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Neues aus unserer


Forschung!


© Dagmar Heene / WWF
Verzicht und Einschränkung als Bereicherung?


von Buchenblatt
24.08.2015
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Beim 2°Campus gibt es jedes Jahr eine besonders persönliche Aufgabe – die eigene Selbstverpflichtung. Sie ist aus der Idee entstanden, dass wir nicht nur an großen Projekten forschen, sondern auch unser eigenes Leben und unser Umfeld nachhaltig verändern sollten, um insgesamt nachhaltiger zu leben.

Unser Lebensstil hat einen größeren Einfluss auf das Klima als man vielleicht denkt, denn unser Konsum bestimmt ein Drittel unseres ökologischen Fußabdrucks. Dazu kommt noch das Nutzerverhalten. Jedes Produkt, was wir kaufen, wird produziert und transportiert, was wiederum Emissionen verursacht und Ökosysteme gefährden kann. Diese Emissionen schwanken je nach Art des Produkts sehr stark:
Für ein normales T-Shirt wird beispielsweise zunächst unter Verwendung von Ökosystem und gesundheitsschädigenden Pestiziden und Düngemitteln in Westafrika, Zentralasien oder Indien Baumwolle angebaut. Diese wird anschließend gefärbt. Dabei werden die giftigen Abwässer der Färbereien oft direkt in Flüsse geleitet und verseuchen sowohl das Trinkwasser für die Bevölkerung als auch das Ökosystem. Beim anschließenden Transport entstehen wiederum Emissionen und in Ländern wie Bangladesch werden anschließend zu ungerechten Löhnen aus dieser Baumwolle T-Shirts genäht. Wie ihr seht, hat also ein T-Shirt einen langen Weg hinter sich, bevor es durch einen erneuten Transport in unsere Läden gelangt.
Würde man stattdessen Second Hand oder GOTS und fairtrade-zertifizierte Mode, wie zum Beispiel von armedangels kaufen, wären die Emissionen und Umweltschädigungen deutlich geringer und die Arbeitsbedingungen besser. Durch unsere Kaufentscheidungen können wir also die eine oder andere Art der Produktion unterstützen. Deshalb beziehen sich auch viele (nicht alle) unserer Selbstverpflichtungen auf Konsum. Die Nachfrage bestimmt das Angebot: Wir haben es also in der Hand.


Natürlich gilt das nicht nur für die T-Shirt-Produktion: Pflanzliche Lebensmittel haben einen geringeren ökologischen Fußabdruck als tierische, Fahrrad fahren ist umweltfreundlicher als Auto fahren und erneuerbarer Strom verliert seine Wirkung, wenn wir ihn hemmungslos verschwenden.

Um solche alltäglichen Entscheidungen in Zukunft bewusster und nachhaltiger zu treffen, haben wir beim 2°Campus Selbstverpflichtungen für die Zeit zwischen dem 1. und dem 2. Block abgeschlossen. Jeder von uns hat sich also einen oder mehrere Punkte überlegt, die er bis Juli einhalten wollte. Ein paar von uns haben hier in der Community auch schon darüber berichtet. Pia hat auf Plastiktüten verzichtet, Rebecca  hat nur noch nachhaltige Kleidung gekauft, Lilith hat ihr eigenes Gemüse angebaut und Kadi hat euch in einem Märchen davon berichtet, wie sie selbst versucht hat, andere davon zu überzeugen, auch etwas klimafreundlicher zu leben. Sophie hatte sich sogar drei Ziele gesetzt: Sie wollte mehr Rad und dafür weniger Auto fahren, weniger beziehungsweise nur noch Fairtrade-Kleidung kaufen und nur noch Fairtrade-Schokolade essen.

Ich selbst wollte Bäume pflanzen. Zu meiner großen Überraschung habe ich direkt im April von meinen Eltern zum Geburtstag sechs kleine Obstbäume geschenkt bekommen, die wir noch am selben Tag gepflanzt haben. Die beiden Wildapfelbäume haben direkt im Anschluss kräftig geblüht und tragen jetzt sogar schon kleine Äpfel. Zusätzlich habe ich versucht, Ahornkeimlinge aufzuziehen. Einer von ihnen ist mittlerweile etwa 20 cm hoch. Außerdem habe ich meinen veganen Selbstversuch aus der Fastenzeit verlängert und bin komplett vegan geblieben, was weniger kompliziert war, als ich gedacht hatte (ich habe auch vorher schon auf Fleisch und Milch verzichtet).

Im 2. Block haben wir uns dann gegenseitig von unseren Erfahrungen bei unseren Selbstverpflichtungen erzählt. Nicht jede(r) von uns konnte alles umsetzen, was er/sie sich vorgenommen hatten. Doch gerade das zeigt, dass wir uns teilweise sehr anspruchsvolle Aufgaben gestellt hatten, sodass auch kleine Erfolge genauso viel zählten, wie eine weniger anspruchsvolle, aber dafür komplett erfolgreiche Selbstverpflichtung.

Luisa hat erzählt, dass ihr ihre Selbstverpflichtungen (vegane Tage, Ökostrom beziehen, Recyclingpapier) sehr viel Spaß gemacht haben: „In meinem Alltag habe ich viel bewusster gegessen, Papier verbraucht und Strom benutzt. Es war toll, auch die Veränderung meiner Mitmenschen zu sehen (eine Freundin z.B. bot mir bei ihr zu Hause extra veganes Essen an). In der Umweltgruppe an meiner Schule, in der ich bin, habe ich die Selbstverpflichtungen nach dem 2°Campus eingeführt, weil ich die Idee so toll fand. Ich werde meine Selbstverpflichtungen auf jeden Fall weitermachen.“

Lilith hatte sich vorgenommen, ihr eigenes Gemüse anzubauen. Und auch wenn die Ernte mehr oder weniger gering ausgefallen ist, konnte sie über ihr Gemüse nachher nichts anderes sagen als „Mmh, lecker!“. Außerdem hat sie auch ihr schulisches Umfeld etwas nachhaltiger gestaltet: „Ich habe versucht, unser Kioskangebot mit veganen/vegetarischen Brotaufstrichen und Ähnlichem zu erweitern. Soweit habe ich es bisher noch nicht geschafft, aber es wurden zum Beispiel viele neue fleischlose Produkte eingeführt, wie Müsli oder Obstbecher. Den Umstieg auf noch mehr vegane/vegetarische Produkte habe ich mir auch direkt als neue Selbstverpflichtung bis zum nächsten Block vorgenommen. Zusätzlich bin ich durch ein paar Ideen der anderen inspiriert worden und möchte nun zu Hause nach Stand-by-Geräten Ausschau halten, wenn möglich Kippschalter einführen und bewusster auf Plastiktüten verzichten."

An Liliths Beispiel könnt ihr es schon sehen: Viele von uns waren von den Ideen der Anderen und ihren Erfahrungen so inspiriert, dass wir noch eine Selbstverpflichtungs-Phase zwischen dem 2. und dem 3. Block eingeführt haben.
Wie in der ersten Phase reichen auch dieses mal unsere Selbstverpflichtungen wieder von vegetarischem/veganem/regionalem oder fairerem Essen über nachhaltigere Kleidung und Plastiktütenverzicht bis hin zu Strom sparen und öfter mit dem Rad fahren.
Lena und ich wurden außerdem durch Jürgen Klühr dazu motiviert, öfter in den Wald zu gehen und dort uns und die Natur bewusster wahrzunehmen.

Das Ziel dieser Selbstverpflichtungen ist unseren eigenen Alltag nachhaltiger zu gestalten. Doch wirken diese Selbstverpflichtungen auch langfristig? Um das herauszufinden, habe ich ein paar 2°Campus-Alumni gebeten, mir ihre Erfahrungen zu schildern:

Linus schreibt: „Meine Selbstverpflichtung war, weniger Fleisch zu essen. Dies klappt auch ganz gut, da ich meistens in der Schulmensa esse. Zu Hause gestaltet sich das etwas schwieriger, da mein Bruder Fleisch liebt, aber auch er fängt an, andere Sachen zu essen. Also denke ich, dass es eigentlich ganz gut voran geht."

Eva hingegen hat während ihrer 2°Campus-Zeit versucht, hauptsächlich Second Hand Kleidung zu kaufen. Während des 2°Campus hat das gut geklappt – sie hat sogar überhaupt keine Kleidung gekauft, weil Spontan-Käufe tabu waren.
Langfristig hat sie ihre Selbstverpflichtung etwas geändert, weil die Second Hand Läden in Koblenz sie nicht überzeugt haben: „der eine hatte z.B. fast nur Lederwaren (also Hosen, Jacken...) und die Sachen waren von vorvorgestern. Also bin ich dann doch noch in normale Kleidergeschäfte als ich wirklich etwas Neues gebraucht habe - und ich habe auch meine Geschwister und meine Mutter gefragt, ob die was ablegen wollen.“

Cosima wollte vegane Tage einführen und weniger Auto fahren: „Ich habe gemerkt, dass diese Art, mich der veganen Ernährung anzunähern, nichts für mich ist. Oft war es dann so, dass ich dachte: "Heute ist kein veganer Tag, jetzt muss ich das "ausnutzen" etwas nicht Veganes zu essen.“
Seit ich in Berlin wohne ist das alles etwas leichter geworden, weil ich selber einkaufe und koche. Und das hauptsächlich vegan. Wenn ich auch mal Lust auf etwas nicht Veganes habe, dann möchte ich mir das auch nicht verbieten und esse das auch mal.“ Zu dem Auto fahren schreibt sie: „Während meiner Campuszeit hat meine Mama mich auf jeden Fall darin unterstützt, dass wir gemeinsam mehr Fahrrad fahren. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass auf dem Land ein Auto auch viele Freiheiten mit sich bringt. Seit ich in Berlin bin, vermisse ich unser Auto kein bisschen. Hier kann ich alles super mit dem ÖPNV erreichen oder mit dem Fahrrad.“

Selbst bei Lisa, zu deren 2°Campus-Zeit es noch keine Selbstverpflichtungen gab, hat sich durch die Selbstverpflichtungen etwas verändert. Denn 2014 war sie beim 2°Campus als Juniormentorin dabei und nahm sich vor, weniger Auto zu fahren und auf konventionelle Kleidung zu verzichten. Das hat nicht nur während der 2°Campus-Zeit super geklappt, sondern auch in der Zeit danach. Während der ganzen Zeit bis heute musste sie sich nur 2 konventionelle Kleidungsstücke kaufen. Wenn man das mit dem normalen Kleidungskauf vergleicht, ist das ein riesiger Erfolg. Zudem nutzt sie fast nur noch den ÖPNV und ist im Rahmen des Klimafastens einen neuen Selbstversuch eingegangen. Ebenso wie ich hatte sie sich vorgenommen von vegetarischer zu veganer Ernährung zu wechseln. Doch bei den 6 Wochen Fastenzeit blieb es nicht. So ernährt sie sich bis heute mit kleinen Ausnahmen weiter vegan.

Wie man sieht, hat sich also bei allen vieren nachhaltig etwas in ihrem Alltag verändert. Die Selbstverpflichtungen wurden zwar teilweise etwas abgeändert oder abgeschwächt - doch das Bewusstsein für die Tragweite der Handlung ist geblieben.

Wenn euch unsere Erfahrungen jetzt neugierig gemacht haben, findet ihr Anregungen für eure eigenen Selbstversuche hier: In einer Broschüre der BUND Jugend zum Thema Klimaexperimente.
Dort könnt ihr euch einfach etwas aussuchen, was zu euch passt, eventuell Freunde motivieren mitzumachen, euren Selbstversuch über einen Tag, eine Woche, einen Monat oder sogar mehr laufen lassen und uns anschließend (wenn ihr wollt) mit einem Artikel davon berichten.
Denn wer weiß - vielleicht werden durch euren Bericht ein paar Leute mehr zu einem Selbstversuch motiviert, der unser Leben wieder ein kleines Bisschen nachhaltiger macht.

Nicht umsonst heißt es nach einem afrikanischem Sprichwort:

„Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Erde verändern.“

Ab Mitte September könnt ihr euch auch schon für den 2°Campus 2016 bewerben. Dort lernt ihr nicht nur gleichgesinnte Jugendliche kennen, die sich genauso wie ihr für die Forschung und den Klimaschutz interessieren, sondern werdet auch als Gruppe spannende Exkursionen unternehmen. Zusätzlich bekommt ihr von Wissenschaftlern den Hintergrund zum Klimawandel erklärt, arbeitet an eurer eigenen Forschungsfrage und dürft die Motivation und den Zusammenhalt in der Gruppe spüren. Ich kann nur jedem, der noch zögert, empfehlen, sich einfach zu bewerben.

 

Hier sind weitere Selbstversuche, die in der WWF Jugend schon stattgefunden haben:
Klimafasten
Plastik-Pause
Euer schönes Leben kotzt mich an- Das Energiesparexperiment
Auf unserer 2°Campus-Seite findet ihr außerdem viele Berichte über die einzelnen Selbstversuche auch in den vergangenen Jahren.

 

„Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen“, Sokrates

 

 

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt“, Mahatma Gandhi

 

 

Quellen:


http://www.weltbewusst.org/konsum-kleidung/

http://bundjugend.de/files/klimaexperimente-fuer-deinen-alltag-broschuere.pdf

http://uba.klimaktiv-co2-rechner.de/de_DE/page/footprint/

Titelbild: Luisa (eigene Bearbeitung)

Bilder: eigene Bilder

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Kommentare (6)
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Sortieren nach Aktualität:
30.09.2015
Ivonne hat geschrieben:
Liebe Johanna: auch wenn es schon eine Weil her ist: vielen Dank für diesen tollen Bericht. Ich finde es total beeindruckend, was ihr alles bewegt. Freu mich sehr auf den III.Block!! :-)
31.08.2015
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Okay! Eure Selbstverpflichtungen finde ich super, ich kann mir vorstellen, dass man dadurch noch bewusster lebt! Meine Selbstverpflichtung: Ich möchte probieren, zu Weihnachten nur selbstgemachte Dinge zu verschenken :-) Danke für den Bericht und den Link zur BUND Broschüre. Beides sehr informativ :-)
25.08.2015
Cookie hat geschrieben:
Was für ein toller Bericht! ^_^ Danke, dass du eure Erfahrungen und Ideen mit uns teilst und noch viel Spaß und Erfolg mit euren Selbstverpflichtungen, die ich wirklich super finde!
25.08.2015
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Super interessant, danke für den tollen Bericht! Das ist echt motivierend und ich finde es klasse, wie ihr euren Alltag ökologischer gestaltet! :)
25.08.2015
midori hat geschrieben:
Ach Johanna, ich mag Deine Berichte. Die sind einfach immer inspirierend und motivierend! Danke! :o)
24.08.2015
Sunlight hat geschrieben:
Danke für diesen schönen Bericht und Tatzen hoch für alles, was Ihr Euch vorgenommen habt und auch umsetzt! Wirklich beeindruckend :)
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