Auf allen Kanälen:


Neues aus unserer


Forschung!


© Dagmar Heene / WWF
Mit offenen Augen: so fängt Forschung an.


von Ivonne
29.07.2014
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Heute ist der II. Block des 2°Campus gestartet! In den drei Universitätsstädten Münster, Wuppertal und Eberswalde wird gerade an aktuellen und wichtigen Fragestellungen unserer Zeit geforscht. Für Euch zur Erinnerung: Wir forschen an der Optimierung von Rotoren für Windkraftanlagen, um sie leiser und effizienter zu gestalten. Wir kalkulieren CO2 Bilanzen von verschiedenen Milchsorten, setzen uns mit Lichtverhältnissen in Klassenräumen auseinander und entwickeln ökologische, sichere Akkumulatoren von Elektorautos.

Prof. Dr. Cornelia Denz, Direktorin des Instituts für Angewandte Physik und Leiterin der Schülerlabore MExlab Physik und MExlab ExperiMINTe in Münster ist eine der wissenschaftlichen Mentor*innen des 2°Campus und verrät uns, was sie besonders am Forschen fasziniert, warum Licht das schönste aller Quantenteilchen ist und welche Forscherin sie gern einmal im Paris des 18. Jahrhunderts kennengelernt hätte.

 

Frau Prof. Dr. Denz, wie wird man eigentlich Forscher*in?

Zum Forschen braucht man zuallererst Neugier sowie Spaß am Rätseln und Entdecken. Dann macht auch ein Studium Spaß, bei dem man lernt, wie man in der wissenschaftlichen Gemeinschaft oder Community gemeinsam Forschungsprojekte angeht. So wird man Schritt zu Schritt zur Forscherin oder zum Forscher. Forschen kann man aber nicht nur als Professor oder Professorin – jede und jeder kann zu Hause, in der Natur oder mit offenen Augen überall Fragen stellen. So fängt Forschung an.

Was gefällt Ihnen besonders am Forschen?

Forschen ist dann am schönsten, wenn ein vorher schwieriges, vielleicht erst gar nicht einmal lösbares Problem sich langsam entwirrt und wir nach und nach erkennen, was dahinter steckt. Wir finden täglich viele Fragen in unserer Forschung rund um Laserlicht und neue Materialien: wie kann ein Laserstrahl Material verändern? Wie kann ich mit Licht Nanopartikel festhalten oder wie kann es Tropfen lenken? Warum erzeugt Licht neue Farben, wenn es durch bestimmte Materialien geht? Wie kann ich mit Licht Energie gewinnen? Wir forschen, weil wir neue, unbekannte Dinge im Labor entdecken, und wissen wollen, was dahinter steckt. Die Welt hinter den Dingen zu entdecken, macht mir auch nach vielen Jahren noch jeden Tag Spaß.

 

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für Ihr aktuelles Forschungsthema entwickelt? Gab es dazu einen ausschlaggebenden Moment oder ein besonderes Ereignis?

Schon als Kind habe ich gerne gebastelt und bin neugierig den Dingen durch auseinanderschrauben auf den Grund gegangen. Einiges ist dabei auf der Strecke geblieben, aber dies hat mir immer Spaß gemacht und ich habe viel dabei gelernt. Später wollte ich wissen, warum die Welt so ist, wie sie ist, und habe mich für philosophische Fragen interessiert.

Dabei kommt man unweigerlich auf Fragen der Entstehung des Universums, der die Welt zusammenhaltenden Teilchen und das Geheimnis des Lebens. Licht spielt dabei immer eine Rolle, Licht ist Natur, ermöglicht Leben und ist Motor in der Technik. Licht ist ja sowohl Welle als Teilchen, also eigentlich das schönste aller Quantenteilchen. Ich war schon früh fasziniert von der Schönheit von Licht, aber auch seiner Vielseitigkeit.

So bin ich im Studium nach und nach zum Thema Licht gekommen, das mich nun schon seit mehr als zwanzig Jahren jeden Tag aufs neue begeistert: wir untersuchen grundlegende Fragen, wie Licht im Material neue Farben erzeugt, aber auch ganz konkrete Anwendungen, wie neue optische Datenspeicher, die die Informationsdatenflut besser speichern können als jeder heutige Rechner, oder neue Mikroskope und biomedizinische Laserwerkzeuge, die mithelfen können, Leben zu retten. Und unsere Begeisterung für das Licht geben wir in unserem Schülerlabor MExlab weiter: in unserem Projekt Light up your Life haben wir mit vielen Schulen und Firmen einen neuen Ort im Land der Ideen an der WWU Münster gegründet.

Wenn Sie ganz allein entscheiden könnten, woran Sie die nächsten Jahren forschen könnten, was wären Ihre wichtigsten Fragen, die Sie gern herausfinden wollten?

Licht ist schon immer auf der Erde, um Leben zu erzeugen und zu erhalten. Ich würde die heilende Wirkung von Licht erforschen wollen, in allen Aspekten, und das Werkzeug Licht in ganz neuen Dimensionen nutzen wollen: Licht kann Computer bauen, Licht kann neue Materialien erzeugen, Licht kann Energie erzeugen. Ich würde gerne das Kraftwerk Sonne so nutzen, dass es uns für die Zukunft eine saubere, nachhaltige Energieform im Einklang mit der Natur ermöglicht, ich würde Licht als medizinisches Instrument und Heilmittel entwickeln wollen und ich würde gerne einen optischen Computer Realität werden lassen, der die Datenprobleme von heute lösen kann.

 

Welchen Tipp würden Sie Jugendlichen geben, die auch einmal gern in Ihrem Bereich forschen wollen?

Jeder und jede kann Forscher oder Forscherin werden! Dazu könnt ihr Euch mit eigenen Projekten an Initiativen wie Jugend forscht beteiligen. Ideen und Tipps dazu gibt‘s in den Forschungseinrichtungen und an den Universitäten. Daher: seid neugierig, sprecht einfach die Wissenschaftler/-innen an und kommt bei den vielen Aktionen, Tagen der offenen Tür oder in unseren Experimentierlaboren einfach vorbei. Wir freuen uns über alle, die mit uns die Begeisterung zum Forschen am Licht teilen.

Wenn Euch dies dann wie uns fasziniert, dann könnt ihr dies in Eure Berufswünsche einfließen lassen: als physikalisch-technischer Assistentin oder Assistent, als Lichttechnikerin oder Lichttechniker oder auch mit einem Studium an FH oder Universität kommt Ihr dann einem solchen Beruf immer näher. Wir beraten Euch dazu auch gerne, schnuppert einfach einmal in den Ferien in einem Praktikum in unserer Forschung hinein – oder kommt beim 2° Campus in unser Team.

 

Welchen großen Wissenschaftler/ politische oder sonstige berühmte Persönlichkeit würden Sie gerne einmal persönlich kennenlernen bzw. hätten Sie gerne einmal kennengelernt (wenn er nicht mehr lebt)? Und warum?

Es gibt viele beeindruckende Wissenschafts-Persönlichkeiten, die ich alle gerne einmal kennen gelernt hätte. Gerne wäre ich bei den ersten Solvay-Konferenzen mit Einstein, Marie Curie und Heisenberg gewesen und hätte begeistert über das neue Weltbild der Quantenphysik diskutiert.

Hätte ich noch früher gelebt, hätte ich gerne Emilie du Chatelet kennen gelernt. Sie hat im 18. Jahrhundert in Paris gelebt, und hat mit Voltaire ein eigenes Labor aufgebaut, in dem sie erste Experimente zur Natur des Feuers und des Lichts gemacht hat. Sie war mutig, und hat sich als Mann verkleidet, um Wissenschaft in Paris in den Kaffeehäusern und in den Forschungseinrichtungen zu studieren, sie war innovativ, denn erst durch ihre Bücher wurde Newton in Kontinentaleuropa bekannt, und sie war eine moderne Frau der Aufklärung, die ihr Leben lebte, wie sie es gut fand. Ich hätte gerne mit ihr auf ihrem Landgut experimentiert und über die Frauen des 18. Jahrhunderts diskutiert.

 

Was wünschen Sie sich für den 2°Campus?

Der 2° Campus soll in erster Linie mit viel Spaß neue Ideen für eine gute Welt von morgen mit ausreichend nachhaltiger, umweltschonender Energie erzeugen. Das kann nur in einer spannenden, kreativen Umgebung folgen. Daher wünsche ich mir für den 2° Campus helle Köpfe und tolle Teams, die mit viel Brain und Power mit uns gemeinsam neue Forschungsideen entwickeln und gemeinsam in kleinen Experimenten ausprobieren.

 

Wenn Sie alle Möglichkeiten der Welt hätten, was wäre das erste was Sie tun würden?

Ich würde die Ressourcen und Chancen in der Welt so verteilen, dass alle nach ihrem Glauben, Vorstellungen und Lebensart gut und mit Liebe zu unserer einzigen Erde nachhaltig leben könnten. Das wäre für mich eine gute Vorstellung von Globalisierung.

Dazu ist sehr viel zu tun. Da mit einer guten Bildung vielen Menschen viel klarer wird, was dazu nötig ist, würde ich zunächst für Bildung überall auf der Welt sorgen. Kein Mädchen oder Junge sollte ohne Zugang zu guter Schulbildung sein.

 

Was bräuchte es, damit Ihr Forschungsbeitrag zum Schutz des Klimas Gehör findet und auch alltagstauglich wird und in der Realität umgesetzt wird?

Licht ist immer schon da und könnte leicht als Energielieferant genutzt werden. Dazu braucht es aber weitere Forschung und Industrie, die bereit ist, nicht auf kurzfristige Gewinne zu setzen, sondern langfristige, innovative neue Entwicklungen mit zu tragen. Für die weitere Forschung brauchen wir helle Köpfe wie im 2° Campus, und für die weitere industrielle Entwicklung mutige Menschen, die ihren Einfluss und ihre Ressourcen nutzen, um die Kraft des Lichtes für nachhaltige Energieversorgung nutzen zu wollen.

 

Mit welcher Einstellung begegnen Sie „Klimakritikern“?

Klima ist nichts anderes als die Summer aller Wetterzustände, und damit immer vorhanden, da gibt es nichts zu kritisieren. Jemand, der den Klimawandel nicht wahrhaben will, oder der alle Klimaänderungen ohne Bezug zu unserer technisierten Welt sieht, mag ein unverbesserlicher „Klimaskeptiker“ sein. Doch eine solche Haltung erklärt weder die Entwicklungen auf unserer Erde noch ändert sie etwas – noch nicht einmal im Sinne des Skeptikers.

Weit mehr beunruhigt mich die große Gruppe der Gleichgültigen, die durchaus sehen, wie der Klimawandel unsere Zukunft beeinträchtigen wird, aber dennoch keinen Grund für Verhaltensänderungen sehen. Ihnen würde ich gerne begegnen mit der Darstellung der persönlichen Gewinne in der eigenen Lebenszufriedenheit, wenn man sich Verhaltensweisen aneignet, die nachhaltig und sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen. Ich würde versuchen, Ihnen klar zu machen, wie „in“ eine „grüne Revolution“ sein kann.

 

Was ist Ihre Vision der Zukunft?

Die Zukunft kann wunderbar sein, wenn wir alle sorgsam mit den Ressourcen umgehen. Meine Vision ist, mit vielen kleinen Ansätzen nicht nur das Bewusstsein für Möglichkeiten der für jede einzelne machbaren Veränderungen des Klimawandels zu schärfen, sondern diesen auch tatsächlich zu stoppen. Und dazu gibt es ganz tolle Ansätze: in vielen Projekten wird das städtische Leben grüner, lokal werden nachhaltige Energieformen entdeckt und der fürsorgliche Umgang mit Nahrung und Besitz nimmt zu. Wir müssen nur mitmachen. In meiner Vision der Zukunft gibt es viele einzelne Engagierte, die gemeinsam Großes schaffen.

Vielen Dank, Frau Prof. Dr. Denz für das Interview!

An der Universität Wuppertal forschen wir dieses Jahr auch zum Thema Licht und Nachhaltigkeit in Gebäuden. Was wir hierzu in diesen Tagen herausfinden, darüber wird Euch Maxim aus der WWF Jugend Redaktion "live" berichten. Auch aus Münster und Eberswalde werdet Ihr von uns hören! Ihr dürft gespannt sein. :-)

 

Bilder: Auge_Titel_flickr_cc_Look Into My Eyes; Portrait Cornelia Denz c Cornelia Denz; graue punkte auf schwarz_flickr_cc_jinterwas; Stadtlichter_flickr_cc_eriwst; difuses Licht_flickr_cc_Dyrk.Wyst; Zengrün_flickr_cc_hom26; Madame Emilie du Chatelet; Grün_flickr_cc_mripp

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Kommentare (2)
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30.07.2014
castronioni hat geschrieben:
@TAki Bin ganz deiner Meinung!
30.07.2014
Taki hat geschrieben:
Religion behindert die Forschung. Danke für den schönen Bericht.
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