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© Dagmar Heene / WWF
"Offline" beim Handy und "Online" beim Radfahren- Eine Selbstverpflichtung


von Anne-Sophie
18.05.2016
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Mit Veränderungen ist das ja immer so eine Sache.
Jeder sucht danach. Will etwas bei sich oder in seinem Umfeld verändern. Aber die wenigsten fangen wirklich damit an bzw. halten die Veränderung aufrecht. 
Wir alle hatten schon mal diese Situation vor dem Supermarktregal: Dort stehen zwei Sorten Mango Joghurt. Die eine Sorte ist die, die wir immer kaufen, zu einem Preis von nur 0,39 Cent. Eine Reihe weiter oben steht fast genau die gleiche Sorte Mango nur in Bio Qualität, aber 1 € teurer.
Obwohl wir wissen, dass wir mit dem Biojoghurt regionale Bauern unterstützen, faire Löhne bezahlt werden und wir gesünder essen würden, greifen wir trotzdem zu dem altbewährten, konventionellen, billigerem Produkt.

Knapp 30 Tage braucht der Mensch durchrschnittlich um sich an eine neue Situation anzupassen bzw. sich an ein neues Verhaltensmuster zu gewöhnen. Und 30 Tage können ganz schön lang sein, wenn ich da an meine Fastenerfahrungen der letzten drei Jahre zurück denke.
Wenn man aber weiß, dass man so nicht mehr Handeln möchte und sich selbst einen abgesteckten Zeitraum sucht in dem man eine Veränderung schaffen möchte und dieses eventuell auch noch in einer Gruppe zusammen macht, dann ist das loslassen von festgefahrenen Verhaltensmustern gar nicht mehr so schwer!

So kam es dazu, dass ich vor knapp zwei Monaten mit 20 jungen Menschen vom 2°Campus zusammen saß und wir uns jeder eine Selbstverpflichtung überlegt haben, die wir in der Zeit vom I. bis zum II. Block des Campus  eingehen möchten.

Was habe ich mir vorgenommen?

Durch meine Zeit des Freiwilligen ökologischen Jahres beim WWF in Berlin hat sich alleine in den vergangenen ersten 6 Monaten viel in meinem Leben verändert.
Ich bin nach Berlin gezogen, in eine WG mit unbekannten Menschen, ich habe eine neue Stadt kennengelernt, ich musste plötzliche einen Haushalt führen: einkaufen, kochen, Wäsche waschen, putzen etc., neue Freunde kennen lernen, täglich 8 Stunden im Büro arbeiten und viele andere kleine Dinge wie Behördengänge oder Arztbesuche selbst organisieren.
Da wusste ich beim 2°Campus erstmal nicht so genau was ich in meinem Leben, zu diesem Zeitpunkt aus ökologischer Sicht, verändern sollte da sich ja schon so viel verändert hat!?

Plötzlich kam mir die Idee!
Ich hatte noch ein altes kaputtes Fahrrad im Keller stehen, dass nur darauf wartet repariert und benutzt zu werden. Aber weil ich weiß, dass wenn ich es nur reparieren lasse das bei mir nicht sofort bedeutet es auch zu benutzen, habe ich mir vorgenommen mindestens 3x die Woche Fahrrad zu fahren.   
Das schien mir aber neben den ganzen anderen Selbstverpflichtungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu wenig und ich überlegte fieberhaft was ich noch dazu nehmen konnte.
In den letzten Tagen des 2°Campus hatten wir uns viel über neue Medien ausgetauscht. Darüber wie viel Konsum von Handy, Laptop, Fernsehen und World Wide Web eigentlich gesund und ertragbar war.
Viele hatten sich bewusst dafür entschieden kein Smartphone zu besitzen um sich so ein Stück weit der Medienflut zu entziehen.

Ohne mein Smartphone kann ich wahrscheinlich nicht mehr gut auskommen, das muss ich ehrlich zugeben. Gerade auch weil ich mit meiner Familie zu Hause in Kontakt bleiben möchte.
Das einfache Bilder hin und her verschicken, eine kurze Frage zu beantworten: "Wie geht es Dir?" oder "Denkst Du daran Oma zum Geburtstag zu gratulieren." ist so einfach geworden, dass es schon komisch wäre es nicht mehr zu tun.
Aber was ich tun kann, ist die Zeit am Handy zu reduzieren und etwas für den Umwelt- und Ressourcenschutz zu tun. Also ist meine zweite Selbstverpflichtung: Das Handy nachts ausschalten.

Wie klappt es nach der Hälfte der Zeit?

Genau eine Woche nach dem I. Block des 2°Campus stand mein Fahrrad verstaubt und nicht sehr verkehrstauglich in einem Fahrradladen in Berlin und wurde generalüberholt.
Und mit genauso viel Tatendrang und Lust an Veränderung wie am Anfang, fahre ich auch heute immer noch mindestens 3x die Woche Fahrrad. Also so wie ich es mir vorgenommen habe.

An manchen Tagen habe ich mal mehr, mal weniger Lust. Es kommt auch immer ein bisschen auf das Wetter an. Wenn es in strömen regnet, dann bin ich doch lieber bequem und nehme die Bahn, vielleicht auch wenn ich etwas in Zeitdruck bin oder viel zu transportieren habe. Aber sonst finde ich es toll nach dem Tag im Büro aufs Rad zu steigen und durch den Tiergarten nach Hause zu fahren.
Ganz oft mache ich auch einen Umweg und fahre eine viel weitere Strecke nach Hause, nur um mich zu bewegen und mehr von Berlin zu sehen.
Denn ich muss sagen, mit dem Fahrrad hat man noch mal eine ganz andere Sichtweise und erkundet Gegenden der Stadt die man bis jetzt noch nicht gesehen hat. Es macht richtig Spaß! :-)

Mit dem ausschalten den Handys über Nacht klappt es mittlerweile immer besser.
Am Anfang hatte ich noch ein bisschen Mühen den Knopf zu betätigen und es wirklich auszumachen. Dadurch das ich mich Morgens von meinem Handy wecken lasse musste ich mich erstmal wieder an meinen Wecker gewöhnen und ihm vor allem vertrauen das er mich sicher weckt.
Das hat sich aber direkt nach der ersten Nacht gelegt, denn dieser Wecker weckt mit einem wirklich unschönen schrebbelnden klingeln ;D
Tatsächlich ist mir das ausgeschaltete Handy schon so ins Blut gegangen, das ich an manchem Morgen gar nicht dran denke das Handy wieder anzuschalten und es gut sein kann das ich es bis mittags aus habe und nicht benutze.
Auch auf meiner letzten Seminarfahrt wo wir viel wandern, klettern und Kanufahren waren, hatte ich mein Handy 4 Tage komplett ausgeschaltet. 

"Offline" beim Handy und "Online" beim Radfahren zu sein, sind für mich zwei tolle Erfahrungen die ich im Rahmen des 2°Campus miterleben darf.
Denn Ergänzen lassen sich diese beiden Selbstverpflichtungen gut miteinander!
Durch das verminderte benutzen des Handys habe ich mehr Zeit um in der Natur zu sein und Orte zu entdecken, die ich vorher noch nicht gesehen habe.


Ausblick auf die zweite Halbzeit:

Weil bis jetzt alles so gut klappt und mir meine Selbstverpflichtungen sehr viel spaß machen, werde ich die Zügel jetzt etwas strammer ziehen und eine drei tägige Fahrradtour machen.
Quer durch Berlin und Brandenburg, mit Zelten am See und Kochen auf einem Gaskocher, dazu ein ausgeschaltetes Handy und pures Naturerleben!
....Vielleicht mache ich das Handy letztendlich doch einmal an um ein Foto als Erinnerung zu machen und Omas Geburtstag nicht zu vergessen, aber danach auch wieder aus. Versprochen! 

 

 

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Kommentare (4)
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01.06.2016
Ivonne hat geschrieben:
Das ist wirklich ein toller Artikel geworden. Schöne Kombination deiner Selbstverpflichtungen! Und auch: super Bilderauswahl!! :-)
19.05.2016
Hannah2000 hat geschrieben:
Coole Idee eine Radtour zu machen!
Das ist sehr cool. Ich mache mit drei Freundinnen in den Sommerferien(schon das dritte mal) und jetzt Frohnleichnam ebenfalls eine Radtour mit Zelten, allerdings mit Handy:)
19.05.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Das klingt ja nach einem großen Erfolg! Und die Hauptsache ist, dass es dir ja anscheinend nebenbei auch noch Spaß macht. Ich genieße auch diese neue Freiheit - jetzt wo ich im Frühling wieder mit dem Fahrrad überall hingelangen kann.
Meine Selbstverpflichtung läuft auch gut: Dadurch, dass ich weniger und wenn nur fair und aus Biobaumwolle hergestellte Kleidung kaufen wollte, habe ich gelernt ältere T-Shirts wiederzuentdecken oder ältere und damit mittlerweile etwas zu kurze Hosen durch Abschneiden und Umkrempeln in tolle Dreiviertelhosen zu verwandeln. Schön ist es auch die Apfelbäume, die ich letztes Jahr im Rahmen meiner Selbstverpflichtung gepflanzt hatte, jetzt in voller Blüte zu sehen, die von Wildbienen und Hummeln aufgesucht werden.
Ich wünsche dir ganz viel Spaß bei deiner Radtour :)
18.05.2016
Stracca hat geschrieben:
Die Selbstverpflichtungen gefallen mir sehr! Ich selber fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule - und was das Handy angeht... Mit meinem kann ich sowieso nur telefonieren und SMS schreiben - und das mache ich eher selten. Ach ja, Fotos machen geht auch - aber dafür nehme ich lieber meine Kamera (hat eine viel bessere Qualität und macht auch irgendwie mehr Spaß).
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