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© Dagmar Heene / WWF
Pokern mit dem Klima: Die Rolle der Finanzwirtschaft im Klimaschutz


von becci42
14.08.2015
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„Wer von euch besitzt Aktien?“ Mit diesen Worten begrüßte uns der WWF Deutschland Mitarbeiter Matthias Kopp. Der studierte Wirtschaftsingenieur arbeitet nun seit zehn Jahren im Bereich Finanzmärkte mit dem Schwerpunkt Klima. Im Rahmen des zweiten Block des 2° Campus durften wir mit ihm zwei Stunden über seine Arbeit und die Rolle des WWF sprechen.

Alle lauschten gespannt, als Matthias uns im Büro des WWF in Berlin erklärte, was denn jetzt eigentlich unsere Aktien mit dem 2° Limit zu tun hatte: In unserer Welt spielt der Finanzsektor und die Wirtschaft eine große Rolle, die einen enormen Einfluss auf die Entwicklung unseres Klimas hat. Deshalb ist es wichtig, dass die Investitionen der finanziell einflussreichen Unternehmen in klimafreundliche Bereiche angelegt werden.

Mit Aktien können wir Anteile an einem Unternehmen kaufen. Diese verpflichten sich dann dazu, mit dem investierten Geld eine Gewinnmaximierung vorzunehmen. Hierbei wird sich dann auch oft die Frage gestellt, ob es sich mehr rentiert, in klimafreundliche Projekte zu investieren oder in solche, die fossile Brennstoffe abbauen. Dies hat also in erster Linie nichts mit dem Klimaschutz zu tun, wirkt sich aber auf die Umwelt aus.

Damit es für Unternehmen wirtschaftlich attraktiv wird, in die klimafreundlichen Bereiche zu investieren, gibt es von der Politik verschiedene Mittel, Unternehmen zu beeinflussen. Beispielsweise werden Fabriken mit hohem CO2 Ausstoß höher besteuert. Ein aktuelles Beispiel konnten wir gerade beim Scheitern zusehen: Die so genannte „Kohlesteuer“, die unser amtierender Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nicht in der Koalition (CDU/SPD) durchbringen konnte.

Aber was genau sind die Auswirkungen einer klimaschonenden Politik? Die Unternehmen müssen im Rahmen ihrer Vorsorgepflicht für die Aktionäre abwägen, wie teuer es für sie wird, wenn sie weiterhin klimaschädliche Kapitalsektoren unterstützen. Die Frage hierbei ist allerdings, wie glaubwürdig die Politik ist, d.h. inwiefern die Ziele und Gesetzgebungen der Politik zum Klimaschutz auch in die Tat umgesetzt werden. Ist diese Politik nicht glaubwürdig, ist sie wirkungslos und die Firmen investieren weiterhin z.B. in fossile Brennstoffe – so beispielsweise die Kohlesteuer.

Ein anderes Beispiel hierfür ist der Emissionshandel, bei dem die Gebühren so gering sind, dass die finanziellen Nachteile nicht groß genug sind. Nun fragt Ihr Euch sicherlich, warum die Gebühren so gering sind. Zu viele CO2-Zertifikate haben den Markt einbrechen lassen. Experten sagen, dass bei einem CO2-Zertifikat der Preis bei 30€ oder mehr liegen müsste, um den gewünschten, klimafreundlichen Effekt haben zu können. Aktuell liegt dieser bei gerade einmal rund fünf Euro.

Ein weiteres Problem ist die Schnelllebigkeit der Börse: Oft geht es nur um wenige Jahre oder gar Quartale innerhalb eines Jahres, die die Kapitalanlangen betreffen. Der Klimawandel ist jedoch ein langfristiges Thema, das sich über große Zeiträume auswirkt. So werden heute keine zukunftsorientierten Entscheidungen getroffen, sondern weiter Investitionen in den Kohleabbau gesteckt. Die Folgen sind bekannt: Erhöhte Treibhausgasemission durch Überproduktion.

Doch welche Rolle spielt in diesem komplizierten Netz nun der WWF? Zentral geht es um eine bessere Mittelverteilung innerhalb der Wirtschaft: Der WWF versucht, die Investor*innen davon zu überzeugen, ihre finanziellen Mittel in erneuerbare und umweltfreundliche Bereiche anzulegen.

Hierfür braucht es eine glaubwürdige Politik, die strategisch klug und kontinuierlich klimaschädigende Unternehmen in die Verantwortung nimmt. Das Bestreben des WWF ist es, die Firmen davon zu überzeugen, dass es in ihrem Interesse und im Interesse ihrer Anleger ist, ein klimaverträgliches Regulierungsgerüst umzusetzen, indem Mitarbeiter wie Matthias beraten, diskutieren und neue Konzepte vorstellen.

Hierbei ist vor allem eines essentiell: Auch wenn durch klimafreundliches Handeln viele bisherige Berufsfelder wegfallen werden, werden viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Eine Anpassung und ein Strukturwandel sind nötig. Es ist durchaus üblich, dass Firmen sich an veränderte Bedingungen anpassen müssen. Am Beispiel von „Nokia“ ist dies schön zu sehen: Bis 1967 produzierte das Unternehmen vor allem Gebrauchsgegenstände wie Gummistiefel und Radmäntel. Erst 1981 stieg es in die Mobilfunkbranche ein. Heute wissen wir, dass auch Nokia Fehler gemacht hat und vollständig vom Mobilfunkmarkt verschwunden ist. Es ist also durchaus nichts Neues, dass sich Arbeitsfelder wandeln und systemische Brüche stattfinden.

Schon heute sind einige Fortschritte zu sehen: Der Konzern „E.ON“ beispielsweise will ab 2016 nach eigenen Angaben in einem Teil des Unternehmens nur noch auf erneuerbare Energien setzen und Energie aus Kohle- und Atomkraftwerken ausgliedern.

Es passiert also durchaus etwas. Doch leider viel zu wenig und viel zu viel Kapital fließt noch immer in fossile Energie.

Sowohl in der Politik, als auch für Privatpersonen gibt es noch viel Handlungsbedarf: Während PolitikerInnen in Zukunft mehr darauf achten müssen, mit glaubwürdiger Klimapolitik die Firmen für die Konsequenzen ihres Handelns verantwortlich zu machen, können wir Verbraucher beispielsweise beim Kauf von Aktien oder bei der Wahl einer Bank darauf achten, unser Geld in Unternehmen mit klimafreundlichen Investitionen anzulegen. Es liegt also noch ein langer Weg vor uns, den wir nur bewältigen können, wenn wir uns alle engagieren.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nokia
https://www.eon.de/pk/de/landingpage/energiezukunft.html
http://www.wwf.at/de/nachhaltiger-finanzsektor/

Text:
Marie und Rebecca

Fotos:
Titelbild: flickr creative commons / Alan Cleaver „the pound in meltdown“
weitere Bilder: Luisa Sandkühler

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
24.08.2015
Sunlight hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht! Ein super wichtiges Thema, das Du klasse zusammengefasst hast! Den Vortrag hätte ich auch wirklich gern gehört :)
17.08.2015
Ivonne hat geschrieben:
Danke für Euern Bericht! Ein kompliziertes Thema aber sehr essentiell, wenn es um Klimaschutz geht.
16.08.2015
Buchenblatt hat geschrieben:
Super Artikel! Ihr habt es wirklich geschafft, das komplizierte Thema so zusammenzufassen, das man trotzdem alles gut verstehen kann :)
15.08.2015
Luke24 hat geschrieben:
Total interessantes Thema. Den Vortrag hätte ich mir gerne auch angehört :-)
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