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© Dagmar Heene / WWF
Klimadaten in der Arktis - Nicht nur Schnee und Eis


von Cosima
07.04.2015
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Auf auf zum Einsteinberg in Potsdam, wo sich verschiedene wissenschaftliche
Institute tummeln. Der 2°Campus besucht das Alfred-Wegner-Institut für Polar und Meeresforschung, kurz AWI.

Nachdem wir uns in den doch etwas engen Raum eingerichtet haben, fängt Dr. Sina
Muster auch schon an. Bevor sie etwas erzählt, stellt sie erstmal ein paar
Fragen:
Was fällt euch zur Arktis ein? Kennt ihr den Unterschied zwischen Wetter und
Klima? Welche Parameter braucht man um Klimadaten zu erheben?

Dr. Muster ist beeindruckt, denn den 2°Campus Teilnehmer/innen fällt weit mehr
ein als nur Schnee und Eis. Schlagwörter, wie Permafrost, Niederschlag,
Luftdruck, Temperatur fallen und Birgit kann bestätigen, dass alle
Teilnehmer/innen ziemlich gut über den Unterschied von Wetter und Klima
Bescheid wissen. Wenn du es nochmal nachlesen willst: Hier findest du den
Artikel der neuen Reihe „Klimawende“ dazu.

 


Langzeitdaten in der Arktis zu erheben ist gar nicht so leicht.
Es gibt nur wenige Dauermessstationen und die Expeditionen sind aufwendig und
teuer. Doch sie lohnen sich, denn die Arktis ist ein unglaublich wichtiger Teil unseres
Klimasystems. Um es mit den Worten von Dr. Muster zu sagen:
„Sie ist der Kühlschrank der Erde.“

Doch genau dieser Kühlschrank fängt an sich zu verändern. Die Erwärmung der
Erde durch den anthropogenen, also vom menschengemachten Klimawandel, zeigt
große regionale Unterschiede. Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell als der Rest der Erde.
Die weißen Eis- und Schneeflächen reflektieren 80% der Sonneneinstrahlung,
weswegen sie einen kühlenden Effekt haben. Dadurch, dass immer mehr Eis und
Schnee im Sommer schmilz und im Winter nicht wieder gefriert, werden die
Flächen, die Sonneneinstrahlung reflektieren kleiner. Verstärkt wird der
Effekt, dadurch, dass die dunklen Meerflächen natürlich größer werden und die
Energie der Sonne absorbieren, also aufnehmen. Das ist besonders in der
Arktisregion verheerend. Die Atmosphäre über der Arktis ist nämlich dünner und trockener
als wo anders. Deswegen geht der Großteil der Energie der Sonneneinstrahlung
direkt auf den Boden und wird nicht zur Bildung von Wolken genutzt.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil und eine Besonderheit dieser Region ist der
Permafrost. Permafrost ist Boden, der mindestens zwei Jahre lang eine Temperatur unter 0°C  hatte. Über den Permafrost ist oft eine aktive Schicht, die auch mal tauen kann. Insgesamt kann der Permafrost mehrere hundert
Meter in die Tiefe gehen. Ca. 25% der Nordhalbkugel sind von solchen Böden
bedeckt.
Was ist aber jetzt das Problem?
Durch die Erwärmung tauen die
Permafrostböden auf. Permafrostböden wirken wie eine Kühltruhe. In ihnen ist oft organisches Material eingefroren. Sobald der Boden auftaut, fängt das organische Material an sich zu zersetzten. Dabei werden Gase, wie CO2 und Methan frei, die den Treibhauseffekt wiederum verstärken.
Das Gefährliche hierbei ist, dass es Kipppunkte gibt, an  denen der Boden Probleme hat auch im Winter wieder zu zufrieren. Die aktive Schicht wird immer dicker und der Effekt
verstärkt sich von selbst, wie bei der Rückstrahlung der Sonnenenergie.

 

Für Klimadatenerhebung braucht man gute Messgeräte


Dr. Sina  Muster war selbst schon auf drei Expeditionen und erzählt davon, dass sie sogar schon mal einem Eisbären begegnet ist. Allerdings muss man durchaus aufpassen, denn Eisbären sind sehr neugierig. Schon einige Messstationen wurden durch einen Eisbären in Kleinholz zerlegt. Doch wenn sie Hunger haben, kann es durchaus mal zu gefährlicheren Konflikten führen. Mit Schreckschusswaffen konnten sie bisher aber jeglichen größeren Schaden für Mensch oder Tier abwenden.

Die Expeditionen müssen exakt durchgeplant sein. Die Stationen liegen
größtenteils im „nichts“, wie Dr. Muster es nennt. Doch es gibt sehr viel, was man dort entdecken und erforschen kann. Was viele nicht wissen und sich kaum vorstellen können, im Sommer hat es in der Arktis 10-15 °C. So besteht die Hauptaufgabe während der Expeditionen darin Pflanzen und Boden zu kartieren, Methan und CO2 Messungen zu machen und die Messstationen zu warten und Neue aufzubauen. Eine Expedition kann von vier Wochen bis zu einem
Jahr dauern.

Am Ende des Vortrags betont Dr. Sina Muster, dass die Arktis als Frühwarnsystem
der Erde dient. Das Eis schmilzt schneller als es die Modelle vorhergesagt
haben. Selbst wenn wir unter 2°C Erwärmung bleiben, wird sich die Arktis, so
glaub sie, nicht wieder vollständig regenerieren können. Doch mit ambitioniertem Klimaschutz können wir weitere Veränderungen verhindern.

 

Nun dürfen wir noch die Wärmebildkamera ausprobieren, die in der Arktis
eingesetzt wird und dann geht es auch schon zur nächsten Station im 2°Campus.
Ans PIK - Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

 Fotos  © A. Morascher/WWF

 

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
10.04.2015
Ivonne hat geschrieben:
Danke für die gute Zusammenfassung des Vortrages! :-)
10.04.2015
Sunlight hat geschrieben:
Danke, dass Du ihren Vortag hier so schön aufbereitet mit uns teilst :)
07.04.2015
Luke24 hat geschrieben:
Vor wenigen Tagen habe ich in den Nachrichten auch neue Daten aus der Arktis gehört, die ziemlich beunruhigend waren. Genau wie oben geschrieben wurde auch dort gesagt, dass sich der Klimawandel in der Arktis mit am stärksten zeigt. Besonders schlimm wohl auch für die Eisbären :-( .

Der Vortrag klingt jedenfalls sehr spannend :-)
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