die Speicherkapazität und die nutzbare Temperaturdifferenz gesteigert werden, im Frühjahr sorgen die niedrigen Kollektorrücklauftemperaturen für eine bessere Nutzung der Kollektorfelder auf dem Lärmschutzwall.

Was man nicht so alles in die Erde bekommt/ © Solites


Der heißeste Punkt in der Mitte: Das Wohngebiet befindet sich noch in der Entstehungsphase und je nachdem wie stark das Wohngebiet wächst, so stark wächst auch das Nahwärmesystem. Somit werden zusätzliche Bohrungen um den momentanen Speicher durchgeführt, damit sich im Zentrum der heißeste Bereich befindet. Wärmeverluste werden durch diese Form und Temperaturverteilung klein gehalten. Mit dem Ausbau der Erdwärmesonde wäre normaler Weise ein Ausbau der Kollektorfläche verbunden, ein multifunktioneller Speicher soll dafür eine Lösung sein. Dabei soll der Wärmespeicher zusätzlich zur Solarthermie auch aus Kraft-Wärme-Kopplungen die Abwärme nutzen und speichern.

Allerdings ist das Wohngebiet noch nicht fertig gestellt, um jedoch ausreichend Wärme in die bereits bewohnten Gebäude fließen zu lassen, muss der jeweilige Strang des Netzes so betrieben werden, dass dieser einen Mindestdurchlauf vorweist. Zusätzlich sorgen diese geringen Abnehmer dafür, dass die Zielrücklaufstemperatur nicht erreicht werden kann und die Nutzung in den Kollektorfelder kann dadurch nicht ausreichend erfolgen.

Lärm- und Klimaschutzwall zu gleich/ © Stadtwerke Crailsheim GmbH

Wie gut diese neue Speichermöglichkeit funktioniert, kann daher erst in zwei Jahren gesagt werden. Dann ist das Bauprojekt nämlich abgeschlossen. Doch wir können gespannt bleiben!

 

Quellen:

BINE Informationsdienst www.bine.info/publikationen/projektinfos/publikation/sonnenenergie-in-der-erde-speichern/

Titelbild www.bine.info/fileadmin/content/Publikationen/Projekt-Infos/2013/Projekt_01-2013/projekt_0113_00.jpg © Stadtwerke Crailsheim GmbH

 

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Kommentare (6)
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04.04.2014
Makanie hat geschrieben:
Cooler Bericht! Und sehr wichtig, weil man ja wisse sollte, für was man da eigentlich protestiert!
02.04.2014
Ivonne hat geschrieben:
Danke Antonia für diesen toll recherchierten Bericht! Technik ist zwar nicht alles, aber doch ein sehr wichtiger Part für die große Transformation unserer Gesellschaft. Vielleicht schauen wir uns in 2 Jahren mal die Ergebnisse an? Liebe Grüße!
24.03.2014
Franzichen hat geschrieben:
Also erstmal: Ich war total platt als ich den Namen Crailsheim gelesen habe! Ich wohne hier ganz in der Nähe und selbst ich habe von diesem Vorhaben noch nichts mitbekommen! :D
Finde ich aber unglaublich klasse denn eigentlich ist meine Gegend hier (bis auf die Windräder) nicht so Nachhaltig bei der Energiewände.
24.03.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Ein sehr interessanter Bericht! Hoffentlich funktioniert diese Speichermöglichkeit und es entstehen weitere Siedlungen dieser Art.
24.03.2014
Celine2Grad hat geschrieben:
Wow, ein wirklich ausführlicher Artikel, danke!
(Auch wenn die technischen Details vielleicht ein bisschen genauer erklärt werden könnten - ich habe mich selbst schon mit Solar- und Geothermie beschäftigt, also habe ich deine Ausführungen dazu verstanden, aber es gibt ja auch noch Jüngere in der Community, denen das vielleicht nicht so geht :) )
Ansonsten: Wir können nur hoffen, dass in Zukunft überall immer mehr solcher Siedlungen entstehen werden oder ältere Häuser mit Solarpanels, Windrädern etc. "aufgerüstet" werden!
Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es ist einfach ein viel besseres Gefühl, heiß zu duschen, wenn man weiß, dass für das Erhitzen des Wassers kein Strom verbraucht wurde und das schöne Wetter sozusagen "doppelt" Sinn hat! :D
24.03.2014
Sunlight hat geschrieben:
Sehr interessant :)
Super, dass Du Dir trotz Abistress die Zeit genommen hast, hierüber zu berichten!
Liebste Grüße gen Leipzig :*
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