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© Dagmar Heene / WWF
Kleider zum Essen - Essen zum Kleiden?


von Jonas_Kittel
13.05.2014
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Auch heute schreibe ich wieder über ein Lebensmittel, jedoch nicht zum Essen sondern zum Anziehen. Geht nicht? Gibt's nicht?

Doch das geht. Nämlich aus Milch. "Aus Milch? " wird nun der ein oder andere fragen. "Ist das nicht total verschwenderisch?" habe ich mir zuerst auch gedacht. Doch wenn man sich näher mit der Thematik befasst, wird einem klar, dass dies eine richtige Zukunftsinnovation ist.

Der erste Versuch, aus Milch Kleidung her zu stellen entstand bereits in den 30er Jahren. Damals war jedoch das Verfahren sehr energieaufwändig, man benötigte viel Wasser und auch Formaldehyd war nötig, um die Milchfaser her zu stellen. Außerdem dauerte der ganze Prozess um die 60 Stunden.

Anke Domaske, die Gründerin von QMILK antwortete mir auf die Frage, wie sie auf die Idee mit QMILK gekommen war damit, dass ihr Stiefvater an Krebs erkrankte und eine Textilallergie entwickelte. Sie suchte nach einer "chemisch unbehandelten Kleidung", konnte jedoch keine finden. Sie entwickelte das alte Verfahren weiter, um ein Produkt zu entwickeln, was anderen "Menschen helfen kann, aber auch umweltfreundlich produziert wird." 

Anke Domaske

Das Verfahren, das QMILK anwendet verbraucht nun, nach intensiver Forschung nur noch zwei Liter Wasser pro Kilogramm hergestellter Milchfaser. Selbst wenn man das virtuelle Wasser, welches bei der Milchproduktion verbraucht wird, mit einrechnet, verbraucht dieses Verfahren immer noch weniger Wasser als bei der Produktion von Baumwolle. Außerdem dauert der ganze Herstellungsprozess nur noch kurze 5 Minuten!

Obwohl dem Gründungsteam kein Labor zur Verfügung stand und es sich mit 200,- Euro aus dem Supermarkt eines zusammen stellte hat es trotzdem geschafft, das alte, eigestaubte Verfahren zur Marktreife zu bringen. Noch 2014 soll die Produktion der ersten Fasern starten.

Der ein oder andere bleibt jetzt wahrscheinlich trotzdem stutzig, denn Milch ist ja ein Lebensmittel, für das bekanntlich Kühe häufig leiden müssen. Doch auch hier weiß das Unternehmen Rat. Es benutzt nämlich keine Milch für den Verbraucher sondern jene, die sowieso weg geworfen würde, da sie schlecht, verunreinigt oder anderweitig belastet ist. Das sind in Deutschland 1,9 Mio. Tonnen im Jahr! Das Unternehmen möchte dies auch nicht hinnehmen und möchte den Milchmarkt revolutionieren, denn "weltweit entstehen immer mehr Milchseen - voll mit ungenutzter Milch"


Noch einmal kurz die Vorteile:
- Umweltfreundlich, da sehr wenig Wasser verbraucht wird und die Kleidung komplett biologisch abbaubar ist
- Nachhaltig, da aus "Abfallprodukten" hergestellt
- ein sehr angenehmes Hautgefühl und eine hohe Hautfreundlichkeit
- breiter Einsatzbereich durch Modifikation der Milchfaser
- Preislich vergleichbar mit Wolle
- Die Faser besitzt sowohl einen natürlichen UV-Schutz und wirkt zudem noch antibakteriellAusgangs - und Endprodukt

Ausgangs - und Endprodukt

Anke Domaske sieht die Zukunft ihres Unternehmens breit gefächert. Vor allem als Kleidung, in der Automobilbranche, der Medizin und in Heimtextilien sieht sie ihr Produkt. Durch Modifikation des Bipolimers, welches aus dem in der Milch enthaltenen Kasein, einem Protein, gewonnen wird, kann man die Milchfaser auf fast jede erdenkliche Aufgabe einstellen.

Jedoch gibt es auch viele andere Einsatzbereiche, wie beispielsweise die Kosmetikbranche oder die Kunststoffindustrie.

Toll finde ich auch, dass das Unternehmen QMILK sich auch selbst das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben hat. Es versucht, alle Firmenabläufe so nachhaltig und energieschonend wie möglich zu gestalten. Somit stellen sie nicht nur nachhaltige Produkte her sondern agieren auch als Unternehmen zukunftsbewusst.
A pro pos Zukunft - Ich persönlich würde mir wünschen, bald Milchfasern in meinen Klamotten zu finden.

Ach ja.. Essen kann man die Kleider natürlich nicht! Ich glaube auch nicht, dass dass das schmecken würde ;)

Bildquellen: Eigene + Qmilk

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Kommentare (15)
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Sortieren nach Aktualität:
28.05.2014
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Ich halte von der Idee auch nichts, aus ähnlichen Gründen wie midori.
Dass Milch ja ein Abfallprodukt ist, ist für mich kein Argument. Wir müssen schleunigst von unserem drastischen Milchkonsum herunterkommen. Die meiste Milch, die der Verbraucher zu sich nimmt stammt zum hohen Teil von kranken Kühen, die Mastitis haben oder mangelernährt sind. Wir sollten all unsere Energie darauf verwenden, dass wir von den Hochleistungskühen wegkommen, die Überschüsse beseitigen und unseren Konsum runterfahren. Mag sein, dass man in der "Zwischenzeit" Kleidung daraus machen kann. In meinen Augen erschwert das aber eine positive Entwicklung. Wenn der Markt erstmal da sein sollte, werden auch die Überschüsse nicht weniger und es würde kein Interesse mehr daran entstehen, dass diese Übschüsse nicht mehr produziert werden.
27.05.2014
FranziL hat geschrieben:
Ich finde die Idee gut und bin ziemlich erstaunt, dass sie schon so alt ist.

@midori: Ich verstehe deine Bedenken, aber da es die Milchwirtschaft sowieso noch ettliche Jahre geben wird, kann man doch aus der Abfallmilch noch was sinnvolles herstellen.
15.05.2014
midori hat geschrieben:
@Line

Aber wenn Du es als Methode für die Zwischenzeit beschreibst, hat es ja auch keine Zukunft! ;o)

Also ich bin immer froh über neue und originelle Ideen, insbesondere wenn sie die Umwelt schützen. Aber nicht auf dem Rücken der Tiere! Davon müssen wir wegkommen :o)
15.05.2014
Line hat geschrieben:
@midori
natürlich ist das kein grund und so hatte ich das auch gar nicht gemeint.
ich bin auch der Meinung dass Bauern etwas anderes machen könnten und wir aufhören müssen Tiere zu missbrauchen, allerdings wird es bis dahin noch dauern und in der Zwischenzeit ist diese Methode gut um die ansonsten nicht verwertete milch zu gebrauchen.
es wird immer diskutiert dass wir zu viel wegschmeißen obwohl es noch verwendet werden könnte und für die milch, die wir durchaus nicht mehr trinken sollten, wäre dies eben die Verwendung.
15.05.2014
midori hat geschrieben:
@Line

"Die Kühe leiden sowieso" - Das ist kein Grund, die neue Kleidung zu rechtfertigen! Wenn wir immer so denken würden, hätte all das Leid auf der Erde nie ein Ende! Kein Tier dieser Welt sollte ausgebeutet werden, egal in welcher Form. Wenn wir eines Tages eine nachhaltige Zukunft haben wollen, müssen wir davon wegkommen, Tiere zu benutzen.

Selbst wenn es sich um alte Milch handelt, so hat sie bspw. trotzdem zum Klimawandel beigetragen - nicht nachhaltig.

Und die Bauern hätten auf jeden Fall Alternativen! Warum nicht Pflanzen anbauen, aus denen man Kleidung anfertigen kann?
14.05.2014
Helen98 hat geschrieben:
Ich finde die Idee von Kleidung aud Milch total interessant. Und das diese Idee schon so alt ist, finde ich auch total cool
14.05.2014
Line hat geschrieben:
ich finde die idee total gut und echt interessant, auch dass die idee eigentlich so alt ist und jetzt wieder aufgegriffen wurde.
veganer könnten diese kleidung natürlich nich anziehen(ich bin zwar keiner aber es ist ja offensichtlich ein von tieren stammendes produkt). auch die bedenken die midori und jayfeather geäußert haben teile ich. dennoch bin ich der meinung dass diese idee zukunft hat.
die kühe leiden für diese milch sowieso, da sie eh produziert würde. das macht die sache an sich zwar nicht besser aber sollte nicht wenigstens ein grund für das leiden der kühe existieren?! es wäre natürlich kontraproduktiv wenn dadurch die milchindustrie vergrößert würde, nicht jedoch wenn die bauern mehr geld bekommen würden. ich bin kein verfächter der tierhaltung, aber ich weiß dass es den bauern nicht so gut geht und bin durchaus der meinung dass man ihnen den mehrverdienst gönnen könnte, solange nicht mehr tiere dadurch leiden müssen.
wenn man die sache richtig angeht und bei der vermarktung gewisse regeln einhält, hat diese idee meines erachtens durchaus zukunft!!
14.05.2014
Jayfeather hat geschrieben:
ich bin nicht ganz sicher ob ich das so gut finde...
wie midori schon sagt, die Kühe leiden trotzdem. Vor allem können die Landwirte noch mehr geld verdienen, indem sie die Milche, die sie eig. wegschütten würden verkaufen können. Das würde dann vlt. zu einer vergößerung der milchindustrie führen...
Da würde ich her versuchen andere Verfahren Kleidung herzustellen umweltfreundlicher zu machen.
14.05.2014
midori hat geschrieben:
Also einerseits sehe ich darin einen sinnvollen Ansatz, ökologische Kleidung herzustellen. Andererseits finde ich es unfassbar! Denn es ist zwar schön und gut, dass 'schlechte' Milch verwendet wird, aber nachhaltig und tierleidfrei ist das dennoch nicht und für mich deshalb auch absolut keine Kleidung mit Zukunft. Die Kälber werden ihren Müttern direkt nach der Geburt entrissen und entweder gemästet oder selbst zur Gebärmaschine aufgezogen - natürlich mit Milchersatznahrung! Ich möchte diesen Kreislauf in keinster Weise unterstützen.

Für mich geht Tierschutz an dieser Stelle eindeutig vor! Im Großen und Ganzen also eine gute Idee, aber keine für die Zukunft...
14.05.2014
GreenWitch hat geschrieben:
Ich frage mich, ob Veganer das tragen würden...eigentlich ja nicht, oder?! (Falls das einer liest, würd ich's echt gern wissen!)

Ich versuche weitesgehend auf Tierprodukte in Kleidung zu verzichten, aber ich glaub, dazu könnte man mich überreden. Eigentlich sind es in diesem Fall ja Recyclingprodukte.
Eine ungewöhnliche Idee gut umgesetzt. Ich bin neugierig wie's weitergeht.
13.05.2014
EvaUll hat geschrieben:
Sehr interessanter bericht, danke!
Ich finde es echt gut, dass milch verwendet wird, die sowieso nicht mehr verwendet werden würde/im müll landen würde :)
13.05.2014
somebodywholovesourearth hat geschrieben:
Die Idee finde ich echt Genial!
Aber ich hoffe, dass die Preise für diese Fasern nicht zu hoch werden..
13.05.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Danke für den Bericht! Die Idee finde ich echt spannend und sinnvoll.
13.05.2014
Julischatten hat geschrieben:
Super!
Danke für den tollen Bericht.
Sicher ist das nur der Anfang einer ganz neuen Reihe von Erfindugen Lebensmittel sinvoll zu verwenden wenn sie ungenießbar sind :)
13.05.2014
Sophie1 hat geschrieben:
Die Idee ist echt super :) Hätte nicht gedacht, dass man aus Milch Kleidung herstellen kann :)
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