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© Dagmar Heene / WWF
Wasser, Software und Sojabratlinge – mein FÖJ


von nnamrrehdlopoel
19.10.2015
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Ich habe im letzten Jahr ein FÖJ in Berlin gemacht und davon werde ich euch jetzt ein bisschen berichten. Als ich 2012 beim ersten Durchlauf der Schülerakademie 2°Campus mitgemacht habe, gehörte zu unserem Betreuerteam auch Lisa, eine FÖJlerin, d.h. sie absolvierte ein Freiwilliges Ökologisches Jahr – in diesem Fall beim WWF. So habe ich das FÖJ kennengelernt, eine gute Möglichkeit, sich nach der Schule für den Umweltschutz zu engagieren. Kurz vor dem Abitur, vor gut anderthalb Jahren habe ich mich dann selbst nach einem FÖJ umgeschaut und mich in Berlin beworben.

Im September 2014 habe ich dann bei inter 3 Institut für Ressourcenmanagement begonnen. Das ist ein kleines Forschungsinstitut in Charlottenburg, das im Bereich der Infrastrukturentwicklung an sehr verschiedenen Themen forscht. Der Begriff Ressourcenmanagement wird dabei sehr weit aufgefasst: Bei vielen Projekten geht es um die Ressource Wasser, oft auch Abwasser und Klärschlamm, andere Projekte haben mit Wasser gar nichts zu tun und beschäftigen sich mit Fachkräften, ländlichen Räumen oder nachhaltigem Landmanagement. Ich werde euch jetzt ein bisschen was über einzelne Projekte erzählen und dann nochmal zum FÖJ im Allgemeinen und dem Rahmenprogramm mit der FÖJ-Gruppe. (Ihr müsst nicht alles lesen, es ist sehr viel Text, weil es nicht so einfach zu erklären ist und ihr dürft auch einfach was überspringen und weiter unten weiterlesen. ;-)

Das Projekt, bei dem ich hauptsächlich arbeite, ist im Bereich Wasser angesiedelt. Es heißt DEMAPLAN und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ziel des Projektes ist, eine Software zu entwickeln, die aus Wasserverbrauchs-Daten aus Haushalten deren Wasserverbrauch analysiert. Dies soll es Wasserbetrieben ermöglichen, bessere Prognosen für den Wasserverbrauch in einer Region zu erhalten und dann den Bau oder die Instandhaltung von Wasserinfrastruktur (also Rohre, Brunnen, Pumpstationen, Kläranlagen) den Prognosen anzupassen. Dazu werden den Haushalten spezielle Wasserzähler eingebaut sowie Datenlogger, die den Wasserstand jede Sekunde aufschreiben und regelmäßig per Internet an den Softwarenutzer (bisher nur an uns) senden. Eine große Schwierigkeit bei der Software ist, dass wir nur den gesamten Verlauf der jeweiligen Haushalte kennen, aber zunächst nicht, wo das Wasser verwendet wurde. Gerade das ist aber sehr interessant, weil man dann die einzelnen Verbrauchsbereiche (Bad, Küche, Garten…) trennen kann. Es ist aber in der Tat möglich, aus den relativ genauen Messdaten zu erkennen, wofür das Wasser verbraucht wurde: Ein Toilettenbesuch bewirkt beispielsweise immer einen gleichmäßigen Verbrauch (wenn sich der Spülkasten wieder füllt) mit einem für diese Toilette spezifischen Durchfluss und – wenn man den ganzen Kasten geleert hat – mit einem festen Verbrauchsvolumen. Dank meiner Programmier-Fähigkeiten kann ich beim Entwickeln von Demaplan richtig mithelfen und habe viel Spaß bei meiner Computer-Arbeit. Mein Arbeitsalltag sieht dann so aus, dass ich Daten aus der Datenbank abfrage und visualisiere oder kleine Programmteile schreibe, mal direkt für Demaplan, mal um etwas zu veranschaulichen. Solche Aufgaben mögen für manche nervig oder langweilig klingen, mir macht genau das viel Spaß und ich könnte mir mein FÖJ nicht besser vorstellen. Auch genieße ich es sehr, dass meine Kollegen mir Anerkennung und Vertrauen schenken und die Freiheit, eigene Ideen auszuprobieren und gegebenenfalls in die Software einfließen zu lassen.

Doch ich arbeite nicht nur an Demaplan, es gibt auch andere Projekte, bei denen ich schon mitgewirkt habe. Im Herbst habe ich viel bei „Menschen und Erfolge“ gearbeitet, das ist ein Wettbewerb, den das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) veranstaltet. Preise erhalten Vereine, Privatpersonen und Kommunen, die sich in besonderer Weise für Infrastruktur in ländlichen Regionen eingesetzt haben. Thema war 2014 Kultur, sehr häufig ging es in den Beiträgen zum Beispiel um eine Dorfgemeinschaft, die ein Gebäude vor dem Abriss, Verfall oder Verkauf gerettet hat und dann dort ein Kulturzentrum, Theater, Kino oder ähnliches darin eingerichtet hat. inter 3 hatte dabei die Rolle des Wettbewerbsbüros, das die über 600 Bewerbungen digitalisierte, inhaltlich analysierte und für die Jury aufbereitete, die Preisträger- und Teilnahmeurkunden erstellte und die Preisverleihung organisierte. Dabei habe ich beispielsweise die Teilnahmeurkunden erstellt und in Umschläge gesteckt, die Urkunden der Preisträger eingerahmt und bei der Preisverleihung im Umweltministerium bei der Technik geholfen. Auch wenn die Aufgaben manchmal etwas langatmig waren, so hat es mich doch fasziniert zu sehen, wie viele kreative und interessante Projekte es überall in den ländlichen, von Überalterung und Abwanderung geprägten Regionen in ganz Deutschland gibt.

Ein interessantes Projekt, das einen größeren Bezug zum Umweltschutz hat, ist das Netzwerk Energieeffiziente Wasserwirtschaft (NEW). Dieses Unter­nehmens-Netzwerk wird im Rahmen des Zentralen Innovations­programms Mittelstand (ZIM) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Dabei geht es darum, Kläranlagen an eine Art Smart Grid anzuschließen, sodass sie ihren Energieverbrauch je nach aktuell im Energienetz verfügbarer Strommenge anpassen. So kann man Schwankungen im Stromnetz, die bei manchen erneuerbaren Energien – insbesondere Wind- und Solarstrom – entstehen können, ausgleichen und die Netzstabilität bei einem größeren erneuerbaren Anteil erhöhen. Kläranlagen eignen sich dafür recht gut, weil sie viel Strom verbrauchen, zeitlich aber relativ flexibel sind. Besonders viel Strom verbraucht beispielsweise die Sauerstoff-Belüftung der Belebungsbecken, die Belüftung lässt sich dabei aber relativ unproblematisch mal für eine halbe Stunde verschieben, falls gerade wenig Strom produziert wird. Ist gerade viel Strom da, kann man den Verbrauch dafür dann umso höher drehen. Außerdem besitzen viele Kläranlagen ein eigenes Blockheizkraftwerk, in dem sie das bei ihnen entstehende Faulgas verbrennen und zur Stromgewinnung nutzen können. Auch so können sie ihren Netz-Strombedarf weiter senken, wenn gerade wenig Strom am Markt zur Verfügung steht. Damit das so funktioniert, die Anlage abhängig vom Stromangebot gesteuert und außerdem für ihre Leistungen bezahlt werden kann, treffen sich Vertreter der verschiedenen Akteursgruppen, also Klärwerksbetreiber, Hersteller von Abwassertechnik und Messgeräten und viele weitere und diskutieren über mögliche Chancen, Probleme und Aufgaben, die für solche flexiblen Klärwerke und die Umstellung dahin zu bewältigen sind. Dieses Netzwerk wird von inter 3 koordiniert, die Treffen finden bei uns statt und dabei habe ich in der Vorbereitung auch mithelfen können: Einerseits durch Tisch Decken, Vorbereiten des Raumes, Drucken und Ausschneiden der Tischkarten etc., andererseits auch durch das Erstellen von PowerPoint-Folien für die Rahmenpräsentation. Auch wenn ich froh bin, das mein Alltag nicht immer so aussieht, hat es mir Spaß gemacht, bei der Vorbereitung der Treffen mal überwiegend einfache und praktische Tätigkeiten auszuüben wie Tische und Stühle zu tragen, Kaffee zu kochen und Keksteller aufzudecken.

 

Mit meiner FÖJ-Seminargruppe – wir nennen uns die „Sojabratlinge“ – fahre ich nicht nur gemeinsam auf die Seminarfahrten und zu den Seminartagen, sondern wir feiern auch viele gemeinsame Partys, gehen gemeinsam zu Demos, hatten zwischenzeitlich einen monatlichen Stamm­tisch eingeführt und haben uns daher viel gesehen. Die Soja­bratlinge sind eine echt tolle Truppe, die Partys und die Seminare machen immer Spaß und die, die wie ich fürs FÖJ erst nach Berlin gezogen sind, haben in den Sojabratlingen einen tollen neuen Freundeskreis gefunden.

Ich weiß, dass mein FÖJ nicht sonderlich repräsentativ ist, bei den meisten anderen FÖJlern meiner Seminargruppe ist der Bezug zur Natur und zum Natur- und Umweltschutz viel größer, direkter und klarer zu erkennen. Die Mehrheit beschäftigt sich tatsächlich mit praktischem Umweltschutz. Sie arbeiten beispielsweise mit den Waldarbeitern im Wald, bauen Obst und Gemüse an in der Domäne Dahlem, im Prinzessinnengarten oder der Naturschutzstation Marienfelde. Manche kümmern sich um Tiere, zum Beispiel im Leibnizzentrum für Zoo- und Wildtierforschung. Viele haben, wie ich auch, eher Bürotätigkeiten, beim WWF, BUND oder bei der Grünen Liga oder arbeiten beispielsweise beim Grünflächenamt. Auch wenn viele dieser Einsatzstellen ebenfalls interessant klingen, möchte ich inter 3 doch für nichts in der Welt tauschen. In meiner Programmierarbeit blühe ich voll auf und es macht mir immer einen großen Spaß, in meine Arbeit einzutauchen.

Auch wenn ich natürlich nicht unbedingt garantieren kann, dass ihr auch so eine tolle Gruppe und eine Einsatzstelle mit einer so zu euch passenden Arbeit finden würdet, kann ich euch ein FÖJ nur empfehlen. Der Einblick, den man dadurch in die Arbeitswelt erhält, kann einem beim Einstieg ins Berufsleben später mit Sicherheit sehr hilfreich sein.

Wenn ihr noch irgendwelche Fragen zu mir und meinem FÖJ habt, scheut euch nicht, sie mir in den Kommentaren zu stellen!

 

Bildquellen:

Logo DEMAPLAN - © inter 3
Preisverleihung Menschen und Erfolge - © BMUB/Sascha Hilgers
Logo NEW - © inter 3
Kläranlage - Flickr/Guy Gorek, CC 2.0 BY-NC-ND
Sojabratlinge auf Seminarfahrt - © Cornelius Wegner
Sojabratlinge auf SCP - © Kolja Breese

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Kommentare (1)
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25.10.2015
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Echt super, dass Dein FÖJ so gut zu Dir gepasst hat! Danke für den Bericht, ich finde es immer wieder spannend zu lesen, wie viele Möglichkeiten es gibt.
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