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© Dagmar Heene / WWF
Passivhäuser - Garantie auf optimales Wohnen?


von LeonieV
06.09.2015
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Zieht man in ein Passivhaus mit Wärmedämmung und kontrollierter Raumlüftung, waren der Bau oder die Renovierungen und Installationen bereits sehr aufwändig. Dank der genauen Planung müsste nun bei angenehmen Raumtemperaturen und optimierter Luftqualität fast keine Leistung mehr aufgewandt werden. Energie sparen, ohne auf das eigene Verhalten zu achten – hier scheinen technische Innovationen richtig sinnvoll.

Allerdings hat auch in Häusern mit dem Passivhausstandard der Nutzer noch Einfluss auf den tatsächlichen Energiebedarf, obwohl Heizung und Lüftung nicht durch ihn zu steuern sind. Um herauszufinden, was sonst noch verändert werden kann, muss ein aufwändiges Monitoring stattfinden, bei dem der Verbrauch an Heiz- und elektrischer Energie über einen längeren Zeitraum beobachtet wird. Da der Nutzen eines solchen Verfahrens in Wohnhäusern nicht immer dem Aufwand angemessen und verständlich ist, findet die Forschung eher in öffentlichen Gebäuden statt.


In Hannover stehen seit Anfang 2014 acht neue baugleiche Passivhäuser, um Kindergärten unterzubringen. Damit erfüllen sie neben den Passivhausstandards auch Anforderungen der alltäglichen Nutzung. Schließlich sind die Häuser Lebensraum mit unterschiedlichen Raumkonzepten. Durch das Monitoring eines Hauses liegen Werte für Gruppenräume, Schlafräume, Badezimmer und Küchen vor. Auch die Nutzungsart - und zeit der Räume stimmt in Kindergärten weithin überein.

Technische Daten der Wärmeverteilung und Energienutzung sind in einer Leittechnik zusammengefasst, sodass viele Vorgänge von Automationsanlagen gesteuert werden könne. Darüber hinaus verfügt jedes Gebäude über manuell steuerbare Heizkörper und Lüftungsanlagen, aus denen Wärme bei Nutzung rückgeführt werden kann.
Bereits während des Baus wurde von der Stadt Hannover auf eine Angleichung der technischen Möglichkeiten geachtet. Um wirklich vergleichbare Beispielsituationen zu schaffen, wurde sie schon in der Planung von Qualitätssicherungsunternehmen beraten.


Anders als bei so kontrollierten Ausgangsbedingungen anzunehmen, gab es nach einem Jahr Nutzung unterschiedliche Werte für den Energieverbrauch. Der Energieverbrauch für Wärme liegt so bei 57 kWh/m² in einem Kindergarten und bei 87 kWh/m² in einem anderen, sodass alle Kindergärten zusammen auf einen Mittelwert von fast 70 kWh/m² kommen. Interessant ist dabei, dass der nutzerabhängige Aufwand für warmes Wasser relativ ähnlich ist. So sind alle Kindergärten weniger als 5 kWh/m² vom Mittelwert entfernt. Die größten Unterschiede ergeben sich dagegen in der dynamischen und statischen Raumheizung durch Heizkörper und Lüftung, die ja eigentlich gleich geplant angelegt worden sind.


Gründe für die ungleiche Verteilung werden in den komplexen Umständen gesehen, die in der Planung nicht berücksichtigt wurden. Für die Installation der statischen Heizung wurde von einer normal akzeptierten Raumtemperatur ausgegangen, die allerdings in einigen Kindergärten nicht genug war und nachträglich manuell angepasst wurde. Andererseits hat das Monitoring auch auf falsche Annahmen bei der Datenverarbeitung hingewiesen, deren Behebung zu einer Verbesserung der Automationssysteme führt.

Weitere reale Hindernisse sind bei der Betrachtung der Bilanz elektrischer Energie aufgefallen. Hier sind die Unterschiede zwar nicht sehr hoch, jedoch absehbar nicht zu beheben. Das liegt auch an den unterschiedlichen Standorten. Schon zwischen Stadtteilen unterscheidet sich die elektrische Grundlast als Leistung, die immer genutzt wird. Die Notwendigkeit und Energieeffizienz von intern angeschafften elektrischen Geräten, Klingel-und Brandschutzanlagen kann letztlich gar nicht erfasst werden.


Das Ergebnis der Kennwerteerfassung zeigt die Unmöglichkeit einer einheitlichen Lösung für Effizienz, aber auch die Notwendigkeit weiterer Forschung. Es braucht also doch Flexibilität und etwas Anstrengung, um ressourcenschonend und umweltfreundlich zu wohnen.

 

Bilder: Titel:     "Frame House" Peter Guthrie über Flickr creative commons                            Bau Passivhaus: "Passive-Romille_25_2012-BR_054050" Michèle Turbin über Flickr creative commons                                                                                                    Kindergartenraum: "kindergarten classroom" woodleywonderworks über Flickr creative commons                                                                                                             Schaltung: "Power Line Carrier Circuits II" Jason Job  über Flickr creative commons  

 

 

           

 

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Kommentare (1)
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30.09.2015
Ivonne hat geschrieben:
Leonie,
danke für deinen tollen Bericht! Ich finde die Frage der Nutzung vs. Technik sehr spannend. Das haben wir ja auch in der Gebäudegruppe dieses Jahr intensiv diskutiert.
LG, Ivonne
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