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© Dagmar Heene / WWF
Was hat dieses Tier mit einem Wohnhaus zu tun??


von Lilith99
18.12.2015
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Vom Sinn und Unsinn der Energiesparhäuser

Sie werden immer populärer. International sprießen ununterbrochen neue Varianten von  „(net)zero energy buildings“, „carbon neutral homes“, „Equilibrium Houses“ oder
„Bâtiments à énergie positive“ aus dem Boden, wie sie international genannt
werden. In Deutschland heißen sie „Plusenergiehäuser“, „Nullemissionenhäuser“, „EffizienzhausPlus“,„AktivPlushäuser“ oder auch „SolarAktivHäuser

 

Aber: was um Himmels Willen ist das eigentlich alles!???? 

Eine wirkliche Definition gibt es für sie nicht, aber jeder kann sich darunter etwas vorstellen: Es sind Häuser, die ihre gesamte benötigte Energie, einen Teil davon, oder sogar noch mehr direkt vor Ort selbst gewinnen. 

Warum das Ganze? 

Aber: Wie kommt man überhaupt auf derartige Ideen? Warum kann ich nicht einfach weiter in meinem netten Einfamilienhaus leben und einfach jederzeit den Lichtschalter anknippsen, oder den roten Knopf an meiner Fernbedienung drücken, wenn ich darauf Lust habe, und es genießen, wie bequem der Strom aus den unterschiedlichsten Kraftwerken aus der ganzen Welt in meine Steckdosen fließt!? 

Die Antwort ist wie so oft der Klimawandel. Wollen wir es wirklich schaffen, die Erderwärmung auf maximal 2°C zu begrenzen, müssen wir handeln. Und das nicht nur, indem wir unser Auto öfter in der Garage stehen lassen oder uns ab sofort vegetarisch/vegan ernähren. Auch unsere Wohnsituation muss sich stark verändern, denn gerade dieser Sektor spielt im Klimawandel eine besonders große Rolle. 

Bislang sind Gebäude meist reine Energieverbraucher. Sie werden mit Strom aus Kraftwerken versorgt und erzeugen ihre Wärme dezentral überwiegend mithilfe fossiler Energieträger. Damit stellen Häuser insgesamt alles andere als einen geringen Anteil am Energieverbrauch dar. Beispielsweise macht in Deutschland bisher die Bereitstellung von Raumwärme, Warmwasser, Kühlung und Beleuchtung  knapp 38% des Gesamtenergieverbrauchs aus (Stand: 2010). Rund zwei Drittel dieser Gebäudeenergie fließt wiederum in Wohnhäuser. 

Die allgemeine Umstellung auf eine Energieversorgung aus überwiegend erneuerbaren Energiequellen führt zu der Frage, welche Rolle der Gebäudesektor hierbei zukünftig übernehmen kann und diese Rolle ist tatsächlich riesig. Insbesondere, da er momentan für rund ein Drittel aller CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich ist, sodass eine positive Veränderung in diesem Bereich große Folgen haben könnte, die uns einen Schritt näher in Richtung unseres Gesamtziels bringen.

 

Was können wir tun!?

 

Es gibt zahlreiche Ansätze, den Energieverbrauch in sowohl Wohnhäusern als auch Fabrikgebäuden zu senken; insgesamt ist es die Kombination aller Faktoren, die das Heilrezept ausmacht: wenig Fläche, gute Heizungen, angemessenes Nutzerverhalten, gute Dämmung, Solarzellen/Warmwasserkollektoren, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung …

 

 

 

  

 Ursprungsidee: Die Sonnenwärme nutzen 

Aber: Woher stammt denn überhaupt die erste Idee, ein Haus so zu bauen,
dass es auf keine fremde Energieversorgung angewiesen ist ? 

 

Schon Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Forscher und Architekten damit, Gebäude zu entwerfen und zu bauen, die keine externe Energie für die Wärmebereitstellung beziehen – zu Beginn im Speziellen durch den Einsatz von
großflächigen Solarkollektoren und Speichern.

 In den 1990er Jahren verwirklichten schließlich  erste Unternehmen ganze „Nullenergiefabriken“. 

Inzwischen hat sich in diesem Bereich einiges bewegt und die Ideen sind heutzutage deutlich ausgefallener als damals: „Sonnenkollektorfolien“ an Fensterscheiben, „Minihäuser“ (qualitatives Leben auf  kleinstem Raum), sich selbst drehende
Gebäude, Nullenergiekindergärten - um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

 "Diogene" 9 m² Minihaus auf dem VITRA- Gelände in Weil am Rhein

 

Die Frage, was diese manchmal wirklich seltsam außerirdisch aussehenden Gebäude nun bringen sollen, haben wir aber immer noch nicht geklärt! 

Zunächst einmal ist zu erwähnen, dass es eine riesige Bandbreite an "umweltfreundlichen“ Gebäuden gibt, die sich in ihren Standards, Leistungen und in ihrer Ausstattung stark voneinander unterscheiden.   

Zurechtfinden im Bezeichnungsdschungel: 

Hier nun ein paar Beispiele: 

Ein Passivhaus wird über den Heizwärmebedarf pro Quadratmeter Wohnfläche definiert. Zielwert sind hierbei etwa 15 kWh/(m²a), was etwa einem Viertel des Wertes eines typischen Niedrigenergiehauses entspricht.

Beim Null- und Plusenergiekonzept stellen die Häuser einen Teil der benötigten Energie selbst her und beziehen den Rest aus erneuerbaren Energien. Sie verfolgen nicht so hohe Ziele, wie z.B. das energieautarke Solarhaus, oder ein Null-Heizenergie-Haus, werden meist jedoch nach höheren Standards gebaut als Passivhäuser. 

Die 3-Liter Häuser  werden mit dem Ziel konzipiert,  höchstens 3l Heizöl/Jahr m² für die Beheizung zu benötigen.

Die Netzautarken Konzepte sind vollkommen abgekoppelt von äußerer Energiezufuhr und müssen sich somit vollkommen selbst versorgen.

Was sie jedoch alle gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie alle weniger Energie verbrauchen und folglich nicht nur allein gut für unsere Umwelt sind, sondern auch für die Besitzer selbst: Die Einsparung von Heiz- und Stromkosten durch die sich zum Teil selbstversorgenden bis hin zu vollkommen netzautarken Gebäuden ist nicht gerade schlecht für die eigene Tasche, sodass auch für Menschen, die keine "Ökofreaks" oder Umweltschützer sind, einige Anreize existieren, bei einem Hausbau auf eine gute Dämmung und ähnliche Maßnahmen zu achten. In dieser Hinsicht haben auch Architekten und Unternehmen dieses Haus für sich entdeckt: Die Kostenfrage lässt sich auf jeden Fall gut für Marketingzwecke nutzen, insbesondere angesichts der momentan steigenden Strom- und Heizkosten

Außerdem ist es natürlich nicht nur günstiger, sondern als netzautarkes Gebäude auch in einem gewissen Grad sicherer. Man ist nicht auf Strom aus den Netzen angewiesen und muss sich daher auch nicht mit schwankenden Preisen und mit der ständigen Suche nach dem günstigsten Anbieter herumärgern. Außerdem
wird das Stromverbrauchen bewusster, wenn es z.B. vom eigenen Dach kommt. 

 

Niedrigenergiehäuser auf dem Vormarsch 

Momentan werden diese Häuser immer populärer. Das Nullenergiekonzept, die Idee, die hinter allem steckt, wird nicht nur für  Marketingzwecke benutzt, auch die EU hat in den letzten Jahren ein besonderes Auge auf sie. Bereits im Jahr 2010 setzte sich die Europäische Union mit der EU-Gebäuderichtlinie „Energy Performance in Buildings Directive (EPBD)“ das Ziel, die Gebäudestandards  „Nearly Zero-Energy Buildings“ in den Mitgliedsländern für Neubauten ab 2020 verpflichtend einzuführen. Da diese Standards jedoch nicht eindeutig definiert sind, gibt es in der Politik durchaus noch Defizite in diesem Bereich.   

Auch für große Firmen werden diese Gebäude immer attraktiver: Durch bspw. Solarzellen oder auch das Nutzen der Wärme der Maschinen lässt sich schon heute ein Großteil der benötigten Energie abdecken, wodurch hohe Kosten eingespart werden können. 

Außerdem ist auch der bessere Wohnkomfort bei diesen Häusern nicht zu unterschlagen und auch in der Auswahl muss man sich bei einem Niedrigenergiehaus nicht einschränken. Die Palette an unterschiedlichen Angeboten ist breit.

 

Warum baut es sich dann nicht jeder? 

Natürlich gibt es wie bei allem auch bei unserem Niedrigenergiehaus Nachteile. Beispielsweise ist der Bau eines solchen Hauses, oder die Aufrüstung eines alten hin zu besseren Standards auch eine Kostenfrage. Zusätzliches Dämmmaterial, besondere Fensterscheiben, eine spezielle Ausrichtung des Hauses, Solarzellen auf dem Dach… Die Kosten liegen selbstverständlich höher als bei einem „normalen“ Gebäude. Aber: Bereits Niedrigenergiehäuser schaffen es mit weniger als der Hälfte der Energie auszukommen, im Vergleich zu Häusern, die gerade dem gesetzlichen Mindeststandard entsprechen. Durch die Einsparung dieser Energie lässt sich wieder ein Großteil des Geldes in relativ kurzer Zeit zurückgewinnen.

Ausgedrückt in Zahlen heißt das: Die Mehrkosten für die Maßnahmen betragen hochgerechnet etwa 14.000 €.
Bereits in 10 Jahren lassen sich durchschnittlich 33.000 € an Heizkosten einsparen. Nach 20 Jahren liegen die Gesamtersparnisse schon bei insgesamt 86.000€ und somit hat sich ein Niedrigenergiehaus bei weitem gelohnt. 

Ein weiteres Problem stellt  jedoch das insbesondere im europäischen Klima auftretende saisonale Ungleichgewicht zwischen Energienachfrage und solarem Angebot dar. Es ist ein hoher technischer und ökonomischer Aufwand für die Energiespeicherung erforderlich und derzeit fehlt es noch an überzeugender Technik, um diese Hürde zu überwinden. Also: Wir müssen noch weiter forschen und neue Ideen entwickeln. 

Zukunft? 

Die zahlreichen Vorteile unserer energieeffizienten Häuser liegen auf der Hand. Nun müssen noch möglichst viele Menschen handeln und um dies zu erreichen, müssen Anreize geschaffen werden. Auf der einen Seite dürfte es daran nicht fehlen, denn momentan tragen technologische Entwicklungen dazu bei, beispielsweise die Effizienz von Solarstromanlagen zu erhöhen, auf der anderen Seite fehlt es momentan jedoch noch an einem stärkeren Eingreifen der Politik z.B. durch die Festlegung von Richtlinien und die Schaffung weiterer Anreize für die Bürger, ihre Häuser anders zu bauen.  

Beispiele bereits gelungener Projekte finden sich heute aber trotzdem schon in nahezu allen Bereichen: Neben Wohn-, Bildungs- und Verwaltungsgebäuden gibt es Möbelhäuser, Museumsgebäude, Banken, Fabriken und sogar Sportstadien, die auf eine geringe benötigte Energie achten.

 

Was hat es jetzt mit dem Eisbären auf sich?? 

Das gelblich-weiße Fell dieses Tieres ist sein Geheimnis. Es wir von unserem Nordregionenbewohner nicht nur zur Tarnung auf der Jagd benötigt, sondern vermeidet auch, dass Wasser auf seiner Haut gefriert und wärmt seine
Haut gliechzeitig mithilfe eines Luftpolsters. Genauer betrachtet besteht das dichte Fell des Eisbären aus farblosen Hohlfasern. Die Härchen sind in der Lage, einfallendes Licht weiterzuleiten und die Sonnenenergie an die schwarze Haut (Epidermis) abzugeben. Zudem koppeln die transparenten weißlichen Haare das Licht ein und verhindern durch den Einschluss kleinster Lufträume den Abfluss von Wärme. 

Dadurch bleibt es für unseren Eisbären trotz der kalten Temperaturen sehr warm und er schafft es mit verglichen wenig Energie seine Körpertemperatur aufrecht zu
halten. 

Es gibt bereits Ansätze ein Niedrigenergiehaus nach dem Trick des Eisbären zu bauen. Es wäre doch schön, wenn uns das selbst vom Klimaschutz bedrohte Tier ein Vorbild für einen flächendeckenden Einsatz im Wohnbereich sein kann – was für ihn einen weiteren Schritt in Richtung Rettung bedeuten könnte.

 

 

Titelbild: 

©via flickr_Stefan W.

 

Restliche Bilder:

 

Eigene Bilder   

©via flickr_limosa.agrimedia 

©viaflickr_ Thomas Kohler 

©viaflickr_alicenordstern

 

 

 

 

 

 

 

 

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