Auf allen Kanälen:


Neues aus unserer


Forschung!


© Dagmar Heene / WWF
Top on Rooftop: Idee des 2°Campus 2012 - von Studenten umgesetzt


von seastar
08.09.2014
6
0
61 P

Erinnert ihr euch noch an die Ergebnisse des ersten 2°Campus, des 2°Campus 2012? Damals hatte das Wohnen-Team eine total faszinierende Idee: Top on Top nannten sie es: Eine kleine Wohnung, die auf das Dach eines bereits bestehenden Gebäudes draufgebaut wird und dieses und sich selber mit Energie versorgt! "In das Haus von Morgen schon heute einziehen", hieß es damals.

Jetzt kam die gute Nachricht: Seit Kurzem ist das tatsächlich möglich, denn das kleine Aufbau-Plusenergiehaus (= Haus, das mehr Strom produziert, als es verbraucht) wurde von Berliner Studenten gebaut!

 

Fast zeitgleich mit unseren 2°Campus-Teilnehmern kam nämlich auch eine Gruppe von Studenten der TU Berlin und der Universität der Künste Berlin auf eine ganz ähnliche Idee: Sie wollten eine kleine, umweltfreundliche Stadt-Wohnung bauen, für deren Bau aber keiner der seltenen freien Plätze Berlins geopfert werden sollten. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz stießen sie auf die vielen ungenutzten und häufig nur notdürftig errichteten Dachstühle Berliner Altbauten und hatten damit ihren idealen "Baugrund" gefunden. Das Projekt "Rooftop" war geboren.

 

Sie entwarfen also ein kleines Plusenergiehaus, das sich bequem anstatt eines Dachstuhls installieren lassen würde, und ... schickten ihre Skizzen nach Frankreich! Dort wollten sie nämlich am Solar Decathlon Europe 2014 teilnehmen, einem internationalen Wettbewerb für Studenten bei dem es darum geht, das beste Passiv- oder Plusenergiehaus nicht nur zu entwerfen, sondern auch zu bauen. Nachdem sie als eins der 20 internationalen Teams ins Finale gekommen waren, stand nun also eine große Aufgabe vor ihnen: Ein Rooftop-Haus genauestens zu planen und dann auch zu bauen, was einer Bewertung nach Kriterien wie Energieeffizienz, Architektur, Komfort, Erschwinglichkeit und Innovation standhalten würde.

 

Nach vielen verschiedenen Entwürfen, Diskussionen und monatelanger harter Arbeit stellten die Studenten um Alessandro Jänicke ihr Dachpavillion schließlich diesen Frühling in der Peter-Behrens-Halle der TU Berlin fertig. Unterstützt wurden sie dabei von der Knobelsdorff-Schule, einer Berufsschule für die Bauindustrie, und von vielen Sponsoren.

 

Rooftop - Team Rooftop © flick via cc_SDEurope

 

Der Dachpavillion "Rooftop" eignet sich als Wohnung für ein bis zwei Personen und ersetzt alte, sanierungsbedürftige Dachstühle, wodurch sich für die Hausbesitzer des Altbaus der Vorteil ergibt, dass sie so die Sanierung vermeiden können. Währenddessen können sie außerdem den Rest des Altbaus gleich mitsanieren lassen.

 

Der wichtigste Bestandteil des "Rooftops" ist das sogenannte "Core-Modul": Ein Kasten, der bereits fertig aufs Dach gestellt wird. Er enthält einen Technik-Raum mit Warmwasserbehälter, Wasser- und Stromleitungen & Co., eine Einbau-Küche, verschiedene verschiebbare Schränke und das Badezimmer, dass über ein Glasdach und beidseitige Schiebetüren mit Licht versorgt wird. Die Wärme, die für das Warmwasser benötigt wird, wird zu 70% mit Sonnenkollektoren erzeugt. Um das Core-Modul herum befindet sich nur freier Platz, den sich der Bewohner selbstständig einteilen kann.

Das Haus hat außerdem eine Fußbodenheizung für kalte und eine Decken-Kühlung für warme Tage. Beide werden mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe betrieben und die Decke enthält zusätzlich noch sogenannte PCM-Module, die tagsüber Wärme speichern und sie nachts wieder abgeben

 

Die Wände des Dachpavillions bestehen aus zwei Lagen: Die innere Lage besteht aus einer mit vier Schiebetüren ausgestatteten Glasfront, durch die man die Aussicht über die Stadt genießen kann. Außen besteht die untere Hälfte der Wand aus Holz, der obere Teil sowie der Großteil des Dachs sind mit Photovoltaik-Modulen bedeckt, die sich nach dem Stand der Sonne richten. Man kann sie aber auch per Smartphone-App den persönlichen Bedürfnissen anpassen: So kann man zur Verschattung der großen Terrasse und des Innenraums im Sommer und zum "öffnen" der Fenster die Wand selbst hochfahren oder sie herunterfahren, wenn man etwas mehr Privatsphäre haben möchte. Im heruntergefahrenen Zustand isoliert die äußere Wand, die noch eine Luftschicht einschließt, außerdem nochmal extra und schützt so vor Kälte.

 

Rooftop - Team Rooftop © flick via cc_SDEurope

 

Die Photovoltaik-Module an Wänden und Dach sind es auch, die das "Rooftop" zu einem Plusenergiehaus machen. Sie produzieren nämlich im Jahr mehr als viermal so viel Energie, wie die Wohnung verbraucht und können so drei Viertel des produzierten Stroms an die Wohnungen im Altbau abgeben beziehungsweise den Rest ins öffentliche Netz einspeisen. Eine weitere Idee des Team Rooftop war außerdem, dass man mit dem Strom eine Ladestation für E-Bikes betreiben könnte.

 

Nachdem die Studenten des Rooftop-Teams also an der TU Berlin den Prototyp dieses zukunftstüchtigen Plusenergiehauses konstruiert hatten, wurde dieser gleich wieder zerlegt, um ihn kurze Zeit später in der "Cité du Soleil" am Schloss Versailles in Paris für den Solar Decathlon Europe 2014 innerhalb von 10 Tagen wieder aufzubauen. Nachdem er dort zusammen mit den anderen 19 Solar-Häusern zwei Wochen lang außgestellt und von der Jury bewertet wurde, erreichte das Team Rooftop den 4. Platz.

 

Nun wird das Solar-Haus wieder nach Deutschland transportiert um auf den Dächern des Campus Charlottenburg, des gemeinsamen Campus der TU Berlin und der Universität der Künste, als Forschungseinrichtung und Anschauungsobjekt Verwendung zu finden. Der Wunsch der Studenten ist aber natürlich, dass der "Rooftop"-Pavillion bald tatsächlich Anwendung auf den Dächern der Altbauten Berlins und anderer Metropolen findet.

 

 

Ihr wollt mehr wissen? Dann schaut euch folgendes Youtube-Video an ...

 

 

 ( URL: https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=9jCfZtgIyQI )

 

... oder besucht das "Team Rooftop" auf ihrer Webseite:

 

 http://www.teamrooftop.de/de/

 

Dort findet ihr unter Support > Schirmherren auch den Link zur Webseite des Solar Decathlon.

 

 

Ihr wollt mehr über die Ergebnisse des 2°Campus wissen? Die findet ihr hier .

 

Titelbild: Rooftop - Team Rooftop © flick via cc_SDEurope

Weiterempfehlen

Kommentare (6)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
15.09.2014
seastar hat geschrieben:
Weiß ich ehrlich gesagt nicht genau, aber ich glaube es rentiert sich schon. Schau doch einfach mal auf ihre Webseite. (Notfalls findest du dort auch noch Links zu anderen Seiten zu dem Thema ;) )
14.09.2014
Lara_Gr hat geschrieben:
Was würde denn so ein Rooftop kosten? Ist es auch preislich real, das sich jemand so etwas bald aufs Dach stellt?
09.09.2014
Ivonne hat geschrieben:
Super recherchierter Bericht. Danke dafür, Danielle!!
08.09.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Eine sehr spannende Idee. Es wäre wirklich toll, wenn so etwas bald öfter zu sehen wäre.
08.09.2014
Sunlight hat geschrieben:
Wow, das ist ja genial! (verrückt, dass unser Wohnen-Team genau die gleiche Idee hatte ;))
Hoffentlich werden die Rooftop-Pavilions (oder so ähnliche) bald wirklich "in Masse" gebaut!
08.09.2014
peacemeinfreund hat geschrieben:
Total spannend, ein großer Schritt hin zu meinem "Traumhaus" :D
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Papierwende jetzt! - oder: Warum Recyclingpapier einfach besser ist
Papierwende jetzt! - oder: ...
Wenn die Frage nach Klimaschutz oder Umweltschutz gestellt wird, fallen immer wieder ähnli... weiter lesen
Sie treten dem Klimawandel cool entgegen
Sie treten dem Klimawandel ...
Wo auch immer ihr gerade eure Zeit verbringt, in der Schule, in der Uni oder schon im Büro,... weiter lesen
Innovation und Glamour: uns...
Am Wochenende um den 29. Mai, in der Nacht von Sonntag auf Montag, wurden in München die ... weiter lesen
Weniger ist mehr: Klimafreundliche Verpackungen
Weniger ist mehr: Klimafreu...
Ob Schokolade, Orangensaft oder sogar Bio-Gurken: Beim Einkauf im Supermarkt kommt man an reichl... weiter lesen
Nachhaltigkeitscheck an der Liebfrauenschule
Nachhaltigkeitscheck an der...
Während des ersten Blogs des 2°Campuses hat Ivonne uns gefragt, wer von uns einen Nachh... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil